Maria Stuart - Schottlands tragische Königin


Fachbuch, 2010
79 Seiten

Leseprobe

Als berühmteste, berüchtigtste und bedauernswerteste Königin Schottlands galt Maria Stuart (1542–1587). Sie war nacheinander Königin zweier Länder und wollte vergeblich Herrscherin eines dritten Landes werden. Ihr erster Ehemann starb früh, der zweite Gatte taugte nichts und wurde ermordet, der dritte Gemahl musste flüchten. Zuletzt verlor sie fern der Heimat im Land ihrer Todfeindin ihren Kopf.

Der Beginn des Lebens von Maria Stuart stand unter einem unglücklichen Stern. Als sie am 8. Dezember 1542 in Linlithgow (Schottland) das Licht der Welt erblickte, erhofften sich ihre Eltern sehnlichst einen männlichen Thronfolger, da sie zuvor zwei Söhne in jungen Jahren verloren hatten. Ihr Vater war König Jakob V. von Schottland (1512–1542), ihre Mutter Maria von Guise (1515–1560) kam aus Frankreich und war die zweite Ehefrau.

Jakob V. stammte aus der Ehe von König Jakob IV. von Schottland (1473–1513) und dessen Gattin Margaret Tudor (1489–1541), der zweiten Tochter von König Heinrich VII. Tudor von England (1457–1509) und Elisabeth von York (1466–1503) sowie Schwester von Heinrich VIII. Tudor (1491–1547). Nach der Ermordung von Jakob IV. ehelichte Margaret zunächst Archibald Douglas, 6. Earl von Angus (1490–1557), von dem sie die Tochter Margaret Douglas (1515–1577) hatte, die später die Mutter von Henry Stuart, Lord Darnley (1545–1567), wurde, der im Leben von Maria Stuart noch eine Rolle spielen sollte. Nach der Scheidung von Angus heiratete sie Henry Stuart, den späteren Lord Methven. Auch die Ehe mit ihm endete mit einer Scheidung.

Schottland war früher ein rückständiges Land, in dem der Reichtum nach Ländereien und Schafen bemessen wurde. König Jakob V. beispielsweise besaß rund 10.000 Schafe, aber keinen Kronschatz, keine Armee und keine Leibgarde.

Angeblich hat der Vater von Maria Stuart deren Geburt mit den Worten kommentiert: „Mit einem Mädchen hat es begonnen, mit einem Mädchen wird es enden“. Damit soll er darauf angespielt haben, dass die Dynastie der Stuarts durch eine Heirat mit Margaret Bruce (1296–1316), der einzigen Tochter von König Robert I. (1274–1329), den Thron von Schottland bestiegen hatte und nun mit einer neugeborenen Königin unterzugehen drohte.

König Jakob V. starb einige Tage nach der Geburt von Maria Stuart am 14. Dezember 1542 im Alter von 30 Jahren im Falkland Palace (Schottland). Er erlag den Folgen schwerer Verletzungen, die er in der verlorenen Schlacht bei Solway Moss gegen die Engländer im November 1542 erlitten hatte.

Kriegsgegner England schickte nach der Geburt von Maria Stuart seine Glückwünsche. Der englische König Heinrich VIII. Tudor warb für seinen fünfjährigen Sohn Eduard VI. Tudor (1537–1553) um die Hand der schottischen Königstochter. Eduard stammte aus der Ehe mit Heinrichs dritter Frau Johanna Seymour (1509–1537). Durch den Heiratsantrag wollte England ohne Blutvergießen in den Besitz von Schottland kommen.

Am 14. Dezember 1542 wurde Maria Stuart im Alter von nur sechs Tagen Königin von Schottland. Bis 1544 fungierte James Hamilton, 2. Earl von Arran (1515/1516–1575), der Nächste in der Thronfolge, als Regent. Von 1544 bis 1560 herrschte Maria von Guise als Regentin für ihre Tochter Maria Stuart.

Im Juli 1543, als Maria Stuart sechs Monate alt war, wurde vertraglich vereinbart, dass sie neun Jahre später mit dem künftigen englischen König Eduard VI. Tudor vermählt werden sollte. Ihre Erben sollten in Personalunion über England und Schottland herrschen. Am 9. September 1543 krönte man Maria Stuart formell in Stirling Castle. Dabei trug sie königliche Roben, die speziell auf ihre kindliche Körpergröße abgestimmt worden waren, sonst aber weitgehend dem Original entsprachen.

Wenige Wochen nach der Krönung löste das schottische Parlament den Vertrag mit England auf. Heinrich VIII. Tudor hatte verlangt, Schottland solle seine traditionelle Allianz mit Frankreich – ein Defensivbündnis beider Länder gegen England – auflösen, was abgelehnt wurde.

