Im Rahmen der Vorlesungen im Modul 3.3 „Versorgungsstrukturen der Sozial- und Gesundheitssysteme“ begannen wir mit dem Versuch eines Vergleiches verschiedener Gesundheitswesen. Dort haben wir festgestellt, dass trotz der hohen Bedeutung, den die Gesundheitssysteme unter anderem durch den demographischen Wandel, in der modernen Politik genießen, sich noch keine theoretisch angeleitete Gesundheitssystemforschung bis heute etabliert hat. Die Finanzierungs- und Ausgabenproblematik, die Entstehungsgeschichte und das Durchschnittsalter der in einem bestimmten Land lebenden Bevölkerung sind daher die Hauptaugenmerke bei der vergleichenden Analyse dieser Systeme. Durch den, in Europa recht ausgeprägten demographischen Wandel, kommt es zu einer Alterung dieser Gesellschaften, die volkswirtschaftlich relevant wird, da sich der Anteil der erwerbstätigen gegenüber der nichterwerbstätigen Bevölkerung kontinuierlich reduziert. Die finanzielle Tragfähigkeit von Systemen mit altersabhängigen Sicherungsleistungen, wie es zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland durch Leistungen wie Renten, Gesundheits- und Pflegeleistungen der Fall ist, wird das Gesundheitssystem auf die Prüfung gestellt. Kommen dann noch unvorhergesehene Situationen, wie zum Beispiel die Finanzkrise 2009, als zusätzliche Belastung für das System hinzu, kann dieses schnell zu einer finanziellen Durststrecke kommen.
In dieser Arbeit werde ich die Gesundheitssysteme von den EU- Ländern Frankreich, das im Jahre 2000 von der WHO als eines der weltweit besten Systeme eingestuft wurde und Deutschland und einem nicht EU- Land, der Schweiz beschreiben, die Ziele einer vergleichenden Forschung darstellen und anschließend die Problematik eines objektiven Vergleiches herausarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Frankreich
2.1 Entstehung
2.2 Finanzierung
2.3 Organisation
2.4 Reform
2.5 Das französische Gesundheitswesen in Zahlen
3 Deutschland
3.1 Entstehung
3.2 Organisation
3.3 Finanzierung
3.4 Reformen
3.5 Das deutsche Gesundheitswesen in Zahlen
4 Schweiz
4.1 Entstehung
4.2 Organisation
4.3 Finanzierung
4.4 Franchise
4.5 Das schweizer Gesundheitswesen in Zahlen
5 Der Vergleich
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gesundheitssysteme von Frankreich, Deutschland und der Schweiz mit dem Ziel, die Herausforderungen einer vergleichenden Forschung aufzuzeigen, die unterschiedlichen Finanzierungs- und Organisationsmodelle darzustellen und die Problematik eines objektiven Systemvergleichs zu analysieren.
- Strukturvergleich der Gesundheitssysteme in Frankreich, Deutschland und der Schweiz.
- Analyse der demografischen Herausforderungen und deren Einfluss auf die Finanzierung.
- Untersuchung der nationalen Reformbemühungen zur Steigerung der Effizienz.
- Vergleich mittels quantitativer Kennzahlen (Pro-Kopf-Ausgaben, Lebenserwartung).
- Kritische Reflexion der Vergleichbarkeit aufgrund unterschiedlicher Finanzsystematiken.
Auszug aus dem Buch
3.1 Entstehung
Trotz der konservativen und autoritären Regierung wurden die Grundsteine der deutschen, damalig preußischen Sozialpolitik, schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelegt. Deutschland war zwar zu diesem Zeitpunkt nur mäßig industrialisiert, doch die Etablierung einer solchen Sozialpolitik war eine Neuheit im Vergleich zu den Nachbarländern. Da man eine anhaltenden Hochkonjunktur erwartete, entstanden zwischen 1871 und 1873 viele neue Fabriken, Hochöfen und Bergwerke, deren Produktionen aber für den recht schwachen Konsum der Bevölkerung zu groß waren.
