In seiner Schrift „De officiis“ bezieht der römische Staatsmann, Philosoph und Schriftsteller Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.)Stellung zur Arbeitswelt des freien Römers. Seine Position soll hier vorgestellt und dann kurz in Beziehung zu den rekonstruierbaren Gegebenheiten der realen Arbeitswelt gesetzt werden: Waren Ciceros Ausführungen im alltäglichen Leben umsetzbar und konnten sie als Richtschnur gelten?
Aufschluss über einige Berufssparten im Alten Rom und gleichzeitig eine Wertung der genannten Tätigkeiten können in Ciceros „De officiis“ die Abschnitte I.150-I.151 geben. Dabei ist zu beachten, dass...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ansichten Ciceros zur Arbeit in „De officiis“
2.1 Kategorisierung in ehrenhafte und unehrenhafte Tätigkeiten
2.2 Die Sonderstellung des Ackerbaus
3. Die reale Arbeitswelt im Vergleich zur Theorie
3.1 Arbeitsstrukturen in Stadt und Land
3.2 Geschlechterrollen und Sklavenarbeit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Ciceros idealisierten Vorstellungen über die Arbeitswelt eines römischen Ehrenmannes und der historischen Realität der Erwerbstätigkeit im Alten Rom. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Ciceros moralische Klassifizierung von Berufen als Richtschnur für die tatsächlich gelebte Arbeitswelt dienen konnte.
- Ciceros normatives Arbeitsverständnis in „De officiis“
- Differenzierung zwischen ehrenhaften und unehrenhaften Tätigkeiten
- Die Rolle des Ackerbaus als Fundament römischer Identität
- Sozioökonomische Realität der Arbeit in der späten Republik und Kaiserzeit
- Interaktion von freien Arbeitern und Sklaven in verschiedenen Erwerbssektoren
Auszug aus dem Buch
Die Ansichten Ciceros zur Arbeit in „De officiis“
Cicero diskutiert und bewertet in I.150-151 die „handwerklichen Berufe und Erwerbszweige“, indem er diese in zwei Kategorien einteilt: Zum einen die unehrenhafte Arbeiten, die für einen freien Römer schmutzig bzw. unwürdig sind, und zum anderen die ehrenhaften Arbeiten, die eines Freien würdig sind. Aus dieser Aufzählung lassen sich die für die Oberschicht akzeptablen Tätigkeiten erschließen. Diese zeigen sich nur in den Bereichen Kriegsführung, Politik, Recht, Philosophie, Redekunst, Landarbeit und im Großhandel, insbesondere wenn die Gewinne in den Landbesitz investiert wurden. Aus Sicht Ciceros ist jede Arbeit, die dem Lebensunterhalt dient und zu wirtschaftlicher Abhängigkeit führt, unter der Würde eines Ehrenmannes. Als unehrenhafte, „niedere Berufstätigkeiten“ galten solche, in denen man „nicht sein eigener Herr, sondern von Aufträgen und Anweisungen seiner Kunden abhängig war“ oder sich der Gesellschaft gegenüber unmoralisch verhielt.
So sind z.B. die Berufe des Zöllners und des Geldverleihers, welche „sich der Ablehnung der Menschen aussetzen“, aus moralischen Gründen unehrenhaft, sowie die des Zwischenhändlers und des Einzelhändlers, welchen Unehrlichkeit unterstellt wird. Aus Gründen der Abhängigkeit sind die Arbeit der Tagelöhner und Handwerker ebenfalls negativ zu bewerten: Beim Tagelöhner werde dessen „Arbeitsleistung, [und] nicht [dessen] handwerkliche Geschicklichkeiten erkauft“ und somit sei der „Lohn ein Handgeld für [seine] Dienstleistung“. Handwerker befassen sich aus Sicht Ciceros mit einer schmutzigen Tätigkeit, denn eine Werkstätte kann nichts Edles an sich haben“. Wood erläutert hierzu, dass Löhne aus Sicht Ciceros ein Zeichen von Knechtschaft und Sklaverei seien, und eine Werkstatt von ihrer Natur her kein Ort für den römischen Ehrenmann darstellen könne. Besonders unehrenhaft seien auch „Fertigkeiten, die Dienerinnen von Genüssen sind“ wie die der „‚Fischhändler, Metzger, Köche, Geflügelhändler und Fischer’ […] Salbenhändler, Tänzer und die ganze Zunft der Schausänger“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Cicero in „De officiis“ die Arbeit bewertet und ob diese Vorgaben mit der Lebenswirklichkeit korrespondierten.
2. Die Ansichten Ciceros zur Arbeit in „De officiis“: Dieses Kapitel erläutert Ciceros moralische Einteilung von Berufen in „ehrenhaft“ und „unehrenhaft“ sowie seine Idealisierung des Ackerbaus.
3. Die reale Arbeitswelt im Vergleich zur Theorie: Hier wird die Diskrepanz zwischen Ciceros moralischen Ansprüchen und den tatsächlichen, komplexen Arbeitsverhältnissen der römischen Bevölkerung aufgezeigt.
4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Arbeit im alten Rom weder in starre moralische noch in klare rechtliche Kategorien unterteilt werden konnte, da sie von vielfältigen Faktoren geprägt war.
Schlüsselwörter
Cicero, De officiis, Römisches Reich, Arbeit, Ehrenhaftigkeit, Oberschicht, Ackerbau, Sklaverei, Handwerk, Erwerbszweige, Soziale Struktur, Wirtschaftsgeschichte, Berufsethik, Abhängigkeit, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der antiken Philosophie, konkret den Arbeitsidealen von Cicero, und der gelebten wirtschaftlichen Realität im Römischen Reich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen Ciceros moralische Kategorisierung von Berufen, die Wertschätzung des Ackerbaus sowie die sozioökonomische Vielfalt der römischen Arbeitswelt.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, ob Ciceros moralische Arbeitsbewertung in der Lebenspraxis umsetzbar war und ob sie als verlässliche Richtschnur dienen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die Primärquellen (Ciceros „De officiis“) mit moderner Forschungsliteratur verknüpft, um das Bild des Idealrömers zu kontextualisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst Ciceros theoretische Einteilungen und kontrastiert diese anschließend mit den realen Arbeitsformen in Stadt und Land sowie dem Wirken von Sklaven und freien Arbeitern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Cicero, Arbeitsethik, Ehrenhaftigkeit, römische Oberschicht, Landwirtschaft und die soziale Differenzierung der Erwerbstätigkeiten.
Warum bewertete Cicero den Ackerbau als besonders ehrenvoll?
Für Cicero verkörperte der Ackerbau die fundamentalen bäuerlichen Tugenden, die er als Ursprung des römischen Ruhms und der Zivilisation betrachtete.
Wie unterschied sich die theoretische Sicht von der praktischen Realität?
Während Cicero klare moralische Grenzen zog, zeigte die Realität eine viel komplexere Struktur, in der ökonomische Notwendigkeiten und soziale Herkunft die Berufswahl bestimmten, fernab philosophischer Ideale.
- Citar trabajo
- Christina Gieseler (Autor), 2008, Die Arbeit des ehrenhaften Römers – Ciceros Idealvorstellungen für die Oberschicht und die Arbeitswelt der unteren Schicht im Alten Rom, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148687