Die Printmedienlandschaften Deutschlands und Polens nach 1989 unter dem Aspekt der Medienkonzentration im Vergleich


Bachelorarbeit, 2009

53 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1.Einführung
1.1. Überblick über den Inhalt

2. Methodik
2.1.Definitionen
2.1.1. Meinungsvielfalt
2.1.2. Mediensystem
2.1.3 Medienkonzentration

3. Entwicklung der Printmediensysteme Deutschlands und Polens 1989 bis 2009
3.1. Rechtlicher Rahmen der Presselandschaft in der BRD
3.2. Situation des bundesdeutschen Pressemarktes vor 1989
3.3. Entwicklung der DDR-Presselandschaft vor 1989
3.4. DDR-Printmedien im Transformationsprozess zur BRD (1989-1990)
3.5. Die deutsche Printmedienlandschaft 1990 bis 2009
3.6. Rechtlicher Rahmen des Printmediensystems in der Republik Polen
3.7. Ausgangslage im polnischen Pressemarkt vor und um 1989
3.8. Politische und wirtschaftliche Transformation in Polen aus presserelevanter Perspektive
3.9. Entwicklung des polnischen Printmediensektors 1990 bis 2009

4. Analyse
4.1. Entwicklung der Medienkonzentration in Deutschland
4.1.1. Der ostdeutsche Pressemarkt
4.2. Entwicklung der Medienkonzentration in Polen
4.2.1. Ausländisches Medienkapital im polnischen Pressemarkt
4.3. Medienkonzentration in Deutschland und Polen im Vergleich
4.4. Folgen der Medienkonzentration
4.4.1. Demokratie und Meinungsvielfalt
4.4.2. Gesellschaft und Kultur

5. Fazit / Zusammenfassung
5.1.Ausblick

6. Literaturverzeichnis
6.1. Unkommentierte Weblinks

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

If a few megamedia corporations control most of the major print, broadcast, cable and other media that most of the public relies on as their main sources of information, opinion and creative expression, then this fundamental pillar of democracy is likely to be seriously weakened.1

Ziel dieser Arbeit ist eine vergleichende Analyse der Printmedienlandschaften Deutschlands und Polens, speziell der regional und überregional erscheinenden Zeitungen, nach 1989 bis 2009. Die Analyse wird dabei unter anderem auf die stattfindenden Prozesse der Medienkonzentration fokussiert sein und deren Ursachen, Folgen und Mechanismen einbeziehen und mit den langfristigen Entwicklungsverläufen der Pressemärkte verknüpfen. Ausgegangen wird dabei von der These einer vielfältigen Medienlandschaft als systemstabilisierender und systemtragender Faktor in einer funktionierenden Demokratie. Wie im o.g. Zitat beschrieben kann also ein Mangel an medialem Pluralismus, an Meinungsvielfalt und Informationsfreiheit einer lebendigen Demokratie schaden. Die Presselandschaft soll einerseits Meinungsvielfalt produzieren und garantieren, andererseits handeln Verlage wie andere Unternehmen auch nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen. Häufig ist also die Erwirtschaftung von Gewinn der Unternehmenszweck. Diese beiden Pole wirken oft konträr zueinander, so dass etwa die Aufteilung des Zeitungsmarktes auf einige marktbeherrschende Medienkonzerne eine Homogenisierung von Medienangeboten, einen Rückgang der Meinungsvielfalt oder das Entstehen von regionalen Zeitungsmonopolen verursachen oder begünstigen könnte.2

Inwieweit diese Hypothesen sich am Beispiel der deutschen und polnischen

Printmedienlandschaften verifizieren lassen und ob entsprechende Entwicklungslinien ausmachbar sind soll ebenfalls in dieser Arbeit versucht werden zu klären. Anders als im Bereich des privaten Fernsehens, der von der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) auf Grundlage des 3. Rundfunkänderungsstaatsvertrages überwacht wird, existiert in Deutschland keine explizit für den Pressesektor zuständige Kontrollinstitution, so dass nur dass Bundeskartellamt (BKartA) auf Basis des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) etwa bei geplanten größeren Fusionen ggf. marktregulierend eingreift. In Polen wurde eine entsprechende Institution erst 2001 installiert, davor war die polnische Presselandschaft Marktzutritten ausländischen Medienkapitals beinahe uneingeschränkt geöffnet.

