Meine Hausarbeit widmet sich thematisch den Missbräuchen bei der Bilderherstellung und Bilderverehrung, sowie den Maßnahmen, die zur Verhinderung derartiger Missbräuche ergriffen wurden. Was galt aber im ausgehenden 16. Jahrhundert als Missbrauch? Handelte es sich dabei nur um vereinzelte Missstände oder ein Problem, das die gesamte katholische Kirche betraf? Die Reformatoren sahen es wohl so. Aber dies soll nicht Thema dieser Hausarbeit sein. Vielmehr befasst sie sich, nach einer kurzen zeitlichen und thematischen Einordnung, auf der Grundlage der Beschlüsse des Trienter Konzils zur Bilderverehrung, mit den Traktaten Molanus’, Bellarmins, Paleottis und Borromeos. Diese vier Verfasser definierten die Funktion eines Bildes, die Aufgaben des Malers und bildeten somit mit ihren Werken die theoretische Grundlage, um Missbräuche bei der Herstellung und Verehrung von Bildern im ausgehenden 16. Jahrhundert zu unterbinden. Die Hausarbeit unterscheidet dabei zwei Bereiche, einerseits die Missbräuche der Maler und andererseits die (abergläubischen) Missbräuche der Gläubigen. Dem Klerus kam bei der Missbrauchsbekämpfung eine gewichtige Aufgabe zu. So hatte das Konzil von Trient den Bischöfen auferlegt, in ihren Diözesen für eine korrekte Verwendung der Bilder zu sorgen. Konkrete Maßnahmen gegen fehlgeleitete Maler, Gläubige und Maßnahmen allgemeiner Art sollen des Weiteren unter diesem Punkt thematisiert werden. Die Reformatoren haben ihrerseits die Finger in die offene Wunde der katholischen Kirche gelegt. Wenn nun die katholische Kirche von selbst eine aus ihrer Sicht missbräuchliche Praxis aufgreift und mit höchster Lehrautorität zu beheben sucht, ist dies bemerkenswert, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bilderverehrung an sich nie in Frage gestellt wurde. Es ist deshalb zweifelsfrei so, dass es sich bei der Missbrauchsbekämpfung um eine Detailfrage handelte, da das Hauptinteresse der Bildertheologen dem Nachweis galt, dass die Bilderverehrung kein abusus war.
Nachdem die theoretischen Bestimmungen, die die Missbräuche definierten, und die Missbräuche und die Verantwortlichen dargestellt, sowie die Maßnahmen zur Behebung derselben geschildert wurden, lässt sich der Erfolg bewerten. Denn nur wenn es gelang, die Missbräuche zu bekämpfen, waren die Bestimmungen des Konzils von Trient und deren Ausführungen in den Traktaten erfolgreich und dem Ziel dienlich, die Bilderverehrung zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zeitliche und thematische Einordnung
3. Die Beschlüsse des Konzils von Trient zur Bilderverehrung
4. Die Verhinderung von Missbräuchen bei der Bilderherstellung und –verehrung
4.1 Theoretische Bestimmungen
a) Grundsätzliches
b) Theoretische Ansätze bei Johannes Molanus, Robert Bellarmin, Gabriele Paleotti und Karl Borromeo
c) Unterschiede der Ansätze und Zielsetzungen
4.2 Missbräuche
a) Grundsätzliches
b) Missbräuche durch Maler
c) Missbräuche durch Gläubige und allgemeiner Art
4.3 Missbrauchsbekämpfung
a) Die Stellung und die Aufgaben des Klerus bei der Missbrauchsbekämpfung
b) Maßnahmen gegen Maler / Anforderungen an die Maler
c) Maßnahmen gegen Gläubige und allgemeiner Art
4.4 Erfolg der Maßnahmen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Missbräuche bei der Herstellung und Verehrung von Bildern im ausgehenden 16. Jahrhundert sowie die kirchlichen Gegenmaßnahmen, basierend auf den Dekreten des Konzils von Trient und den Traktaten bedeutender Theologen der Zeit.
