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Über die ästhetische Erziehung des Menschen

Title: Über die ästhetische Erziehung des Menschen

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Daniela Wiedmer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Woran liegt es, dass wir noch immer Barbaren sind?
Obwohl wir diese Frage erst im achten Brief von Schillers ästhetischer Erziehung finden, können wir sagen, dass sie doch eine der Leitfragen ist, die beantwortet werden soll und muss. Wie kann es sein, dass wir, obwohl wir in einer aufgeklärten Gesellschaft leben und uns dennoch unserer Natur bewusst sind, noch immer als Barbaren, aber auch als Wilde auftreten? Woran liegt es, dass wir immer dem einen oder anderen Trieb in uns den Vorzug geben, entweder als Vernünftige erscheinen wollen oder uns unsere Rechte wie Tiere erkämpfen möchten? Zwar stellt sich Schiller diese Frage in Bezug auf seine Zeit, die geprägt war durch die Französische Revolution, aber auch durch seine eigenen Erfahrungen als Schriftsteller, dennoch können wir auch in unserer Zeit die Fragestellung als aktuell betrachten, was am Ende dieser Arbeit der Fall sein soll.
Hauptziel dieser Arbeit ist es jedoch den Weg aufzuzeigen, der uns zum ästhetischen Zustand führt, wie ihn Schiller in den Briefen 17 bis 22 darstellt. Zuvor erscheint es aber sinnvoll, eine kurze Zusammenfassung mit wesentlichen Punkten der vorherigen Briefe zu geben. Das ist alleine deshalb schon notwendig, weil die Begriffe, die Schiller in den vorherigen Briefen geprägt hat, unbedingt geklärt werden müssen. Was verstehen wir unter Person und Zustand? Welche Triebe herrschen in uns und wie ist es möglich, sie zu vereinigen, wenn dies überhaupt möglich ist? Welchen Dienst leistet dabei die Kunst, die Kultur? Was ist Schönheit? Welche Aufgabe haben die schmelzenden und energischen Kräfte? Nur durch das Verständnis dieser, man könnte sagen, Grund- begriffe, ist es auch möglich, den Weg zum ästhetischen Zustand nachzuvollziehen.
Dabei soll die Betrachtung sich allein auf Schillers Auffassungen beziehen. Zwar orientierte sich Schiller vornehmlich an Kantischen Grundsätzen, wie er selbst am Anfang schreibt und in der Sekundärliteratur werden viele weitere philosophische Strömungen, insbesondere von Fichte und Hegel, im Zusammenhang zur ästhetischen Erziehung betrachtet, dennoch baut Schillers Abhandlung nicht vollständig auf ihnen auf und muss eigenständig betrachtet werden, zumal er sich in einigen Punkten sehr wohl von Kant unterscheidet.
Der Schluss soll eine Rückführung zum Beginn sein und beweisen, dass Schiller in seiner Abhandlung Weitblick gezeigt hat, als er schrieb: „Die alten Grundsätze werden bleiben, aber sie werden das Kleid des Jahrhunderts tragen[…]“*.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. „Woran liegt es, dass wir noch immer Barbaren sind?“

2. „Ewig nur an ein einzelnes kleines Bruchstück des Ganzen gefesselt, bildet sich der Mensch selbst nur als Bruchstück aus“ - Zusammenfassung der Briefe 1-16

3. Der ästhetische Zustand

3.1. „An dem Menschen findet sie einen schon verdorbenen und widerstrebenden Stoff“ – Brief 17

3.2. „Die Schönheit verknüpft die zwey entgegengesetzten Zustände“ – Brief 18

3.3. „Der Wille behauptet eine vollkommene Freyheit zwischen beyden“ – Brief 19

3.4. „Die Schalen einer Wage stehen gleich, wenn sie leer sind; sie stehen aber auch gleich, wenn sie gleiche Gewichte enthalten.“ – Brief 20

3.5. „In dem ästhetischen Zustand ist der Mensch also Null“ – Brief 21

3.6. „Ein Zustand der höchsten Realität“ – Brief 22

4. „Die alten Grundsätze werden bleiben, aber sie werden das Kleid des Jahrhunderts tragen“

Zielsetzung & Themen

Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, den von Friedrich Schiller in seinen Briefen 17 bis 22 entwickelten Weg zum ästhetischen Zustand darzustellen und zu analysieren, um so die Bedingungen für eine menschliche Entwicklung innerhalb einer aufgeklärten Gesellschaft aufzuzeigen.

