Nach Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems im Jahre 1973 begannen in der darauffolgenden Dekade die wichtigsten Volkswirtschaften der Welt damit, ihre Kapitalverkehrskontrollen abzubauen und ihren Wechselkurs teils ganz, teils bis zu einem gewissen Grad zu flexibilisieren. Parallel dazu erlebten die ostasiatischen Staaten einen rasanten Wirtschaftsaufschwung und steuerten rapide auf einen Platz in den Reihen der Industriestaaten zu. Auch an China ist diese Entwicklung nicht spurlos vorüber gezogen. Das Land etablierte sich zunehmend als Exportriese, nicht zuletzt durch sukzessive Handelsliberalisierungen im Bereich der monetären Außenwirtschaft. Die Zielsetzung lag dabei vorrangig auf hohen Wachstumsraten des Sozialprodukts, sowie einem stabilen graduellen Reformpfad. Bezüglich der Liberalisierung des Kapitalverkehrs schien jedoch die Transformation zu stagnieren. Der Wechselkurs wurde während der Jahrtausendwende nahezu fix an den US-Dollar gebunden und die Kapitalmobilität ist bis zum heutigen Tage noch stark reglementiert. Trotz dieser unter Experten als Rudimente aus einer vergangenen Zeit empfundenen Systeme, gelang es der, an der Bevölkerung gemessen, größten Volkswirtschaft der Welt, konstant hohe Wachstumsraten zu generieren und gleichzeitig auf einem stabilen Reformpfad zu wandern. Mit dem weitestgehend unbeschadeten Überstehen der Asienkrise im Jahr 1997 bestand China eine gewisse Feuerprobe, obwohl einige Bereiche der Ökonomie eine ähnliche Symptomatik entwickelt hatten, wie die der Nachbarstaaten, die in dieser Zeit in eine schwere Rezession fielen.
In dieser Seminararbeit werde ich primär das außenwirtschaftliche Phänomen erklären, inwiefern gerade die allgemein als rückständig geltenden Maßnahmen zu Notwendigkeiten eines stabilen chinesischen Wachstumspfades werden konnten. Das zeitliche Intervall dieser Arbeit beschränkt sich auf die Periode der chinesischen Dollarkopplung zwischen 1994 und 2005, um einen sowohl zeitlich, als auch thematisch klar definierten Rahmen zu stecken, in dem ich eine tiefergehende Analyse vornehmen kann. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie des magischen Dreiecks
2.1 Fixer Wechselkurs und kontrolliertes Floaten
2.1.1 Bindung an einen Vermögenstitel
2.1.2 Bindung an einen Währungskorb
2.1.3 Kontrolliertes Floaten
2.2 Autonome Geldpolitik
2.3 Freier internationaler Kapitalverkehr und Kapitalverkehrskontrollen
2.4 Das Trilemma des magischen Dreiecks
3 China und das magische Dreieck
3.1 Chinas Wechselkurssystem - 1994 bis 2005
3.2 Die Geldpolitik Chinas
3.3 Kapitalverkehrskontrollen Chinas
4 Auswertung des magischen Dreiecks
4.1 Beweggründe der anpassungsfähigen Festschreibung in China
4.2 Problematik von Alternativen zur anpassungsfähigen Festschreibung
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das außenwirtschaftliche Trilemma Chinas im Zeitraum von 1994 bis 2005 und analysiert, wie das Land durch eine Kombination aus Währungskopplung und Kapitalverkehrskontrollen einen stabilen Wachstumspfad realisieren konnte.
- Theoretische Grundlagen des magischen Dreiecks (Mundell-Fleming-Modell)
- Entwicklung des chinesischen Wechselkurssystems zwischen 1994 und 2005
- Analyse der chinesischen Geldpolitik und deren Instrumente
- Rolle von Kapitalverkehrskontrollen zur Stabilisierung der Binnenwirtschaft
- Auswertung der Strategie der anpassungsfähigen Festschreibung im globalen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1 Chinas Wechselkurssystem - 1994 bis 2005
Vor dem Jahre 1994 wurde der Wert der chinesischen Währung (im Folgenden Remminbi bzw. Yuan) durch ein duales Wechselkurssystem bestimmt, welches sich grundsätzlich aus dem offiziellen Wechselkurs, sowie aus dem Kurs der sogenannten Foreign Exchange Adjustment Centers zusammensetzte. Die Funktion dieser regionalen Swapmärkte bestand darin, zunächst Unternehmen, die mit ausländischem Kapital gegründet worden waren, die Möglichkeit zu bieten, erwirtschaftete Devisen untereinander handeln zu können (Xu 2000: S. 263 f.). Faktisch bildete sich der Kurs auf diesen Märkten durch den Marktmechanismus und wies das Verhalten eines flexiblen Wechselkurses auf (Herr 2008: S. 27 f.), wobei lediglich die straffen Zugangsbeschränkungen ein vollkommen freies Einstellen des Marktgleichgewichtes behinderten. Bis dato war es lediglich ausländischen Firmen, Joint Ventures und Unternehmen, die mit ausländischem Kapital gegründet worden waren, gestattet Devisenbewirtschaftung zu betreiben. Als sich jedoch im Laufe der Zeit diese Kontrollen lockerten und die Zahl der, an Swapmärkten zugelassenen Unternehmen wuchs, vergrößerte sich ebenso die Spanne zwischen den Wechselkursen, da die Tauschmärkte einen erleichterten Zugang zu Devisen boten (Klenner 2006: S. 62 f.).
