Fritz Klein: Eine Untersuchung über Abhängigkeiten eines Journalisten von Politik und Wirtschaft in der Weimarer Republik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) und Fritz Klein
2.1. Die DAZ und ihre politische Ausrichtung in der Weimarer Republik
2.2. Zur Person Fritz Klein

3. Die Inhaberverhältnisse der DAZ 1920-1933
3.1. Die DAZ unter dem Einfluß der Politik 1924-27
3.2. Die DAZ unter dem Einfluß der Wirtschaft 1927-33

4. Fritz Klein – Akteur oder Spielball? Untersuchung der Abhängigkeit anhand von drei Beispielen aus den Jahren 1930-32
4.1. Unstimmigkeiten zwischen Klein und den Geldgebern der Zeitung wegen der Berichterstattung über Brüning
4.2. Klein betreibt zur Existenzsicherung der DAZ Verlagspolitik
4.3. Klein setzt sich entgegen seiner wirschaftspolitischen Auffassung für Aufsichts­ratsvorsitzenden des Verlags ein

5. Grad der Abhängigkeit Kleins von den Geldgebern

6. Schluß

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Fritz Klein arbeitete von 1925 bis 1933 als Chefredakteur der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ), einem einflußreichen, besonders im Ausland beachteten Organ der National-konservati­ven in der Weimarer Republik. Klein war Leitartikler und Auslandsberichterstatter von den großen Konferenzen der Zeit. Zu Lebzeiten war er eine herausragende Figur im Zeitungswesen, sein Kürzel „Dr. F.K.“ galt als ein Markenzeichen. Seine Verbindungen zu führenden Persön­lichkeiten in Politik, Wirtschaft und Kultur machten ihn zu einem der angesehensten und zugleich streitbarsten publizierenden Journalisten der Republik.

Dennoch gibt es bisher keine vollständige Bio- bzw. Monographie über die Person oder die Zeitung. Klein scheint in Vergessenheit geraten zu sein. In Lexika finden sich kaum Einträge, in der Fachliteratur über Journalismus und Zeitungswesen in der Weimarer Zeit ist höchstens der DAZ ein Kapitel gewidmet, die historische Forschung ist ungenügend und teilweise sogar fehler­haft.[1] Eine Diplomarbeit aus dem Jahre 1992 ist meines Wissens nach das einzige um-fassendere Werk, wobei Berthold Neff den Schwerpunkt seiner Biographie auf Kleins Ver-hältnis zum Na­tionalsozialismus legt.[2] Ein Grund für die lückenhafte Informationslage besteht wohl darin, daß nur wenige autobiographische und persönliche Zeugnisse erhalten geblieben sind und die Re­daktionsprotokolle 1933 vom Nachfolger Kleins vernichtet wurden.

Diese Arbeit beschäftigt sich ebenfalls nur mit einem Teilaspekt der Geschichte der DAZ und des Chefredakteurs. Auch werde ich mich in der Hauptsache auf Ereignisse der Jahre 1931 und 1932 beziehen. Die Ausgangsfrage meiner Unersuchung lautet: Welche Möglichkeiten und Zwänge journalistischen Arbeitens in der Weimarer Republik ergaben sich, wenn man von der Tatsache ausgeht, daß die DAZ zwischen 1922 und 1932 zwar nicht zensiert und verboten wurde, aber immer abhängig von den Interessen und Geldern Dritter war? Wie agiert und rea­giert in diesem Spannungsfeld der Chefredakteur Fritz Klein?

Als Ergebnis soll der Grad der Abhängigkeit Kleins von den Inhabern und Geldgebern der DAZ bestimmt und beurteilt werden. Gerade dieses Thema ist bis dato in der Forschung nur ansatzweise besprochen worden. Meine Untersuchungen stützen sich vor allem auf Briefe und persönliche Notizen Kleins aus den Jahren 1931 bis 1933, die mir dessen Sohn, der Historiker Fritz Klein dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat.[3]

Im folgenden Kapitel werde ich erstens in einem Abriß die Geschichte der DAZ und ihre po­litische Ausrichtung vorstellen und zweitens die Person Fritz Klein, seine Arbeit, seine Weltsicht und seine Lebensumstände skizzieren. Kapitel drei wird die Inhaberverhältnisse der DAZ in der Weimarer Republik und die jeweiligen Interessen der Inhaber in zwei Abschnitten chronologisch vorstellen: Von 1924-27 die Geldgeber aus der Politik, von 1927-33 die aus der Wirtschaft. In Kapitel vier werde ich anhand von drei Beispielen aus den Jahren 1930-32 die Art und Weise von Kleins Abhängigkeit von Dritten und sein Handeln analysieren. Das fünfte Kapitel befaßt sich dann mit der Beurteilung der in Kapitel drei und vier herausgearbeiteten Ergebnisse, um den Grad der Abhängigkeit bzw. der persönlichen und redaktionellen Auto-nomie bestimmen zu können.