Die Printmedienmärkte der ausgewählten Länder eignen sich insofern gut für einen Vergleich, als dass zwei sehr voneinander differierende Ausgangspositionen festzustellen sind. Auf der einen Seite konnte sich in der Bundesrepublik Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges rasch ein freier Pressemarkt entwickeln, so dass bedeutende, mittlerweile international operierende Medienunternehmen und Verlage entstanden. In der Volksrepublik Polen (Polska Rzeczpospolita Ludowa, PRL) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) standen die Medien unter staatlicher Kontrolle; erst nach dem Zusammenbruch der sowjetisch-kommunistischen Machthemisphäre und mit dem Entstehen der Republik Polen und der Einbindung der DDR in die Bundesrepublik bildete sich Medienlandschaften auf Basis marktwirtschaftlicher Grundsätze heraus, welche weit weniger staatlichen Einflüssen ausgesetzt war. Aus diesen Bedingungen resultierend waren die polnischen und DDR- Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in und nach den Jahren der Transformation finanziell weit weniger potent als die sehr viel länger bestehenden bundesdeutschen Medienunternehmen und -konzerne. So wurden ostdeutsche und polnische Zeitungen schnell Ziel von Übernahmen, Aufkäufen und Beteiligungen westdeutscher Verlage. Man versprach sich schnelle Renditen und Marktanteile im polnischen und ostdeutschen Markt zu günstigen Konditionen. Auch diese Engagements bundesdeutscher Unternehmen im Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt der beiden ehemaligen sozialistischen Staaten und ihre Auswirkungen auf die Dynamik der Medienkonzentration sollen in dieser Arbeit untersucht werden.

Im Zentrum der Arbeit stehen weiter die verschiedenen historischen Entwicklungsverläufe der Pressemärkte und deren Relevanz für die heutigen Strukturen der Zeitungs- und Zeitschriftenlandschaften Deutschlands und Polens, auch hinsichtlich der Pressekonzentrationstendenzen.

1.1. Überblick über den Inhalt

Die Binnenarchitektur der Arbeit ist in drei Abschnitte gegliedert, beginnend mit einem Überblick über die Methodik und Arbeitsweise. Hier werden auch Definitionen gewählter wichtiger Termini gegeben, um sie in die Arbeit zu integrieren und inhaltlich klar zu positionieren. Daran anschließend wird die Geschichte der deutschen und polnischen Pressemärkte thematisch relevant aufgearbeitet und im Sinne eines chronologischen Verlaufs wiedergegeben. Weiter wird auch der rechtliche Rahmen bezüglich der Meinungsfreiheit, und -vielfalt sowie der Fusionskontrolle in Deutschland und Polen thematisiert. Im dritten Abschnitt soll eine Analyse der Printmedienlandschaften Deutschlands und Polens unter dem Aspekt der Medienkonzentration versucht werden. Dabei ist es Ziel, Erscheinungen der Medienkonzentration zu benennen, ihre Ursachen und Folgen zu analysieren. Im Zentrum sollen hier vor allem neben regionalen auch überregional erscheinende Tageszeitungen wie „Süddeutsche Zeitung“ (SZ), „Berliner Zeitung“ (BZ), „Die Welt“, „Bild-Zeitung“, „Rzeczpospolita“, „Gazeta Wyborcza“ (GW), „Dziennik“ oder „Fakt“ hinsichtlich der Auflagen und Eigentumsverhältnisse stehen. Grundlage der Analyse sind Statistiken, entsprechende Literatur, und vor allem den Zeitraum 2005 bis 2009 betreffend auch Presseartikel sowie Online-Publikationen. Weiter sollen die Unterschiede zwischen dem deutschen und polnischem Zeitungsmarkt benannt werden und deren Gründe geklärt werden. Abschließend folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die nahe Zukunft.