  • Analyse der philosophischen Grundbegriffe Schillers (Person, Zustand, Triebe).
  • Untersuchung der gesellschaftlichen Problematik von "Wilden" und "Barbaren".
  • Darstellung der Vereinigung von Stofftrieb und Formtrieb durch den Spieltrieb.
  • Reflektion der Bedeutung von Kunst und Schönheit für die menschliche Freiheit.
  • Transfer der historischen Fragestellung auf zeitgenössische gesellschaftliche Zustände.

Auszug aus dem Buch

3.3. „Der Wille behauptet eine vollkommene Freyheit zwischen beyden“ – Brief 19

Wie nun aber will Schiller die zwei Triebe in einem dritten vereinigen? Es gibt, so Schiller, zwei Zustände der passiven und der aktiven Bestimmbarkeit im Menschen und zwei Zustände der passiven und aktiven Bestimmung.

Vor der Bestimmung liegt die Bestimmbarkeit ohne Grenzen, in der Raum und Zeit endlos sind und in der Einbildungskraft schlechthin alles möglich ist. Er nennt sie den Zustand der leeren Unendlichkeit. Dies ist der erste Zustand, der Zustand der passiven Bestimmbarkeit, es ist die bloße Bestimmungslosigkeit. Der Mensch ist in diesem Sinne noch besinnungslos, er ist in einem Traumzustand, in dem er sich über sich selbst nicht bewusst ist, in dem eben alles möglich ist, nur nicht, sich als Mensch zu erkennen. Es ist lediglich die Form, der der Inhalt noch fehlt. Um von diesem Zustand in den Zustand einer Bestimmung zu kommen, muss ein Sinn im Menschen gerührt werden, eine Vorstellung muss entstehen. Schiller konkretisiert an dieser Stelle nicht, wie der Sinn im Menschen gerührt werden soll. Auch durch die Schönheit? Oder durch einen plötzlichen Impuls, der dem Menschen in der unendlichen Fülle der Bestimmungslosigkeit eine bestimmte Vorstellung aufzeigt? Das bloße Vermögen wird zu einer wirkenden Kraft und erhält den fehlenden Inhalt. Aus der leeren Unendlichkeit wird dadurch aber eine Endlichkeit. Es werden Grenzen gesetzt, aber nur dadurch kann Realität geschaffen werden und mit ihr die Bestimmung, die passive Bestimmung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. „Woran liegt es, dass wir noch immer Barbaren sind?“: Das Kapitel führt in die Problematik ein, warum der moderne Mensch trotz Aufklärung oft als "barbarisch" oder "wild" handelt, und formuliert das Ziel, den Weg zum ästhetischen Zustand bei Schiller zu explorieren.

2. „Ewig nur an ein einzelnes kleines Bruchstück des Ganzen gefesselt, bildet sich der Mensch selbst nur als Bruchstück aus“ - Zusammenfassung der Briefe 1-16: Es erfolgt eine Aufarbeitung der wesentlichen Begriffe und der Kritik an Kant, um die notwendigen Grundlagen für das Verständnis des ästhetischen Zustands zu schaffen.

3. Der ästhetische Zustand: Dieser Hauptteil analysiert schrittweise die Briefe 17 bis 22, wobei der Fokus auf der Überwindung von Einseitigkeiten durch die Verbindung der Triebe liegt.

3.1. „An dem Menschen findet sie einen schon verdorbenen und widerstrebenden Stoff“ – Brief 17: Schiller thematisiert die Mängel Anspannung und Abspannung, die den Menschen in seinem Streben nach Vollkommenheit behindern.