Wegen der unvollständigen Quellenlage und der dürftigen Forschungsliteratur speziell zu die­sem Thema, war es notwendig, einige Zusammenhänge und Sachverhalte zu konstruieren.

2. Die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) und Fritz Klein

Ausgehend vom Urteil Kurt Koszyks, daß die DAZ die „Nahtstelle für die Beziehungen von Staat und Industrie in der Weimarer Republik“ und Fritz Klein der „Vertrauensmann der indu­striellen Kreise“ gewesen sei,[4] werde ich kurz die Geschichte der DAZ und ihre politische Richtung vorstellen sowie das Leben und die Arbeit Fritz Kleins und seine Persönlichkeit skizzieren. Meine Ausführungen fußen dabei auf eine überblicksartige Durchsicht mehrerer Jahr­gänge der DAZ, auf den Aufzeichnungen Fritz Kleins im Archiv F.K. und den Angaben in der Autobiographie seines Sohnes.[5]

2.1. Die DAZ und ihre politische Ausrichtung in der Weimarer Republik

Die Zeitung trug seit der Novemberrevolution den Titel Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ).[6] Sie war die Nachfolgerin der 1861 gegründeten Norddeutschen Allgemeinen Zeitung und wurde von der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt herausgegeben. Im Kaiserreich wurde sie staatlich subventioniert und besaß den Charakter einer offiziösen Zeitung. Vor allem in den 1870ern galt sie als Sprachrohr Bismarcks. Politisch liberal-konservativ ausgerichtet, war sie im­mer auch wirtschafts- und unternehmerfreundlich.[7]

In der Weimarer Republik stand die Berliner Tageszeitung im Spannungsfeld zwischen einem SPD-regierten Preußen, konservativeren Reichsregierungen, der Deutschen Volkspartei (DVP) und Unternehmern aus der Schwerindustrie, dem Bank- und Reedereiwesen. Jeder dieser Kreise hat in unterschiedlichen Phasen und unterschiedlicher Intensität den Inhalt der Zeitung, die Re­daktions- und Verlagspolitik mitbestimmt bzw. zu beeinflussen versucht. Die Zeitung bediente neben dem bürgerlich-konservativen seit 1929 auch vermehrt das deutsch-nationale Lager und war kontinuierlich auf Subventionen aus Politik und Wirtschaft angewiesen.[8] Die Auflage konnte die DAZ von 20.000 Stück im Jahre 1920, über 60.000 Zeitungen 1929 auf bis zu ca. 120.000 Stück kurz nach der Machtübernahme Hitlers steigern.[9]

Der allgemeine Tenor der Zeitung richtete sich gegen den Kommunismus, die Gewerkschaf­ten und die Sozialpolitik der SPD-geführten preußischen Regierung. Daraus resultierend ist die seit 1930 zu Tage getretene und in der Forschung am meisten untersuchte Affinität zur national­sozialistischen Bewegung zu erklären. Es muß aber darauf hingewiesen werden, daß in der Be­richterstattung über die rechte Bewegung phasenweise kritische und skeptische Töne mitschwangen, so daß keinesfalls behauptet werden kann, die DAZ hätte journalistisch den Auf­stieg und die Machtergreifung Hitlers 1933 mit herbeigeschrieben.[10]

Beim Durchblättern verschiedener Jahrgänge ist aufgefallen, daß im Wirtschaftsteil eindeutig Themen der Schwerindustrie und Reedereien bevorzugt wurden. So gab es zum Beispiel eine regelmäßige Rubrik „Aus der Schiffahrt“ im Handelsteil und überproportional viele Artikel über die Lage im Ruhrbergbau und Geschäftsberichte der Konzerne, deren Vertreter im Aufsichtsrat der DAZ saßen. Ein besondere Beachtung fand die Darmstädter und National-bank (Danat), deren Direktor Walther Bernhard, ein Bewunderer Bismarcks, einen regen Briefwechsel mit Fritz Klein führte.[11]

Deutlich wird: Die DAZ vertrat während der Weimarer Zeit durchgehend Interessen der Ruhr-industrie, Banken und Großreedereien und orientierte sich dabei bis 1929 hauptsächlich an einer bürgerlich-konservativen Politik der DVP, danach an einer kapitalistisch-nationalen Politik, ohne Festlegung auf eine bestimmte Partei.

