Der deutsche Buchhandel hat im Laufe der Zeit bestimmte Formen und Charakteristika angenommen. Diese sind historisch und kulturell bedingt und gerade im internationalen Vergleich am besten nachzuvollziehen. In dieser Arbeit soll der internationale Vergleich mit Blick auf Frankreich, vor allem aber mit Blick auf England vollzogen werden, um die Besonderheiten des deutschen Buchhandels im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts herauszuarbeiten. Zum besseren Verständnis dieses Zeitraums beschränkt sich diese Arbeit nicht ausschließlich auf die Periode des 2. deutschen Kaiserreichs, sondern umfasst auch ein Stück deutsche Buchhandelsgeschichte, die zu den spezifischen Verhältnissen und Strukturen geführt hat, die in dieser Arbeit untersucht werden sollen.
Für diesen Vergleich soll im Folgenden die Geschichte des deutschen Buchhandels fragmentarisch mit der Englands und teilweise Frankreichs gegenübergestellt werden, sollen die nationalen Besonderheiten herausgearbeitet und diese unter historischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten diskutiert werden. Denn gerade die nationalen Strukturen und das kulturelle Selbstverständnis der einzelnen Nationen haben die unterschiedlichen Buchhandelslandschaften geprägt. Daher soll diese Arbeit ständig von der Frage begleitet werden, welche Charakteristika der nationalen Struktur und des Kulturverständnis den Buchhandel und seine Funktion in Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland beeinflusst haben. Herausgearbeitet werden sollen die Unterschiede schwerpunktmäßig in den Bereichen der Vertriebsstrukturen und ihren Entwicklungen, den verschiedenen Standesorganisationen, wie zum Beispiel dem Börsenverein des deutschen Buchhandels und ihren Aufgaben, zum Beispiel der Ladenpreisbindung und dem kulturellen Aspekt von Literatur und Buchhandel.
Eine Schwierigkeit der Arbeit ergibt sich aus der Besonderheit der ausgiebigen Forschung und der lückenlosen Dokumentierung deutscher Buchhandelsgeschichte, insbesondere durch den Börsenverein des deutschen Buchhandels. Der sich in Deutschland etablierte Forschungszweig der Buchhandelsgeschichte ist in keinem anderen Land in vergleichbarem Maße vorzufinden. Durch diese Tatsache ist es erschwert, vergleichende Aussagen zu treffen, da einige Bereiche und Aspekte, die für den deutschen Buchhandel von Bedeutung sind, in der französischen und englischen Literatur keine oder nur unzureichende Erwähnung finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die historische Entwicklung des deutschen und des britischen Buchhandels
3. Standesorganisationen, ihre Entstehung und Funktionen
4. Selbstwahrnehmung und kulturelles Selbstverständnis
5. Fazit
6. Literaturangaben
6.1 Gedruckte Literatur
6.2 Internetquellen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Besonderheiten des deutschen Buchhandels im 19. und frühen 20. Jahrhundert durch einen vergleichenden Blick auf England und Frankreich. Dabei wird analysiert, welche historischen, wirtschaftlichen und kulturellen Faktoren die jeweiligen Buchhandelslandschaften, Vertriebsstrukturen und die Entwicklung von Standesorganisationen geprägt haben.
- Historische Entwicklung des deutschen und britischen Buchhandels
- Strukturen und Funktionen von Standesorganisationen wie dem Börsenverein
- Bedeutung der Ladenpreisbindung in verschiedenen nationalen Kontexten
- Kulturelles Selbstverständnis und die Rolle des Verlegers als Kulturträger
- Vergleich der Vertriebsstrukturen und Auswirkungen der Buchproduktion
Auszug aus dem Buch
2. Die historische Entwicklung des deutschen und des britischen Buchhandels
Nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges war Deutschland territorial stark zersplittert und hatte viele verschiedene Währungen. Daher setzte sich im deutschen Buchhandel der Tauschhandel durch. Die Verleger tauschten ihre Neuerscheinungen gegen die Neuerscheinungen anderer Verlage Bogen für Bogen aus. Diese Form des Handels hatte besondere Merkmale. Zum einen wurde der persönliche Kontakt unter den in der Buchbranche Tätigen gestärkt – eine Tatsache, auf die später bei der Gründung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels noch eingegangen werden soll. Zum anderen waren die meisten Buchhändler zur Zeit des Tauschhandels so genannte Verlagssortimenter, bzw. Sortimenterverleger, die den Beruf des Sortimenters ausübten, aber ihre Bücher auch in Eigenproduktion verlegten.
