Einen nicht unbedeutenden Platz in der römischen Literatur nimmt die Geschichtsschreibung
ein. Neben Annalen und sogenannten Commentarii findet sich eine weitere Gattung der
Historiografie: Die Monografie behandelt ausgewählte Ereignisse der Geschichte. Einer der
bekanntesten Verfasser derartiger Einzeldarstellungen aus der Spätzeit der Republik ist Gaius
Sallustius Crispus. Mit seinen beiden Werken De coniuratione Catilinae und Bellum
Iugurthinum hinterließ er für die heutige Zeit bedeutende Monografien, durch welche vor
allem sein persönliches Geschichtsbild deutlich wird.
Auch in der Forschung werden die Ausführungen über den Krieg gegen Jugurtha und die
Verschwörung des Catilina immer wieder thematisiert. Neben den bekannten und für die
Interpretation wichtigen Proömien werden vor allem die in die Werke eingefügten Exkurse
detailliert untersucht, um so die Geschichtsauffassung des Sallusts zu analysieren.
Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit Die Geschichtssicht des Sallust. Eine Analyse
ausgewählter Exkurse in den Werken De coniuratione Catilinae und Bellum Iugurthinum. soll
zum einen der Exkurs über den Staat im Catilina (c.5,9-13), zum anderen der Parteienexkurs
im Bellum Iugurthinum (c.41-42) untersucht werden. Dabei wird der Versuch unternommen,
eine mögliche Geschichtssicht des Verfassers Sallust darzulegen. Als Grundlage für die
folgende Darstellung werden vor allem die Beiträge BÜCHNERS und LEDWORUSKIS
herangezogen. Daneben wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Schwerpunkt der
Analyse auf den Exkurs im Catilina gelegt wird, die Unterbrechung im Bellum Iugurthinum
wird ergänzend hinzugefügt. Dies geschieht auch aus Gründen des vorhandenen
Quellenmaterials, da die letztere Monografie im Vergleich zum Catilina weniger erforscht ist.
Zunächst wird kurz auf den Begriff des Exkurses eingegangen, anschließend werden die oben
genannten Textstellen - nach einer kurzen Einordnung in den Werkkontext – einzeln in
Hinblick auf ihre Funktion im Gesamtwerk und ihre Sprache untersucht. Hierbei wird
hauptsächlich versucht, die Geschichtsauffassung Sallusts herauszuarbeiten. In einer
Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse der einzelnen Analysen noch einmal kurz
aufgegriffen und zudem verglichen. Überdies soll eine kurze kritische Bewertung am Ende der Ausführungen abgegeben werden. Aus Gründen des Umfangs werden jedoch nicht
Sallusts Biografie und die Inhaltswiedergabe der Werke dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Vorbetrachtungen
1.1 Definition des Exkurses allgemein und bei Sallusts Geschichtsschreibung
1.2 Überblick der Exkurse in Sallusts Monografien
2. Exkurs über den Staat (c.5,9-13) in De coniuratione Catilinae
3. Parteienexkurs (c.41-42) im Bellum Iugurthinum
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit analysiert die Geschichtsauffassung des Autors Gaius Sallustius Crispus anhand ausgewählter Exkurse in seinen beiden bedeutenden Monografien De coniuratione Catilinae und Bellum Iugurthinum, um zu untersuchen, wie der Verfasser sein pessimistisches Geschichtsbild und die Kritik am moralischen Sittenverfall der römischen Republik darstellt.
- Analyse der Funktion von Exkursen in der antiken Geschichtsschreibung
- Untersuchung der Exkurse zur Staatsordnung und zum Parteienwesen
- Darstellung des römischen Sittenverfalls (moralischer Verfall)
- Die Rolle der virtus und des Begriffs gloria im Geschichtsbild Sallusts
- Vergleich der Erzählweise und der Wirkung der Exkurse auf den Leser
Auszug aus dem Buch
2. Exkurs über den Staat (c.5,9-13) in De coniuratione Catilinae
Bereits nach fünf Kapiteln setzt Sallust den ersten Exkurs in seinem Gesamtwerk an. Er wird in den Kommentaren VRETSKAS als „Archäologie“ betitelt und erfolgt nach einer kurzen Charakteristik Catilinas. Dieser wird als Verbrecher ingenio malo pravoque (c.5,1) (mit schlechtem und verkehrten Charakter) dargestellt und die römischen Bürger spornen Catilina überdies zu Freveln durch ihren schlechten moralischen Zustand an (c.5,9). Jener Umstand erscheint Sallust erklärungsbedürftig und so beginnt er mit seinem ersten Exkurs, der formal besonders durch seinen hohen Umfang auffällt. Es scheint, als könne Sallust einerseits den derzeitigen Zustand der Sitten nicht in wenigen Worten begründen, andererseits wird hierbei auch deutlich, dass ihm dieses Thema besonders wichtig erscheint und er daher die Thematik entsprechend ausweitet.
