In dieser Arbeit soll die Funktion der Gerüchte in Heinrich Kleists Drama "Die Familie Schroffenstein" analysiert werden. Zunächst wird im Allgemeinen die Funktion eines Gerüchts erläutert, danach das Gerücht als soziale Erscheinung dargestellt und seine kommunikative Ebene vermittelt. Darauf folgend wird die Modellierbarkeit des Geredes im Hinblick auf ihre Kommunikationskanäle, Paraphrasierungen und Vermittlungsstruktur hin untersucht. Nach dieser Betrachtung liegt der Fokus auf Ovids "fama" und dessen Bildlichkeit.
Inwieweit lassen sich Gerüchte in diesem Drama finden? Welche Aufgabe erfüllen diese? Können Gerüchte die soziale Gemeinschaft zerstören und sogar für den Tod eines Menschen verantwortlich sein? Alle diese Fragen und Aspekte der einzelnen Abschnitte werden in die Analyse eingebunden und versucht zu beantworten. Nach dieser folgt ein Fazit, indem noch einmal die wichtigsten Aussagen und Erkenntnisse zusammen gefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Funktion des Gerüchts
2.1 Das Gerücht als soziale Erscheinung
2.2 Kommunikation des Gerüchts
2.3 Theoretische Modellierbarkeit von Gerüchten
2.3.1 Kommunikationskanäle der Gerüchte
2.3.2 Paraphrasierende Mitteilung
2.3.3 Die Vermittlungsstruktur des Geredes
3 Ovids fama: Bildhaftes Konzept des Gerüchts
3.1 bona fama und fama mala
4 Analyse: Die Gerüchte in „Familie Schroffenstein“
4.1 Funktion des Gerüchts in „Familie Schroffenstein“
4.2 Gerücht als soziale Erscheinung im Drama
4.3 Kommunikation des Geredes
4.4 Modellierbarkeit des Gerüchts im Drama
4.5 Fama und „Familie Schroffenstein“
5 Fazit
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Funktion und Wirkungsweise von Gerüchten in Heinrich von Kleists Drama „Die Familie Schroffenstein“. Dabei wird untersucht, wie sich unbestätigte Informationen in einer kollektiven Kommunikationsstruktur verselbstständigen, soziale Gefüge destabilisieren und letztlich zu tragischen Konsequenzen führen können.
- Theoretische Fundierung des Phänomens Gerücht als soziales und kommunikatives Instrument.
- Analyse der Rolle von Ovids mythologischem Konzept der „fama“.
- Untersuchung der Mündlichkeit und der daraus resultierenden Fehlinterpretationen im Drama.
- Darstellung des Zusammenhangs zwischen Informationsknappheit, Gerüchtebildung und gewaltsamen Konflikten.
- Reflektion über die Macht des Wortes und die zerstörerische Kraft des gesellschaftlichen Geredes.
Auszug aus dem Buch
Die Vermittlungsstruktur des Geredes
Was passiert, wenn zwei Aussagen gegeneinander stehen? Wem schenkt der Adressat dann den Glauben an die Wahrheit? Wird von einer Tat berichtet, bei der keiner der Adressanten anwesend war, ist es schwierig, die wahre Information herauszufiltern. Besonders bei Texten mit Paraphrasierung ist, wie im Abschnitt 2.3.1 schon erwähnt, eine Mehrzahl an Deutungsmöglichkeiten vorhanden. Versucht man die Beweggründe einer Tat zu rekonstruieren, werden automatisch viele Mutmaßungen laut. Eine Vielzahl von Hypothesen kann auch dazu führen, dass die Handlung bzw. die Tat an sich in Frage gestellt wird. Geschichten und Dramen, die auf Gerüchten bzw. Gerede basieren, fußen somit meist auch auf einem Konflikt der Protagonisten. In diesen Handlungen nutzt der Erzähler dieses Gerede für die eigene Kommunikation. Somit entstehen kommunikative Vermittlungsprozesse, die sich gegenseitig bedingen und nebeneinander stehen. Es handelt es sich dabei um Kommunikationsvorgänge, die ihre Botschaft immer wieder selbst produzieren. Es ist somit kein einfacher Übertragungsprozess, sondern es handelt sich um einen Transformationsprozess.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das universelle und zeitlose Phänomen des Gerüchts ein und skizziert die Fragestellung bezüglich dessen Wirkung im Kleist-Drama.
