Die Zeitauffassung des Aurelius Augustinus


Hausarbeit, 2009

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Zeitauffassung des Aurelius Augustinus
1. Augustinus' Leben
2. Augustinus' Epoche
3. Augustinus' Metaphysik
4. Die Vorgeschichte des Zeitbegriffs
5. Die Zeitlehre des Augustinus

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Was ist Zeit? Welches Phanomen des Alltags ist uns bekannter und dennoch unbegreifbarer als die Zeit?

Einerseits ist uns allen nichts selbstverstandlicher als die Zeit: wir wissen wie spat es ist, wir machen Plane fur morgen, wir erzahlen von gestern, wir erinnern uns an Jubilaen, wir beklagen uns wie schnell die Zeit vergeht, manchmal haben wir keine Zeit und gelegentlich scheint die Zeit stehengeblieben.

Andererseits, wie auch die fast zweieinhalbtausendjahrige Geistesgeschichte zeigt, gibt es viele Zeittheorien, aber bis auf den heutigen Tag keine einheitliche ,Zeitformel‘. Die Philosophie und die Fachwissenschaften untersuchen unterschiedliche Schwerpunkte und Frageninteressen ontologischer, erkenntnistheoretischer, psychologischer, wissenschaftstheoretischer, geschichtlicher und kulturabhangiger Art und daraus entstehen unterschiedliche Antworten.

Augustinus hat bereits vor uber eineinhalbtausend Jahren die Paradoxie der Zeit erkannt. Seine sprichwortlich gewordene Redewendung: ,,Denn was ist Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiG ich's, will ich's aber einem Fragenden erklaren, weiG ich's nicht."[1], deutet auf die Schwierigkeit der Losbarkeit des Zeit-Ratsels.

Um die groGe Bedeutung der augustinischen Zeittheorie explizit zu machen, muss im Vorfeld Augustinus' Leben, die philosophische Epoche in der Augustinus lebte, Augustinus' Metaphysik und die Vorgeschichte des Zeitbegriffes geschildert werden.

Augustinus entwickelte seine beruhmte Zeitlehre im elften Buch der „Bekenntnisse“. Die Analyse der Zeitauffassung des Augustinus wird vorwiegend anhand dieses Werkes durchgefuhrt.

Die Zeitauffassung des Aurelius Augustinus

1. Augustinus1 Leben

Aurelius Augustinus, der groGte Denker der lateinischen Patristik, ist am 13. November 354 n.Chr. in der Kleinstadt Thagast, damals romische Provinz Numidien, heute Souk-Ahras in Algerien, geboren. Er ist der Sohn des heidnischen Beamten Patricius und der Christin Monica. Augustinus schlagt zunachst die Laufbahn eines Rhetors ein. Im Verlauf seines Studiums in Karthago lernt er Ciceros Schriften kennen, die ihn nicht nur als rhetorische Werke beindrucken, sondern daruber hinaus (vor allem der „Hortensius“) fur die Philosophie begeistern. Verglichen damit erscheint ihm die Bibel ungebildet und wertlos. In den Jahren 373 wahrend seiner Lehrtatigkeiten in Thagaste und Karthago schlieGt sich der Manichaismus[2]an. Spater, als er die Unhaltbarkeit manichaischer Spekulationen einsieht, nahert er sich an dem Skeptizismus[3]384 geht er als Professor nach Mailand, dem damaligen Zentrum des romischen Kaiserreiches. 385 wird er offizieller Redner des Kaisers. Dort lernt er die Philosophie der Neuplatoniker kennen. In der Augustinus-Forschung spricht man von einem „Mailander Zirkel“ philosophisch-neuplatonisch gebildeter Intellektueller, zu dem Augustinus Kontakt aufnimmt. Bischof Ambrosius, dessen neuplatonisch angereicherte Predigten er frequentiert, zahlt dazu. In 386 fallt Augustinusi Abwendung von der Rhetorik und seine Hinwendung zum christlichen Glauben. Er schreibt seine ersten philosophischen Schriften: „Contra Academicos" (er versucht die Skepsis der mittleren Akademie unter Berufung auf die Logik und alltagliche Praxis zu widerlegen), „De beata uita" und „Soliloquia" („Selbstgesprache“, in dem Augustinus einen „inneren Dialog" mit Gott fuhrt). 387 wird er vom Bischof Ambrosius getauft. Seine philosophische Schrift „De immortalitate animae" und die Lehrbucher „De dialectica", „De rethorica" und „De grammatica" stammen aus diesem Jahr. 388 kehrt Augustinus in seine Heimat zuruck und fuhrt ein zuruckgezogenes, philosophischen Gesprachen gewidmetes Leben, mit Freunden und Schulern. In dieser Periode verfasst er mehrere antimanichaische und philosophische Schriften sowie Lehrbucher. Auf einer Reise nach Hippo Regius wird er 391 durch Bischof Valerius zum Priester ordiniert. Ab 396 bis zu seinem Tod, am 28. August 430, wirkt er dort als Bischof. Von Bischof Ambrosius, den Neuplatonikern Plotin und Porphyrius beeinflusst, bekampfte Augustinus u.a. die Skeptiker, die Manichaer, die Pelagianer (Vertreter der absoluten Willensfreiheit). Er begrundete die Trinitatslehre mit psychologischen Analogieargumenten (,,De trinitate", 399­419), artikulierte eine theologische Geschichtsphilosophie aus dem Antagonismus der weltlichen Staaten zum (kirchlichen) Gottesstaat (De Civitate Dei, 426) und schrieb in seinen ,,Confessiones"[4] (um 397) die erste abendlandische Selbstbiographie.

