Zar Nikolaus II. und seine Reaktionen auf die Revolution 1905 und die Februarrevolution 1917


Hausarbeit, 2009
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einfuhrung

2. Nikolaus II

3. Die Revolution 1905
3.1. Ursachen und Verlauf
3.2. Das Oktobermanifest, das „Staatsgrundgesetz“ und die Duma

4. Die Februarrevolution 1917 und das Ende der Herrschaft der Romanows

5. Schlusswort

Anhang

1. Abbildungen

2. Literaturverzeichnis

3. Abbildungsverzeichnis

1. Einfuhrung

Nikolaus II. (Abb. 1) wurde im Jahre 1849 Zar des Russischen Reiches. Kurz nach seiner Thronbesteigung hielt er eine Rede vor Zemstwovertretem, in der er folgendes sagte: „Ich bin sehr glucklich, Vertreter aller Stande zu sehen, die gekommen sind, um mir ihre untertanigen Gefuhle auszudrucken. Aber ich habe gehort, dass in letzter Zeit in einigen Zemstvo- Versammlungen Stimmen laut geworden sind, die sinnlosen Traumereien uber eine Beteiligung von Zemstvo-Vertretern an der Staatslenkung nachhingen. Alle sollen wissen, dass ich mit allen meinen Kraften dem Wohl des Volkes dienen werde, aber deshalb das Prinzip der Autokratie ebenso fest und bestandig hochhalten werde wie mein unvergesslicher Vater."1

Diese Rede gibt seinen hochsten Anspruch an seiner Herrschaft wieder, den Erhalt der Autokratie. Nach der restriktiven Regierungszeit Alexanders III. achzte das Land nach politischer Veranderung. Liberale Krafte setzten groBe Hoffnungen auf Nikolaus II. als Nachfolger Alexanders, die er mit dem Festhalten an der Autokratie enttauschte. Leider sollte es Nikolaus nicht gelingen, sein Ziel in die Tat umzusetzen. Das Russische Reich lieB sich mit den alten Strukturen nicht mehr regieren, gleichzeitig sollte sich Nikolaus als schwacher und zogerlicher Monarch erweisen, der nach und nach seine Herrschaft teilen musste und zum Schluss sogar ganz verlor.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, dass Verhalten Nikolaus II. auf die Revolution 1905 und die Februarrevolution 1917 zu untersuchen. Zunachst soll etwas uber Zar Nikolaus gesagt werden: Seine Lebensdaten, wichtige Ereignisse die ihn pragten und auf seine spateren Entscheidungen Einfluss nahmen. AnschlieBend steht die Revolution von 1905 im Zentrum des Interesses. Danach wird das vorrevolutionare Russland untersucht. Die Probleme und Ursachen des riesigen Reiches, die zur Revolution fuhrten. AnschlieBend die Revolution selbst, ihr Verlauf, die entscheidendsten Ereignisse und damit die Reaktionen Nikolaus II. auf diese. Die Februarrevolution von 1917 wird im vorletzten Kapitel das bedeutende Ereignis sein, dass es zu betrachten gilt. Ursachen und Verlauf werden geschildert, sowie schlieBlich die Reaktion Nikolaus II., die in seiner Abdankung mundete.

Nikolaus II. und die Russischen Revolutionen sind bereits in zahlreichen Publikationen bearbeitet worden. Helene Carrerre d’Encausse hat mit ihrem Werk „Nikolaus II -Das Drama des letzten Zaren“ speziell zu Nikolaus II. eine Biografie vorgelegt. Fur einen kurzen Uberblick uber das Leben Nikolaus II. eignet sich hervorragend der Aufsatz von Heinz- Dietrich Lowe „Nikolaus II 1894-1917“. Uberblickswerke bieten Horst Gunther Linke mit seinem Werk „ Geschichte Russlands Von den Anfangen bis heute“ und Hans-Joachim Torke mit seiner „Einfuhrung in die Geschichte Russlands“. Als Standardwerk zur russischen Geschichte sollte unbedingt das „Handbuch der Geschichte Russlands“ zu Rate gezogen werden, dessen dritter Band einen sehr guten Uberblick uber die Epoche der russischen Revolutionen bietet.

2. Nikolaus II.

Nikolaus II. wurde am 6. Mai 1869 geboren. Erst kurz vor seiner Geburt wurde offensichtlich, dass er einmal den russischen Thron erben wurde, der alteste Sohn Alexander II. war 1865 verstorben. Trotz dieser Tatsache, erhielt Nikolaus nicht die bestmogliche Ausbildung fur sein 2 spateres Amt.