2 Die Funktion des Gerüchts: Dieses Kapitel ergründet die theoretischen Grundlagen des Gerüchts als Instrument zur Angstreduktion, Informationsverbreitung und als dynamisches, soziales Konstrukt.
3 Ovids fama: Bildhaftes Konzept des Gerüchts: Hier wird das antike Konzept der Fama als allegorische Personifizierung des Gerüchts thematisiert, die ambivalente Aspekte von Ruhm und Verleumdung vereint.
4 Analyse: Die Gerüchte in „Familie Schroffenstein“: Der Hauptteil analysiert konkret, wie Gerüchte als treibende Kraft für Missverständnisse und Gewalt in Kleists Tragödie fungieren.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Gerücht ein unkontrollierbares, zerstörerisches Element ist, das in der untersuchten Tragödie letztlich die Vernichtung der familiären Zukunft besiegelt.
6 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Gerücht, Kommunikation, Familie Schroffenstein, Heinrich von Kleist, Fama, Mündlichkeit, soziale Erscheinung, Informationsknappheit, Missverständnis, Paraphrasierung, Konflikt, Tragödie, Manipulation, Hörensagen, Wissenslücke
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Gerüchts und dessen fatale Auswirkungen im Kontext des Dramas „Die Familie Schroffenstein“ von Heinrich von Kleist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Dazu gehören die theoretischen Grundlagen der Gerüchtebildung, die kommunikationswissenschaftliche Analyse der Wirksamkeit von Gerede sowie die literaturwissenschaftliche Ausarbeitung der Fama-Metaphorik im Drama.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Publikation?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Gerüchte in einer kommunikativ anfälligen Gemeinschaft entstehen, sich als vermeintliche Wahrheit etablieren und schließlich zu einer tragischen Zerstörung der Protagonisten führen.
Welche methodischen Ansätze werden zur Analyse genutzt?
Die Autorin kombiniert kulturwissenschaftliche Theorien zum Gerücht (u.a. Fohrmann, Neubauer) mit einer textnahen Analyse des Kleistschen Dramas.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Modelle zum Kommunikationsverlauf von Gerüchten vorgestellt als auch spezifische Szenen aus dem Drama analysiert, in denen Gerüchte den Verlauf der Handlung maßgeblich beeinflussen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Gerücht, Mündlichkeit, Fama, soziale Manipulation, Informationsknappheit und der daraus resultierende fatale Konflikt zwischen den Häusern.
Welche Funktion hat die im Text erwähnte Fama konkret im Drama?
Sie fungiert als allegorische Kraft des Übels, die durch ungeprüfte Behauptungen und Misstrauen die feindselige Stimmung zwischen den Häusern Rossitz und Warwand befeuert.
Warum wird im Kontext des Dramas der Begriff des „Erbvertrags“ so wichtig?
Der Erbvertrag dient als ökonomischer und machtpolitischer Hintergrund, der das ohnehin bestehende Misstrauen verstärkt und Raum für Gerüchte über mögliche Morde und Verschwörungen bietet.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Mündlichkeit?
Die Mündlichkeit wird als primäres Medium für die Ausbreitung von Gerüchten gesehen, da sie durch Fehler bei der Weitergabe und fehlende Korrekturmöglichkeiten zur Verselbstständigung gefährlicher Falschmeldungen beiträgt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Die Funktion des Gerüchts in Heinrich Kleists Drama "Die Familie Schroffenstein", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1478657