Der implizite Autor in Werner Bräunigs Rummelplatz


Seminararbeit, 2008

10 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Linientreu vs. Systemkritisch
2.1 Der implizite Autor - Ein methodisches Problem
2.2 Werner Bräunig - ein linientreuer Autor
2.3 Die implizite Kritik in „Der Rummelplatz“
2.4 Konklusion

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

,Wenn es stimmt, daß Literatur mit Wirklichkeit nicht nur entfernt zu tun hat, sondern ihr entspringt, so ist Voraussetzung für einen, der Literatur beurteilen will, daß er des Urteils über die Wirklichkeit fähig ist.´ (Schichtel 1998, zitiert nach Fischer 1983, 34f.)

Um mir jedoch ein Urteil über die Wirklichkeit Werner Bräunigs zu bilden, wie er sie erlebt und in seinem Roman „Der Rummelplatz“ konserviert hat, müsste ich Werner Bräunig zum Zeitpunkt des Schreibens seines Werkes sein. Denn die Wirklichkeit, die erlebt wird und wurde, ist von Mensch zu Mensch und ebenso von Zeit zu Zeit verschieden. Ähnlich verhält es sich mit dem impliziten Autor.

Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, diesen Autor in Bezug auf seine politische Haltung zu rekonstruieren. Dass dieses Ziel schwierig zu erreichen sein wird, weil sich damit eine gewisse Problematik verbindet, zeige ich im folgenden Kapitel.

Um in meiner Arbeit zu einem Erkenntnisfortschritt im Sinne des mir gesteckten Zieles zu gelangen, ist es wichtig, nach Antworten auf essentielle Fragen zu suchen. In Bezug auf den impliziten Bräunig heißt das: - Ist er ein Kritiker des Systems oder ein Funktionär der Partei?

Falls es sich bei Bräunig um einen Parteifunktionär handelt, wirft das die Frage auf - Warum schreibt ein eigentlich linientreuer Autor so kritisch über ein System, dem er sich doch verbunden fühlen müsste? - Darüber hinaus muss die folgende Frage geklärt werden: - Was bezweckt Bräunig mit der implizierten Kritik im Rummelplatz und an wen richtet sich diese? -

Um diese Fragen zu klären und den impliziten Autor sowie dessen Intension zu rekonstruieren, werde ich anhand seiner Autobiographie „ Vom ersten Schritt“, dem Interview mit Margot Gerisch und natürlich Bräunigs Roman „Der Rummelplatz“ nach Argumenten für seine Linientreue suchen. Im Gegenzug dazu stehen die Belege für seine kritische Betrachtung des Sozialismus in der DDR. Um dies zu zeigen, suche ich nach Argumenten und Beispielen in „ Der Rummelplatz“ und in Angela Dreschers „Ach wie geht man von sich selber fort“. Doch zunächst gehe ich genauer auf die Problematik des impliziten Autors ein.

2 Linientreu vs. Systemkritisch

2.1 Der implizite Autor - Ein methodisches Problem

Nach Wayne C. Booth, dem Begründer dieses Begriffes, ist der implizite Autor die Instanz, der man alle Formen einer absichtsvollen Gestaltung zuordnet. (vgl. Klausnitzer 2004, 84) Demnach ist dieser Autorbegriff eng mit der Autorintension verbunden, denn einer absichtsvollen Gestaltung geht natürlich eine Intention voraus. Somit ist dieser Begriff für die Interpretations- praxis von maßgeblicher Bedeutung, denn ohne ihn lässt sich meiner Meinung nach keine hinreichende Interpretation durchführen.