2. Methodik

Die Arbeit nutzt vor allem deskriptive Methoden und empirisches Datenmaterial im Rahmen der Analyse. Dabei stehen Daten über verkaufte Auflagen und Konzentrationsbewegungen im Mittelpunkt, aus denen dann Entwicklungslinien herausgearbeitet werden. Zudem werden der bestehende Fundus an thematisch relevanter wissenschaftlicher Literatur sowie andere Quellen genutzt, um diese Inhalte untereinander und mit statistischem Material zu verknüpfen und Folgerungen abzuleiten bzw. genauer zu beschreiben. Getroffene Aussagen z.B. bezüglich der Folgen der Medienkonzentration berufen sich daher ausschließlich auf Drittquellen, da der Umfang dieser Arbeit es nicht zulässt, eigene weitergehende wissenschaftliche Studien und Untersuchungen zur Verifizierung der Hypothesen durchzuführen.

Der gewählte Untersuchungszeitraum der Thematik 1989 - 2009 macht es notwendig mangels vorhandener wissenschaftlicher Literatur Presseartikel verlässlicher Quellen wie „Der Spiegel“ oder „Die Zeit“ sowie andere Online-Publikationen heranzuziehen um dem Aktualitätsanspruch der Arbeit gerecht zu werden. Sämtliche verwendete Online-Quellen liegen dem Autor als Download oder in ausgedruckter Form vor. Wegen fehlender Seitenzahlen wird stattdessen die jeweilige URL (uniform resource locator) in der Fußnote angegeben.

2.1. Definitionen

Im folgenden Abschnitt sollen zentrale Begriffe dieser Arbeit definiert werden um diese der Konfiguration der Arbeit entsprechend zu operationalisieren. Gerade bei Termini wie „Medienkonzentration“, die Ziel zahlreicher Zuschreibungen sind, ist es von hoher Bedeutung diese klar zu bestimmen und zu positionieren um diese dann sinnvoll und eindeutig anwenden zu können. Dabei wird es mehr um eine Begrenzung des Bedeutungsspektrums gehen denn um eine weitgefasste alle Interpretationsmöglichkeiten einbeziehende Definition. Die gegebenen Definitionen sind dabei an die Spezifika der Printmedien angepasst.

2.1.1. Meinungsvielfalt

Der Begriff „Meinungsvielfalt“ wird gerade in Diskussionen über Medienkonzentration häufig gebraucht, eine eindeutige Definition existiert allerdings nicht. Dies ist auf die Unbestimmtheit des Zustandes von „Meinungsvielfalt“ zurückzuführen. So begreift das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) „Meinungsvielfalt“ als ungefähren Wert für gleichgewichtige Vielfalt, der sich aufgrund fehlender eindeutiger Normen nicht genauer definieren lasse.3 Auch die Monopolkommission beschreibt das Meinungsspektrum und damit die Meinungsvielfalt als „unbekannt, grenzenlos und einem zeitlichem Wandel unterworfen“4. Abseits dieser Bestimmungsschwierigkeiten kann „Meinungsvielfalt“ die Vielfalt an Zeitungen und Zeitschriften hinsichtlich zweier Dimensionen beschreiben. Zum einen ist damit das tatsächliche Angebot an Zeitungen und Zeitschriften gemeint, die von verschiedenen, voneinander unabhängigen Verlagen publiziert werden. Dabei darf keines dieser Unternehmen eine monopolartige oder marktbeherrschende Position innehaben. Zum anderen ist „Meinungsvielfalt“ auch mit der inhaltlichen Dimension der Presseerzeugnisse assoziiert. Es wird eine hohe Bandbreite an zirkulierenden Meinungen vorausgesetzt, eine Vielzahl an Themen und Positionen, die es dem Bürger/Konsumenten ermöglichen, sich über einen Themenkomplex differenziert und aus verschiedenen Sichtweisen zu informieren. Dies schließt die lokale, regionale und internationale Ebene ein. Meinungsvielfalt ist also eine der Grundbedingungen für eine Meinungsbildung auf Basis ausgeglichener Berichterstattung und damit auch - wie eingangs erwähnt - eine der tragenden Säulen einer lebendigen, diskursorientierten Demokratie.