2.2. Zur Person Fritz Klein

Michael Arthur Friedrich, genannt Fritz Klein (1895-1936) wurde in Siebenbürgen geboren. Nach einer Anstellung als Chefredakteur der Hermannstädter Deutschen Tagespost hatte er einen steilen Aufstieg in der DAZ. 1921/22 hospitierte er unter Chefredakteur Rudolf Cuno, von 1922 bis 1925 arbeitete er als festangestellter Redakteur und leitete dann das Ressort Außenpolitik, 1924 wurde er zum Stellvertreter von Chefredakteur Paul Lensch ernannt. Im jungen Alter von 30 Jahren übernahm er ein Jahr später die Hauptverantwortung über die Zeitung, die er bis zu seiner Demission 1933 inne hatte. Sein erster Leitartikel in der DAZ erschien am 20.12.1925, sein letzter am 29.5.1933.

Sein Jahresgehalt als Chefredakteur der DAZ betrug geschätzte 36.000 RM. Nach Aussage von Klein jun. wollte sein Vater, daß sich seine journalistischen Erfolge in einer entsprechenden gesellschaftlichen Stellung niederschlugen. Beispielsweise bezog er 1929 mit seiner Familie eine anspruchsvolle 12-Zimmer Wohnung am Lützowplatz,[12] der Verlag übernahm die Miete von 1.000 RM pro Monat. 1931 kaufte er einen Mercedes für 4.400 RM.[13] Er pflegte, in vornehmen Lokalen zu speisen und elegante und teure Kleidung zu tragen.[14] Zeitgenossen und sein Sohn beschreiben Klein als einen ehrgeizigen, selbstbewußten, ambitionierten und Vorwärts streben­den Mann, der Großes im Sinn hatte.[15] Er war Mitglied im Deutschen Herrenklub (DHK) und im Rotary-Club, durch die er enge Kontakte zu Bankiers, Großindustriellen und Adeligen knüpfen konnte. 1929 wurde er zum Vorsitzenden des Vereins Berliner Presse gewählt, ein sehr reprä­sentatives und reputierliches Amt. Er begriff seine ausgezeichnete Stellung als Möglichkeit und Notwendigkeit, für seine Wertvorstellungen und politischen Ansichten im Rahmen der politi­schen Strukturen zu wirken.[16] In einem Brief an Wilhelm Cuno[17] (Generaldirektor der Hapag und Aufsichtsratsvorsitzender des Verlages) äußerte er den Wunsch, weiter „mit dazu beizutragen, dass der Wiederaufbau Deutschlands trotz aller furchtbaren Nöte der Zeit vorwärts kommt“.[18] Seine politischen Ansichten können als DVP-nah umschrieben werden, zur DNVP und ihrem Vorsitzenden Hugenberg hatte er ein gespaltenes Verhältnis. Wirtschaftspolitisch war Klein ein klarer Verfechter einer freien Wirtschaftsordnung. Er schätzte die Unternehmer Hugo Stinnes und Wilhelm Cuno. Lange Jahre fungierte der Chefredakteur als publizistischer Begleiter und Berater von Außenminister Stresemann.[19] Reichskanzler Brüning[20] wollte ihn zum Reichspresse­chef machen. Als ambivalent und die Entwicklungen in den 1930ern genau durchschauend, läßt sich Kleins Auffassung vom Nationalsozialismus und von Hitler charakterisieren. Weitsichtig und zeitig beachtete Klein bei seiner redaktionellen Arbeit die rechte Massenbewegung. Er befürwor­tete die nationale Ausrichtung der NSDAP, kritisierte aber das antikapitalistische Wirtschaftspro­gramm.[21]

[...]


[1] Beispielsweise ist bei Kurt Koszyks Kapitel über die DAZ im dritten Band „Deutsche Presse 1914-1945“ (Berlin 1972) auffällig, daß sich seine Ausführungen zum Zeitraum 1927-32 fast gänzlich auf den sehr einseitig im Duktus der DDR-Geschichtswissenschaft geschriebenen Aufsatz „Die ‚Deutsche Allgemeine Zeitung‘ und die Brüning Regierung. Zur Rolle der Großbourgeosie bei der Vorbereitung des Faschismus.“ von Wolfgang Ruge in der ZfG (16/1968, Heft 1) beziehen und Urteile und Zitate ohne Quellenangabe teilweise unverändert über­nommen worden sind. In der publizistikwissenschaftlichen Untersuchung von Kareen M. Moores „Presse und Meinungsklima in der Weimarer Republik.“ (Diss. Mainz 1997) ist die Abfolge der Inhaberverhältnisse der DAZ (S.63) fehlerhaft. Zum Forschungsstand und zum Informationsdefizit vgl. die Arbeit von Neff (S.3-5), siehe Anm. 2.

