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Identitätsbildung, soziale Netzwerke und professionelle psychosoziale Versorgung

Eine Auseinandersetzung

Title: Identitätsbildung, soziale Netzwerke und professionelle psychosoziale Versorgung

Seminar Paper , 2008 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Thomas Meinhart (Author)

Psychology - Developmental Psychology
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Summary Excerpt Details

Die postmoderne westliche Gesellschaft ist geprägt durch die voranschreitende Erosion
lange gewachsener Bezugssysteme in denen Menschen leben und die ihnen helfen ihre
Identität angemessen und mehr oder weniger selbstbestimmt auf- und auszubauen, die
Unterstützung und Schutz bieten und weitgehend die Basis für ein Leben in der
Gesellschaft darstellen. Gerade in den Metropolen westlicher Gesellschaften, aber nicht
nur dort, zeichnet sich eine zunehmend stärkere Atomisierung und Individualisierung der
Gesellschaft ab. Eine zweischneidige Entwicklung. Eröffnen sich dem Individuum auf der
einen Seite Möglichkeiten die es vorher schlicht nicht hatte weil ihm beispielsweise der
Zugang zu bestimmten Systemen fehlte oder vorenthalten wurde, so wird dem Einzelnen
auf der anderen Seite mehr Eigenverantwortung für seine, häufig auf Mikroebene gar nicht
allein lösbaren, Probleme überantwortet.
Insbesondere in der Sozialpolitik aber auch in der Öffentlichkeit selbst wird der Ruf nach
mehr Eigenverantwortung der Bürger laut. Die Begrenztheit staatlicher Ressourcen wird
gebetsmühlenartig skandiert und die Stimmung gegenüber (wirtschaftlich) Benachteiligten
immer gereizter. Unterstrichen wird dieser Kreislauf durch die Forderung nach mehr
Leistung des Einzelnen, immer im Sinne der stets zu optimierenden Konkurrenzfähigkeit
im Zeitalter der Globalisierung. Die traditionell sozialstaatliche Unterstützung gerät unter
Druck.
Im Bereich der Sozialpolitik tobt seit langem ein bizarrer Diskurs in dem versucht wird
Verantwortung zunehmend an Systeme zurückzugeben die allenfalls noch nostalgischen
Wert haben, als Lebensentwürfe einer Minderheit zu sehen sind und als tragender Pfeiler
einer individualistisch dominierten Solidargemeinschaft sicher ungeeignet sind. So wird
beispielsweise der Widerspruch und die missliche Lage der sog. „Keimzelle der
Gesellschaft“, der Familie, bei genauerem hinsehen mehr als deutlich. Familien sollen auf
der einen Seite zunehmend Verantwortung für ihre Mitglieder und deren soziale Notlagen
übernehmen (Kinder, Jugendliche, Alte, Kranke etc.). Auf der anderen Seite stellt die
klassische, jahrhundertelang gelebte und v.a. intergenerative Daseinsform der Familie seit
Jahrzehnten ein Auslaufmodell dar. Hinzu kommt ein kontinuierlicher Rückgang der
Geburten in westlichen Industrienationen sowie eine zunehmende Vergreisung der
Gesellschaften. Das Verhältnis zwischen Leistungsfähigen und Bedürftigen in diesen
Mikrosystemen steht auf dem Kopf.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung sozialer Netzwerke für die menschliche Entwicklung

3. Ausbildung der Identität

3.1. Ebene der situativen Selbstthematisierung

3.2. Ebene der Teilidentitäten

3.3. Ebene der Metaidentität

4. Anerkennung und soziale Netzwerke

5. Menschen in psychosozialen Notlagen und Prozesse der Identitätsbildung

6. Identitätsbildung, soziale Netzwerke und professionelle psychosoziale Versorgung

7. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen sozialer Vernetzung, Identitätsentwicklung und der professionellen psychosozialen Versorgung. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob und wie institutionelle Hilfesysteme die Identität und soziale Integration von Menschen in Notlagen beeinflussen, anstatt deren Selbstbefähigung zu fördern.

  • Die fundamentale Rolle sozialer Netzwerke für die menschliche Entwicklung.
  • Strukturmodelle der Identitätsbildung (situative, Teil- und Metaidentität).
  • Die Bedeutung von Anerkennungsprozessen für die Identitätsarbeit.
  • Die Auswirkungen professioneller Hilfesysteme auf die Autonomie von Betroffenen.
  • Die Gefahr einer zunehmenden ambulanten Ghettoisierung durch institutionelle Abhängigkeiten.

Auszug aus dem Buch

3.1. Ebene der situativen Selbstthematisierung

Scheinbar banalen Handlungen und Ausdrücken von Einzelpersonen gehen laufend situative Verortungen und damit verbundene Selbstlokalisierungen in sozialen Kontexten voraus. Identifikationsprozesse im engeren Sinn. Die Reaktion der jeweiligen Umwelt auf das Individuum spielt hier eine große Rolle. Wie reagieren die anderen auf mich und das was ich gerade tue/gerade getan habe? Welche Anerkennung/Missgunst ernte ich bei (u.U. wichtigen) Sozialpartnern? Der eingangs erwähnte reflexive Charakter des sozialen Handelns wird anhand der situativen Selbstthematisierung besonders deutlich. Eigene Handlungen rufen bei anderen Reaktionen hervor die wiederum die Gelegenheit bieten bzw. erfordern das eigene Handeln und eigene Identitätsentwürfe nachzujustieren bzw. neu zu etablieren.

