Der Grundgedanke der Arbeit ist die hypothetische Annäherung beider Ansätze. Der Hintergrund dessen ist die Idee, wie es bereits auch bei anderen Konzepten, wie beispielsweise bei der Kombination verschiedener psychotherapeutischen Schulen, erfolgt, dass verschiedene Ansätze von einander profitieren können, um so das Beste für die ratsuchenden Personen zu ermöglichen. Die vorliegende Arbeit soll jedoch nicht die konzeptionelle Kombination des personenzentrierten Ansatzes mit dem des Systemischen sein, sondern die oben erwähnte hypothetische Annäherung. Dies erfolgt, da die Masterthesis im Rahmen des Studiengangs der systemischen Beratung verfasst wird, im systemischen Kontext mit der Forschungsfrage „Inwiefern ist der personenzentrierte Ansatz systemisch?“. Die Hypothese der Arbeit lautet, dass zumindest teilweise der personenzentrierte Ansatz in machen Aspekten systemisch ist. Das Ziel der Arbeit, welches die Beantwortung der Forschungsfrage darstellt, soll anhand einer Literaturarbeit erfolgen, welche den personenzentrierten Ansatz untersucht. Die Masterthesis gliedert sich im Hauptteil in drei Teile: Den Grundlagen der Betrachtung, der Betrachtung selbst und der Ergebniszusammenfassung. Bei den Grundlagen bedarf es zuerst eine Definition systemischer Aspekten, welche nachfolgend als sog. Referenzpunkte bezeichnet werden. Diese Referenzpunkte werden daher anhand verschiedener, literarischer Quellen definiert und im Verlauf der anschließenden Untersuchung als Anhaltspunkte für die eigentliche Forschungsfrage genutzt. Des Weiteren wird der personenzentrierte Ansatz, welcher in dieser Thesis untersucht wird, im ersten Teil anhand seiner Historie und den einzelnen Elementen dargestellt. Der zweite Teil gliedert sich in die Kernbetrachtung und zwei Nebenbetrachtungen. Die Kernbetrachtung untersucht typische Literatur des personenzentrierten Ansatzes, wie beispielsweise von Rogers, Tausch oder das Lehrbuch der Herausgeber:innen Eckert, Biermann-Ratjen und Höger, und stellt dar, welche Referenzpunkte in den Werken Zustimmung, Ablehnung oder Enthaltung finden. Neben der eben dargestellten Kernuntersuchung sollen zwei Nebenbetrachtungen die Arbeit dergestalt abrunden, dass einerseits Fundstellen des personenzentrierten Ansatzes in systemischer Literatur und andererseits identifizierte Ansätze, welche sich bemühen, personenzentriert und systemisch zu sein, vorgelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HAUPTTEIL
2.1 Grundlagen der Betrachtung
2.1.1 Systemische Referenzpunkte
2.1.1.1 Grundgesamtheit
2.1.1.2 Referenzpunkt Konstruktivismus
2.1.1.3 Referenzpunkt Selbstreflexion
2.1.1.4 Referenzpunkt Systemklassen
2.1.1.5 Referenzpunkt Selbstorganisation
2.1.1.6 Referenzpunkt Nichttrivialität
2.1.1.7 Referenzpunkt Intervention
2.1.1.8 Referenzpunkt Haltung
2.1.2 Der personenzentrierte Ansatz
2.1.2.1 Einleitung
2.1.2.2 Grundkonzepte und -Bedingungen
2.1.2.3 Prozess und Methodik
2.1.2.4 Zusammenfassung
2.2 Analysen
2.2.1 Analyse nach systemischen Referenzpunkten
2.2.1.1 Analyse nach dem Referenzpunkt Konstruktivismus
2.2.1.2 Analyse nach dem Referenzpunkt Selbstreflexion
2.2.1.3 Analyse nach dem Referenzpunkt Systemklassen
2.2.1.4 Analyse nach dem Referenzpunkt Selbstorganisation
2.2.1.5 Analyse nach dem Referenzpunkt Nichttrivialität
2.2.1.6 Analyse nach dem Referenzpunkt Intervention
2.2.1.7 Analyse nach dem Referenzpunkt Haltung
2.2.2 Analyse von systemischer Literatur
2.2.2.1 Einflüsse auf den Ansatz
2.2.2.2 Einfluss auf die Methodik
2.2.3 Analyse von Konzepten und Entwicklungen
2.2.3.1 Personenzentrierte Systemtheorie nach Jürgen Kriz
2.2.3.2 Ansätze unter Arist von Schlippe und Willy Christian Kriz
2.2.3.3 Personenzentrierte Familientherapie von Stefan Schmidtchen
2.2.3.4 Systemtheoretische Einflüsse bei Sander und Ziebertz
2.3 Zusammenfassung und Beurteilung der Analyse
3 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Masterthesis untersucht im Rahmen des Studiengangs Systemische Beratung die Forschungsfrage, inwiefern der klassische personenzentrierte Ansatz nach Carl R. Rogers systemische Anteile aufweist und an einem systemischen Verständnis ausgerichtet werden kann. Ziel ist es, durch die Definition spezifischer systemischer Referenzpunkte eine systematische Literaturanalyse durchzuführen, die ein Ergebnisspektrum darstellt, anstatt lediglich eine binäre Ja/Nein-Antwort zu liefern.
- Grundlagenbestimmung systemischer Kernaspekte (Referenzpunkte).
- Detaillierte historische und konzeptionelle Analyse des personenzentrierten Ansatzes.
- Empirische Literaturprüfung auf Übereinstimmungen und Widersprüche zwischen personenzentrierten Konzepten und systemischen Referenzpunkten.
