Diese Arbeit vergleicht die sozioökonomische Chancengerechtigkeit in Deutschland und Norwegen anhand der PISA-Studie von 2018. Während in Deutschland ein starker Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Hintergrund und Lesekompetenz besteht, ist dieser in Norwegen deutlich geringer. Die zentrale Frage lautet: "Warum ist die Chancengerechtigkeit in Deutschland niedriger als in Norwegen?". Nach einer Einführung in den Begriff der Chancengerechtigkeit und der Darstellung der PISA-Ergebnisse werden mögliche politische Ursachen analysiert. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sozioökonomische Chancengerechtigkeit
3 Hypothesenformulierung
4 PISA 2018
4.1 Ergebnisse Deutschland
4.2 Ergebnisse Norwegen
5 Deutschland
5.1 Bildungssystem
5.2 Bildungspolitik
6 Norwegen
6.1 Bildungssystem
6.2 Bildungspolitik
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die signifikanten Unterschiede in der sozioökonomischen Chancengerechtigkeit im Bildungswesen zwischen Deutschland und Norwegen. Ziel ist es, auf Basis der PISA-Studie 2018 zu analysieren, warum der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Schulerfolg in Deutschland deutlich stärker ausgeprägt ist als in Norwegen, und welche bildungspolitischen Faktoren diesen Unterschied begünstigen.
- Vergleich der Bildungssysteme von Deutschland und Norwegen
- Analyse der PISA-Ergebnisse 2018 zur Chancenungerechtigkeit
- Einfluss von Primär- und Sekundäreffekten nach Boudon
- Bedeutung von frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung (FBBE)
- Rolle von Schulstruktur und Selektionszeitpunkten im Bildungsprozess
Auszug aus dem Buch
Sozioökonomische Chancengerechtigkeit
Zunächst soll der Begriff der Gerechtigkeit von der Gleichheit abgegrenzt werden, da diese in der Vergangenheit von zahlreichen Wissenschaftlern und Forschern synonym verwendet wurden und werden und eine große Verwirrung bei der Anwendung der Begrifflichkeiten vorliegt. Die Abgrenzung der beiden Konzepte aus Espinoza (2007) soll in dieser Arbeit Anwendung finden. Gerechtigkeit (Equity) wird oft in Verbindung mit Fairness und der Gerechtigkeit bei der Bereitstellung von Bildung oder anderen Leistungen assoziiert und berücksichtigt dabei auch die individuellen Umstände. Die Gleichheit (Equality) meint insbesondere die Gleichbehandlung von Personen. Dabei führt mehr Gerechtigkeit nicht zwangsläufig auch zu mehr Gleichheit, sondern im Gegenteil eher zu weniger Gleichheit. Als Beispiel kann hier der Zugang zur Hochschulbildung genannt werden. In diesem Zusammenhang würde man von Gleichheit sprechen, wenn allen Menschen uneingeschränkter Zugang zur Hochschulbildung gewährt wird. Gerecht ist in diesem Beispiel die Selektion der Personen, die einen Zugang zur Hochschulbildung erhalten, um auf diese Weise Personen für Schlüsselpositionen auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft herauszufiltern.
Der Chancengerechtigkeit/Chancenungerechtigkeit bzw. Bildungsgerechtigkeit/Bildungsungerechtigkeit widmet sich die Forschung insbesondere seit den 1960er Jahren in Europa. Betrachtet man die Chancenungerechtigkeit kommt man nicht umhin, sich eingehender mit den französischen Soziologen und Philosophen Pierre Bourdieu und Raymond Boudon zu beschäftigen. In seinem (gemeinsam mit Jean-Claude Passeron) veröffentlichten Werk „Die Illusion der Chancengleichheit“ (1971) unterstellt Bourdieu, dass es in einer sozialen Welt keine wirkliche Chancengleichheit geben kann. Er teilt die Gesellschaft in verschiedene Klassen, in Abhängigkeit ihrer Kapitalausstattung (ökonomisch, kulturell, sozial und symbolisch als Summe der drei Kapitalarten) ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Chancenungerechtigkeit im Bildungswesen sowie Darlegung der Fragestellung und Datengrundlage der Arbeit.
2 Sozioökonomische Chancengerechtigkeit: Theoretische Abgrenzung der Begriffe Gerechtigkeit und Gleichheit sowie soziologische Einordnung des Konzepts durch Ansätze von Bourdieu und Boudon.
3 Hypothesenformulierung: Aufstellung von Hypothesen zum Zusammenhang zwischen Bildungsweg, frühkindlicher Förderung und Chancengerechtigkeit basierend auf pädagogischer Forschung.
4 PISA 2018: Analyse der ländervergleichenden Ergebnisse Deutschland und Norwegen zur Korrelation zwischen sozioökonomischem Hintergrund und Schülerleistung.
5 Deutschland: Untersuchung des föderalen Bildungssystems, der Selektionsmechanismen und der bildungspolitischen Ansätze zur Förderung benachteiligter Schichten.
6 Norwegen: Darstellung des einheitlichen Schulwesens (Einheitsschule) und des bildungspolitischen Schwerpunkts auf Integration und frühkindliche Förderung.
7 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage durch den Vergleich der strukturellen Bedingungen beider Länder.
Schlüsselwörter
Chancengerechtigkeit, Bildungssystem, PISA 2018, Soziale Herkunft, Deutschland, Norwegen, Bildungspolitik, Bourdieu, Boudon, Schule, Leistungsfähigkeit, FBBE, Selektion, Sozialer Hintergrund, Bildungsgerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das übergeordnete Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der sozioökonomischen Chancengerechtigkeit im Bildungswesen, insbesondere mit dem Vergleich zwischen Deutschland und Norwegen.
Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?
Im Zentrum stehen die Auswirkungen der sozialen Herkunft auf den Schulerfolg, die Rolle des Bildungssystems (Selektion vs. Einheitsschule) und die Relevanz der frühkindlichen Bildung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet: Warum ist die sozioökonomische Chancengerechtigkeit bei deutschen Schülern signifikant niedriger als bei Schülern aus Norwegen?
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse auf Makro- bzw. Systemebene, basierend auf den Daten der PISA-Studie 2018 sowie soziologischen Theorien zu Bildungschancen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die PISA-Ergebnisanalyse sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der Bildungssysteme und Bildungspolitiken beider Länder.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Argumentation?
Wichtige Begriffe sind primäre und sekundäre Herkunftseffekte, "School for all", sozioökonomischer Status (ESCS) und Bildungspolitik.
Wie trägt die frühe Selektion in Deutschland zur Ungerechtigkeit bei?
Die deutsche Aufteilung der Schüler, oft schon nach der vierten Klasse, verstärkt den Einfluss der sozialen Herkunft, da Bildungsentscheidungen hier stark von den Elternhäusern beeinflusst werden.
Warum schneidet Norwegen im Vergleich besser ab?
Norwegen setzt auf ein einheitliches Schulsystem ohne frühe Trennung sowie auf eine starke Förderung durch frühkindliche Bildung, was den Einfluss des sozialen Hintergrunds auf die Leistung reduziert.
- Quote paper
- Leah Hamann (Author), 2022, Warum ist die sozioökonomische Chancengerechtigkeit bei deutschen Schülern signifikant niedriger als bei Schülern aus Norwegen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1478485