Die Bedeutung der Ehe in Heinrich Bölls Roman "Und sagte kein einziges Wort"


Seminararbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Welche Bedeutung hat die Ehe für Heinrich Böll?

3. Fred und Käthes Ehe
3.1 Fred spricht über die Ehe
3.2 Käthe spricht über die Ehe

4. Welches Bild von Ehe vermittelt der Roman?

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aufbauend auf das Proseminar „Analyse fiktionaler Prosa am Beispiel Heinrich Bölls“ aus dem Wintersemester 2005/06, beschäftigt sich diese Hausarbeit mit Bölls Roman „Und sagte kein einziges Wort“.

In variabler interner Fokalisierung (aktorial) erzählen Fred und Käthe abwechselnd von ihrer Ehe, die zu scheitern droht.

Ziel dieser Hausarbeit ist es zu untersuchen, wie Fred und Käthe jeweils ihre Ehe sehen, wie die Ehe als solche dargestellt wird und woran sie letztlich zerbricht. Vor allem die These, nicht die Ehe als Institution, sondern ihr menschliches Umfeld seien das eigentliche Problem, soll näher betrachtet werden.

Die Hausarbeit beinhaltet hauptsächlich eine selbständige Analyse des Romans, stützt sich außerdem auf die Interpretation Werner Bellmanns, die Kommentare zum Roman aus der Böll-Biographie von J.H. Reid, sowie einige andere Quellen die im Literaturverzeichnis vermerkt und in den Fußnoten gewissenhaft angegeben sind.

2. Welche Bedeutung hat die Ehe für Heinrich Böll?

Für Böll ist die Ehe zunächst einmal ein unkündbares Treueversprechen[1] zweier Menschen, die ihr Leben gemeinsam verbringen wollen. Dieses Versprechen braucht jedoch keine Unterschrift, keine Beglaubigung und keine Zeugen, außer Gott selbst.

Die Ehe, deren Sakramentalität Böll nicht in Frage stellt, wird seiner Meinung nach durch den Vollzug[2], nicht etwa durch die Amtskirche geschlossen.

Die schriftliche Eheschließung kritisiert er auf das Schärfste, da sie persönliche Beziehungen auf ein Vertragsverhältnis reduziere[3] und die Sakramente zu verrechtlichen versuche.[4]

Die Kirche steckt die Ehe, ein aus Liebe gewachsenes Bündnis zweier Menschen, in eine Zwangsjacke aus Regeln und Beobachtung obwohl sie, so Bölls Auffassung, kein Recht dazu hat. Er vertritt die unter Theologen etwas umstrittene These, dass Ehesakrament liege nicht in den Händen der Kirche, da sich bei der Eheschließung die Brautleute gegenseitig das Sakrament spendeten.[5] Der die Kirche repräsentierende Priester habe dabei folglich nur eine Zeugen- bestenfalls aber eine Assistenzrolle. Tatsächlich ist die Ehe (mit Ausnahme der Nottaufe) das einzige der sieben Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Priesterweihe und Ehe[6] ), das von Laien gespendet werden kann. Dennoch definiert die Kirche den Bund der Ehe als Abbild des Bundes zwischen Christus und der Kirche[7] und würde daher der Aussage, das Ehesakrament liege nicht in den Händen der Kirche, wohl nicht bedingungslos zustimmen.

Böll hingegen unterscheidet hier. Er sagt, die Liebe komme von Gott und die Ehe von den Menschen.

Er empfindet bereits das Zusammenleben zweier Liebenden ohne Trauschein als >>sakramentale Gemeinschaft<<[8].

Diese Art von Gemeinschaft beschreibt Böll beispielsweise in seinem Roman >>Ansichten eines Clowns<<. Hans Schnier und Marie Derkum sind bereits sechs Jahre zusammen, haben aber nie geheiratet. Zwar drängte die fromme Marie auf eine Trauung, doch als Hans erfuhr, dass er dabei auch unterschreiben müsse, seine Kinder später christlich zu erziehen, verweigert er sich. Er will nicht, dass die katholische Kirche sein ganzes Leben mit Marie bestimmt. Dennoch betrachtet er Marie auch ohne kirchlichen Segen als seine Frau, da sie zusammen leben und sie Ehe vollziehen.