Sallust möchte hierbei die Einrichtungen der Vorfahren sowohl im Krieg als auch im Frieden vorstellen (c.5,9) und geht somit bis zur Gründung Roms zurück. Er bezieht seine Ausführungen jedoch nur auf die mores, da es sein Anliegen ist, deren Größe und schreitenden Verfall darzustellen. Es handelt sich daher, meiner Ansicht nach, nicht um eine Geschichtsschreibung im eigentlichen Sinne, sondern eher um eine Betrachtung unter einem zuvor gründlich durchdachten Gesichtspunkt. Dabei kommt es Sallust in erster Linie nicht darauf an, die Geschichte möglichst originell oder sprachlich ausgeschmückt zu vermitteln – vielmehr steht seine persönliche Sicht auf die römische Geschichte im Vordergrund.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Bedeutung der Geschichtsschreibung von Sallust erläutert und die Zielsetzung der Arbeit, die Exkurse in seinen Monografien zur Analyse seiner Geschichtssicht zu nutzen, definiert.
1. Vorbetrachtungen: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Exkurses innerhalb der antiken Literatur und gibt einen Überblick über die vorkommenden Abschweifungen in den beiden Werken.
2. Exkurs über den Staat (c.5,9-13) in De coniuratione Catilinae: Hier wird der erste Exkurs analysiert, wobei besonders das idealisierte Bild der römischen Vergangenheit und der Wandel durch die Vernichtung Karthagos hervorgehoben wird.
3. Parteienexkurs (c.41-42) im Bellum Iugurthinum: Diese Analyse widmet sich dem Parteienwesen und zeigt, wie Sallust das Parteienunwesen als Symptom des Sittenverfalls und als Konsequenz des Wegfalls der äußeren Bedrohung darstellt.
4. Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse der vorangegangenen Analysen werden zusammengeführt, um die pessimistische Grundhaltung Sallusts und seine feste Überzeugung von der römischen virtus abschließend zu bewerten.
Schlüsselwörter
Sallust, Geschichtsschreibung, Exkurs, De coniuratione Catilinae, Bellum Iugurthinum, virtus, gloria, Sittenverfall, römische Republik, Historiografie, Monografie, mores, Parteienwesen, politische Moral, Pessimismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Geschichtsauffassung des römischen Autors Sallust, indem sie spezifische Exkurse in seinen beiden Hauptwerken analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Sittenverfalls, die Darstellung der idealisierten Vergangenheit und die Rolle des Autors als kritischer Beobachter der römischen Politik.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Exkurse aufzuzeigen, wie Sallust seine persönliche, teils pessimistische Sicht auf die Geschichte Roms in seine Monografien einbettet.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse der ausgewählten Exkurs-Stellen unter Einbeziehung der Forschungsliteratur, insbesondere von Büchner und Ledworuski.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des "Exkurses über den Staat" im Catilina-Werk sowie den "Parteienexkurs" im Jugurtha-Werk.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Sittenverfall, virtus, gloria, sowie der historisch-politische Kontext der ausgehenden römischen Republik.
Warum spielt die Vernichtung Karthagos für Sallust eine so große Rolle?
Sallust sieht die Vernichtung Karthagos als entscheidenden Wendepunkt, da mit dem Wegfall des äußeren Feindes die stabilisierende Furcht verschwand und der moralische Verfall in Rom einsetzte.
Wie unterscheidet sich der Parteienexkurs vom Exkurs über den Staat?
Während der Catilina-Exkurs eine stark polarisierte Gegenüberstellung von Gut und Böse bietet, konzentriert sich der Parteienexkurs stärker auf die negativen Auswirkungen des Parteienunwesens und der habgierigen Nobilität.
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- Anne Mrotzek (Author), 2007, Die Geschichtssicht des Sallust, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148520