In dieser Arbeit wird das Place-Making am Zeppelinfeld des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg analysiert. Diese Analyse vergleicht das historische Place-Making der Nationalsozialisten mit dem aktuellen. Bei der historischen Analyse wird das Place-Making im Sinne der Propaganda durch Architektur und Symbole einerseits und andererseits auf das Place-Making durch propagandistische Nutzung – Berichterstattung der Veranstaltungen und Reden – untersucht.
Die aktuelle Place-Making Analyse umfasst das Place-Making durch den Umgang mit den baulichen Überresten und das Place-Making zwischen Veranstaltung, Kunst und Ausstellung. Die Arbeit vergleicht die Place-Making-Prozesse vor dem methodischen Hintergrund einer längsschnittigen komparativen Methode.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Verstrickung von Vergangenheit und Gegenwart
2 Place-Making am Zeppelinfeld und an der -tribüne des Reichsparteitagsgeländes
2.1 Methodisches Vorgehen und verwendete Quellen
2.2 Theoretischer Rahmen: Place, Place-Making und Place-Framing
2.3 Grundlegendes zum Zeppelingelände und den untersuchten Reichsparteitagen
2.4 Place-Making im Sinne der Propaganda durch Architektur und Symbole
2.5 Place-Making durch propagandistische Nutzung – Berichterstattung der Veranstaltungen und Reden
2.5.1 Die Gemeinschaft der Massen
2.5.2 Führerkult und -begegnung
2.5.3 Fortschritt und Vergangenheit
2.5.4 Krieg und Frieden
2.6 Zusammenfassung des historischen Place-Makings
2.7 Place-Making durch den Umgang mit den baulichen Überresten
2.8 Place-Making zwischen Veranstaltung, Kunst und Ausstellung
2.9 Zusammenfassung des aktuellen Place-Makings
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die raumbezogenen "Place-Making"-Prozesse am Zeppelinfeld in Nürnberg, indem sie eine komparative Untersuchung zwischen der historischen Nutzung durch die Nationalsozialisten (1935–1937) und der heutigen, durch offizielle Institutionen geprägten Erinnerungskultur vornimmt.
- Historische propagandistische Inszenierung und Place-Making-Elemente (Architektur, Symbole, Reden).
- Die Rolle von Gemeinschaft, Führerkult und Fortschrittsglauben im Nationalsozialismus.
- Aktueller Umgang mit baulichen Überresten als Teil der Erinnerungslandschaft.
- Spannungsfeld zwischen kommerzieller Nutzung, Kunst und historischer Aufarbeitung.
- Vergleichende Analyse der Raumsemantiken und der Herstellung von "Sense of Place".
Auszug aus dem Buch
2.4 Place-Making im Sinne der Propaganda durch Architektur und Symbole
Adolf Hitler ordnete die Architektur im nationalsozialistischen Deutschland allgemein als gleichbedeutend zur Aufrüstung ein, da über letztere nicht offen gesprochen werden konnte und die Bevölkerung diese zum größten Teil nicht sah. Die Architektur musste deshalb zeigen, wie großartig das deutsche Volk war, welche globale Bedeutung diesem zukam und dass der deutsche Stolz gerechtfertigt war. Dieser Argumentation folgend ist es nur logisch, dass der Architektur des Zeppelinfeldes inklusive der Zeppelintribüne viel Bedeutung zugeschrieben wurde: Sie galten als Vorbildbauten der nationalsozialistischen Architektur am Reichsparteitagsgelände. Als Inspiration für den Entwurf bediente sich Albert Speers an der Antike, indem er sich am Charakter des Pergamonaltars orientierte. Weitere Referenzen zum selbigen Zeitraum lassen sich auch in der offiziellen Deutung der Architektur wiederfinden: „Das ist nicht Hellas, nicht Rom, das atmet den Geist unserer Zeit, unseren Geist – das ist nationalsozialistisch. Und so spürt man wieder und wieder, auf dem Umweg über ihre Schöpfung, die Gewalt unserer Idee“.