Wahrend die altere Augustinus-Forschung in der Fragestellung befangen war, ob Augustinus' Bekehrung eine zur platonische Philosophie (W. Thimme, P. Alfaric) oder zum christlichen Glauben (C. Boyer, J. Norregaard) gewesen sei, ist seit W. Kamlah und P. Courcelle nahezu einhellig anerkannt, dass christlicher Glaube und platonische Philosophie fur ihn eine Einheit bilden.[5]

2. Augustinus' Epoche

Augustinus lebte in der Epoche der Patristik, charakterisiert durch Entstehung und Konsolidierung einer ,,christlichen Philosophie" als wissenschaftliche Unterlage der kirchlichen Dogmatik. Philosophiegeschichte dieser Epoche ist fast vollstandig Kirchen- und Theologiegeschichte. In der Epoche der Patristik hat der Neuplatonismus eine absolute Vorherrschaft. Neuplatonismus ist Spiritualismus, der alles als Geistiges und aus Geistigem erklart. Die allgemeine Charakteristik des Neuplatonismus dieser Zeit bleibt beibehalten: Sein ist Denken und Sein, das denkt, ist Geist. Das Geistige ist zugleich das Wesen der Wirklichkeit. Im Vordergrund der Patristik steht der Ausbau der spirituellen Seinpyramide, die Frage nach der alles begrundenden Arche, der Moglichkeit ihrer Erkenntnis und der Ableitbarkeit alles Ubrigen aus ihr.[6]

3. Augustinus1 Metaphysik

Augustinus hat dem Neuplatonismus eine „Wende zum Subjekt" gegeben. Archeforschung wird bei ihm BewuGtseinsforschung. Die Subjektivierung der platonischen Ideenlehre hat in der Metaphysikgeschichte eine weitgehende Auswirkung: Idealismus tragt seitdem den Stempel des Subjektivismus.

Die unbezweifelbare Existenzweise des geistigen Seins ist das Bewusstsein. Vom Bewusstsein und seinen Inhalten her konstruiert Augustinus das gottliche Sein und die geschaffene Welt.

Das Phanomenfeld dieses Prinzips ist bei Augustinus in erster Linie die menschliche Seele, das Geistige am Menschen.

Die drei Vermogen der Seele sind die Vernunft, als Intellekt (intellectus) bezeichnet, das Gedachtnis (memoria) und der Wille (voluntas).

Die Vernunft, ahnlich wie bei Platon „die Ideenschaun", selber eine Mischung aus sinnlicher Anschauung und Vernunfttatigkeit, hat die Funktion der „inneren Betrachtung". Der „innere Sinn" wird in der spateren Erkenntnistheorie noch eine bedeutende Rolle spielen.

Das Gedachtnis, ein Symptom der neuplatonischen Dynamisierung des Seins durch Integration der aristotelischen Ontologie in die platonische Ideenlehre, ist der Ort der Ideen in der Seele.

[...]


[1][1] 11,14

[2]Von dem Perser Mani (216-276) gegrundete Offenbarungsreligion, Dualismus vom Licht (Gott) und Finsternis (Materie),die bis zum Endzeit in dauernden Kampf stehen. Der Mensch, gefangen mit seinem Korper in der Finsternis, kann nur durch Offenbarung eines Lichtboten zur rettenden Gnosis (Erkenntnis) seiner wahren Heimat, Lichtgott gelingen.[6] Bd.2 S.757

[3]Zweite, mittlere Skeptizismus (mittlere platonische Akademie), kritische Zweifel an Wirklichkeit, lasst nur das „Wahrscheinliche" als praktische Orientierung des Handelns gelten [6] Bd.3, S.824

[4][5] S.54-55; [4]S.65-71

[4] Bekenntnisse, Buch 11 wird in dieser Arbeit eingehend analysiert

[5] [6] Bd.1, S.218, Augustinus; [7] Augustinus Leben/Werke; [5] S.64

[6] [5] S.54-55; [4]S.65-71

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Details

Titel
Die Zeitauffassung des Aurelius Augustinus
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Einführung in die Metaphysik
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V147984
ISBN (eBook)
9783640586158
ISBN (Buch)
9783640586394
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustinus, Metaphysik, Zeittheorie, Zeitbegriff, Bekenntnisse
Arbeit zitieren
Renata Ellermann (Autor), 2009, Die Zeitauffassung des Aurelius Augustinus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147984

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