Am 01. Januar 1994 wurde schließlich das duale Wechselkurssystem aufgelöst, vereinheitlicht und auf das Niveau des Swapmarktkurses reduziert, da zu dem Zeitpunkt mit diesem bereits geschätzte 80 Prozent aller Devisentransaktionen durchgeführt wurden (Herr 2008: S. 28). Im Zuge dessen hatten chinesische Betriebe nun die Möglichkeit Defizite auszugleichen, die aus der bisherigen Benachteiligung durch den Ausschluss von Außenwirtschaftsgeschäften resultierten (Klenner 2006: S. 63). Der Umtauschkurs lag bei 8,7 Yuan pro US-Dollar im Jahr 1994; er entwickelte sich kontinuierlich bis zu einem finalen Kurs von 8,28 Yuan pro US-Dollar im Jahre 1997 (Goldstein/Lardy 2008: S. 2). Dabei sprach man von einem System des kontrollierten Floatens, wobei es formell der People´s Bank of China gestattet war, Wechselkursschwankungen durch Interventionen entgegenzuwirken (Laurens et al. 1996: S. 62). In der Nachbetrachtung handelte es sich faktisch um einen fixen Wechselkurs, bei dem der Renminbi fest an den US-Dollar gekoppelt wurde, da die beobachteten Wechselkursschwankungen in der Periode als sehr geringfügig galten (Herr 2008: S. 28).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der chinesischen Außenwirtschaftsreformen ein und definiert den zeitlichen Rahmen sowie das Ziel der Untersuchung.
2 Theorie des magischen Dreiecks: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Modell des magischen Dreiecks und die Interdependenz zwischen Wechselkursstabilität, Kapitalverkehr und autonomer Geldpolitik.
3 China und das magische Dreieck: Dieses Kapitel beschreibt die spezifischen Merkmale der chinesischen Wechselkurspolitik, der Geldpolitik und der Kapitalverkehrskontrollen zwischen 1994 und 2005.
4 Auswertung des magischen Dreiecks: Dieses Kapitel analysiert die Motive hinter Chinas Strategie der anpassungsfähigen Festschreibung und diskutiert die Problematik potenzieller Alternativen.
5 Fazit und Ausblick: Dieses Kapitel schließt die Arbeit mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftige wirtschaftspolitische Herausforderungen Chinas ab.
Schlüsselwörter
China, Außenwirtschaft, Trilemma, magisches Dreieck, Wechselkurs, Geldpolitik, Kapitalverkehrskontrollen, Renminbi, Yuan, Dollarkopplung, Transformation, Reformpfad, Devisenreserven, Wirtschaftswachstum, Liberalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das außenwirtschaftliche Trilemma Chinas im Zeitraum 1994 bis 2005 und erklärt, wie das Land seine Währungspolitik und Kapitalverkehrskontrollen zur Förderung des Wirtschaftswachstums eingesetzt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Theorie des magischen Dreiecks, das chinesische Wechselkurssystem, die Rolle der Zentralbank bei der Geldpolitik sowie die Auswirkungen von Kapitalverkehrskontrollen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern die als rückständig wahrgenommenen Maßnahmen Chinas in der untersuchten Periode tatsächlich notwendig für einen stabilen Wachstumspfad waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse des Mundell-Fleming-Modells sowie der empirischen Untersuchung der chinesischen Wirtschaftsdaten und -politik in der angegebenen Dekade.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen, die Details des chinesischen Systems (Wechselkurs, Geldpolitik, Kapitalkontrollen) und eine analytische Auswertung der Strategie der anpassungsfähigen Festschreibung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das magische Dreieck, die Dollarkopplung des Renminbi, der gradualistische Reformprozess und das Konzept der anpassungsfähigen Festschreibung.
Warum entschied sich China für eine Dollarbindung des Renminbi?
Die Bindung diente als nomineller Anker zur Sicherung der Preisstabilität und bot ausländischen Investoren ein berechenbares Umfeld, was wiederum langfristige Direktinvestitionen förderte und Transaktionskosten reduzierte.
Welche Rolle spielten Kapitalverkehrskontrollen für die chinesische Geldpolitik?
Die Kontrollen ermöglichten es der People's Bank of China, einen gewissen geldpolitischen Spielraum zu behalten und auf Binnenanforderungen zu reagieren, ohne die Wechselkursstabilität bei gleichzeitigem Kapitalabfluss oder -zufluss zu gefährden.
Was bedeutet der Begriff "anpassungsfähige Festschreibung"?
Dies beschreibt den Mechanismus, bei dem die Zentralbank durch unvollkommene Kapitalkonvertibilität einen gewissen Grad an geldpolitischer Autonomie konservieren kann, während sie gleichzeitig den Wechselkurs stabilisiert.
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- Di Piao (Author), 2009, Das außenwirtschaftliche Trilemma Chinas von 1994 bis 2005, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148347