Der erste Schritt für eine Modernisierung des deutschen Buchhandels ging zunächst von der Messestadt Leipzig aus. Ein Grund für den Wandel war die Tatsache, dass durch den bloßen Tausch der Bögen zum Messetermin Qualitätsunterschiede nicht mehr zu halten waren und das Geschäft mit zu großen Risiken versehen war. Infolge dessen kamen ab circa 1760 immer mehr reine Verleger auf und Verlag und Sortiment wurden zunehmend voneinander getrennt.
Durch den Tauschhandel konzentrierte sich der gesamte Buchhandel stark auf die Buchhandelsmetropolen Leipzig und Frankfurt und es kam zu Konflikten gegenüber den strukturschwächeren Provinzen. Nachdem sich Leipzig mehr und mehr als Hauptmessestadt durchsetzte und die Frankfurter Messe an Bedeutung verlor, sah sich gerade der süddeutsche Buchhandel wirtschaftlich und kulturell benachteiligt und begann mit einigen zunächst wenigen Verlegern und Sortimentern den Kommissionshandel durchzusetzen. Diese neue Handlungsform ermöglichte es den Sortimentern, Bücher zunächst auf Kommission zu kaufen und nicht abgesetzte Bücher an die Verlage zurückzusenden. Lediglich die Kosten für den Transport sowie Werbung, somit aber dennoch einen Teil des Geschäftsrisikos trug der Sortimenter. Somit konnte das gesamte Reichsgebiet versorgt werden und die Lieferungen konnten über das ganze Jahr verteilt und nicht nur zu den jährlichen Messeterminen vollzogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie nationale Strukturen und das kulturelle Selbstverständnis den Buchhandel in Deutschland im Vergleich zum Ausland geprägt haben.
2. Die historische Entwicklung des deutschen und des britischen Buchhandels: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel vom Tauschhandel zum Kommissions- und Zwischenbuchhandel in Deutschland sowie die zentralistischen Strukturen in England und Frankreich.
3. Standesorganisationen, ihre Entstehung und Funktionen: Hier wird die Gründung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels als Reaktion auf marktwirtschaftliche Bedürfnisse sowie die Entwicklung der Ladenpreisbindung analysiert.
4. Selbstwahrnehmung und kulturelles Selbstverständnis: Dieses Kapitel beleuchtet das Selbstbild der Verleger als Kulturträger in Deutschland im Gegensatz zum primär kommerziell orientierten Verlegerwesen in England.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Besonderheiten des deutschen Buchhandels eher äußeren Umständen als einer isolierten kulturellen Spitzenleistung zuzuschreiben sind.
6. Literaturangaben: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Buchhandel, Deutschland, England, Frankreich, Börsenverein, Ladenpreisbindung, Zwischenbuchhandel, Kommissionsbuchhandel, Buchproduktion, Kulturträger, Verlagsgeschichte, Standesorganisation, Historischer Vergleich, Buchmarktanalyse, Vertriebsstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des deutschen Buchhandels vom 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Vergleich zu den Buchhandelsstrukturen in England und Frankreich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Vertriebsstrukturen, die Entstehung von Standesorganisationen, die Bedeutung der Ladenpreisbindung und das kulturelle Selbstverständnis der Buchhändler.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Besonderheiten der deutschen Buchhandelsgeschichte durch einen internationalen Vergleich herauszuarbeiten und historisch-kulturelle Einflüsse kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende historische Analyse, die Sekundärliteratur und zeitgenössische Quellen einbezieht, um Buchhandelsstrukturen gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Wandel vom Tauschhandel zum Zwischenbuchhandel, die Rolle des Börsenvereins, das Spannungsfeld der Preisbindung sowie die unterschiedliche Selbstwahrnehmung von Verlegern als Kaufleute oder Kulturträger.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Buchhandel, Börsenverein, Ladenpreisbindung, Kulturträger, Zwischenbuchhandel und internationaler Vergleich.
Warum war der Börsenverein des deutschen Buchhandels für die Branche so wichtig?
Er entstand als notwendiges Abrechnungszentrum und Interessenvertretung, um Reformen wie die Ladenpreisbindung durchzusetzen und den Buchhandel in einem territorial zersplitterten Deutschland zu organisieren.
Welche Rolle spielten Leihbibliotheken in England?
Sie waren massgebliche Abnehmer für Neuerscheinungen, fungierten als Indikatoren für den Markterfolg und beeinflussten durch ihre Nachfrage die Preis- und Auflagenpolitik der Verlage.
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- Stephan Jung (Author), 2008, Besonderheiten des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert im internationalen Vergleich zu Frankreich und England, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148180