Die vorliegende Diplomarbeit will das breite Feld des schulischen Engagements untersuchen. Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet dabei: »Was kann die Schule dazu beitragen, aus Schülerinnen und Schülern zivilgesellschaftlich verantwortungsvolle, an der Gesellschaft und Politik partizipierende Bürger zu machen?«
Im ersten Kapitel "Kinder und Jugendliche" steige ich in die Problematik der Arbeit ein und skizziere die gegenwärtige Situation von Kindern und Jugendlichen. Herausgestellt wird dabei die Besonderheit ihrer Lebenssituation in der heutigen Zeit.
Das zweite Kapitel "Zivilgesellschaft und Engagement" geht auf das Konzept einer Zivilgesellschaft ein und verdeutlicht die Relevanz von zivilgesellschaftlichem Engagement. Der Schwerpunkt liegt auf dem Bildungswesen in der Zivilgesellschaft und es stellt sich die Frage: »Welche Veränderungen und Reformen müssen in der Institution Schule vollzogen werden, damit sie dazu beiträgt aus den Schülerinnen und Schülern zivilgesellschaftlich verantwortungsvolle, an der Gesellschaft und Politik partizipierende Bürgerinnen und Bürger zu machen?«
"Partizipation und Politik": so lautet der Titel des dritten Kapitels, in dem – im Sinne des in Kapitel Fünf behandelten Konzepts der "Civic Education" – der erste Schwerpunkt auf Partizipation in der Gemeinde liegt. Behandelt werden die Möglichkeiten, Chancen und Grenzen der Beteiligungsangebote.
Der zweite Schwerpunkt liegt auf der politischen Partizipation, deren theoretische Bedeutsamkeit und praktische Wirklichkeit dargestellt wird. Aus den Ergebnissen werden die pädagogischen Konsequenzen gezogen.
Das vierte Kapitel "Demokratie und Schule" widmet sich der Frage: »Wie kann die Institution Schule dazu beitragen, dass sich Jugendliche zu mündigen Bürgern entwickeln, die aktiv ihre Rechte und Pflichten wahrnehmen?« Im Zentrum der Ausführungen steht dabei die Schule und deren Modernisierungsbedarf. Abschließend wird das deutsche Konzept »Öffnung der Schule« vorgestellt.
Das fünfte Kapitel befasst sich eingehend mit schulischer Bürgerbildung, gemeint ist "Civic Education". Untermauert werden die Ausführungen durch ein Praxisbeispiel: das BLK-Programm »Demokratie lernen und leben – Schule in der Zivilgesellschaft«.
Das Lehr-Lernkonzept "Service Learning" wird im sechsten Kapitel ausführlich beschrieben. Der pädagogische Nutzen dieses Konzepts steht im Mittelpunkt der Analyse.
