In dieser Arbeit handelt es sich um einen Vergleich des gleichnamigen Buches und Film "Notturno Indiano" von Tabucchi.
Wie lassen sich gewisse Aspekte der Novelle filmisch realisieren und handelt es sich überhaupt um eine werkgetreue Literaturverfilmung? Und am wichtigsten: welche Auswirkungen haben mögliche Änderungen auf die erzählte Geschichte und deren Wirkung?
Um diese Fragen beantworten zu können, wird in jedem Kapitel dieser Masterarbeit ein für die Novelle ausschlaggebender Aspekt geprüft, der anschließend, im selben Kapitel, mit dem Film verglichen wird. Jedes Kapitel gliedert sich somit in zwei Teile, wovon der Letztere sich auf den Ersten bezieht. Die zu untersuchenden Aspekte sind folgende: die Struktur, die Atmosphäre, die Reise und der Rahmen der Novelle. Die jeweiligen Aspekte gliedern sich teilweise erneut in Unterkapitel, um diese in angemessener Weise beleuchten zu können. Beschränkt durch den Umfang dieser Arbeit, kann sie nur die ausgewählten Aspekte behandeln und somit keine gänzlich allumfassende Darstellung aller wichtigen Thematiken der Novelle aufgreifen. Es wird angestrebt Interpretationsansätze zu der Novelle und der Verfilmung zu liefern und lediglich basierend auf den ausgewählten Aspekten zu einem vergleichenden Urteil über die filmische Umsetzung Corneaus zu kommen.
Von diesem Vorhaben motiviert, gliedert sich die Masterarbeit in ein einführendes Kapitel, welches in aller Kürze den Autoren Antonio Tabucchi und seine Novelle Notturno indiano vorstellt, bevor sich dem analytischen Hauptteil der Arbeit gewidmet wird, in dem die genannten Aspekte innerhalb der Novelle und innerhalb des Films untersucht und miteinander verglichen werden. Die Arbeit endet mit einem abschließenden, fusionierenden Fazit zu den beiden Medien, ihrer Beziehung und ihrer jeweiligen Wirkung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Antonio Tabucchi und Notturno indiano
3. Vergleichende Analyse der Novelle und des Films
3.1 Struktur
3.2 Erzählperspektive
3.3 Protagonist
3.4 Zeit
3.5 Atmosphäre
3.5.1 Dunkelheit
3.5.2 Traum
3.5.3 Unklarheit
3.5.3.1 Schein vs. Sein
3.5.3.2 Intertextualität
3.5.4 Mysteriösität
3.6 Reise
3.6.1 Durch Indien
3.6.2 Zu sich selbst
3.7 Rahmen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit analysiert die Novelle „Notturno indiano“ von Antonio Tabucchi sowie die gleichnamige Verfilmung von Alain Corneau, um zu untersuchen, wie zentrale Aspekte der literarischen Vorlage in das visuelle Medium Film übersetzt wurden und welche interpretatorischen Konsequenzen diese filmische Umsetzung für die Rezeption der Geschichte hat.
- Strukturelle Gegenüberstellung von Novelle und Verfilmung
- Analyse der Erzählperspektive und Identitätssuche des Protagonisten
- Untersuchung der atmosphärischen Gestaltung (Dunkelheit, Traum, Unklarheit)
- Reflektion über die Darstellung Indiens als Raum der Selbstsuche
- Bewertung intertextueller Bezüge und medienübergreifender Erzählweisen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Wer sucht, der findet“, ist eine Redewendung, deren Grundgedanke weit verbreitet ist und tagtäglich von vielen Menschen bestätigt wird. Der Satz wird als Selbstlob, aber auch oft als Aufforderung verstanden nicht aufzugeben, wenn etwas schwer erreichbar erscheint oder verloren ging. Die Redewendung verspricht, dass derjenige, der wirklich sucht, am Ende auch fündig wird und die Anstrengungen belohnt werden. Aber was gilt es zu suchen und was findet man am Ende? Ist das Gesuchte mit dem Fund immer deckungsgleich oder findet derjenige, der sucht, eventuell auch Unerwartetes? Noch spannender wird die Frage, wenn man zwar sucht, aber selbst nicht genau weiß wonach. Was findet derjenige, der ahnungslos sucht?