2.1.2. Mediensystem

Als „Mediensystem“ begreift man grundsätzlich die Produktion und Verbreitung von Kommunikation und Information und alle damit verbundenen Ressourcen5 meist innerhalb eines Nationalstaates. Im Weiteren sollen jedoch vor allem die Funktionen eines „Mediensystems“ und deren Bedeutung für Demokratie und Gesellschaft im Fokus stehen. Zu den Funktionen zählen unter anderem die Herstellung von Öffentlichkeit sowie die Meinungsartikulation im Sinne einer Forumsfunktion.6 Weiter haben die Medien eine Kontrollfunktion, die vor allem in den Printmedien zum Beispiel durch investigativen

Journalismus ausgeübt wird. Diese Funktionszuschreibungen gelten vorwiegend in Staaten, in denen die Staatsform eine parlamentarische Demokratie ist. In der PRL und der DDR etwa waren die Aufgaben der Medien dagegen vorwiegend die Stabilität des Systems zu garantieren sowie die Verbreitung von Propaganda und die damit verbundene Manipulation der Bevölkerung. Damit hat das Mediensystem in Polen mit dem Regimewechsel eine völlig andere Funktionszuschreibung erhalten, das ostdeutsche den bundesdeutschen Realitäten angepasst.

Weiter sollen die Medien, und damit auch die Printmedien, als Forum des politischen Wettbewerbes und als Mittler von Wissen und Bildung wirken und dienen.7 So hat eine renommierte überregionale Tages- oder Wochenzeitung in diesem Sinne eine höhere Systemelevanz als eine auflagenschwache Genrezeitschrift, welcher wiederum unter dem Aspekt der Meinungsvielfalt ebenfalls eine hohe Bedeutung zukommen kann.

„Mediensystem“ ist zusammengefasst ein multidimensionaler Begriff, der die technische Infrastruktur, die ökonomischen Einheiten (Verlage, Medienkonzerne), die Produktion von Information sowie die dem System immanenten Funktionen im Zusammenhang mit Printmedien beschreibt. In dieser Arbeit sind die Termini „Mediensystem“, „Printmediensystem“ und „Pressesystem“ bezüglich ihrer Bedeutung weitgehend gleichgesetzt um ständige Wiederholungen zu vermeiden.

2.1.3 Medienkonzentration

Der Begriff „Medienkonzentration“ ist ein Terminus mit multiplen Bedeutungsebenen, die im Rahmen der Operationalisierung zu einer anwendbaren Definition zusammengeführt werden sollen. Da diese Arbeit ausschließlich die Medienkonzentration im Printmedienbereich behandelt, ist Medienkonzentration hier als intramediäre Konzentration zu verstehen; also die Konzentrationsbewegung innerhalb desselben Mediums. „Medienkonzentration“ und „Pressekonzentration“ sind daher synonym.

Im Rahmen der Begriffsklärung der ökonomischen Dimension von Medienkonzentration wird Konzentration als Zentralisation vieler kleiner wirtschaftlicher Einheiten (Betriebe) in wenige große Einheiten einhergehend mit Vermögenskonzentration begriffen.Der ökonomische Aspekt der Pressekonzentration ist insofern von hoher Relevanz, als dass etwa das GWB ausschließlich wirtschaftliche Kriterien zur Bewertung heranzieht, die publizistische Ebene hat hier keine Bedeutung8, auch wenn für den Printmediensektor Sonderregelungen gelten.

Pressekonzentration findet in drei Kategorien statt; zum einen in Form der publizistischen Konzentration, die sich in der Verringerung der Anzahl der Publizistischen Einheiten (PE) - also der eigenständigen Redaktionen - und der selbständig produzierten Mantelteile9 manifestiert. Dies betrifft z.B. die unter vor allem regionalen und lokalen Zeitungen verbreitete Praxis des Verwendens eines gemeinsamen Mantelteiles.10 Der Mantel bezeichnet hier die Titelseite sowie Seite 2, gegebenenfalls weitere Seiten. Publizistische Konzentration definiert sich also als der Prozess „der Abnahme der Zahl selbständiger Redaktionseinheiten, den sog. Publizistischen Einheiten [...] und das [H.A.] Anwachsen des Anteils der PE an der Gesamtauflage.“11