Inhaltsverzeichnis
1. Kinder und Jugendliche
1.1 Die Situation von Kindern und Jugendlichen heute
1.1.1 Individualisierung und Pluralisierung der Lebensentwürfe
1.1.2 Verinselte Kindheit
1.1.3 Entscheidungskompetenz
1.2 Die kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
1.2.1 Entwicklung kognitiver Leistungen
1.2.2 Kognitive Defizite im Kindes- und Jugendalter
1.2.3 Die Rolle der Schule für die Entwicklung kognitiver Kompetenzen
1.3 Zusammenfassung
2. Zivilgesellschaft und Engagement
2.1 Was ist eine "Zivilgesellschaft"?
2.1.1 Das Konzept der Zivilgesellschaft
2.1.1.1 Gesellschaft und Individuum in der Zivilgesellschaft
2.1.1.2 Politik in der Zivilgesellschaft
2.1.1.3 Bildungswesen und Schule in der Zivilgesellschaft
2.1.2 Zivilcourage
2.1.3 Zwischenfazit
2.2 Bürgerschaftliches/ Zivilgesellschaftliches Engagement
2.2.1 Motive für zivilgesellschaftliches Engagement
2.2.2 Wirkung von zivilgesellschaftlichem Engagement
3. Partizipation und Politik
3.1 Was ist "Partizipation"?
3.2 Partizipation von Kindern und Jugendlichen
3.3 Partizipation in der Gemeinde
3.3.1 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Kommunen
3.3.2 Pädagogische Begleitung der Beteiligungsangebote
3.3.3 Zusammenfassung
3.4 Politische Partizipation
3.4.1 Politische Partizipation Jugendlicher
3.4.2 Zusammenfassung
4. Demokratie und Schule
4.1 Was ist "Demokratie"?
4.2 Der demokratische Bürger
4.2.1 Personale Verhaltensnormen
4.2.1.1 Interesse
4.2.1.2 Skepsis
4.2.1.3 Anteilnahme
4.2.2 Soziale Verhaltensnormen
4.3 Schule in der Demokratie
4.3.1 Autonomie von Schule in der Wissensgesellschaft
4.3.2 Schule in der Modernisierungskrise
4.3.2.1 Die Rolle des Lehrers
4.3.2.2 Zusammenfassung
4.3.3 Das deutsche Konzept »Öffnung der Schule«
4.3.4 Politische Bildung in der Schule
5. Civic Education
5.1 Was ist "Civic Education"?
5.2 Konzepte und Methoden von Civic Education
5.2.1 Konzepte der Civic Education in den USA und Kanada
5.2.1.1 Kontraktualistischer Ansatz
5.2.1.2 Tugendethischer Ansatz
5.2.2 Methoden der Civic Education in den USA und Kanada
5.2.3 Konzepte der Civic Education in England
5.2.4 Methoden der Civic Education in England
5.3 Die Bedeutung von Civic Education
5.3.1 Die aktuelle Situation in Deutschland
5.3.2 Die Bedeutung einer Civic Education für Deutschland
5.4 Praxisansätze einer Civic Education in Deutschland
5.5 Elemente einer Civic Education
5.5.1 Kooperatives Lernen
5.5.2 Demokratisches Sprechen
5.5.3 Jugendführungstrainings (Youth Leadership Trainings)
5.5.4 Verantwortung lernen (Service Learning)
6. Service Learning
6.1 Was ist "Service Learning"?
6.1.1 Ablauf der Service Learning Projekte
6.1.1.1 Recherche-Phase
6.1.1.2 Ideen-Phase
6.1.1.3 Planungs-Phase
6.1.1.4 Reflexions-Phase(n)
6.1.1.5 Feedback
6.1.2 Der Aspekt der Teamarbeit in Service Learning Projekten
6.2 Ziele von Service Learning
6.3 Wirkungen von Service Learning
6.3.1 Wirkung von Service Learning auf die Schüler
6.3.2 Wirkung von Service Learning auf benachteiligte Kinder und Jugendliche
6.3.3 Wirkung von Service Learning auf Schule und Schulklima
6.3.4 Wirkung von Service Learning auf die Gesellschaft
6.3.5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht das breite Feld des schulischen Engagements und geht der zentralen Forschungsfrage nach, welchen Beitrag die Schule leisten kann, um aus Schülerinnen und Schülern zivilgesellschaftlich verantwortungsvolle sowie politisch partizipierende Bürgerinnen und Bürger zu machen.
- Bedeutung von Partizipation für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
- Konzept der Zivilgesellschaft und die Rolle des Bildungswesens
- Schule als Lernort für Demokratie und politische Urteilsbildung
- Civic Education als neues Bildungskonzept im internationalen Vergleich
- Service Learning als spezifische Methode des Lernens durch Engagement
Auszug aus dem Buch
Einleitung
"Tu` was für andere und lern` was dabei!" Unter diesem Motto könnte ein Projekt in einer beliebigen deutschen Schule stattfinden: Schülerinnen und Schüler kochen im Zeitraum eines Schuljahres einmal in der Woche für Obdachlose ein Essen. Die bedürftigen Menschen der Stadt bzw. Region bekommen im Rahmen des schulischen Engagements eine warme Mahlzeit. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei wie man eine gesunde Speise zubereitet und serviert. Gleichzeitig erfahren sie aber auch mehr über Obdachlosigkeit und Armut in Deutschland. Mögliche Erfolge, die aus den gesammelten Erfahrungen der einzelnen Projektteilnehmer/-innen erzielt werden können, sind darüber hinaus der Abbau von Schranken, Vorurteilen und Vorbehalten.
Da so ein Projekt nicht ohne die Unterstützung und Hilfe (karitativer) Einrichtungen des regionalen Umfeldes zu finanzieren ist, lernen die Schülerinnen und Schüler durch den Kontakt und Austausch mit den kommunalen Institutionen wie beispielsweise der Caritas, der Diakonie, dem Sozialamt und lokalen Lebensmittelgeschäften die Einrichtungen selbst und deren Funktionen kennen.