Antonio Tabucchis Novelle Notturno indiano, veröffentlicht 1984, gehört heute zu den bekannten Klassikern der postmodernen Literatur und wurde dementsprechend bereits mehrfach versucht zu interpretieren. Die Schwierigkeit, die diesbezüglich auftritt, ist, dass es keine eindeutige Interpretation der Novelle zu geben scheint und wohl auch nicht geben soll. Tabucchi selbst deutete immer wieder darauf hin, dass Eindeutigkeit zu einfach sei und den Leser nicht genug motiviere selbst zu einer eigenen Interpretation zu kommen.
Fünf Jahre nachdem die Novelle veröffentlicht wurde, erschien unter der Leitung des französischen Regisseurs Alain Corneau eine Verfilmung mit dem Titel Nocturne indien. Bezugnehmend auf die bereits genannte Schwierigkeit, die Novelle eindeutig zu interpretieren, erscheint es umso problematischer, ein solch mehrdeutiges Werk zu verfilmen, da eine Literaturverfilmung, basierend auf der Tatsache, dass ein Film sich anderer Mittel bedienen kann als ein Buch, ohnehin schon mit Grenzen der werkgetreuen Darstellungsmöglichkeiten konfrontiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit, ein mehrdeutiges Werk wie „Notturno indiano“ zu interpretieren und filmisch umzusetzen, und definiert die Zielsetzung der vergleichenden Analyse.
2. Antonio Tabucchi und Notturno indiano: Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick über das Leben und Schaffen von Antonio Tabucchi sowie die Kernmotive seiner Novelle.
3. Vergleichende Analyse der Novelle und des Films: Der Hauptteil untersucht die filmische Adaptation einzelner Aspekte wie Struktur, Perspektive, Atmosphäre und Reise, um die Unterschiede zwischen Buch und Film offenzulegen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Film kein bloßes Abbild, sondern ein eigenständiges Kunstwerk darstellt, das die Rätselhaftigkeit der Vorlage beibehält.
Schlüsselwörter
Antonio Tabucchi, Alain Corneau, Notturno indiano, Literaturverfilmung, Identitätssuche, Postmoderne, Intertextualität, Erzählperspektive, Atmosphäre, Indien, Selbstsuche, Spiegelung, Ambivalenz, Film vs. Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht Antonio Tabucchis literarische Novelle „Notturno indiano“ mit der filmischen Adaption von Alain Corneau, um die mediale Umsetzung zentraler Themen wie Identität und Suche zu untersuchen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Struktur, die Erzählperspektive, der Protagonist, die Bedeutung von Zeit, Atmosphäre und die Indienreise als Metapher für die Suche nach Selbstfindung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es soll untersucht werden, wie bestimmte literarische Aspekte filmisch realisiert wurden und welche Auswirkungen die filmischen Änderungen auf die Interpretation und Wirkung der Geschichte haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine vergleichende Analyse, bei der jedes Kapitel in zwei Teile gegliedert ist: die Untersuchung der Novelle und der anschließende Abgleich mit der filmischen Umsetzung.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Erzählweise, des Protagonisten Roux, der Darstellung des Raumes Indien und der atmosphärischen Mittel (Dunkelheit, Traum, Unklarheit).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Identität, Intertextualität, Transformation, mediale Differenz, Rätselhaftigkeit und die Interpretation von „Notturno indiano“.
Warum wird Roux im Film manchmal als impulsiver wahrgenommen?
Der Film verzichtet teilweise auf die innere Sicht des autodiegetischen Erzählers, wodurch der Zuschauer das Handeln des Protagonisten mimetisch beobachtet und manche Reaktionen isoliert im Kontext erscheinen.
Welche Rolle spielt die Musik im Film von Alain Corneau?
Die Musik, insbesondere Franz Schuberts Streichquintett, dient als dramatisches Mittel, um eine Atmosphäre von latenter Trauer und Hoffnungslosigkeit zu erzeugen und die fehlende Erzählerstimme zu kompensieren.
Welche Funktion hat die „Dunkelheit“ in der Erzählung?
Die Dunkelheit erschwert die Orientierung und spiegelt die Verwirrung des Protagonisten wider, wobei sie im Film gleichzeitig zu einer konturlosen, atmosphärisch dichten und traumartigen Erfahrung beiträgt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Indien-Reiseführers?
Während in der Novelle die Struktur der Schauplätze wie ein Reiseführer fungiert, arbeitet der Film stärker mit „establishing shots“ und verändert die Abfolge der Orte, um die Fragmentierung der Suche zu unterstreichen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, "Ich ist ein Anderer". Vergleich von Antonio Tabucchis "Notturno indiano" und Alain Corneaus Verfilmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1484148