Durch die internationale Verflechtung der Wirtschaft entstand ein Konjunktureinbruch in ganz Europa und zugleich eine Bankenkrise in Österreich und Ungarn im Sommer 1873. Viele Unternehmen scheiterten nun und die Arbeitslosigkeit stieg. Bei denen, die noch beschäftigt waren, wurden die Löhne gesenkt, was zu einer Massenverelendung und einer extremen Verarmung führte, die sich durch alle Bevölkerungsschichten zog. Dies war keine normale Konjunkturkrise, sondern eine Krise des Liberalismus, wobei die Unzulänglichkeiten des politischen Liberalismus deutlich wurden. Durch diese Geschehnisse wurden staatliche Interventionen später von der Bevölkerung fortwährend mehr und mehr akzeptiert. Mit dem Ziel, das System wieder zu stabilisieren, führte Reichskanzler Bismarck im Jahre 1878 das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ ein. Des Weiteren etablierte Otto von Bismarck zum 01.12.1884 die gesetzliche Krankenversicherungspflicht. Die Krankenversicherung wurde zu zwei Drittel durch die Arbeitnehmer und von einem Drittel durch die Arbeitgeber finanziert (vgl. Lamping / Tamm 1994: 111 – 119).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtung der Relevanz von Gesundheitssystemforschung angesichts demografischen Wandels und Finanzkrisen bei gleichzeitigem Fehlen einer einheitlichen theoretischen Fundierung.
2 Frankreich: Darstellung der historischen Entwicklung, der Finanzierung über Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge sowie der staatlich stark gesteuerten Kassenstruktur.
3 Deutschland: Analyse der historischen Genese der Sozialversicherung, der Organisation nach dem Solidarprinzip und der fortlaufenden Reformprozesse bis hin zum Gesundheitsfonds.
4 Schweiz: Untersuchung des föderalistisch geprägten Pflichtversicherungssystems, das trotz privater Akteure durch den Bund reguliert wird.
5 Der Vergleich: Kritische Auseinandersetzung mit der Vergleichbarkeit der drei Systeme anhand von Parametern wie Lebenserwartung, Ärztedichte und Pro-Kopf-Ausgaben.
6 Fazit: Resümee über die Unmöglichkeit eines perfekten Systems und Plädoyer für ein Miteinander der Systeme zum Besten der Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Gesundheitssystem, Sozialpolitik, Krankenversicherung, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Finanzierung, demografischer Wandel, Solidarität, Gesundheitsfonds, Managed Care, Gesundheitsreform, Leistungsvergleich, Sozialsystem, Patientenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem internationalen Vergleich der Gesundheitssysteme von Frankreich, Deutschland und der Schweiz hinsichtlich ihrer Entstehung, Finanzierung und Struktur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historischen Grundlagen der Sozialpolitik, der demografische Wandel als Belastungsprobe für Finanzierungssysteme sowie die fortlaufenden nationalen Gesundheitsreformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Problematik eines objektiven Vergleichs verschiedener Gesundheitssysteme herauszuarbeiten und die Wirksamkeit der unterschiedlichen Versorgungsmodelle zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Analyse, bei der neben historischen Hintergründen auch quantitative Kennzahlen wie Pro-Kopf-Ausgaben und Lebenserwartung herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die drei Länder einzeln hinsichtlich Entstehung, Organisation und Reformen beschrieben, gefolgt von einer vergleichenden Gegenüberstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Gesundheitssystem, Krankenversicherung, Finanzierung, Solidarität und Gesundheitsreform.
Wie unterscheidet sich das Finanzierungsmodell der Schweiz von den anderen?
Im Gegensatz zu den beitragsorientierten Modellen in Deutschland und Frankreich basiert das Schweizer System auf regional differenzierten Pauschalprämien ohne direkte Anbindung an das Einkommen.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der Systeme?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es kein perfektes Gesundheitssystem gibt und favorisiert für Deutschland das Modell mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, fordert jedoch ein länderübergreifendes Miteinander statt eines reinen Wettbewerbs.
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- Andreas Fraunhofer (Author), 2009, Internationale Gesundheitssysteme im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148306