Die vorliegende Arbeit möchte sich mit der besonderen Vorgehensweise Lynchs, welche mehr Verwirrung verursacht, als sie beseitigt, beschäftigen. Zentrale Fragestellung hierbei wird die Erzählweise Lynchs sein, die zu solchen Widersprüchen führen muss, dass die tatsächlichen Sachverhalte des Films letztlich nicht aufgeklärt werden können. Hierzu erfolgt zunächst die Beschäftigung mit der Dramaturgie des Films im Allgemeinen sowie der Erzählweise hinsichtlich der Technik des unzuverlässigen Erzählens im Besonderen. Diese Erzählweise bildet zugleich den Bestandteil der Fragestellung, nämlich: Wie schafft Lynch Verwirrung, wie kreiert er Widersprüche und was könnten Gründe für Lynch sein, diese nicht aufzulösen, sondern stehenzulassen? Im letzten Kapitel soll im Hinblick auf eine partextuelle Analyse auf die angeblich helfenden Hinweise Lynchs eingegangen und diese ebenfalls in den Kontext des unzuverlässigen Erzählens gesetzt werden. Im Fazit erfolgt eine Zusammenfassung des bis dahin Erarbeiteten sowie die insgesamte Deutung der Analyse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wie erzählt Mulholland Drive?
2.1 Dramaturgie
2.2 Erzählweise
3. Hauptfiguren und Symbolik
4. Paratextuelle ‚Hinweise‘ Lynchs
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die filmische Narration in David Lynchs "Mulholland Drive", wobei der Schwerpunkt auf der gezielten Induktion von Verwirrung und Widersprüchen durch den Regisseur liegt, um die theoretische Unlösbarkeit des Films als künstlerische Entscheidung zu beleuchten.
- Analyse der narratologischen Dramaturgie und Erzählweise
- Untersuchung des Phänomens des unzuverlässigen Erzählens
- Deutung der Symbolik und Identitätskonstruktion bei den Hauptfiguren
- Diskussion der paratextuellen Hinweise als manipulative Elemente
Auszug aus dem Buch
2. Wie erzählt Mulholland Drive?
Im Film lässt sich nicht nur die Ebene des Inhalts in die Bedeutung miteinbeziehen, ebenso wichtig ist die Form, das heißt die Bilder, die Spielweise der Figuren, die Ästhetik; all dies trägt zur Metaphorik von Mulholland Drive bei. Christine Lang unterscheidet hier zwischen expliziter und impliziter Dramaturgie. Während die implizite Dramaturgie genau diese Ästhetik des Films meint, die zur Deutung inhärent ist, wird von expliziter Deutung im Hinblick auf die Handlung, die Figuren und den Plot gesprochen.
Hierbei gilt es insgesamt, die Narratologie mit in die Analyse einzubeziehen und die Frage zu stellen, was erzählt wird und wie. Die Frage nach dem was ist, wie eingangs bereits erwähnt wurde, bei Mulholland Drive nicht ganz einfach zu beantworten. Festzuhalten ist zunächst, dass es bereits im ersten Teil des Films mehrere Handlungsstränge gibt: die Geschichte von Rita, die bedroht wird, in einen Autounfall verwickelt ist und daraufhin ihr Gedächtnis verliert, mündet in die Bekanntschaft und spätere Liebschaft mit Betty. Ein Mann namens Dan erzählt einem anderen Mann in einem Restaurant namens Winkie’s, welches noch öfter für Treffen genutzt werden wird, von einem seiner Albträume und trifft hinter dem Restaurant auf eine dubiose, anscheinend obdachlose, Figur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Unlösbarkeit des Films ein und definiert die zentrale Fragestellung hinsichtlich Lynchs bewusst widersprüchlicher Erzählweise.
2. Wie erzählt Mulholland Drive?: Dieses Kapitel analysiert die dramaturgische Struktur und das Modell der Erzählweise unter Einbeziehung narratologischer Theorien.
2.1 Dramaturgie: Hier wird der Dreiakter-Struktur und dem Einfluss der offenen Form auf die Handlungsführung des Films nachgegangen.
2.2 Erzählweise: Das Kapitel untersucht die Technik des mimetisch teilweise unzuverlässigen Erzählens und dessen Anwendung auf die Filmhandlung.
3. Hauptfiguren und Symbolik: Eine Untersuchung der Doppelgängerstrukturen, der blinden Motivik und der stereotypen Figurenzeichnungen im Kontext der Traum-Theorie.
4. Paratextuelle ‚Hinweise‘ Lynchs: Diese Sektion befasst sich mit der funktionalen Analyse der zehn von Lynch veröffentlichten Hinweise auf die Filmhandlung.
5. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung der Analyseergebnisse und die Deutung von Lynchs Spiel mit Erwartungshaltungen der Rezipierenden.
Schlüsselwörter
Mulholland Drive, David Lynch, Filmanalyse, unzuverlässiges Erzählen, Dramaturgie, Narration, Traum-These, Identität, Symbolik, Paratext, offene Form, Hollywood, Regie, Filmwissenschaften, Doppelgänger.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die narrativen Widersprüche in David Lynchs Film "Mulholland Drive" und untersucht, warum der Film bewusst keine eindeutige Auflösung anbietet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Dramaturgie der offenen Form, die Technik des unzuverlässigen Erzählens, die symbolische Identitätskonstruktion sowie die Funktion von Regie-Hinweisen außerhalb des Films.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erörtern, wie Lynch durch gezielte Erzählstrategien Verwirrung stiftet und die Erwartungen der Zuschauer an eine lineare Auflösung konsequent unterläuft.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es werden narratologische und filmwissenschaftliche Analysemethoden angewandt, insbesondere die Theorien nach Martínez, Scheffel und Genette.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Dramaturgie, Erzählweise, Figurenkonstellationen, Symbolik und die paratextuelle Analyse der Regie-Erläuterungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zu den prägenden Begriffen gehören Mulholland Drive, Unzuverlässiges Erzählen, Dramaturgie der offenen Form und Paratexte.
Wie bewertet die Autorin die Traum-Hypothese?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Traum-Theorie zwar Ansätze zur Deutung liefert, aufgrund der zahlreichen Widersprüche im Film jedoch keine abschließende oder eindeutige Klärung der Realitätsebene zulässt.
Was ist die Rolle des "Club Silencio" im Filmkontext?
Der Club dient laut Analyse als Schlüsselszene, die explizit die Konstruiertheit des Films und die Inkongruenz von Realität und Illusion sowie die Reaktion der Zuschauer darauf thematisiert.
Welche Bedeutung kommt den Hinweisen Lynchs zu?
Die Hinweise werden als "auktoriales Vorwort" eingestuft, die jedoch keine Entwirrung des Films leisten, sondern eher weitere "falsche Fährten" legen, die den Rezipienten tiefer in die Verwirrung führen.
Ist der Film ein "Spielfilm" oder eine "Serie"?
Der Text erläutert, dass der Film ursprünglich als Pilotfolge für eine Fernsehserie gedreht und nach Ablehnung durch ABC nachträglich um 25 Minuten für eine Spielfilm-Veröffentlichung ergänzt wurde.
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- Janina Vogelgesang (Author), 2024, Der unlösbare Film. Verwirrungen und Widersprüche in David Lynchs "Mulholland Drive", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1481707