Wie viele andere Universitäten unterlag auch die Universität Rostock dem Wandel der Zeit. Hierbei zeigte sich die größte Diskrepanz bei der Umwälzung von einer Institution der Weimarer Republik hin zu einer nationalsozialistischen Universität. Die Einführung des „Führerprinzips“ durchzog die gesamte Universität vom Rektor, über die Dozenten bis hin zur Studierendenschaft. Der Rektor, welcher diese Umwälzung maßgeblich unterstützte, war Prof. Dr. Paul Schulze. Die Einführung des „Führerprinzips“ wurde allerdings von den Studenten auf dem Königsberger Studententag im Juli 1932 beschlossen und deutschlandweit im Sommer 1933 eingeführt. Hier fasste man den Beschluss, die Studentenschaftswahlen abzuschaffen und dies ebnete wiederum den Weg für die Abschaffung der studentischen Selbstverwaltung und die Einführung des „Führerprinzips“.
Dieser Ausarbeitung liegen Dokumente aus dem Universitätsarchiv der Universität Rostock zu Grunde. Diese wurden eigens für die vorliegende Arbeit aufbereitet und ausgewertet, um den Unterschied der Hochschulpolitik zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus zu verdeutlichen.
Während Friedrich Brunstäd noch den Versuch unternahm eine demokratisch geprägte, der Weimarer Republik entsprechende, Satzung für die Universität zu gestalten, warf Paul Schulze dieses Konzept während seiner Amtszeit als Rektor in den Jahren 1933 bis 1936 vollständig um. Er orientierte sich dabei an einer Entscheidung der Studentenschaft, die besagte, dass das „Führerprinzip“ auch an der Universität Rostock einzuführen sei. In einer Akte mit der Aufschrift: „Hochschulreform 1933“ finden sich verschiedene Entwürfe, die verdeutlichen, wie der organisatorische Aufbau der Universität zu regeln sei, um das „Führerprinzip“ durchführen zu können. Zu diesen Entwürfen gehören unter anderem: ein Disziplinargesetz für die Studierenden der Deutschen Hochschulen, ein Vorschlag zur Reform des Kolleggeldwesens oder auch das „Politische Semester“.
Der so genannte „Berliner Entwurf“ sollte eine Sammlung all dieser Vorschläge darstellen. Der endgültigen nationalsozialistisch geprägten Satzung lag eben dieser „Berliner Entwurf“ zu Grunde.
Im wesentlichen wird sich die Bakkalaureus Artium Arbeit auf die hochschulpolitischen Maßnahmen des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volkbildung stützen und deren Umsetzung an der Universität Rostock darbieten. Dabei werden die führenden akademischen Persönlichkeiten vorgestellt und in die Betrachtung eingebunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Die Hochschulpolitik
1.1.1. Die Universitäten in der ausgehenden Weimarer Republik
1.1.2. Die Universitäten im Verlauf der Errichtung einer faschistischen Diktatur
1.2. Die Rektoren an der Universität Rostock in der Zeit zwischen 1930 und 1936
1.2.1. Prof. Dr. Friedrich Brunstäd
1.2.2. Prof. Dr. Curt Elze
1.2.3. Prof. Dr. Kurt Poppe
1.2.4. Prof. Dr. Paul Schulze
2. Hauptteil
2.1. Die „Brunstäd-Verfassung“
2.2. Die Einführung des Nationalsozialismus an der Universität Rostock
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den strukturellen und hochschulpolitischen Wandel an der Universität Rostock während des Übergangs von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus, wobei der Fokus auf dem Vergleich zweier gegensätzlicher Satzungskonzepte liegt.
- Die Demokratisierungsversuche unter Rektor Friedrich Brunstäd in der Weimarer Republik.
- Die Etablierung des nationalsozialistischen „Führerprinzips“ durch Rektor Paul Schulze.
- Die hochschulpolitische Zentralisierung und Gleichschaltung der universitären Gremien.
- Die Auswirkungen der „Säuberung“ des Lehrkörpers und der Studierendenschaft auf die Universität.
- Die Rolle der Universität im NS-Staat und das Ende der akademischen Selbstverwaltung.