- Untersuchung von gegenseitigen Einflüssen zwischen personenzentrierter und systemischer Praxis.
- Darstellung von Ansätzen zur methodischen Integration beider Schulen.
Auszug aus dem Buch
2.1.1.2 Referenzpunkt Konstruktivismus
Gemäß Pöksen entstehen die individuellen Wirklichkeitskonstruktionen bei der beobachtenden Person durch ihre Beobachtung von Unterschieden, die für sie einen Unterschied machen, und dem Bezeichnen. Diese Beobachtungen betreffen nicht nur die Umwelt, sondern schließen auch die Beobachtungen von sich selbst mit ein. Hierbei lassen sich im Rahmen der Beobachtung zweiter Ordnung, also der Beobachtung der Beobachtung, auch eine sog. Restwelt laut Pöksen identifizieren. Inwiefern die Beobachtungen und die Unterschiede identisch sind, lässt sich aufgrund der Nichttrivialität der psychischen Systeme nicht ohne Weiteres bestimmen. Laut Schumacher werden so auch die Verhaltensweisen nicht vorhersehbar. Zwar ist das Unterscheiden nicht bewusst kontrollierbar, jedoch auch keine zufällige beziehungsweise linear-kausal zu erklärende Prozessierung. Aufgrund der Strukturdetermination des Systems, angereichert durch Erfahrungen, beobachtet die beobachtende Person aktiv und formt ihre eigene innere Landkarte.
Welche, führt Kutz aus, andere nur „halbwegs erahnen und nachvollziehen können, soweit dies überhaupt möglich ist.“ Um systemisch zu beraten, bedarf es daher einerseits das Verständnis der heterogenen Wirklichkeitskonstruktionen und andererseits der Vorgehensweise, sich diesen bewusst zu werden beziehungsweise die Bewusstwerdung und somit der Reflexion zu unterstützen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, stellt die Forschungsfrage nach der Systemizität des personenzentrierten Ansatzes und erläutert die methodische Herangehensweise der Literaturarbeit.
2 HAUPTTEIL: Der Hauptteil gliedert sich in die Definition systemischer Referenzpunkte, die theoretische Darlegung des personenzentrierten Ansatzes und die detaillierte Analyse der Literatur entlang dieser Kriterien sowie ergänzende Themenblöcke zu Konvergenzen beider Ansätze.
3 FAZIT: Im Fazit werden die Ergebnisse der Analysen zusammengeführt, um die Forschungsfrage im Sinne eines Ergebnisspektrums zu beantworten, und es erfolgt ein Ausblick auf die Weiterentwicklung der systemischen Forschungspraxis.
Schlüsselwörter
Personenzentrierter Ansatz, Systemische Beratung, Carl R. Rogers, Systemische Referenzpunkte, Konstruktivismus, Selbstreflexion, Systemtheorie, Aktualisierungstendenz, therapeutische Beziehung, Nichttrivialität, Selbstorganisation, Intervention, Systemklassen, systemische Haltung, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit exploriert, inwiefern der klassische personenzentrierte Ansatz nach Carl R. Rogers als systemisch betrachtet werden kann, indem sie ihn an systemtheoretischen Referenzpunkten misst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Definition systemischer Kernkompetenzen und -haltungen, die fundierte Theorie des personenzentrierten Ansatzes sowie die kritische Analyse der Schnittmengen und Divergenzen beider Beratungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Zentral ist die Forschungsfrage: „Inwiefern ist der personenzentrierte Ansatz systemisch?“, wobei eine bloße Ja/Nein-Antwort zugunsten einer differenzierten Spektrumsdarstellung abgelehnt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Literaturarbeit, die existierende Fachliteratur sowohl aus der personenzentrierten Psychotherapie als auch aus systemischen Kontexten analysiert, vergleicht und clustert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist dreiteilig: Er definiert zunächst die systemischen Referenzpunkte (z.B. Konstruktivismus, Nichttrivialität), stellt dann das personenzentrierte Menschenbild detailliert dar und führt anschließend die vergleichende Analyse durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Personenzentrierter Ansatz, Systemische Beratung, Konstruktivismus, Selbstreflexion, Aktualisierungstendenz und systemische Haltung.
Welche Rolle spielt die „Nicht-Direktivität“ in der Analyse?
Der Begriff ist zentral für Rogers' Methodik. Im systemischen Kontext wird jedoch analysiert, ob diese Haltung, wenn sie isoliert als reine Technik angewendet wird, zu Fehlinterpretationen führt, statt systemisch fundiert zu sein.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen dem biologischen, psychischen und sozialen System?
Die Arbeit greift diese Systemklassen auf, um zu prüfen, ob die personenzentrierte Literatur diese Trennung ebenfalls vornimmt oder ob sie, wie bei Kriz oder Rogers unterschiedlich betont, eher eine holistische Sichtweise (hier: als Einheit) verfolgt.
Was wird unter der „Dreigliederung der Grundbedingungen“ bei Rogers verstanden?
Dies bezieht sich auf die „drei Säulen“: Empathie, Akzeptanz (bedingungsfrei) und Echtheit (Kongruenz), die für Rogers das tragende Fundament für konstruktive Veränderungsprozesse bilden.
Wie lautet das Fazit zur „Systemizität“ des personenzentrierten Ansatzes?
Der Ansatz stimmt in vereinzelten Aspekten (z.B. Selbstkonzept als Konstruktion, Fokus auf Selbstexploration) mit systemischen Ansätzen überein, zeigt jedoch deutliche Widersprüche in der Auffassung von Interventionen und der Steuerbarkeit des Prozesses.
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- Philipp Schwenkkraus (Author), 2024, Eine Exploration systemischer Referenzpunkte im personenzentrierten Ansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1485717