Die zweite Kategorie der Pressekonzentration ist die Verlagskonzentration. Hiermit wird der Rückgang der Zahl der selbständigen Verlage, die Zeitungen oder Zeitschriften publizieren, beschrieben. Zum dritten definiert man Auflagenkonzentration als das ungleiche Verhältnis zwischen der Gesamtauflage und den Auflagenanteilen der Verlage, bei der einige wenige Verlage einen hohen Anteil an der Gesamtauflage für sich verbuchen.12

3. Entwicklung der Printmediensysteme Deutschlands und Polens 1989 bis 2009

Sinn des folgendes Abschnittes ist es auf Basis einer chronologisch orientierten Arbeitsweise die prägnanten Entwicklungslinien in der deutschen und polnischen Presselandschaft zu skizzieren und den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen zuzuordnen. Verlage als ökonomische Komponente und Redaktionen als publizistische Komponente des Pressesystems operieren und reagieren immer im Rahmen der ihnen zugewiesenen Möglichkeiten, Freiheiten oder Restriktionen innerhalb des herrschenden politischen und wirtschaftlichen Systems. Daher ist das Pressesystem ständiger Determination unterworfen und kann in publizistischer Hinsicht mit stark voneinander abweichenden Garantien oder Einschränkungen journalistischer Freiheit ausgestattet sein. Der Blick auf die wechselnden Rahmenbedingungen der Printmediensysteme ist insofern wichtig, als dass die dem Vergleich zugrundeliegenden Länder Polen und Deutschland innerhalb der letzten 20 Jahre einen totalen bzw. im letzteren Falle „abgefederten“ Systemwechsel vollzogen haben. Als zentrale Themen werden daher in diesem Abschnitt die Transformationsprozesse vom Sozialismus zur Demokratie und von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft in Polen und der DDR hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Printmedien behandelt. Parallel dazu wird auch das bundesdeutsche Pressesystem in seiner Entwicklung und seinen Rahmenbedingungen thematisiert. Da die im nächsten Kapitel folgende Analyse sich auf die Pressekonzentration in der RP und der BRD beschränkt, wird die Darstellung der rechtlichen Grundlagen sich auf in diesem Zeitraum geltendes Recht begrenzen.

3.1. Rechtlicher Rahmen der Presselandschaft in der BRD

Die Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik Deutschland wird mittels des Artikels 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) garantiert:

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.13

Anders als im Bereich des Fernsehens und Rundfunks, wo der Staat durch die öffentlichrechtlichen Angebote selber ein gewisses Maß an Meinungsvielfalt produziert (binnenpluralistisches Modell), ist es im Pressesektor notwendig, dass eine Vielzahl an Publikationen den Markt unter sich aufteilen, um ein weites Meinungsspektrum bereitzustellen. Da keine explizit spezifischen Antikonzentrationsregelungen für Presseunternehmen und Verlage existieren, ist hier das Kartellrecht und das GWB maßgebend. So sind geplante Fusionen im Printmedienbereich prinzipiell den gleichen Regularien und Restriktionen unterworfen, die auch für andere

Unternehmenszusammenschlüsse gelten.14 Hierbei sind folgende Kriterien festgeschrieben,

die zu einer fusionskontrollrechtlichen Überprüfung und ggf. zu einer Untersagung der Fusion führen:

- die beteiligten Unternehmen müssen im Vorjahr einen gemeinsamen weltweiten Umsatz von mehr als 500 Mio. € erzielt haben. (§ 35 Abs. 1 Nr. 1 GWB)
- Mindestens eines dieser Unternehmen muss zudem einen Inlandsumsatz von mindestens 25 Mio. € im Vorjahr vorweisen. (§ 35 Abs. 1 Nr. 2 GWB)

Ausnahmeklauseln bewirken jedoch dass diese Regeln nicht immer Anwendung finden. Für den Pressebereich (Verlag, Distribution von Zeitungen und Zeitschriften) wurde eine Sonderregelung getroffen. Hier sind die im Printmediengeschäft gemachten Umsatzerlöse zwanzigfach zu multiplizieren (§ 35 Abs. 2 Satz 2 GWB).

Weiter existiert in jedem Bundesland ein Landespressegesetz, welches vor allem Möglichkeiten der Gegendarstellung und Ordnungswidrigkeiten behandelt.