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Einführung des Nationalsozialismus an der Universität Rostock
Der Rektor, der maßgeblich an der Umformung der Universität in eine nationalsozialistische Institution beteiligt war, war Prof. Dr. Paul Schulze. Während seiner Amtszeit in den Jahren 1933 bis 1936 machte er es sich zur Aufgabe, das in Deutschland allgemeingültige „Führerprinzip“ auch an der Alma Mater Rostochiensis einzuführen. Retrospektiv betrachtet, führte Schulze die Universität Rostock sowohl organisatorisch als auch propagandistisch nach dem Geschmack der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Selbst sein Handeln nach seiner Amtsenthebung im Jahr 1936 beweist, dass Schulze ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus gewesen sein muss. Im Zuge der Einführung des „Führerprinzips“ an den deutschen Hochschulen im Jahr 1933 wurde eine neue Satzung der Universität Rostock unter dem Titel: „Hochschulreform 1933“ ausgearbeitet. Grundsätzlich sollte es hier um die Frage gehen, „wie die berechtigte Forderung des nationalsozialistischen Staates nach Einwirkung auf seine Hochschulen und vor allem nach Eingliederung in eben diesen autoritär geführten Staat in Einklang gebracht werden kann mit der Forderung der Hochschulen nach Selbstverwaltung und freier wissenschaftlicher Bestätigung“. Dies sollte zum Kern der gesamten Hochschulreform werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die hochschulpolitische Ausgangslage in der Weimarer Republik und den anschließenden Übergang zur nationalsozialistischen Diktatur unter Einbezug der Rostocker Rektoren.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Gegensätze zwischen der demokratisch orientierten „Brunstäd-Verfassung“ und der nationalsozialistischen Hochschulreform unter Rektor Paul Schulze.
3. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die gegensätzliche Rolle von Friedrich Brunstäd als Demokrat und Paul Schulze als Wegbereiter des Nationalsozialismus an der Universität Rostock.
Schlüsselwörter
Universität Rostock, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Hochschulpolitik, Führerprinzip, Friedrich Brunstäd, Paul Schulze, Satzung, akademische Selbstverwaltung, Gleichschaltung, Berufsbeamtengesetz, Studenten, Antisemitismus, Universitätsgeschichte, Machtübernahme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den tiefgreifenden Wandel der Universität Rostock zwischen 1930 und 1936, ausgehend von demokratischen Strukturen bis hin zur totalitären Umformung durch den Nationalsozialismus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Hochschulpolitik der Weimarer Zeit, die Entwicklung von Universitätssatzungen, die Rolle der Rektoren und die systematische Ausschaltung der akademischen Selbstverwaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand der Satzungen von Rektor Friedrich Brunstäd und Rektor Paul Schulze den Kontrast zwischen demokratischen Idealen und der nationalsozialistischen Ideologie an der Universität aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung von Originaldokumenten, Archivmaterialien, Personalakten und Satzungsentwürfen des Universitätsarchivs Rostock.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret thematisiert?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der „Brunstäd-Verfassung“ von 1932 und der darauf folgenden „Hochschulreform 1933“, welche die Einführung des Führerprinzips manifestierte.
Welche Schlagworte charakterisieren den Inhalt?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Führerprinzip, Gleichschaltung, Universitätsverfassung, politische Säuberung und die Rolle der Studentenschaft geprägt.
Wie positionierte sich Rektor Friedrich Brunstäd?
Brunstäd versuchte, die Universität Rostock demokratisch zu strukturieren und die akademische Freiheit gemäß der Weimarer Reichsverfassung zu schützen, was ihn in Konflikt mit den aufkommenden NS-Kräften brachte.
Was war der Hintergrund der Amtsenthebung von Paul Schulze 1936?
Schulze, obwohl aktiv an der Einführung des Nationalsozialismus beteiligt, wurde durch das NS-Regime wegen interner Differenzen mit dem Gauleiter und einer vermeintlich zu wenig konsequenten politischen Haltung abgelöst.
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- Caroline Weißert (Author), 2009, Die Universität Rostock im Wandel von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148564