Wie ist das Abendmahl zu verstehen? Kann eine Exegese klärend wirken? Oder eher eine systematisch theologische Untersuchung über den Gegenstand des Abendmahls, also was beim Abendmahl geschieht? Ziel dieser Hausarbeit ist es daher erst einmal im synoptischen Vergleich das biblische Abendmahlsverständnis zu untersuchen. Dabei aber, zugunsten des inhaltlichen Schwerpunkts die Forschungsgeschichte nur zu streifen und eher hermeneutisch exegetisch zu betrachten. Und im zweiten Teil dann systematisch theologische Entwicklungen in der konfessionellen Auseinandersetzung mit Luther und den Reformatoren und einer eventuellen Annäherung in der Leuenberger Konkordie zu untersuchen. Auch hier soll der Schwerpunkt eher inhaltlich auf dem Gegenstand des Abendmahls liegen. So wird der theologisch geschichtliche und dogmatische Aspekt nur gestreift und im Anhang für das Verständnis kurz beleuchtet.
So unterschiedlich wie die Deutungen sind auch die Bezeichnungen des Abendmahls, deren Begriffsklärung am Anfang steht, und in der exegetischen Untersuchung mit Abschiedsmahl Jesu bezeichnet wird. Diese beginnt mit der biblischen Einordnung und führt zur Exegese der Handlung und der Worte Jesu im Einsetzungsbericht. Dieser Einsetzungsbericht entwickelte sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die systematisch theologisch untersucht werden: Kirche, Wort, Glaube, Geist und Gemeinschaft. Aufgrund der Fülle an Literatur sollen die katholischen und evangelischen Glaubenslehren als Grundlage dienen. Im abschließenden Fazit werden die exegetischen und systematisch theologischen Ergebnisse zusammengeführt.
Inhaltsverzeichnis
1.EINLEITUNG
2. DEFINITION
3. DAS ABSCHIEDSMAHL JESU
3.1 DIE MAHL-TRADITIONEN DES ABSCHIEDSMAHLS JESU
3.2 DAS ABSCHIEDSMAHL JESU UND DIE EINSETZUNGSWORTE
3.3 ANNÄHERUNG AN DAS HISTORISCHE ABSCHIEDSMAHL JESU
4. EXEGESE
4.1 DIE HANDLUNG JESU
4.2 DIE WORTE JESU
4.2.1 DAS BROTWORT
4.2.2 DER GRUND: STELLVERTRETUNG UND ERLÖSUNG
4.2.3 DER AUFTRAG: ERINNERUNG UND WIEDERHOLUNG
4.2.4 DAS KELCHWORT
4.2.5 DIE ZUKUNFT: DER ESCHATOLOGISCHE AUSBLICK
5. DIE GEGENWART JESU IM ABENDMAHL
5.1 DURCH DIE KIRCHE
5.2 DURCH DAS WORT
5.3 DURCH DEN GLAUBEN
5.4 DURCH DEN GEIST
5.5 DURCH DIE GEMEINSCHAFT
6. AUSBLICK
7. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des biblischen Abendmahlsverständnisses im synoptischen Vergleich sowie die Analyse der systematisch-theologischen Entwicklungen in der konfessionellen Auseinandersetzung, insbesondere unter Berücksichtigung der Leuenberger Konkordie, um den inhaltlichen Gegenstand des Abendmahls als "sichtbares Wort Christi" zu erarbeiten.
- Biblisch-exegetische Untersuchung der Einsetzungsberichte
- Systematisch-theologische Analyse der Gegenwart Jesu im Abendmahl
- Vergleichende Betrachtung der Abendmahlslehren verschiedener Konfessionen
- Forschung zur Entwicklung vom historischen Abschiedsmahl zum sakramentalen Verständnis
Auszug aus dem Buch
3.3 ANNÄHERUNG AN DAS HISTORISCHE ABSCHIEDSMAHL JESU
Viele Mahlzeiten hat Jesus in den rituellen jüdischen Gebräuchen gefeiert (vgl. Mk 2,15; Mk 6,35- 44; Lk 14,1.12-15; Mt 11,19). Für Deutungen ist daher erst einmal der jeweilige Kontext und das jüdische Umfeld zu beachten (vgl. Maier/Riesner 2017: 531). Im Abschiedsmahl feiert er es nur mit seinen Jüngern als ein jüdisches Festmahl, welches neben einer sättigenden auch eine gemeinschaftsstiftende und -bewahrende Funktion hat (vgl. Klauck 1986: 205). D.h., dass der vom Hausvater gesprochene Segen über Brot und Kelch allen Teilnehmenden Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen und untereinander gibt (vgl. Lang 1975: 532).Allerdings fehlt für ein Passahmahl die Erwähnung eines Lammes, der Bitterkräuter und des ungesäuerten Brotes (vgl. Klauck 1986: 205) Deshalb ist das Abschiedsmahl Jesu nur formal von den alttestamentlich-jüdischen Vorbildern wie Danksagung, Tischsegen, Becherritus und Vergegenwärtigung von Gottes Heilsgeschehen beeinflusst (vgl. Gnilka 1979: 240).Trotzdem könnte die erlösende Erinnerung in den Mahlelementen von der Knechtschaft aus Ägypten auf die Knechtschaft der Sünde übertragen werden (vgl. Lang 1975: 532). Und der jüdische Gedächtnischarakter des Kelchritus (vgl. Ex 12,24; 13,9) könnte auch auf die Wiederholung und den Gedächtnischarakter des späteren Abendmahles (vgl. 1Kor 10,16f.) gedeutet werden (vgl. Betz 1998: 3). Doch ist es keine sakramentale, jüdische Mahlfeier, da der Begriff einer sakramentalen Handlung in dieser Zeit noch fehlt (vgl. Klauck 1986: 205).