3.2. Situation des bundesdeutschen Pressemarktes vor 1989

Auf Grundlage des GG, der freiheitlichen Gesellschaftsordnung und des marktwirtschaftlichen Prinzips entstand in der BRD nach Streichung der Lizenzpflicht 1949 rasch eine große Vielfalt im Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt. Zahlreiche Titel wurden neugegründet oder wiederbelebt (z.B. Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)). Jedoch erlebte die bundesdeutsche Presselandschaft zwischen 1954 und 1976 eine einschneidende Phase der Pressekonzentration mit starken Verdrängungstendenzen.15 So sank die Zahl der Tageszeitungen publizierenden Verlage in diesem Zeitraum 624 auf 403. Weiter muss ein fast 50%iger Rückgang der Vollredaktionen (PE) von 225 auf 121 festgestellt werden.16

Versuche des Bundes in dieser Zeit ein sogenanntes Bundespressegesetz zu etablieren, zerbrachen am Widerstand der Journalisten und Verleger, die weitergehende staatliche Reglementierungen ablehnten.17 Um einer drohenden staatlichen Kontrolle des journalistischen Wirkens entgegenzutreten18, konstituierte sich 1956 der Deutsche Presserat, der als Freiwillige Selbstkontrolle der Presse fungiert und weiter für die Erhaltung der Pressefreiheit eintritt.19 Die bis in 60er Jahre stark voneinander abweichende Landespressegesetze wurden zwischen 1964 und 1966 auf Grundlage eines Modellentwurfs harmonisiert.

Das Tageszeitungsgeschäft wurden ab den späten 1950er Jahren von fünf großen Verlagshäusern dominiert. Dazu zählen der Axel-Springer-Verlag (ASV), die Westdeutsche Allgemeine Zeitungsgruppe (WAZ), die Gruppe Stuttgarter Zeitungsverlag, der Verlag DuMont Schauberg (DMS) und der Süddeutsche Verlag.20

Bereits zu diesem Zeitpunkt lässt sich feststellen, dass sich in der BRD wie in anderen westeuropäischen Staaten auch ein freier Printmedienmarkt entwickelt hat; die Nachkriegsordnung und das Entstehen einer pluralistischen Demokratie mit weitreichenden Grundrechten in Westdeutschland ist als Grundbedingung für diesen dynamischen Prozess zu werten.21 Aufgrund des marktwirtschaftlichen Systems, das unter anderem auf dem Prinzip Angebot und Nachfrage basiert, arbeitet auch die Presse in der BRD rezipientenorientiert, die Printmedien versuchen also vor allem die Interessen und Bedürfnisse der Konsumenten zu befriedigen. So wurden Boulevardblätter wie die „BILD-Zeitung“ schnell zu den auflagenstärksten Publikationen im bundesdeutschen Zeitungsmarkt. Lag die Druckauflage der „BILD“ 1954 noch bei 1,4 Millionen Exemplaren22, so stieg die diese bis 1965 auf 4,8 Millionen Exemplare.23

Auch im Zeitschriftensegment konnten sich in den späten 50er Jahren vier Verlage marktdominierend positionieren. Neben dem Heinrich Bauer Verlag waren dies der Axel Springer Verlag (ASV), Gruner+Jahr (G+J) sowie Burda.24 Die Zahl der Zeitschriftentitel stieg vor allem in den 70er und 80er Jahren stark an, von 3800 Titeln 1976 auf 6700 Titel im Jahre 1983. Als führendes politisches Nachrichtenmagazin etablierte sich „Der Spiegel“, der in einem eigenständigen Verlag verlegt wird. Die wöchentliche Auflage lag 1955 bei 230.000, 1960 bei 404.00025, 1987 schließlich bei 900.000 Exemplaren.26

Prinzipiell lassen sich die in der Bundesrepublik erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften dieser Zeit aufgrund verschiedener Ausrichtungen und Niveauebenen nach folgenden Typen kategorisieren: Zu der Gruppe überregionaler Tageszeitungen mit politischem Profil gehören unter anderem die „FAZ“, „Die Welt“, „Die Süddeutsche Zeitung“ und die „Frankfurter Rundschau“. Diese Zeitungen haben eine wichtige Funktion im überregionalen öffentlichen Meinungsdiskurs.