- Konzilsbeschlüsse von Trient zur Bilderverehrung
- Theoretische Grundlagen bei Molanus, Bellarmin, Paleotti und Borromeo
- Identifikation und Klassifizierung religiöser Bilder-Missbräuche
- Rolle des Klerus und spezifische Anforderungen an Künstler
- Erfolgsbewertung der kirchenrechtlichen Maßnahmen
Auszug aus dem Buch
Johannes Molanus
Das Bildertraktat von Johannes Molanus hatte bereits früh einen offiziösen Charakter erlangt. So hatte die Antwerpener Diözesansynode 1610 beschlossen, dass bei den Darstellungen sowie bei der Genehmigung von Bildern das zu beachten ist, was Molanus geschrieben hat. 1643 wurde er bei einer Entscheidung der römischen Ritenkongregation als Autorität erwähnt. Molanus übte in seinem Werk harte Kritik an Bildern, die nach seiner Auffassung religiöse Inhalte falsch oder unchristlich darstellten, und gab Anweisungen zur korrekten, orthodoxen Wiedergabe. Ihm ging es einerseits darum, die im kirchlichen Gebrauch befindlichen Bilder gegenüber den Häretikern zu verteidigen und andererseits wollte er die christlichen Künstler in das sehr enge Korsett katholischer Orthodoxie und moralischer Schicklichkeit zwängen. Molanus warnte davor, Bilder zu schaffen, die den Ungebildeten Anlass zu gefährlichem Irrtum geben könnten. Dieser könnte dann das Seelenheil der Betrachter in Gefahr bringen. Über den Irrtum zu urteilen, behielt er dem Lehramt vor. Molanus sah aber in einem religiösen Kunstwerk das im Vergleich zur hohen Schultheologie minderwertigere Medium, um die ungebildeten Laien zu belehren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Themas, Eingrenzung der Fragestellung bezüglich der Missbrauchsbekämpfung bei der Bilderverehrung und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
2. Zeitliche und thematische Einordnung: Darstellung der historischen Rahmenbedingungen, insbesondere des Einflusses der Reformation auf die katholische Haltung zur religiösen Kunst.
3. Die Beschlüsse des Konzils von Trient zur Bilderverehrung: Analyse des Dekrets von 1563 als Antwort auf die reformatorische Kritik und als didaktisches Instrument der Kirche.
4. Die Verhinderung von Missbräuchen bei der Bilderherstellung und –verehrung: Eingehende Untersuchung der theoretischen Ansätze, der Missbrauchskategorien, der Rolle des Klerus und der Maßnahmen gegen Maler und Gläubige.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Erfolgs der Maßnahmen, wobei die Stärkung der kirchlichen Tradition und der Position des Klerus hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Bilderverehrung, Konzil von Trient, Missbrauchsbekämpfung, Johannes Molanus, Robert Bellarmin, Gabriele Paleotti, Karl Borromeo, Gegenreformation, sakrale Kunst, Bildtheologie, Ikonoklasmus, Frömmigkeit, Klerus, Kirchenreform, Bilderkult.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Hausarbeit thematisiert die Bemühungen der katholischen Kirche im ausgehenden 16. Jahrhundert, Missbräuche bei der Herstellung und Verehrung heiliger Bilder durch theologische Traktate und kirchenrechtliche Anweisungen zu unterbinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Dekreten des Konzils von Trient, den Schriften bedeutender Bildertheologen, der Rolle des Klerus als Aufsichtsinstanz sowie der Abgrenzung gegenüber reformatorischen Positionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse, inwiefern die Maßnahmen der Kirche erfolgreich waren, den durch die Reformation kritisierten Bildergebrauch im Sinne einer katholischen Orthodoxie zu reinigen und zu festigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die primär auf der Analyse von Konzilsdekreten und den Bildertraktaten von Molanus, Bellarmin, Paleotti und Borromeo sowie auf der Auswertung relevanter Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Bestimmungen zur Bildtheologie, die Kategorisierung von Missbräuchen bei Malern und Gläubigen sowie die Darstellung der konkreten administrativen und disziplinarischen Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bilderverehrung, Gegenreformation, Bildtheologie, sakrale Kunst und kirchenamtliche Missbrauchsbekämpfung charakterisieren.
Welche Rolle spielt Gabriele Paleotti in der Arbeit?
Kardinal Paleotti wird als eine zentrale Figur hervorgehoben, die versuchte, eine theoretische Grundlage für die sakrale Kunst zu schaffen und dabei eine besonders strikte Haltung gegen moralisch fragwürdige oder abergläubische Darstellungen vertrat.
Zu welcher Schlussfolgerung kommt der Verfasser bezüglich des Erfolgs der Maßnahmen?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass die praktischen Maßnahmen gegen Maler und Gläubige eher geringe Auswirkungen hatten, jedoch die Stärkung der kirchlichen Autorität und die Festigung einer ununterbrochenen Tradition als wesentliche Erfolge zu werten sind.
- Quote paper
- Wilfried Pott (Author), 2010, Die Beschlüsse des Konzils von Trient und die Traktate Molanus’, Bellarmins, Paleottis und Borromeos zur Bilderverehrung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148304