Was macht einen schweren Kinderschutzfall aus? Welche Gedanken und Gefühle treten bei der Kinderschutzarbeit auf? Wie gelingt die Bewältigung schwerer Kinderschutzfälle?
Im ASD sind die Mitarbeiter für den Kinderschutz verantwortlich. Dazu ist es wichtig, Verständnis für den Kinderschutz zu entwickeln. Ziel der Masterarbeit ist es anschließend, den Prozess schwerer Kindeswohlgefährdungen und daraus resultierende Bewältigungsstrategien im ASD zu untersuchen. Dazu wurde erarbeitet, wie Sozialarbeiter schwere Kinderschutzfälle definieren, erleben und bewältigen.
Für die Beantwortung des Forschungsvorhabens wurde eine qualitative Interviewstudie zu persönlichen Assoziationen der Kinderschutzarbeit mit ASD-Mitarbeitern initiiert. Die zentralen Ergebnisse zeigen, dass klare Vorstellungen vorliegen, wie ein schwerer Kinderschutzfall eingeschätzt wird. Besonders Fälle mit Säuglingen, misshandelten Kindern und ausgebildeten Folgeschäden definieren einen schweren Fall. In Folge dessen ist die Kinderschutzarbeit mit Emotionen oder schwer zu verarbeitenden Erlebnissen verbunden. Dazu gehören Wut oder Gewaltandrohungen. Zur Verarbeitung der schweren Fälle eignen sich besonders soziale Kontakte, persönliche Auszeiten oder eine sportliche Aktivität.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
I Theoretischer Teil
2 Der Allgemeine Soziale Dienst
2.1 Die Hauptaufgaben des ASDs
2.2 Gesetzliche Grundlagen
2.3 Kompetenzanforderungen
3 Stressoren und Belastungen
3.1 Stressmodelle
3.2 Bisher bekannte Belastungen der Mitarbeiter und deren Bewältigung im ASD
4 Kindeswohlgefährdung
4.1 Begriffsabgrenzung Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung
4.2 Bedürfnisse von Kindern für eine sichere Entwicklung
4.3 Formen von Kindeswohlgefährdung und deren Folgen
4.4 Aktuelle Befundlage
4.5 Anhaltspunkte bei drohender Kindeswohlgefährdung
II Empirischer Teil
5 Forschungsmethodik
5.1 Feldzugang und Sample
5.2 Erhebungsinstrument – Das leitfadengestützte Interview
5.3 Durchführung und Datenaufbereitung
5.4 Auswertungsmethode – Die strukturierte Inhaltsanalyse
6 Darstellung der Ergebnisse aus Sicht der Mitarbeiter im ASD
6.1 Schwere Fälle und Belastungen
6.1.1 Mehrseitige und unklare Problemlagen
6.1.2 Sehr junge Kinder
6.1.3 Gewalt an Kindern
6.1.4 Folgeschäden für das Kind
6.1.5 Besondere Merkmale in der Kinderschutzarbeit
6.1.6 Konfrontation mit eigener Situation
6.2 Gefühle und Gedanken während der Kinderschutzarbeit
6.2.1 Gedanken zur Kinderschutzarbeit
6.2.2 Wut, Ärger und Frust
6.2.3 Trauer und Mitleid
6.2.4 Anspannung und Erleichterung
6.2.5 Hilflosigkeit
6.2.6 Emotionen ablegen für professionelles Agieren am Klienten
6.2.7 Innere Erleben nach der Kinderschutzprüfung
6.3 Unsicherheiten in der Fallarbeit
6.3.1 Fehlende Information und daraus resultierende Fehler
6.3.2 Erlebte Gewalt
6.4 Schwerwiegende Erlebnisse während der Kinderschutzarbeit
6.4.1 Drohungen gegen Mitarbeiter
6.4.2 Total vermüllte Wohnungen mit kleinen Kindern
6.5 Individuelle Bewältigungsstrategien
6.5.1 Freunde, Familie und Bekannte zum Reden
6.5.2 Ruhe und Zeit für sich selbst
6.5.3 Sport, Natur und Hobbys
6.5.4 Die Sachgebietsleitung und Kollegen
6.5.5 Innere Einstellung und Haltung
6.5.6 Ablenkung durch Medien
6.5.7 Supervision und interdisziplinäre Besprechungsgruppen
7 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
7.1 Schwere Kindeswohlgefährdungen
7.2 Erleben schwerer Kindeswohlgefährdungen
7.3 Bewältigungsstrategien gegen Belastungen
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Masterarbeit ist die Untersuchung des Erlebens schwerer Kindeswohlgefährdungen sowie der daraus resultierenden Bewältigungsstrategien von Mitarbeiter*innen im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD). Die Forschungsfrage richtet sich darauf, wie Sozialarbeiter diese Fälle definieren, emotional erleben und mit den damit verbundenen Belastungen professionell umgehen.