[...]


1 Alger, Dean: Megamedia. How Giant Corporations Dominate Mass Media, Distort Competition, and Endanger Democracy, S.20

2 Maag, Harald: Medienkonzentration - zur Reichweite des fusionskontrollrechtlichen Instrumentariums, S.59

3 Rase, Birgit: Fernsehprogrammbeschaffung - Zum Schutz gegen vertikale Konzentrationstendenzen im Verhältnis Fernsehprogrammveranstalter und Fernsehprogrammlieferant

4 Monopolkommission, XI. Hauptgutachten „Wettbewerbspolitik in Zeiten des Umbruchs“, S. 372

5 Rusch, Gebhard: Einführung in die Medienwissenschaft: Konzeptionen, Theorien, Methoden, Anwendungen, S. 155 ff.

6 Seufert, Wolfgang, Dr.: Mediensystem und Demokratie. Einführung in die Ökonomie und Organisation der Medien II, S. 3

7 Haas, Hannes u.a.: Transnational vergleichende Mediensystemforschung: Das SCP-Modell und seine Anwendung. In: Melischek, Gabriele (u.a.): Medien und Kommunikationsforschung im Vergleich: Grundlagen, Gegenstansbereiche, Verfahrensweisen, S. 88

8 Rasch, Dirk: Wettbewerbspolitik und Pressevielfalt. Eine wettbewerbs- und medientheoretische Analyse der Pressefusionskontrolle, S. 32

9 http://www.phil.uni-passau.de/politik/_ws0506/wanninger/Unterlagen%2018.11..pdf

10 Schütz, Walter, J (2000): Deutsche Tagespresse 1999. In: Media Perspektiven Nr 1/2000, S. 8

11 Rasch, Dirk: Wettbewerbspolitik und Pressevielfalt, S. 33

12 Trappel, Josef u.a. : Die gesellschaftlichen Folgen der Medienkonzentration, S. 37

13 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland,
http://www.bundestag.de/parlament/funktion/gesetze/grundgesetz/gg_01.html

14 Monopolkommission: Die Pressefusionskontrolle in der Siebten GWB-Novelle, S. 19

15 Altendorfer, Otto: Das Mediensystem der Bundesrepublik Deutschland. Band 2, S. 288

16 Schütz, Walter: Deutsche Tagespresse 2001. In: Media Perspektiven 12/2001, S.602f.

17 Altendorfer, Otto: Das Mediensystem der Bundesrepublik Deutschland. Band 1, S. 38

18 Niggemeier, Stefan (2006): Zur Sache Kätzchen. Artikel in der FAZ am 22. Januar 2006

19 Presserat: Aufgaben und Ziele. http://www.presserat.info/22.0.html

20 Altendorfer, Otto: Das Mediensystem der Bundesrepublik Deutschland. Band 2, S. 289

21 Thomaß, Barbara: 4 Weltregionen im Vergleich. In: Thomaß, Barbara (Hrsg.): Mediensysteme im internationalen Vergleich, S. 211

22 Führer, Kai Christian: Erfolg und Macht von Axel Springers „Bild“-Zeitung in den 1950er-Jahren

23 Der Spiegel 41/1965: Bild-Zeitung - Sand am Meer, S. 81

24 Altendorfer, Otto: Das Mediensystem der Bundesrepublik Deutschland. Band 2, S. 289

25 Böhling, Björn: Die EWG und deren Perzeption in der Öffentlichkeit, S. 13

26 Görtemaker, Manfred: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: von der Gründung bis zur Gegenwart, S. 680

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Die Printmedienlandschaften Deutschlands und Polens nach 1989 unter dem Aspekt der Medienkonzentration im Vergleich
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
53
Katalognummer
V148060
ISBN (eBook)
9783640589210
ISBN (Buch)
9783640588961
Dateigröße
741 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
medienwissenschaften, medienkonzentration, pressekonzentration, europastudien, polen, osteuropa, publizistik, medien, printmedien, kommunikationswissenschaften, 2009, european studies
Arbeit zitieren
Hannu Armbrecht (Autor), 2009, Die Printmedienlandschaften Deutschlands und Polens nach 1989 unter dem Aspekt der Medienkonzentration im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148060

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