Als Marie ihn nach sechs Jahren verlässt, empfindet er dies als „Ehebruch“, da Marie für immer zu ihm gehöre. Hans sieht sich dazu verdammt für immer allein zu bleiben, da dass Treueversprechen zwischen Marie und ihm unauflöslich sei.

Ähnlich verhält es sich in Bölls Roman >>Der Engel schwieg<<. Hans und Regina sind nicht verheiratet. Sie wohnen zusammen, mehr zufällig als aus Liebe. Doch nachdem sie schließlich eine Nacht miteinander verbracht haben, betrachtet Hans Regina als seine Frau und spricht dem Kaplan gegenüber von ihnen als Mann und Frau.

Grundsätzlich stellt Böll die christliche Eheordnung nicht in Frage, er kritisiert viel mehr, dass die Amtskirche und ihre Vertreter nicht dazu beitrügen, eine solche Ehe auch in der Praxis durchführen zu können.[9] So zum Beispiel Frau Franke in >>und sagte kein einziges Wort<< die verhindert, dass die Bogners eine größere Wohnung bekommen. Stattdessen gibt sie ihnen eines ihrer eigenen Zimmer und stellt dies als Akt der christlichen Nächstenliebe dar. Sie repräsentiert in sofern die Kirche, als dass sie in zahlreichen kirchlichen Komitees und Ausschüssen tätig ist.

Bölls Ehekritik ist vielmehr eine Gesellschaftskritik, denn in seinen Romanen ist meist nicht die Ehe, oder eheähnliche Gemeinschaft selbst das Problem, sondern viel mehr, wie sie von ihrem menschlichen Umfeld behandelt und beurteilt wird.

[...]


[1] Beckel, Albrecht: Mensch, Gesellschaft, Kirche bei Heinrich Böll

Osnabrück 1966 S. 54

[2] Kruschel, Karl-Josef: Liebe – Ehe – Sakrament. Die theologische Provokation Heinrich Bölls.

In: Balzer, Bernd (Hrsg.): Heinrich Böll, 1917-1985, zum 75. Geburtstag.

Bern 1992 S. 167

[3] Reid, James H.: Heinrich Böll. Ein Zeuge seiner Zeit, Nördlingen 1991 S.181

[4] Kruschel: Liebe – Ehe – Sakrament. Die theologische Provokation Heinrich Bölls. S.163

[5] Bellmann, Werner (Hrsg.): Interpretationen. Heinrich Böll. Romane und Erzählungen.

Stuttgart 2000 S. 105

[6] Bischöfe Deutschlands, Österreichs und der Bistümer Bozen-Brixen und Lüttich (Hrsg.):

Gotteslob. Katholisches Gebet- und Gesangbuch. Ausgabe für das Erzbistum Köln,

Stuttgart 1975 S.80

[7] Ebd. S.161

[8] Kruschel, Karl-Josef: Liebe – Ehe – Sakrament. Die theologische Provokation Heinrich Bölls.

In: Balzer, Bernd (Hrsg.): Heinrich Böll, 1917-1985, zum 75. Geburtstag.

Bern 1992 S. 169

[9] Bellmann, Werner (Hrsg.): Interpretationen. Heinrich Böll. Romane und Erzählungen.

Stuttgart 2000 S. 100

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Ehe in Heinrich Bölls Roman "Und sagte kein einziges Wort"
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Analyse fiktionaler Prosa am Beispiel Heinrich Bölls
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V148585
ISBN (eBook)
9783640591947
ISBN (Buch)
9783640591664
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Heinrich, Bölls, Roman, Wort
Arbeit zitieren
Eva Weigand (Autor), 2006, Die Bedeutung der Ehe in Heinrich Bölls Roman "Und sagte kein einziges Wort", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148585

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