3.2. „Die Schönheit verknüpft die zwey entgegengesetzten Zustände“ – Brief 18: Das Kapitel erörtert die Notwendigkeit eines mittleren Zustands, um die gegensätzlichen Triebe ohne deren bloße Auflösung zu vereinen.

3.3. „Der Wille behauptet eine vollkommene Freyheit zwischen beyden“ – Brief 19: Hier wird der Spieltrieb als vermittelnde Macht eingeführt, die den Menschen in eine innere Freiheit zwischen Pflicht und Neigung setzt.

3.4. „Die Schalen einer Wage stehen gleich, wenn sie leer sind; sie stehen aber auch gleich, wenn sie gleiche Gewichte enthalten.“ – Brief 20: Das Kapitel verdeutlicht, dass Freiheit erst durch die vollständige Erweckung beider Triebe und deren harmonisches Gleichgewicht möglich ist.

3.5. „In dem ästhetischen Zustand ist der Mensch also Null“ – Brief 21: Es wird analysiert, inwiefern der ästhetische Zustand als "Nullpunkt" zu verstehen ist, in dem der Mensch zwar unendlich bestimmt, aber noch nicht festgelegt ist.

3.6. „Ein Zustand der höchsten Realität“ – Brief 22: Der Abschluss des Hauptteils betrachtet die Übertragung der ästhetischen Theorie auf Kunstwerke und deren Wirkung auf den Betrachter.

4. „Die alten Grundsätze werden bleiben, aber sie werden das Kleid des Jahrhunderts tragen“: Das Fazit resümiert die Aktualität von Schillers Thesen und betont die Dringlichkeit ästhetischer Erziehung für das moderne Individuum.

Schlüsselwörter

Schiller, Ästhetische Erziehung, ästhetischer Zustand, Freiheit, Stofftrieb, Formtrieb, Spieltrieb, lebende Gestalt, Menschheitsentwicklung, Kultur, Vernunft, Empfindung, Harmonie, Schönheit, Philosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht Schillers Abhandlung "Über die ästhetische Erziehung des Menschen" mit dem Fokus auf den Briefen 17 bis 22, um den Weg zum ästhetischen Zustand und dessen Bedeutung für den Menschen zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Definition von Freiheit, der Dynamik der menschlichen Triebe (Stoff- und Formtrieb) sowie der Vermittlungsrolle der Schönheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel besteht darin, den von Schiller postulierten Weg aufzuzeigen, wie der Mensch durch den ästhetischen Zustand seine Einheit finden und von einem Zustand der Not in einen Zustand der Freiheit gelangen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird hier angewendet?

Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die sich primär auf die Interpretation von Schillers Originaltexten stützt und diese in einen philosophischen Kontext einbettet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine schrittweise Exegese der Briefe 17 bis 22, in der Begriffe wie die "lebende Gestalt", der "Spieltrieb" und das "Gleichgewicht der Kräfte" detailliert erläutert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere der ästhetische Zustand, die Triebstruktur bei Schiller, die Rolle des Künstlers sowie der gesellschaftliche Aspekt der "Barbaren" und "Wilden".

Warum ist Schiller laut Autor heute noch relevant?

Der Autor argumentiert, dass wir auch in der heutigen, von Vernunftdominanz und Egoismus geprägten Gesellschaft, Schillers Aufruf zur Kultivierung des Empfindungsvermögens dringender denn je benötigen.

Was bedeutet der Begriff "ästhetischer Zustand als Nullpunkt" konkret?

Er beschreibt einen Zustand der vollkommenen Bestimmbarkeit, in dem der Mensch weder durch reine Sinnlichkeit noch durch reine Vernunft determiniert ist, was ihm volle Freiheit ermöglicht.

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Details

Title
Über die ästhetische Erziehung des Menschen
College
Technical University of Chemnitz
Grade
1,7
Author
Daniela Wiedmer (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V148578
ISBN (eBook)
9783640591923
ISBN (Book)
9783640591640
Language
German
Tags
Über die ästhetische Erziehung des Menschen Schiller Schönheit Erziehung Bildung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniela Wiedmer (Author), 2008, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148578
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