Diese Arbeit ist der Versuch einer Rekonstruktion des impliziten Autors Werner Bräunig im Rummelplatz, um dadurch dessen Intention erschließen zu können
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 LINIENTREU VS. SYSTEMKRITISCH
2.1 DER IMPLIZITE AUTOR - EIN METHODISCHES PROBLEM
2.2 WERNER BRÄUNIG - EIN LINIENTREUER AUTOR
2.3 DIE IMPLIZITE KRITIK IN „DER RUMMELPLATZ“
2.4 KONKLUSION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert die politische Haltung des Autors Werner Bräunig, indem sie analysiert, ob dieser in seinem Roman „Der Rummelplatz“ als linientreuer Parteifunktionär oder als systemkritischer Beobachter agiert. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, wie sich die scheinbaren Widersprüche zwischen Bräunigs systemkonformem Handeln im realen Leben und der in seinem Werk manifestierten, impliziten Kritik auflösen lassen.
- Rekonstruktion des Begriffs des impliziten Autors nach Wayne C. Booth
- Analyse der politischen Konformität von Werner Bräunig
- Untersuchung der impliziten Kritik im Roman „Der Rummelplatz“
- Gegenüberstellung von systembejahenden und systemkritischen Argumenten
- Identifikation der Sinnhaftigkeit von Bräunigs Kritik im Kontext des Sozialismus
Auszug aus dem Buch
2.1 Der implizite Autor - Ein methodisches Problem
Nach Wayne C. Booth, dem Begründer dieses Begriffes, ist der implizite Autor die Instanz, der man alle Formen einer absichtsvollen Gestaltung zuordnet. (vgl. Klausnitzer 2004, 84) Demnach ist dieser Autorbegriff eng mit der Autorintension verbunden, denn einer absichtsvollen Gestaltung geht natürlich eine Intention voraus. Somit ist dieser Begriff für die Interpretations- praxis von maßgeblicher Bedeutung, denn ohne ihn lässt sich meiner Meinung nach keine hinreichende Interpretation durchführen.
Die Problematik jedoch besteht darin, dass der implizite Autor die Haltungen, Meinungen und Gefühle des empirischen Autors lediglich zum Zeitpunkt des Verfassens vertritt. (vgl. Klausnitzer 2004, 122) Das heißt, bei einer Interpretation muss man einen Autor herstellen, der so nicht mehr existiert. Gleiches gilt auch für dessen Intention. Aus der Ungleichheit zwischen empirischen und impliziten Autor ergibt sich, dass vermutlich nicht einmal der Autor selbst nachträglich in der Lage ist, seine ursprüngliche Intention genau wiederzugeben. Daran wird deutlich, welche Schwierigkeit mit der Interpretation eines literarischen Werkes verbunden ist. Das Vorhaben, den impliziten Autor zu rekonstruieren, kann am Ende also nur der Versuch sein, die Intention des Autors nachzuvollziehen. Aber schon dieser Versuch gibt uns Aufschluss über die Wirklichkeit des Autors und der Relation zu unserer eigenen, um die Tatsachen in einer neuen Perspektive zu betrachten, zu der man vorher nicht in der Lage war.
In Bezug auf mein weiteres methodisches Vorgehen heißt das, dass ich anhand ausgewählter Textbeispiele versuchen werde den impliziten Autor und die damit verbundene Autorintension herzustellen. Im folgenden Kapitel untersuche ich dabei den Parteifunktionär Werner Bräunig.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung legt das Ziel der Arbeit fest, den Autor Werner Bräunig hinsichtlich seiner politischen Haltung zu rekonstruieren und die Schwierigkeiten bei der Interpretation des impliziten Autors aufzuzeigen.
2 LINIENTREU VS. SYSTEMKRITISCH: Dieses Hauptkapitel analysiert zunächst methodische Grundlagen und prüft anschließend durch einen Vergleich biographischer Fakten sowie Textbeispiele aus „Der Rummelplatz“, inwieweit Bräunig als linientreu oder systemkritisch einzustufen ist.
2.1 DER IMPLIZITE AUTOR - EIN METHODISCHES PROBLEM: Hier wird der theoretische Rahmen des impliziten Autors nach Wayne C. Booth erläutert und die Problematik verdeutlicht, die sich aus der Rekonstruktion einer ursprünglichen Autorintention bei der literarischen Analyse ergibt.
2.2 WERNER BRÄUNIG - EIN LINIENTREUER AUTOR: Dieses Kapitel widmet sich den Argumenten für Bräunigs Konformität zum DDR-System, beleuchtet seine SED-Mitgliedschaft und sein Engagement in der Kulturpolitik.
2.3 DIE IMPLIZITE KRITIK IN „DER RUMMELPLATZ“: Der Abschnitt untersucht die Zensurgeschichte des Romans und analysiert Textstellen, die implizite Kritik an Bürokratie, Pressefreiheit und dem politischen System der DDR äußern.
2.4 KONKLUSION: Die Konklusion führt die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Bräunig zwischen den Extremen der Linientreue und Systemkritik wandelt, wobei seine Kritik als Impuls zur Verbesserung des Sozialismus und nicht als dessen Ablehnung zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Werner Bräunig, Der Rummelplatz, impliziter Autor, DDR-Literatur, Sozialismus, Systemkritik, Linientreue, SED, Kulturpolitik, Zensur, Konformität, Literaturanalyse, Sozialpsychologie, 11. Plenum, politische Haltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Haltung des Schriftstellers Werner Bräunig und untersucht, wie sich seine systemkonforme Identität als SED-Mitglied mit der impliziten Systemkritik in seinem Roman „Der Rummelplatz“ vereinbaren lässt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die literaturwissenschaftliche Kategorie des impliziten Autors, das Phänomen der Konformität in der DDR-Prosaliteratur sowie die Spannungsfelder zwischen Parteiideologie und individueller künstlerischer Freiheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Rekonstruktion des „impliziten Bräunig“, um zu klären, ob der Autor innerhalb seines Romans eine systemkritische Haltung einnimmt oder als linientreuer Parteifunktionär agiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Methode der Interpretation anhand ausgewählter Textpassagen, kombiniert mit einer Analyse biographischer Daten und zeitgeschichtlicher Kontexte, unter Anwendung des theoretischen Modells von Wayne C. Booth.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Mittelpunkt?
Im Hauptteil werden sowohl die Belege für Bräunigs politische Linientreue, etwa seine Parteizugehörigkeit und sein Engagement, als auch konkrete Textbeispiele aus „Der Rummelplatz“ analysiert, die kritische Töne gegenüber den herrschenden Zuständen in der DDR enthalten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Systemkritik, Linientreue, impliziter Autor, DDR-Literatur und Zensur charakterisieren.
Inwiefern beeinflusste die Zensur durch das 11. Plenum die Interpretation des Romans?
Das Verbot des Romans durch das 11. Plenum dient in der Arbeit als Beleg dafür, dass das Werk tatsächliche Kritik am System enthielt, da die Entscheidung zur Zensur eine kritische Grundlage im Text voraussetzte.
Wie lautet die Schlussfolgerung bezüglich der Identität Werner Bräunigs?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Werner Bräunig nicht einseitig als Kritiker oder Funktionär gesehen werden kann. Er fungierte als Sozialist, der den bestehenden Sozialismus zwar kritisierte, diesen jedoch nicht grundlegend ablehnte, sondern zur Korrektur seiner Umsetzung auffordern wollte.
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- Peter Maring (Author), 2008, Der implizite Autor in Werner Bräunigs Rummelplatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148671