[2] Neff, Berthold: Fritz Klein (1895-1936). Der Weg eines Journalisten und konservativen Publizisten aus der Weimarer Republik ins Dritte Reich. Eine Biographie. Diplomarbeit München 1992. Über die Hälfte der Arbeit beschäftigt sich mit der der Auseinandersetzung Kleins mit dem Nationalsozialismus. Neff bietet aber zusätzlich einen ausführlichen biographischen Teil und einen vorzüglichen Anhang.

[3] Im folgenden wird der Sohn mit Klein jun. zitiert; die Briefe, Notizen und Aufzeichnungen stammen aus dem persönlichen Nachlaß Kleins, dem Archiv F.K., das leider nicht vollständig erhalten ist.

[4] Koszyk S.135: „Staatliche und industrielle Pressepolitik greifen in dieser Zeitung ineinander über und berühren gleichzeitig den Bereich der Parteipresse.“

[5] Klein jun., Fritz: Drinnen und Draußen. Ein Historiker in der DDR. Erinnerungen. Frankfurt/M. 2000.

[6] Das Ziel der Zeitung sei, so der damalige Chefredakteur Rudolf Cuno, „die Sammlung des deutschen Bürger­tums für die Arbeit am Wiederaufbau dessen, was durch den verlorenen Krieg und all das Unglück, das er im Gefolge hatte, zerstört ward.“ Zitiert nach Klein jun.: Drinnen und Draußen, S.22.

[7] Zur Geschichte der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung siehe Neff S.44-47.

[8] Siehe Kapitel 3.1 und 3.2.

[9] Zur Auflagenentwicklung gibt es sonst keine genauen Angaben. In der Berliner Zeitungslandschaft nahm die DAZ nach der Auflagenhöhe eine Mittelstellung ein, ihre direkten Konkurrenten in Bezug auf den Leser- und Inserentenkreis waren die Vossische Zeitung (Ullstein) und das Berliner Tageblatt (Mosse). Beiden konnte die DAZ im Zeitraum 1929 bis 1933 einen großen Teil der Leser und Inserenten abgewinnen, was vermutlich in der Wendung zur nationalkonservativen Haltung begründet ist. Die Zeitung erschien zwei mal pro Werktag, mittags (M) und abends (A) und am Sonntag. Ihre Haupteinnahmequellen waren Abonnenten (ca. 31.000) und Inseren­ten.

[10] Vgl. Aufsätze von Ruge und Klein jun.: Zur Vorbereitung der faschistischen Diktatur durch die deutsche Groß­bourgeosie (1929-1932). In: ZfG 1/1953, Heft 6. S. 872-904.

[11] Die Danat-Bank gehörte zu den vier Großbanken der Republik. In der Bankenkrise 1931, die auch namhafte Industriekonzerne mitriß, meldete sie Konkurs an, weil sie sich mit Krediten an den bankrotten Nordwolle-Konzern verausgabt hatte. Brüning stellte die Finanzhäuser unter staatliche Aufsicht. Reich und Reichsbank tru­gen einen Teil der Verluste. 1932 ging die Danat in der Dresdner Bank auf. Siehe Anm. 47.

[12] „Beruflicher Erfolg meines Vaters und sein stark entwickeltes Gefühl für gesellschaftliche Repräsentation bewo­gen ihn zum Bezug einer Zwölfzimmerwohnung im Hochparterre eines stattlichen Hauses am Lützowplatz.“ Klein jun.: Drinnen und Draußen, S.15.

[13] „Ein deutsches Fabrikat mußte es sein, (...), und getankt wurde nur einheimischer Kraftstoff: Benzin aus Leuna.“ Klein jun.: Drinnenn und Draußen, S.24.

[14] Vgl. Neff S.80f., Interview mit Klein jun. 14.6.2000 und Klein jun.: Drinnen und Draußen, S.31.

[15] Klein jun. spricht von einem Gestus der Großartigkeit: „Aus dem Gefühl, sehr gut zu sein, vieles besser zu wissen und zu können als andere“ habe sich ein selbstverständlicher Anspruch an die Umgebung ergeben. Klein jun.: Drinnen und Draußen, S.28. Sein verlagspolitisches Ziel war, einen großen und mächtigen Konzern aufzu­bauen. vgl. Archiv F.K.: Brief Klein an Bernhard vom 31.12.1931.