Er war das alteste der funf Kinder Alexanders III. Nikolaus erlebte eine gluckliche Kindheit und Jugend, in einer harmonischen und liebevollen Familie. Gleichzeitig wurde sein Leben durch auBerste Bescheidenheit gekennzeichnet, was Wohnstil, Kleidung sowie Essen betraf.3 Er fuhrte dieses harmonische Leben in seiner Familie fort, intensivierte es sogar, was schlieBlich in einer Loslosung von allen gesellschaftlichen Schichten des Reiches fuhrte. Nikolaus war intelligent, beherrschte bereits mit 16 Jahren vier Sprachen und entwickelte fruh Fahigkeiten zur Ruhe und Selbstkontrolle. Er war pflichtbewusst, diszipliniert und aufmerksam, zeigte aber wenig Interesse im Unterricht und an den Tatigkeiten eines zukunftigen Herrschers. Gleichzeitig bildete die Wahl seiner Erzieher eine Fehlentscheidung, die sich auf sein ganzes Leben auswirken sollte. Den groBten Einfluss auf die Sichtweise Nikolaus hatte der Jurist Konstantin Petrovic Pobedonoscev. Er vermittelte Nikolaus ein konservatives Bild der Politik: „Sie war fur ihn nicht das Ergebnis eines komplizierten Geflechts von Interessenkonflikten oder Ausdruck einer Staatsrason, sondern eine Frage der Wahrheit oder der Luge (…)“4 Dies bestimmte Nikolaus Denken in spateren Jahren. Politik wurde fur ihn zu einer Sache des Gehorsams, abweichende Meinungen waren nicht akzeptabel. Gleichzeitig beeinflusste Pobedonoscev Nikolaus Verstandnis vom Status Russlands,5 der von der Autokratie und einer dem Zaren unterworfenen orthodoxen Kirche abhangig sei. Von seinen Erziehern ein uberaltertes Weltbild vermittelt bekommen, vernachlassigte sein Vater ebenso Nikolaus Erziehung in Regierungsangelegenheiten. Mit 18 Jahren wurde er im Reichsrat assoziiert, wo ihm allerdings keine politische Verantwortung zukam.

Besonders verheerend fur seine Erziehung war die Tatsache, dass Nikolaus vom Kontakt mit Gleichaltrigen abgehalten wurde, sodass die Ausbildung seiner sozialen Kompetenzen litt. Sein Kontakt zu Mitmenschen beschrankte sich auf die Zarenfamilie, sowie deren Bedienstete und Bewacher. Jedoch bildete sich auch in diesem Verhaltnis eine wichtige Sichtweise Nikolaus heraus. Bei den letzten beiden Gruppen handelte es sich zumeist um einfache Bauern und Soldaten: „Nikolaus liebte diese Menschen aufrichtig und mag durch sie zu dem Urteil gelangt sein, dafi die einfachen Menschen Rufilands so etwas wie sein eigentlicher Kern seien."6 Durch seine tiefe Religiositat glaubte sich Nikolaus auf mystische Weise mit dem einfachen Volk verbunden. Diese Verbindung suchte sich Nikolaus in spateren Jahren politisch zu Eigen zu machen.

Das wohl pragendste Ereignis seines fruhen Lebens erlebte Nikolaus 1881, als sein GroBvater Alexander II. Opfer eines Bombenanschlages wurde. Alexander war der „Reformzar", der gegen den Widerstand breiter Volksschichten Reformen durchgesetzt hatte. Den Preis, den er dafur zahlen musste, waren zahlreiche Attentatsversuche und schlieBlich der qualvolle Tod. Alexander III., sein Sohn, schlussfolgerte daraus, dass eine Starkung der Autokratie dringend notig sei.7 Nikolaus war bedingungslos bereit, ihm in diesem Urteil zu folgen. In dieser Entscheidung bundelte sich seine gesamte Erziehung, die ihn auf eine uneingeschrankte, autokratische Herrschaft vorbereitet hatte.

[...]


1 Zitiert nach: Linke, Geschichte Russlands Von den Anfangen bis heute, Darmstadt, 2006, S. 147.

2 Vgl. Carrerre d'Encausse, Nikolaus II. Das Drama des letzten Zaren, S. 69.

3 Ebenda.

4 Lowe, Nikolaus II. 1894-1917, S. 356.

5 Vgl. Carrerre d'Encausse, Nikolaus II. Das Drama des letzten Zaren, S. 73.

6 Lowe, Nikolaus II. 1894-1917, S. 357.

7 Carrerre d'Encausse, Nikolaus II. Das Drama des letzten Zaren, S. 70.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Zar Nikolaus II. und seine Reaktionen auf die Revolution 1905 und die Februarrevolution 1917
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Slawistik)
Veranstaltung
Geschichte der Ostslawen II
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V148610
ISBN (eBook)
9783640592609
ISBN (Buch)
9783656620396
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Drei Seiten Abbildungen
Schlagworte
Nikolaus II., Russische Revolution 1905, Februarrevolution 1917
Arbeit zitieren
Marcel Fidelak (Autor), 2009, Zar Nikolaus II. und seine Reaktionen auf die Revolution 1905 und die Februarrevolution 1917, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148610

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