- Berufliche Belastungen im ASD in Kontext von schweren Kinderschutzfällen
- Definition und Wahrnehmung schwerer Kindeswohlgefährdung
- Emotionale Verarbeitung und mentale Selbstfürsorge
- Individuelle und institutionelle Bewältigungsmuster (Coping)
- Rolle von Supervision, Teamunterstützung und professioneller Haltung
Auszug aus dem Buch
Der Extremfall – Todesfall
Mit dem Todesfall eines Kindes wird das Schlimmste angesprochen, was ein ASD-Mitarbeiter erleben kann. Welche Hinweise lassen sich finden, um diese Extremsituation zu verarbeiten? Als erstes ist eine gezielte Aufarbeitung relevant, um in erneuten Kinderschutzfällen nicht mit den Erinnerungen konfrontiert zu werden. Denn erlebt man den Tod oder schwer misshandelte Kinder, kann dies Trauer, Schock und Entsetzen auslösen.
Darüber hinaus bilden sich Wut, Verachtung und Unverständnis gegen den Verursacher. Diese Emotionen basieren nicht auf der fachlichen Ebene. Sie sind normaler Bestandteil des menschlichen Gefühlsbildes. Danach fällt die Fachkraft in Zweifel. Zweifel, ob die bewilligte Hilfeart die Richtige war oder die Tat hätte verhindert werden können, wenn man die Familie stärker kontrollieren würde. Man stellt demzufolge sein eigenes professionelles Handeln in Frage (vgl. Wittner 2006, Kap. 129-1).
Zusammenfassung der Kapitel
2 Der Allgemeine Soziale Dienst: Einführung in die Kernaufgaben, rechtlichen Rahmenbedingungen und Kompetenzanforderungen der Sozialarbeiter im ASD.
3 Stressoren und Belastungen: Theoretische Auseinandersetzung mit Stressmodellen und Identifikation bekannter beruflicher Belastungsfaktoren im Arbeitsalltag des Allgemeinen Sozialen Dienstes.
4 Kindeswohlgefährdung: Definition des Begriffs der Kindeswohlgefährdung (KWG), Darstellung von Grundbedürfnissen von Kindern und Erläuterung verschiedener Formen von Gefährdungen.
5 Forschungsmethodik: Detaillierte Beschreibung der qualitativen Interviewstudie, des Feldzugangs, des Samples und der strukturierten Inhaltsanalyse zur Ergebnisgewinnung.
6 Darstellung der Ergebnisse aus Sicht der Mitarbeiter im ASD: Zentrale Analyse der empirischen Daten zu Belastungssituationen, emotionalem Erleben, Unsicherheiten und individuellen Bewältigungsstrategien der Mitarbeiter.
7 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse: Synthese der Forschungsergebnisse im Abgleich mit der theoretischen Fachliteratur und Beantwortung der Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Allgemeiner Sozialer Dienst, Kindeswohlgefährdung, Kinderschutz, Belastung, Coping, Bewältigungsstrategien, Supervision, Inobhutnahme, Arbeitsbelastung, emotionale Verarbeitung, Resilienz, professionelle Distanz, Teamarbeit, Kindeswohl, Sozialarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Erleben und die Bewältigung von schwerwiegenden Kindeswohlgefährdungsfällen durch Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Neben den beruflichen Anforderungen und Belastungssituationen im ASD stehen das emotionale Erleben sowie individuelle und institutionelle Coping-Strategien im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es zu erarbeiten, wie Sozialarbeiter schwere Kinderschutzfälle individuell wahrnehmen, welche Gedanken und Gefühle dabei auftreten und welche Mechanismen zur Bewältigung erfolgreich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf leitfadengestützten Interviews mit sechs Fachkräften basiert, deren Ergebnisse mittels strukturierter Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Stress und Kinderschutz sowie in den empirischen Teil, der die erhobenen Daten zu Belastungen, Gefühlen und Bewältigungsweisen im ASD detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind ASD, Kindeswohlgefährdung, Kinderschutz, emotionale Verarbeitung, Supervision sowie individuelle Coping-Strategien.
Gibt es spezielle Vorgehensweisen bei der Konfrontation mit der eigenen Situation?
Ja, die Studie zeigt, dass Mitarbeiter versuchen, während der Fallprüfung professionell zu agieren und Emotionen gezielt abzulegen („Panzer-Strategie“), wobei sie sich oft intensiv im Team austauschen, um Belastungen abzubauen.
Welche Rolle spielt die Sachgebietsleitung?
Die Leitung dient als wichtige Bewältigungsquelle, die entlastende Gespräche ermöglicht, Supervision initiiert und den Mitarbeitern in hochstrittigen Fällen unterstützend zur Seite steht.
- Arbeit zitieren
- S. Herrmann (Autor:in), 2023, Schwerwiegende Fälle der Kindeswohlgefährdung im Allgemeinen Sozialen Dienst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1478644