Diese Projektvorstellung ist um vielfältige Ideen ergänzbar und kann beispielsweise auch in Zusammenarbeit mit einem Seniorenwohnheim oder einem Behindertenheim stattfinden, in dem die Schülerinnen und Schüler einmal in der Woche für Senioren bzw. für Menschen mit Behinderung kochen. Dabei können sie mehr über Seniorenwohnformen, Behindertenwerkstätten, senioren- oder behindertengerechte Ernährung erfahren.
Werden diese vielfältigen und praktischen Erfahrungen mit schulischer Wissensvermittlung (gesunde Ernährung in Biologie, Mengenberechnungen und Kostenkalkulationen in Mathematik, das Verfassen von Spendenbriefen im Deutschunterricht, die Aneignung von Hintergrundwissen über Armut, den Sozialstaat, die demokratische Staatsform, Solidarität und Barmherzigkeit im Sozialkunde-, Ethik- bzw. Religionsunterricht) verbunden spricht man von einem "Service Learning Projekt". Das Prinzip von Service Learning lautet: "Lernen durch Engagement".
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kinder und Jugendliche: Dieses Kapitel skizziert die Lebenssituation heutiger Kinder und Jugendlicher und beleuchtet die für die Partizipation relevante kognitive Entwicklung.
2. Zivilgesellschaft und Engagement: Hier wird das Konzept der Zivilgesellschaft definiert und die Bedeutung sowie die Motive für bürgerschaftliches Engagement erläutert.
3. Partizipation und Politik: Das Kapitel befasst sich mit den Grundlagen der Partizipation, insbesondere der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Gemeinden und dem politischen Partizipationsverhalten.
4. Demokratie und Schule: Hier wird das Demokratieverständnis diskutiert und untersucht, wie Schule als Ort der Demokratieerziehung modernisiert werden kann.
5. Civic Education: Dieses Kapitel stellt das Konzept der Civic Education sowie internationale Ansätze und Methoden vor und bewertet deren Bedeutung für Deutschland.
6. Service Learning: Das abschließende Hauptkapitel beschreibt das Lehr-Lernkonzept Service Learning, seinen Ablauf sowie dessen Wirkung auf Schüler, Schule und Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Civic Education, Service Learning, Zivilgesellschaft, Partizipation, Politische Bildung, Demokratieerziehung, Bürgerschaftliches Engagement, Demokratie lernen, Schulsozialarbeit, Schulkultur, Mitbestimmung, Schüler, Jugendliche, Soziales Lernen, Persönlichkeitsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Feld des schulischen Engagements und die Möglichkeiten, wie Schule dazu beitragen kann, Jugendliche zu verantwortungsbewussten und politisch aktiven Bürgern zu erziehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Zivilgesellschaft, politische Partizipation, Demokratiepädagogik, das Konzept der Civic Education und die praktische Umsetzung durch Service Learning.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie Schule reformiert werden muss, um Schüler zu zivilgesellschaftlich verantwortlichem Handeln zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die pädagogische Konzepte (wie Civic Education und Service Learning) mit aktuellen Befunden zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen sowie Ergebnissen von Modellprogrammen (wie BLK-Programm) verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lebenswelt Jugendlicher, das Konzept der Zivilgesellschaft, Partizipationsmöglichkeiten, den Demokratie-Modernisierungsbedarf der Schule, sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Civic Education und Service Learning.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Civic Education, Service Learning, Zivilgesellschaft, Partizipation, politische Bildung und demokratische Schulkultur charakterisieren.
Warum ist das Konzept des Service Learning so zentral für die Arbeit?
Service Learning wird als pädagogisch wertvolle Methode identifiziert, da es schulisches Lernen direkt mit dem Dienst am Gemeinwohl verknüpft und so eine Brücke zwischen Theorie und lebensweltlicher Praxis schlägt.
Was besagt die These zur "Verinselung von Kindheit"?
Die Arbeit beschreibt damit das Phänomen, dass Kinder zwar eigene Räume haben, diese aber oft von Erwachsenen gestaltet und räumlich isoliert sind, was die soziale Interaktion zwischen den Generationen erschwert.
Welche Rolle spielen Lehrerinnen und Lehrer bei der Umsetzung dieser Konzepte?
Lehrkräfte fungieren nicht mehr nur als Wissensvermittler, sondern als Begleiter, die Mut zu kontroversen Diskussionen aufbringen, Macht abgeben können und Lernprozesse projektorientiert moderieren müssen.
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- Katharina Glaser (Author), 2009, Civic Education – Eine neue Form des Lernens für zivilgesellschaftliche Kompetenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148351