Die Anlehnung an die „architektonischen Sprache [sollte] Gedanken an Kulturhöhe und Weltmacht eröffnen“. Damit wurde an diesem Ort konkret, dass die eigene Ideologie hinsichtlich Größe und Bedeutung mit den großen alten Kulturen gleichgestellt werden sollte. Das beeinflusste auch die Wahrnehmung sowie die Erfahrungen im Sinn des Place-Makings, die dort gemacht wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Verstrickung von Vergangenheit und Gegenwart: Einleitung in die historische Bedeutung Nürnbergs und die Fragestellung zur Wechselwirkung von Geschichte und gegenwärtigem Ort.
2 Place-Making am Zeppelinfeld und an der -tribüne des Reichsparteitagsgeländes: Kernkapitel, das mittels komparativer Methode die historischen Propagandastrukturen und den heutigen Umgang mit dem Gelände analysiert.
3 Fazit: Zusammenführende Reflexion der Ergebnisse über subjektive, kontextabhängige Erinnerungsprozesse und die Abhängigkeit heutiger Place-Making-Formen vom historischen Erbe.
Schlüsselwörter
Place-Making, Place-Framing, Reichsparteitagsgelände, Zeppelinfeld, Nationalsozialismus, Erinnerungskultur, Propaganda, Architektur, Geographie, Nürnberg, Erinnerungsort, Gemeinschaft, Führerkult, Wehrmacht, Aufarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ein spezifischer, historisch belasteter Ort (das Zeppelinfeld) durch verschiedene Akteure und über verschiedene Zeiträume hinweg "gemacht" und wahrgenommen wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf das sozio-geographische Konzept des Place-Making, also der Produktion von Orten durch materielle Gegebenheiten und durch symbolische Zuschreibungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die historischen Place-Making-Prozesse des Nationalsozialismus (1935-1937) den heutigen Bemühungen offizieller Institutionen (Stadt Nürnberg/Museen) gegenüberzustellen, um Abhängigkeiten und Unterschiede sichtbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine längsschnittige komparative Methode angewandt, um raumbezogene Prozesse im zeitlichen Vergleich zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst das materielle und propagandistische Place-Making der NS-Zeit und untersucht im zweiten Abschnitt den zeitgenössischen Umgang (Sanierung, Information, Nutzung, Kunst) mit dem Gelände.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Place-Making, Erinnerungskultur, Reichsparteitagsgelände, Propaganda und Geographie charakterisiert.
Warum wurde das Forschungsobjekt auf das Zeppelinfeld eingegrenzt?
Die Eingrenzung dient als notwendige räumliche Begrenzung, um die Analyse auf ein hochgradig erhaltenes und historisch klar definierbares Teilobjekt des Gesamtensembles zu fokussieren.
Welche Rolle spielt die Architektur für das Place-Making?
Architektur wird aus Sicht der Arbeit nicht nur als Bauwerk, sondern als "Vorbildbau" zur Manifestation von Macht, Hierarchie und Gemeinschaftlichkeit instrumentalisiert.
Wie unterscheidet sich die heutige Nutzung vom NS-Place-Making?
Die heutige Nutzung fungiert als bewusster Gegenentwurf, der auf Pluralisierung, Aufarbeitung und Individualität setzt, anstatt wie die NS-Propaganda auf totale Gleichförmigkeit und bedingungslose Unterordnung.
Welche Herausforderungen beim aktuellen Place-Making nennt der Autor?
Der Autor weist auf den Balanceakt zwischen dem baulichen Verfall, der kritischen Aufarbeitung und der Gefahr der Trivialisierung durch kommerzielle oder nicht-reflektierte Nutzungen hin.
- Arbeit zitieren
- Yannick Pfahler (Autor:in), 2023, Place-Making am Zeppelinfeld und der -tribüne des Reichsparteitagsgeländes. Zwischen NS-Propaganda und Erinnerungsort, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1485189