[16] 1931 schrieb Klein in einem Buch unter der Überschrift „Auf die Barrikaden?“, als er sich gegen die Anwen­dung von Gewalt zur Lösung der politischen Krise aussprach: „Was wir wollen ist der starke nationale Staat, die Wiederherstellung der Autorität, die Anbahnung der großdeutschen Kulturgemeinschaft, die Sicherung ausrei­chenden Lebensraumes, die Wiederherstellung des deutschen Ansehens in der Welt, die Erziehung der Massen des Volkes zum Bewußtsein seiner Würde. Gewiß nicht die Restauration einer versunkenen Zeit, sondern die Herbeiführung der neuen im Sinne der preußischen und deutschen Geschichte.“ Zitiert nach Klein jun.: Drin­nen und Draußen, S.34. Er war aber kein grundsätzlicher Gegner der Republik, sondern nur insofern Kritiker, als daß für ihn die Republik gleichbedeutend mit einem schwachen Deutschland stand. Zu näheren Beschrei­bung seines politischen Weltbildes eignet sich Neffs Darstellung. Moores ordnet ihn in ihrer Untersuchung zu­sammen mit Zehrer, Goebbels und Rosenberg dem rechten Spektrum der Meinungsführer in der Weimarer Re­publik zu (S.76), was m.E. zu kurz gegriffen und undifferenziert ist. Doch eignet sich ihre Dissertation, einen Überblick über die politischen Ansichten Kleins und zwar im Vergleich mit anderen Journalisten der Zeit zu er­halten.

[17] Cuno war von November 1922 bis August 1923 Reichskanzler, sein Kabinett galt als „Regierung der Wirt­schaft“. Er bemühte sich um die Revision des Versailler Vertrages, in seine Amtszeit fiel die Ruhrbesetzung, der Aufruf zum „passiven Widerstand“ und der daraus resultierende Ruin der Staatsfinanzen.

[18] Archiv F.K.: Brief Klein an Cuno vom 21.8.1931.

[19] Die Schwester Kleins vermerkt in der Biographie über ihren Bruder Karl Kurt Klein, Fritz Klein sei der Adlatus des Außenministers gewesen. Vgl. Hermine Pilder Klein: Karl Kurt Klein. Ein Gelehrtenleben im Umbruch der Zeit. Konstanz 1997 (Jassyer Beiträge zur Germanistik 7), S.28. Interessant ist, daß ein enger Freund Kleins als Legationsrat in der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes arbeitete. Vgl. Klein jun.: Drinnen und Draußen S.26.

[20] Brüning war von März 1930 bis Mai 1932 Reichskanzler. Seine Ziele waren außenpolitisch die Erreichung der vollen Souveränität Deutschlands, innenpolitisch durch Notverordnungen die Gesundung der Wirtschaft, die er durch eine faktische Entmachtung des Parlaments vorantreiben wollte. Seine Deflationspolitik und die Notver­ordnungen führten mit zur Polarisierung der Gesellschaft und zum Aufstieg der NSDAP.

[21] Seiner Ansicht nach, sei die NSDAP fähig, die Schmach von Versailles endlich zu tilgen, doch müßte nicht Hitler derjenige ersehnte Führer sein, der Deutschland zu alter Stärke verhelfe. Bedenken äußerte er an der so­zialistischen Gleichmacherkomponente der Partei und der Agitation gegen das kapitalistische System. Hitler hege „ausgesprochenes Mißtrauen gegen die Mächte des Großkapitals“, das Wirtschaftsprogramm sei „voller Ungereimtheiten und Naivitäten“. vgl. DAZ: Leitartikel „Handeln“ vom 22.9.1930 (A) (Anhang 3), Klein jun.: Drinnen und Draußen, S.37 und ausführlich Neff S.83-163.

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Details

Titel
Fritz Klein: Eine Untersuchung über Abhängigkeiten eines Journalisten von Politik und Wirtschaft in der Weimarer Republik
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Journalismus in der Weimarer Republik
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
26
Katalognummer
V1485
ISBN (eBook)
9783638109215
ISBN (Buch)
9783638676144
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Untersuchung über Abhängigkeiten eines Journalisten von Politik und Wirtschaft in der Weimarer Republik, Quellengrundlage: privates, nicht zugängliches Archiv
Schlagworte
Fritz Klein, DAZ, Verlagspolitik, Stresemann, Brüning
Arbeit zitieren
Wolfram Baier (Autor), 2000, Fritz Klein: Eine Untersuchung über Abhängigkeiten eines Journalisten von Politik und Wirtschaft in der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1485

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