„Man kann nicht nicht kommunizieren“, so der österreichische Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. Demnach verständigen sich Menschen nicht nur direkt über Sprache, sondern auch über Gesten, Mimik, Taten, et cetera. Dies gilt auch in der politischen Kommunikation. Diese wird von Journalist*innen über Politiker*innen bis zu sozialen Bewegungen durch etliche Akteure praktiziert. Während Journalist*innen und Politiker*innen sich dennoch primär verbalen oder schriftlichen Ausdrucksformen bedienen, kommen bei nicht-staatlichen Akteuren wie sozialen Bewegungen häufiger auch andere Mittel zum Einsatz: Proteste oder Demonstrationen werden organisiert, (Hand-)Zeichen etablieren sich als Symbolkommunikation für eine gesamte Thematik, Bild- oder Videokampagnen werden erstellt, und vieles mehr. Diese Art der indirekten Kommunikation ist besonders interessant, da ihre Wirkung oftmals wegen des Potenzials zu höherer Aufmerksamkeitsgenerierung stärker sein kann als die von gewöhnlicher Sprache (Dumitrescu, 2016).
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Klärung zentraler Begriffe: Nicht-staatliche Akteure
3 Fridays for Future als Beispiel für eine soziale Bewegung
3.1 Historie
3.2 Politische Kommunikation der Bewegung
3.2.1 Interne Kommunikation
3.2.2 Externe Kommunikation
3.3 Eine Organisation = Eine Stimme? Strömungen im (inter-)nationalen Vergleich
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle nicht-staatlicher Akteure in der politischen Kommunikation am Beispiel der Klimabewegung "Fridays for Future". Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie sich die Bewegung organisiert, intern sowie extern kommuniziert und inwiefern sie trotz eines geringen Organisationsgrades als geschlossene Einheit wahrgenommen wird.
- Grundlagen zur Definition und Typologie nicht-staatlicher Akteure
- Historische Entwicklung und Entstehung von "Fridays for Future"
- Analyse der internen Strukturen und Kommunikationsprozesse
- Strategien der externen Kommunikation, insbesondere durch Schulstreiks und mediale Inszenierung
- Diskussion über die Einheitlichkeit und mögliche Strömungen innerhalb der Bewegung
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Externe Kommunikation
Die Kommunikation nach außen war bei FFF in der Anfangsphase maßgeblich durch Schulstreiks geprägt, da sich die Bewegung explizit durch diese kühne Maßnahme Bekanntheit verschafft hat. Ein weiterer Teil der Kommunikationsstrategie im Rahmen der Streiks in Verbindung mit damit verknüpften Demonstrationen besteht in der Inszenierung dessen. Sie finden nach wie vor regelmäßig – vorliegend zu Beginn wöchentlich – deutschlandweit an Orten in der Öffentlichkeit, die die jeweiligen Bewohner:innen kennen, statt (Grupp et al., 2020. S. 116). Während der Aktionen werden durch Megafone oder ähnliches Redebeiträge bezüglich der Ziele von FFF geleistet, die unter anderem – oftmals englische – Parolen wie „There is no planet B“ oder „Change the politics, not the climate“ enthalten. Außerdem nutzt die Bewegung übliche Mittel wie Plakate, auf denen ebenfalls genannte Leitsprüche aufgeschrieben oder eindrucksvolle Zeichnungen aufgemalt sind. Letztere illustrieren beispielsweise verbrennende Weltkugeln (Fridaysforfuture.de, 2023).
Die Kommunikationsform des Schulstreiks war insofern effektiv, dass automatisch Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen und Kultusbehörden indirekt in den Prozess einbezogen wurden (Rucht & Rink, 2020, S. 102). In Deutschland herrscht wie in den meisten europäischen Ländern Schulpflicht, die hier in Konkurrenz zum Grundrecht der Versammlungsfreiheit aus Artikel 8 des Grundgesetzes gestellt wurde. Demzufolge musste sich auch die Politik zwingend mit der Bewegung und ihren Standpunkten auseinandersetzen (Teune, 2020, S. 140).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung indirekter Kommunikation für soziale Akteure und führt in die wissenschaftliche Relevanz der Thematik ein.
2 Klärung zentraler Begriffe: Nicht-staatliche Akteure: Dieses Kapitel definiert wesentliche Merkmale von nicht-staatlichen Akteuren wie Verbänden, NGOs und sozialen Bewegungen hinsichtlich ihrer Organisationsform und Ziele.
3 Fridays for Future als Beispiel für eine soziale Bewegung: Der Hauptteil analysiert die spezifische Entwicklung, die interne Organisationsstruktur sowie die externen Kommunikationsstrategien von "Fridays for Future".
4 Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und bewertet die Rolle von "Fridays for Future" als modernen Akteur in der politischen Kommunikation.
Schlüsselwörter
Politische Kommunikation, Nicht-staatliche Akteure, Soziale Bewegung, Fridays for Future, Klimaschutz, Interne Kommunikation, Externe Kommunikation, Schulstreik, Kollektive Identität, Mobilisierung, Lobbying, Medienarbeit, Gesellschaftlicher Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Kommunikation von sogenannten nicht-staatlichen Akteuren und nimmt dabei die soziale Bewegung "Fridays for Future" in den Fokus.
Welche Akteursgruppen werden als zentral herausgestellt?
Es werden insbesondere Verbände, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und soziale Bewegungen als zentrale Akteure diskutiert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich diese Bewegung durch spezifische Kommunikationsinstrumente Gehör verschafft und wie ihre interne sowie externe Interaktion gestaltet ist.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung und einer Analyse existierender Fachliteratur und Studien zur politischen Kommunikation und zu sozialen Bewegungen.
Was steht im inhaltlichen Zentrum des Hauptteils?
Im Mittelpunkt steht die Analyse der Entstehungsgeschichte, der internen Abstimmungsprozesse und der externen Aktionsformen wie Schulstreiks und medialer Kampagnen von "Fridays for Future".
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind die politische Vermittlungsfunktion, kollektive Identität, Mobilisierungsstrategien und der Einfluss von Massenmedien auf soziale Bewegungen.
Inwiefern beeinflusste die Schulpflicht die Kommunikationsstrategie von "Fridays for Future"?
Die Schulpflicht zwang politische Akteure und Bildungsinstitutionen indirekt dazu, sich mit den Forderungen der Bewegung auseinanderzusetzen, da ein systemischer Konflikt zwischen Schulpflicht und Versammlungsfreiheit entstand.
Wie geht die Bewegung mit internen Meinungsverschiedenheiten um?
Trotz einer gemeinsamen klimapolitischen Identität zeigt die Arbeit auf, dass politische Differenzen zu anderen Themen (etwa zum Nah-Ost-Konflikt) zu einer Abgrenzung verschiedener Strömungen innerhalb der Bewegung führen können.
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- Anonym (Author), 2024, Nicht-staatliche Akteure. Die politische Kommunikation der sozialen Bewegung Fridays for Future, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1481790