Zusammenfassung der Kapitel
1.EINLEITUNG: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, definiert das Abendmahl als zentralen Punkt christlicher Praxis und erläutert die methodische Vorgehensweise einer exegetisch-theologischen Untersuchung.
2. DEFINITION: Dieses Kapitel klärt die unterschiedlichen Bezeichnungen des Abendmahls und legt den Begriff "Abschiedsmahl Jesu" für die weitere neutestamentliche Untersuchung fest.
3. DAS ABSCHIEDSMAHL JESU: Hier werden die biblischen Mahl-Traditionen, die Einsetzungsworte und ein historischer Annäherungsversuch an das Abschiedsmahl Jesu behandelt.
4. EXEGESE: Der Hauptteil bietet eine exegetische Analyse der nonverbalen Handlung Jesu sowie seiner Worte (Brotwort, Grund der Erlösung, Auftrag, Kelchwort und eschatologischer Ausblick).
5. DIE GEGENWART JESU IM ABENDMAHL: In diesem systematisch-theologischen Teil wird untersucht, wie die Gegenwart Jesu durch Kirche, Wort, Glauben, Geist und Gemeinschaft in verschiedenen konfessionellen Kontexten verstanden wird.
6. AUSBLICK: Das Kapitel reflektiert die ökumenischen Entwicklungen und den verbleibenden Diskussionsbedarf hinsichtlich einer gemeinsamen Abendmahlspraxis.
7. FAZIT: Das Fazit führt die exegetischen und systematisch-theologischen Ergebnisse zusammen und bestätigt das Abendmahl als "sichtbares Wort Christi".
Schlüsselwörter
Abendmahl, Abschiedsmahl Jesu, Einsetzungsworte, Exegese, Realpräsenz, Transsubstantiationslehre, Leuenberger Konkordie, Sündenvergebung, Gottesdienst, Christologie, Ekklesiologie, Eschatologie, Personalpräsenz, Kirchengemeinschaft, Liturgie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verständnis des christlichen Abendmahls sowohl auf exegetischer als auch auf systematisch-theologischer Ebene, um die Entwicklung und die verschiedenen konfessionellen Positionen zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die frühchristlichen Mahl-Traditionen, die biblische Exegese der Einsetzungsworte, die Frage nach der Realpräsenz Christi sowie die ökumenischen Bemühungen um eine gemeinsame Abendmahlspraxis in den reformatorischen und katholischen Traditionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die hermeneutisch-exegetische und systematisch-theologische Untersuchung des Abendmahlsverständnisses, um herauszuarbeiten, wie die Gegenwart Jesu Christi in diesem Sakrament theologisch begründet und konfessionell unterschiedlich interpretiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Verfasserin?
Es wird ein hermeneutisch-exegetischer synoptischer Vergleich der biblischen Berichte angewandt, ergänzt durch eine systematisch-theologische Analyse, die primär auf evangelischen Bekenntnisschriften und katholischen Lehraussagen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Exegese der Einsetzungsberichte (Handlung und Worte Jesu) sowie eine systematische Untersuchung der "Gegenwart Jesu im Abendmahl", gegliedert nach den Aspekten durch Kirche, Wort, Glauben, Geist und Gemeinschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Abendmahl, Realpräsenz, Exegese, Einsetzungsworte, Leuenberger Konkordie und das Verständnis als "sichtbares Wort Christi" charakterisiert.
Wie unterscheidet sich das Verständnis der "Gegenwart Jesu" zwischen den Konfessionen?
Während die katholische Sicht die Transsubstantiationslehre und das Messopfer betont, betonen lutherische und reformierte Traditionen die Bedeutung des Wortes, des Glaubens und der Spiritualpräsenz, wobei die Leuenberger Konkordie auf eine verbindende Personalpräsenz setzt.
Gibt es eine offizielle Abendmahlsgemeinschaft zwischen allen Konfessionen?
Nein, laut der Verfasserin gibt es zwischen der römisch-katholischen Kirche und den protestantischen Kirchen bis heute keine offizielle Abendmahlsgemeinschaft, obwohl es ökumenische Annäherungen gibt.
Welche Rolle spielt die "Leuenberger Konkordie" in dieser Arbeit?
Die Leuenberger Konkordie wird als wichtiges Dokument für die Kirchengemeinschaft reformierter, lutherischer und unierter Kirchen gewertet, das den Abendmahlsstreit durch eine beziehungsorientierte Personalpräsenz ("Christus als Geber und Gabe") zu entschärfen versucht.
- Citar trabajo
- Rebekka Hirth (Autor), 2023, Abendmahlsverständnis. Versuch einer exegetischen und systematisch theologischen Untersuchung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1487868