Die vorliegende Lehrprobenstunde stellt die vierte Unterrichtsstunde innerhalb der achtstündigen Unterrichtseinheit »Gleichnisse« dar. Sie dient in erster Linie zur Hinführung der Bearbeitung und (schrittweisen) Erschließung des »Gleichnisses von den Talenten«, bzw. des »Gleichnisses vom anvertrauten Geld« aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 25,14-30).
Die Schüler sollen in dieser Unterrichtsstunde handelnd - vor allem durch die Gestaltung eines individuellen Bodenbildes - die wesentlichen Eigenschaften von Talenten sowie die Besonderheiten ihrer eigenen Talente entdecken und diese zur Sprache bringen. Dabei soll ihnen nicht nur bewusst werden, dass ein Talent eine wertvolle Gabe ist, die sie sich weder aussuchen, noch mit jemand anderem tauschen können. Vielmehr sollen sie ihre eigenen Talente und auch die der anderen Schüler wertschätzen lernen und dabei erkennen, dass es in ihrer eigenen Verantwortung liegt, ob und in welcher Weise sie ihre Talente nutzen.
Davon ausgehend, dass der Umgang mit Metaphern und der religiösen Sprache der Gleichnisse für viele Schüler der Klassenstufe 6 noch sehr schwierig ist, wurden in den ersten beiden Stunden der Einheit zunächst die Bildsprache und die Doppeldeutigkeit von Wörtern, Sätzen und Redewendungen (d.h. das Gemeinte, das über das Gesagte hinausgeht) behandelt. Zur Vorbereitung auf die vorliegende Stunde wurden zudem die unterschiedlichen Fähigkeiten und Stärken der Schüler thematisiert und zur Sprache gebracht. Um den Zugang zur »Reich-Gottes-Botschaft« Jesu zu erweitern, schließt sich in der sechsten und siebten Unterrichtsstunde die Behandlung des »Gleichnisses vom Senfkorn« (Mk 4, 30-32) an. In einer abschließenden Stunde wird der »Reich-Gottes-Begriff« erneut aufgegriffen und vertiefend thematisiert, indem die Schüler anhand ihrer eigenen Lebenswirklichkeit Sätze zum »Reich-Gottes« formulieren.
Inhaltsverzeichnis der Lehrprobe
0. Vorwort
1. Bedingungsfeld
1.1 Schule und Situation des LAA
1.2 Klasseninterne Bedingungen/Bedingungen der Lerngruppe
2. Sachanalyse
2.1 Der Begriff »Talent«
2.2 Gleichnisse
3. Didaktische Analyse
3.1 Didaktische Überlegungen zum Umgang mit Gleichnissen im Religionsunterricht
3.2 Einordnung des Themas im Lehrplan
3.3 Lernvoraussetzungen in Bezug auf die Sache
3.4 Didaktische Reduktion
4. Lernziele
5. Methodische Entscheidungen
5.1 Ganzheitliches und sinnorientiertes Lernen mit der »Kett-Methode«
5.2 Lernvoraussetzungen bezüglich der Methode
5.3 Darstellung der Unterrichtsschritte und deren Begründung
6. Verlaufsplanung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit dient der didaktischen Vorbereitung einer Lehrprobenstunde zum »Gleichnis von den Talenten«. Zentrales Ziel ist es, den Schülern durch einen ganzheitlichen, erfahrungsorientierten Zugang die Eigenschaften von Talenten nahezubringen und sie zu befähigen, ihre eigenen individuellen Stärken und Fähigkeiten zu erkennen sowie deren Wertschätzung in den eigenen Lebenskontext zu integrieren.
- Erarbeitung der Grundlagen zu Gleichnissen im Religionsunterricht
- Vermittlung des Begriffs »Talent« in seiner biblischen und heutigen Bedeutung
- Anwendung der »Kett-Methode« zur ganzheitlichen Gestaltung von Bodenbildern
- Reflexion über eigene Begabungen und deren bewussten Einsatz
Auszug aus dem Buch
3.1 Didaktische Überlegungen zum Umgang mit Gleichnissen im Religionsunterricht
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Gleichnisse vor allem »allegorisierend« ausgelegt, das heißt, den einzelnen Begriffen des Gleichnisses ist ein anderer Sinn zugeschrieben worden, als er sprachlich dargestellt war. Es ging dabei nicht um die Betrachtung der in den Gleichnissen dargestellten alltäglichen Vorgänge, sondern darum, dahinter eine zweite Wirklichkeit - im Sinne eines »Codes« - zu sehen, die den tieferen Sinn erschließt. Für »Uneingeweihte« wurden Gleichnisse damit zu Geschichten, deren Sinn sie nicht erschließen konnten. Adolf Jülicher, der als Pionier der Gleichnisforschung gilt, widersprach dieser traditionellen Gleichnisinterpretation (Allegorese) und somit auch der Vorstellung, Jesus hätte in Gleichnissen absichtlich in solch »verhüllender« Weise gesprochen.
