Die Industrialisierung Thüringens am Beispiel der feinmechanisch-optischen Werkstätten von Carl Zeiss

Ein außergewöhnlicher Aufstieg


Seminararbeit, 2008
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbetrachtungen zur Industrialisierung Thüringens

3. Der Aufstieg des Zeiss-Unternehmens
3.1. Das junge Unternehmen bis 1871
3.2. Ab der Gründung des Deutschen Reiches 1871

4. Ernst Abbes soziales Denken und die Carl-Zeiss-Stiftung

5. Schlussbetrachtungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Keine andere geschichtliche Entwicklung vermochte das Bild heutiger moderner Städte und Landschaften so massiv zu prägen, wie es der Prozess der Industrialisierung tat. Etwa 60 Jahre später als in England, dem Ursprungsland der Industriellen Revolution, setzten auch in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weitreichende strukturelle Veränderungen ein. Die Erfindung der Dampfkraft, die nicht nur mit ihrer Verwendung im Eisenbahnbau das Transportwesen revolutionierte, sondern auch zur Technisierung von Herstellungsabläufen beitrug, eröffnete neue Möglichkeiten in Produktion und Absatz. Auch im kleinstaatlichen Thüringen lässt sich diese gesamtdeutsche Entwicklung nachweisen, wenngleich sie zunächst langsam begann.[1]

Die vorliegende Arbeit verfolgt mit ihrem Thema einen Teil der Industriegeschichte Jenas, die mit der Gründung der feinmechanisch-optischen Werkstätte von Carl Zeiß 1846 ein Unternehmen mit Weltruf hervorbrachte. Klaus Mütze erkennt in dieser Gründung einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Stadt Jena, nicht mehr nur geprägt von der ansässigen Universität, der Alma mater Jenensis.[2] Aus diesem Ansatz ergibt sich die Fragestellung, wie sich aus dieser Grundsteinlegung des „Hof- und Universitätsmechanikus“[3] Carl Zeiß in weniger als hundert Jahren ein erfolgreiches Weltunternehmen entwickeln konnte. Hierzu geben die Vorbetrachtungen zunächst einen kurzen Einblick in das Aufkommen neuer und die Entwicklung bestehender Gewerbezweige im Thüringer Wirtschaftsraum. Dabei soll vordergründig von Interesse sein, welche elementare Bedeutung dem Maschinenbau zukommt und welche Industriezweige aus dem mechanischen Gewerbe hervorgingen. Der daran anknüpfende dritte Gliederungspunkt der Arbeit beschäftigt sich mit dem jungen Zeiss-Unternehmen und seinem Aufstieg als ein führendes Beispiel der feinmechanisch-optischen Industrie. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Physiker Ernst Abbe ließ den wachsenden Betrieb nicht nur von zahlreichen technischen Innovationen profitieren, sondern auch von dessen „pragmatische[r] Sozialverantwortung“[4]. Worin sich dieser Einfluss widerspiegelt, untersucht der vierte Abschnitt genauer und geht dabei vordergründig auf die Carl-Zeiss-Stiftung ein, deren Statut größtenteils von Abbe selbst abgefasst wurde. Letzteren Betrachtungen werden Auszüge aus dem Statut der Carl Zeiss-Stiftung von 1896 zugrundegelegt.

Diese Arbeit forciert in ihrer inhaltlichen Zusammenstellung keine Unternehmensgeschichte von Carl Zeiss, sondern betrachtet themarelevante Aspekte, die auf bedeutende Begleiterscheinungen der Industrialisierung, wie zum Beispiel der Konkurrenzdruck, wirtschaftliche Krisen und erschwerte Arbeitsbedingungen, reagieren. Außer Acht gelassen wurde außerdem die Entwicklung des Zeiss-Unternehmens ab Beginn des ersten Weltkriegs.

2. Vorbetrachtungen zur Industrialisierung Thüringens

Um 1800 noch auf bäuerliche und kleingewerbliche Betriebe gestützt, profitierte der Thüringer Raum schon frühzeitig von seinen reichen Rohstoffvorkommen (Thüringer Wald und Vorland) und seiner günstigen geografischen Lage entlang zahlreicher europäischer Handelsrouten. Bereits seit der Frühen Neuzeit hatte sich auf Basis der landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf dem Land und in den Städten ein vielgestaltiges Gewerbe entwickelt, das zunehmend an Bedeutung gewann. Zunächst noch zünftig organisiert, produzierten die darunter vorherrschenden Handwerksbetriebe überwiegend für den Bedarf der einheimischen Bevölkerung.[5]

Zwar bildete sich in Thüringen kein bedeutendes Handelszentrum aus, doch konnten gerade die an wirtschaftlich bedeutenden Transportwegen gelegenen Gebiete am überregionalen Handel partizipieren. So dominierten zum Beispiel in Eisenach und Umgebung die Holzverarbeitung, die Farbenherstellung und die Erzeugung von Garnen, die in Süddeutschland, der Schweiz und in Russland Absatz fanden. Die im ostthüringischen Gera und Schleiz aus sächsischer Wolle hergestellten Textilgewebe hatten sogar Abnehmer im Vorderen Orient und in Übersee.[6]

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lassen sich auch in Thüringen vermehrt Anzeichen einer aufkommenden Industrialisierung erkennen. Das zeigt sich einerseits in der zunehmenden Großproduktion, andererseits in der einsetzenden „Technisierung der gewerblichen Fertigungsprozesse“[7]. Beide Aspekte sind freilich nicht unabhängig voneinander zu betrachten, zumal bereits die vorindustrielle Phase eine Tendenz zur Großproduktion aufweist.[8] Vielfältige technische Innovationen, wie die Konkurrenz in England sie nutzte, erlaubten es auch in Thüringen, effektive Arbeitsmaschinen in den Produktionsprozess zu integrieren. Schon frühzeitig vollzog sich im Textilgewerbe ein Wandel, indem bereits im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erste mechanische Webstühle (Eisenach und Gera) zum Einsatz kamen. Als einer der erfolgreichen traditionellen Gewerbezweige dauerte es nicht lange, bis hier die mechanisierte Produktion bestimmend war.[9]