Auch das erwünschte/gelernte/nachgeahmte Verhalten in Kollektiven gehört in den Bereich der Selbstthematisierung. Der Einzelne schlüpft praktisch in die Rolle einer Gemeinschaft die sich durch ein bestimmtes Verhalten oder durch bestimmte Werte und Vorstellungen auszeichnet. Das gezeigte Verhalten kann nach dem Verlassen der jeweiligen Gemeinschaft wieder komplett eingestellt werden. Auf der anderen Seite wiederum lassen sich die gezeigten Verhaltensmuster von Einzelpersonen die Teil eines identitätsstiftenden Kollektivs sind durchaus instrumentalisieren. In solchen Kollektiven ist es durchaus normal dass jegliche eigene Individualität unsichtbar wird. Wenngleich sie auch nicht verschwindet. Krasse Beispiele hierfür sind sicherlich Massenphänomene wie Konzerte, Fußballspiele bis hin zu Veranstaltungen in Diktaturen (z.B. Parteitage der NSDAP im 3. Reich) oder Gruppenexperimente wie „Die Welle“, in dem eine Schulklasse analog den Vorgehen in faschistischen Diktaturen völlig gleichgeschaltet und totalitär umgebaut wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel und die zunehmende Erosion traditioneller Bezugssysteme, die den Einzelnen vor neue Herausforderungen bei der Identitätsbildung stellt.

2. Bedeutung sozialer Netzwerke für die menschliche Entwicklung: Das Kapitel verdeutlicht anhand historischer Beispiele wie Kaspar Hauser, dass soziale Netzwerke und emotionale Zuwendung für die menschliche Entwicklung und psychische Stabilität überlebensnotwendig sind.

3. Ausbildung der Identität: Hier werden die Identitätsprozesse in drei Ebenen gegliedert: die situative Selbstthematisierung, die Ausbildung von Teilidentitäten und die strukturierende Funktion der Metaidentität.

4. Anerkennung und soziale Netzwerke: Es wird dargestellt, dass soziale Netzwerke primär durch Prozesse der Aufmerksamkeit, Bewertung und Selbstwertschätzung zur Identitätsentwicklung beitragen.

5. Menschen in psychosozialen Notlagen und Prozesse der Identitätsbildung: Dieses Kapitel analysiert, wie gesellschaftliche Randgruppen durch den Druck zur Anpassung in ihrer Identitätsbildung belastet werden und welche Rolle Hilfesysteme hierbei spielen.

6. Identitätsbildung, soziale Netzwerke und professionelle psychosoziale Versorgung: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklung psychosozialer Hilfsangebote und deren Einfluss auf die Autonomie und soziale Vernetzung Betroffener.

7. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die zunehmende Dominanz professioneller Hilfesysteme das Risiko einer systembedingten Abhängigkeit birgt, die die eigentliche Förderung zur Autonomie untergraben könnte.

Schlüsselwörter

Identitätsbildung, Soziale Netzwerke, Psychosoziale Versorgung, Anerkennung, Selbstthematisierung, Teilidentität, Metaidentität, Psychiatrie, Hilfesysteme, Autonomie, Abhängigkeit, Marginalisierung, Soziale Integration, Identitätsarbeit, Subkultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Bedeutung von sozialen Netzwerken für die menschliche Identitätsentwicklung und analysiert kritisch, wie professionelle psychosoziale Hilfesysteme diese Entwicklung bei Menschen in Notlagen beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf Identitätstheorie, der Bedeutung von sozialer Anerkennung, den Folgen von Deprivation sowie der Struktur und den Auswirkungen des modernen psychosozialen Versorgungssystems.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen sozialer Vernetzung und Identitätsstabilität aufzuzeigen und die Frage zu klären, ob professionelle Hilfe eher zur Autonomie führt oder neue Abhängigkeiten schafft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die Konzepte der Identitätsbildung mit soziologischen und psychiatrischen Beobachtungen verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Identitätsarbeit, die Bedeutung sozialer Anerkennung sowie eine kritische Untersuchung der psychosozialen Versorgungslandschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Identitätsbildung, Soziale Netzwerke, Psychosoziale Versorgung, Anerkennung und Autonomie sind die prägenden Begriffe dieser Studie.

Wie wirkt sich laut dem Autor das Kaspar-Hauser-Beispiel auf die Identitätsbildung aus?

Das Beispiel illustriert, dass Menschen soziale Wesen sind, die ohne den Kontakt zu Mitmenschen und die Chance auf emotionale Zuwendung ihre Identität nicht adäquat entwickeln können.

Welches Problem sieht der Autor bei der psychosozialen Versorgung?

Der Autor warnt davor, dass die zunehmende professionelle Hilfe das Risiko einer „ambulanten Ghettoisierung“ birgt, da die professionelle Versorgung an die Stelle natürlicher sozialer Netzwerke tritt und Betroffene in Abhängigkeit halten kann.

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Details

Title
Identitätsbildung, soziale Netzwerke und professionelle psychosoziale Versorgung
Subtitle
Eine Auseinandersetzung
College
Munich University of Applied Sciences  (Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften)
Grade
1,7
Author
Thomas Meinhart (Author)
Publication Year
2008
Pages
23
Catalog Number
V148367
ISBN (eBook)
9783640591251
ISBN (Book)
9783640591084
Language
German
Tags
Soziale Netzwerke Psychiatrie Identität Psychosoziale Versorgung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Meinhart (Author), 2008, Identitätsbildung, soziale Netzwerke und professionelle psychosoziale Versorgung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148367
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