Jülichers Vorbehalt gegen eine allegorische Auslegung der Gleichnisse Jesu hat die Gleichnisdidaktik stark beeinflusst, sodass dieser Ansatz bis heute vertreten wird. Anstatt Gleichnisse allegorisch zu deuten, führte Jülicher in seiner Gleichnisauslegung allerdings die Unterscheidung zwischen Sach- und Bildhälfte ein. Den Text des Gleichnisses, in dem, wie bereits erwähnt, oftmals ein natürlicher Vorgang beschrieben wird, bezeichnete er als Bildhälfte. Die Sachhälfte dagegen war für Jülicher das eigentliche Thema des Gleichnisses, also meist die Botschaft vom »Reich-Gottes«. Zudem stellte er die These auf, dass Gleichnisse auf einen so genannten »Vergleichspunkt« hin angelegt seien und die Erfassung dieses Vergleichspunktes zum richtigen Verstehen und zur Deutung des Gleichnisses notwendig sei.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Vorwort: Einleitung in den Kontext der Lehrprobenstunde als Teil einer Unterrichtseinheit zum Gleichnis von den Talenten.
1. Bedingungsfeld: Beschreibung der schulischen Rahmenbedingungen und der Lernvoraussetzungen der Lerngruppe.
2. Sachanalyse: Herleitung des Begriffs »Talent« und eine fachliche Einordnung der Gleichnisgattung.
3. Didaktische Analyse: Diskussion der erziehungswissenschaftlichen Ansätze zum Umgang mit Gleichnissen und Einordnung in den Lehrplan.
4. Lernziele: Definition der Grob- und Feinziele für den Lernprozess der Schüler.
5. Methodische Entscheidungen: Erläuterung des Einsatzes der Kett-Methode und der geplanten Unterrichtsphasen.
6. Verlaufsplanung: Detaillierte tabellarische Darstellung der geplanten Unterrichtsabläufe und Zeitstruktur.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Gleichnisse, Talentbegriff, Kett-Methode, Bodenbild, Ganzheitliches Lernen, Religionspädagogische Praxis, Reich-Gottes-Botschaft, Identitätsfindung, Begabungen, biblische Überlieferung, Lebenswirklichkeit, Schülerorientierung, Didaktische Reduktion, Wertschätzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung und methodischen Gestaltung einer Unterrichtsstunde im Fach Katholische Religion zum Gleichnis von den Talenten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der biblische Begriff des Talents, die didaktische Vermittlung von Gleichnissen und die Förderung der Schüler durch kreative Lernmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Schülern der 6. Klasse zu ermöglichen, ihre eigenen Stärken und Talente handelnd zu entdecken und deren Bedeutung als wertvolle Gaben zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die »Religionspädagogische Praxis« (RPP) nach Franz Kett, welche einen ganzheitlichen und handlungsorientierten Zugang durch Bodenbilder nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Sachanalyse, didaktische Überlegungen zum Umgang mit Gleichnissen, Lernziele und die konkrete methodische Verlaufsplanung der Stunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Religionsunterricht, Talent, Kett-Methode, Bodenbilder und Ganzheitliches Lernen.
Warum wird die Kett-Methode in dieser Stunde eingesetzt?
Sie wird eingesetzt, um das Lernen ganzheitlich zu gestalten, die Schüler in ihrem Personenzentrum zu berühren und ihnen eine haptisch erfahrbare Auseinandersetzung mit ihren Talenten zu ermöglichen.
Wie gehen die Schüler konkret mit ihren Talenten um?
Die Schüler nutzen eine sogenannte Talenttasche mit diversen Legematerialien, um ein individuelles Bodenbild zu gestalten, welches ihre persönlichen Fähigkeiten symbolisiert.
Welche Rolle spielt die Reflexion am Ende der Stunde?
Die Reflexion dient der gegenseitigen Würdigung der Gestaltungsergebnisse und hilft den Schülern, ihre Erkenntnisse über ihre Begabungen bewusst in Worte zu fassen.
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- Sebastian Schmidt (Author), 2009, "Ich entdecke und gestalte mein Talent" als Thema für eine katholische Lerngruppe der Klasse 6, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147968