Andere Gewerbezweige mit langer Tradition, wie zum Beispiel die Glaserzeugung und –verarbeitung und die daraus entstandene Porzellanproduktion in Südthüringen, hatten weitaus stärker mit dem scharfen Wettbewerb zu kämpfen. Weiterhin auch auf Handarbeit basierend, erfuhren diese Gewerbezweige ein hohes Maß an Spezialisierung, um sich auf dem Markt behaupten zu können. Die eben erwähnten Zweige zeigen ansatzweise Merkmale einer sich etablierenden Form von Markwirtschaft, in der es um Produktionsvorteile bzw. um Spezialisierung, orientiert an der Nachfrage, geht. Die Produktion der beliebten Spielwaren aus Südthüringen erlebte sogar einen Aufschwung. Sie hatte sowohl vielfältige Verarbeitungs- und Fertigungsmöglichkeiten, als auch eine unerschöpfliche Bandbreite an Materialien zur Verfügung.[10]

Eine nicht unbedeutende wirtschaftliche Rolle kommt dem wachsenden Maschinengewerbe zu. Parallel zu den Bestrebungen der Betriebe, auf Maschinenbetrieb umzustellen und die Produktpalette zu erweitern, steigt auch die Nachfrage nach entsprechenden Produktionsmaschinen. Zunächst an englischen Errungenschaften orientiert, begannen die Handwerker des Metallgewerbes sich dieser Herausforderung zu stellen. Bereits 1847 entstand in Gera die erste Thüringer Maschinenbauanstalt.[11]

Zahlreiche neue Innovationen kamen auf und technische Lösungen wurden praxisnah entwickelt. Da diese Neuerungen in Thüringen wiederum eine wachsende Interessentenschaft fanden, wie auch überregional, trieb diese Entwicklung die Industrialisierung gleichermaßen voran.[12] Die nun steigende Nachfrage an Werkzeugen und Instrumenten regte sowohl das metallverarbeitende Gewerbe in Südthüringen an, wie auch die Gründung zahlreicher metallverarbeitender und mechanischer Werkstätten.

Um den Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen aus dem mechanischen Gewerbe mehrere spezialisierte Industriezweige hervor. Mit der Gründung einer feinmechanischen Werkstätte in Jena durch Carl Zeiß im Jahr 1846 entwickelte sich der Zweig der feinoptisch-mechanischen Industrie. Weitere erfolgreiche Industriezweige entstanden aus der industriellen Uhrenherstellung, die kostengünstige Modelle auf den Markt bringen konnten, und aus „Produzenten von Armaturen für Gas- und Wasserleitungen [und] Dampfkessel“[13].

[...]


[1] Vgl. Wolfgang Mühlfriedel: Die Industrialisierung Thüringens. Erfurt 1994. S. 8.

[2] Vgl. Klaus Mütze: Die Macht der Optik. Industriegeschichte Jenas, 1846-1996. Bd. 1:

Vom Atelier für Mechanik zum Rüstungskonzern, 1846-1946. Weimar 2004. S. 9.

[3] Hans Nutzinger: Ernst Abbe als Sozialreformer. In: Ernst Abbe als Unternehmer und

Sozialreformer. Ein Beitrag zur Wirtschaftsethik. Hrsg. v. A. Klemm u. N. Knoepffler. München 2007. S. 40.

[4] Alexander von Witzleben: Abbes Sozialreformen und die Jenoptik AG. In: Ernst Abbe

als Unternehmer und Sozialreformer. Ein Beitrag zur Wirtschaftsethik. Hrsg. v. A. Klemm u. N. Knoepffler. München 2007. S. 63.

[5] Vgl. Wolfgang Mühlfriedel: Die Industrialisierung in Thüringen. Grundzüge der

gewerblichen Entwicklung in Thüringen von 1800 bis 1945. Erfurt 2001. S. 13-15.

[6] Vgl. Ebenda. S. 16.

[7] Ebenda. S. 23.

[8] Vgl. Ebenda.

[9] Vgl. Wolfgang Mühlfriedel: Die Industrialisierung Thüringens. Erfurt 1994. S.1.

[10] Vgl. Wolfgang Mühlfriedel: Die Industrialisierung in Thüringen. Erfurt 2001. S. 41.

[11] Vgl. Wolfgang Mühlfriedel: Die Industrialisierung Thüringens. Erfurt 1994. S. 4.

[12] Vgl. Wolfgang Mühlfriedel: Die Industrialisierung in Thüringen. Erfurt 2001. S. 98-

101.

[13] Vgl. Wolfgang Mühlfriedel: Die Industrialisierung in Thüringen. Erfurt 2001. S.104.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Industrialisierung Thüringens am Beispiel der feinmechanisch-optischen Werkstätten von Carl Zeiss
Untertitel
Ein außergewöhnlicher Aufstieg
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Seminar "Thüringische Geschichte von 1800 bis 1930"
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V148285
ISBN (eBook)
9783640590216
ISBN (Buch)
9783640590025
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Industrie, Zeiss, Feinmechanik, Optik, Jena, Abbe, Thüringen, Gewerbe, Abbe-Stiftung, Statut, Universität
Arbeit zitieren
Kerstin Zimmermann (Autor), 2008, Die Industrialisierung Thüringens am Beispiel der feinmechanisch-optischen Werkstätten von Carl Zeiss, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148285

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