Dies erzürnte König Heinrich VIII. Tudor. so sehr, dass er gegen Schottland in den Krieg zog, um mit Waffengewalt dem Sohn die versprochene Frau ins Haus zu holen. Es war eine der brutalsten Brautwerbungen der Geschichte. Im Mai 1544 erreichte Eduard Seymour, Herzog von Somerset (um 1500–1552), mit seiner Flotte den Hafen von Leith in Schottland. Er sollte Edinburgh einnehmen und die junge Königin entführen. Doch Maria von Guise konnte ihre Tochter in geheimen Räumen von Stirling Castle verstecken.

Der Krieg zwischen den verfeindeten Ländern England und Schottland ging auch nach dem Tod von König Heinrich VIII. am 28. Januar 1547 weiter. Nachfolger wurde sein neunjähriger Sohn Eduard VI., für den dessen Onkel Eduard Seymour, Herzog von Somerset, als Regent herrschte.

In der Schlacht bei Pinkie Cleugh am 10. September 1547 erlitt Schottland eine verheerende Niederlage. Maria von Guise brachte ihre Tochter Maria zunächst in der Priorei von Inchmahome in Sicherheit und wandte sich um Hilfe suchend an den französischen Botschafter. König Heinrich II. (1519–1559) von Frankreich schlug die Vereinigung Schottlands mit Frankreich vor, indem Maria Stuart seinen erstgeborenen Sohn Franz heiraten sollte.

Im Februar 1548 schickte Maria Guise ihre Tochter nach Dumbarton Castle. Inzwischen hatte England zahlreiche Überfälle auf das Gebiet von Schottland durchgeführt. Die Engländer eroberten die strategisch wichtige schottische Stadt Haddington, wurden dort aber im Juni 1548 von der französischen Armee vertrieben.

Am 7. Juli 1548 wurde in einem Nonnenkloster bei Haddington die Heiratsvereinbarung zwischen Maria und Franz II. (1544–1560) unterzeichnet. Einen Monat später legte die französische Flotte am 7. August 1548 in Dumbarton ab und brachte die fünfjährige Königin von Schottland nach Frankreich. Die Überfälle von England auf Schottland währten bis Juni 1551 und schwächten das Land merklich.

Die lebhafte, hübsche und intelligente Maria Stuart wurde in das Exil nach Frankreich von ihrem eigenen kleinen Hofstaat begleitet. Dazu gehörten zwei Lords, zwei Halbbrüder und vier Mädchen gleichen Alters namens Maria („vier Marys“) aus den angesehensten adligen Familien Schottlands: Beaton, Seton, Fleming und Livingston. Am französischen Hof erhielt Maria Stuart Unterricht in Latein, Spanisch, Italienisch und möglicherweise auch Griechisch. Französisch war ihr ganzes Leben lang ihre Muttersprache. Außerdem lernte sie, zwei Musikinstrumente zu spielen, Reiten, die Falknerei und Nadelarbeiten. Damals nahm sie den Nachnamen Stuart an, was die französische Schreibweise von Stewart war.

1549 wurde der fünfjährige französische Thronfolger Franz II. der Verlobte der sechsjährigen Maria Stuart.

Am 6. Juli 1553 starb der englische König Eduard VI. im Alter von nur 15 Jahren. Nachfolgerin wurde seine Halbschwester Maria I. Tudor (1516–1558), die Tochter von Heinrich VIII. aus seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragon (1485–1536). Maria I. Tudor heiratete 1554 den katholischen spanischen Thronfolger Philipp II. (1527–1598), den man 1556 zum König krönte. In England ließ sie wieder den katholischen Glauben einführen und Protestanten hinrichten.

Am 24. April 1556 heiratete Maria Stuart – wie vertraglich vereinbart – den ein Jahr jüngeren französischen Thronfolger Franz. Die prachtvolle Hochzeitszeremonie fand in der Kathedrale Notre-Dame in Paris statt.

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Details

Titel
Maria Stuart - Schottlands tragische Königin
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2010
Seiten
79
Katalognummer
V148498
ISBN (eBook)
9783640604463
ISBN (Buch)
9783640604302
Dateigröße
7765 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Maria Stuart, Schottland, Jakob V. von Schottland, Jakob IV. von Schottland, Jabob VI. von Schottland, Elisabeth I. Tudor, Heinrich VIII. Tudor, Maria von Guise, Maria I. Tudor, Franz II. von Frankreich, Lord Darnley, James Stuart, Robert Dudley, Frauenbiografien, Kurzbiografien, Biografien
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2010, Maria Stuart - Schottlands tragische Königin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148498

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