Die Problematik jedoch besteht darin, dass der implizite Autor die Haltungen, Meinungen und Gefühle des empirischen Autors lediglich zum Zeitpunkt des Verfassens vertritt. (vgl. Klausnitzer 2004, 122) Das heißt, bei einer Interpretation muss man einen Autor herstellen, der so nicht mehr existiert. Gleiches gilt auch für dessen Intention. Aus der Ungleichheit zwischen empirischen und impliziten Autor ergibt sich, dass vermutlich nicht einmal der Autor selbst nachträglich in der Lage ist, seine ursprüngliche Intention genau wiederzugeben. Daran wird deutlich, welche Schwierigkeit mit der Interpretation eines literarischen Werkes verbunden ist. Das Vorhaben, den impliziten Autor zu rekonstruieren, kann am Ende also nur der Versuch sein, die Intention des Autors nachzuvollziehen. Aber schon dieser Versuch gibt uns Aufschluss über die Wirklichkeit des Autors und der Relation zu unserer eigenen, um die Tatsachen in einer neuen Perspektive zu betrachten, zu der man vorher nicht in der Lage war.

In Bezug auf mein weiteres methodisches Vorgehen heißt das, dass ich anhand ausgewählter Textbeispiele versuchen werde den impliziten Autor und die damit verbundene Autorintension herzustellen. Im folgenden Kapitel untersuche ich dabei den Parteifunktionär Werner Bräunig.

2.2 Werner Bräunig - ein linientreuer Autor

Wenn es sich bei Bräunig um einen linientreuen Autor handelt bedeutet das, dass seine persönliche politische Einstellung mit dem herrschenden System konform ist. Unter Konformität jedoch versteht man in der Sozialpsychologie zweierlei: Zum einen ist Konformität das Ergebnis eines Druckes, der auf Personen oder Gruppen ausgeübt wird, wodurch jene Individuen ihr Verhalten an die Vorstellung derer anpassen, die den Druck ausüben. Zum anderen entsteht konformes Verhalten durch die freiwillige Entscheidung von Individuen. Das heißt, Personen nehmen bewusst und ohne Druck eine positive Haltung zu etwas ein und richten ihr Verhalten danach aus. (vgl. Schichtel 1998, 13) Wobei man hier meiner Meinung nach zwischen unechter und echter Konformität differenzieren sollte, da sich laut der ersten Definition von Konformität lediglich das Verhalten von Personen anpasst, nicht aber ihre Überzeugung.

In diesem Kapitel gehe ich davon aus, dass es sich bei Werner Bräunigs politischer Haltung um echte Konformität handelt.

Dass diese Behauptung nicht aus der Luft gegriffen ist, dafür lassen sich zahlreiche Argumente finden. Zunächst lässt sich feststellen, dass Bräunig 1958 Mitglied der SED wurde. (vgl. Drescher 2007, S.629) Konformität bedeutet hier, zu akzeptieren, dass die Politik der Partei wissenschaftlich begründet und somit diese immer im Recht ist. (vgl. Schichtel 1998, 23) Nun ist die Parteimitgliedschaft noch kein Beweis für die Linientreue dieses Autors. Deutlicher wird seine Einstellung, wenn man sein Engagement innerhalb des politischen Systems und deren Kulturpolitik betrachtet. Im Jahre 1959 gab Bräunig mit „Greif zur Feder, Kumpel“ den Aufruf zur 1. Bitterfelder Konferenz. (vgl. Bräunig 2007, 752) Diese hat die sozialistische Literatur mit der Aufgabe versehen, der Arbeiterbevölkerung die Literatur zugänglicher zu machen und eine gesellschaftliche Literaturkultur aufzubauen. (vgl. Scharfschwerdt 1982, 107) Aber bereits vor seiner Parteimitgliedschaft war er sehr bemüht, sich in die sozialistische Gemeinschaft einzufügen und so war er schon seit 1948 im FDGB. In der FDJ trat er besonders hervor, indem er leitende Position in Anspruch nahm, wie die des hauptamtlichen Instrukteurs. (vgl. Drescher 2007, S.629)

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der implizite Autor in Werner Bräunigs Rummelplatz
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Autor Werk Epoche
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
10
Katalognummer
V148671
ISBN (eBook)
9783640592692
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
impliziter Autor, Werner Bräunig, Rummelplatz, DDR Literatur, Roman
Arbeit zitieren
Peter Maring (Autor), 2008, Der implizite Autor in Werner Bräunigs Rummelplatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148671

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