Das Wort Polysemie ist gebildet aus dem griechischen Wort poly für viel und sema für Zeichen. Der Gegenbegriff ist die Monosemie. Da Polysemie im Allgemeinen Mehrdeutigkeit eines sprachlichen Zeichens bedeuten kann, ist oft auch von Ambiguität die Rede.
Das Problem, mit dem sich diese Arbeit beschäftigt, ist, dass auch Homonymie Mehrdeutigkeit bezeichnet und die Begriffe nicht immer eindeutig auseinander zuhalten sind. Darum müssen Charakteristika gefunden werden, die eine Unterscheidung zur Polysemie zulassen. Da diese Frage viele Linguisten beschäftigte, wird auch ein Blick auf die historische Entwicklung der Beg-riffe im Rahmen der Linguistik geworfen. Außerdem werden auch die jeweils gegenteiligen Phänomene Monosemierung bzw. Disambiguierung und Synonymie untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Polysemie
2.1. Kontextabhängigkeit
2.2. Monosemierung
2.3. Historischer Exkurs
3. Synonymie
3.1. Formen der Synonymie
3.2. Nichtsynonymien
4. Homonymie
4.1. Homophonie und Homographie auf Wortformebene
4.2. Voraussetzungen für partielle Homonymie
5. Polysemie oder Homonymie?
5.1. Mögliche Unterscheidungen
5.2. Subkategorisierung zur besseren Abgrenzung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der theoretischen Abgrenzung der Begriffe Polysemie und Homonymie im Rahmen der linguistischen Semantik. Das Ziel ist es, Kriterien zu identifizieren, die eine klare Unterscheidung zwischen diesen beiden Formen der lexikalischen Mehrdeutigkeit ermöglichen, wobei insbesondere die historische Entwicklung und kontextuelle Faktoren beleuchtet werden.
- Definition und Charakteristika von Polysemie und Homonymie
- Bedeutung von Kontext und Monosemierung bei der Interpretation mehrdeutiger Ausdrücke
- Untersuchung von Synonymie als ergänzendes semantisches Phänomen
- Kriterien zur Differenzierung, insbesondere unter Einbeziehung etymologischer Ansätze
- Problematik der subjektiven Einschätzung durch das Sprachbewusstsein
Auszug aus dem Buch
2. Polysemie
Im Allgemeinen ist der Terminus Polysemie definiert als Mehrdeutigkeit von Wörtern und Sät zen. Ein Ausdruck, der zwei oder mehr Bedeutungen aufweist, welche etwas miteinander gemein haben und sich unter Umständen aus einer einzigen Grundbedeutung ableiten lassen, ist polysem. "Die Tatsache, daß ein Wort […] mehrere miteinander verbundene/zusammenhängende Bedeu tungen hat, wird gemeinhin als eine zentrale Eigenschaft lexikalischer Einheiten bezeichnet." (Schneider 1988: 101) Somit lassen sich unter Lexemen mit identischer Form verschiedene Inhal te zusammenfassen. Vergleichbare inhaltliche Merkmale lassen es zu, dass ein Ausdruck zur Be zeichnung mehrerer Sachverhalte verwendet werden kann. Ein Lexem ist also polysem, wenn es mehrere miteinander verbundene Bedeutungen beziehungsweise Bedeutungsvarianten hat.
Als Beispiel kann das Adjektiv alt dienen. Es weist drei Bedeutungsvarianten auf. Die erste ist das Gegenteil von neu. Der Bezug auf die Dauer des Gebrauchs oder des Bestehens eines Gegenstandes wie etwa eine alte Uhr ist gemeint. Die zweite ist das Gegenteil von jung. Es gibt die bisherige Lebenszeit von Dingen an, z.B. von altem Wein. Die dritte Möglichkeit schließlich bezeichnet etwas zeitlich zurückliegendes, wie das Beispiel die alten Griechen.
Auch wenn die verwendete Bedeutung nicht immer klar ist, existieren doch einige klare Fälle, wie der Gebrauch von rock in (1) und (2).
(1) He threw a rock in the lake.
(2) I am listening to rock.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der lexikalischen Mehrdeutigkeit ein und skizziert das Problem der Abgrenzung zwischen Polysemie und Homonymie.
2. Polysemie: Dieses Kapitel definiert Polysemie als Mehrdeutigkeit mit verbundenen Bedeutungen und erläutert die Rolle von Kontext und historischer Entwicklung.
3. Synonymie: Es wird geklärt, wie Synonymie als Bedeutungsgleichheit definiert ist, und es werden verschiedene Formen sowie Nichtsynonymien abgegrenzt.
4. Homonymie: Das Kapitel behandelt Homonymie als disjunktive Kombination von Sememen und unterscheidet zwischen Homophonie und Homographie.
5. Polysemie oder Homonymie?: Hier werden Kriterien und methodische Ansätze zur Unterscheidung der beiden Begriffe, inklusive des Etymologiekriteriums, diskutiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine scharfe Grenzziehung aufgrund individueller Faktoren wie dem Sprachbewusstsein schwierig bleibt.
Schlüsselwörter
Polysemie, Homonymie, Ambiguität, Semantik, Lexem, Mehrdeutigkeit, Monosemierung, Synonymie, Sprachwandel, Kontextabhängigkeit, Semem, Etymologie, Sprachbewusstsein, Bedeutungsvariante, linguistische Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der lexikalischen Mehrdeutigkeit und konzentriert sich dabei auf die präzise begriffliche Unterscheidung zwischen Polysemie und Homonymie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definitionen von Polysemie, Homonymie und Synonymie, die Rolle des Kontextes bei der Bedeutungskonstitution sowie historische und etymologische Abgrenzungskriterien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Identifikation und kritische Prüfung von Kriterien, um festzustellen, ob ein mehrdeutiger Ausdruck als polysem oder homonym einzuordnen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte, theoretisch-linguistische Analyse, die verschiedene semantische Theorien und Ansätze der Fachliteratur vergleicht und diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Konzepte von Polysemie und Homonymie, beleuchtet historische Entwicklungen, erörtert die Rolle der Kontextabhängigkeit und prüft verschiedene Abgrenzungskriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Polysemie, Homonymie, Ambiguität, semantische Analyse, Lexem und Sprachbewusstsein charakterisieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Polysemie und Homonymie oft schwierig?
Die Schwierigkeit liegt laut Arbeit vor allem im Unsicherheitsfaktor des menschlichen Sprachbewusstseins sowie in der Tatsache, dass semantische Analysen oft keine eindeutigen, objektiven Ergebnisse liefern.
Welche Rolle spielt das Etymologiekriterium bei der Abgrenzung?
Das Etymologiekriterium untersucht die historische Herkunft von Bedeutungen, stößt jedoch an seine Grenzen, wenn Informationen über den gemeinsamen Ursprung in einer Sprache nicht vorhanden sind.
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- M.A. Florian Kaltenhäuser (Author), 2008, Polysemie oder Homonymie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148205