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Die Politik der Symbole

Politische Zeichensysteme am Beispiel der französischen Revolution

Title: Die Politik der Symbole

Term Paper , 2007 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Ralf Beckendorf (Author)

Theater Studies, Dance
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Die Untersuchung gesellschaftlicher Zeichensysteme am Beispiel der französischen Revolution zu vollziehen, bietet sich aus verschiedenen Gründen an. Der wichtigste Grund liegt in dem enormen Umfang, in welchem die gesamte Gesellschaft des revolutionären Frankreich, Teil einer Politisierung gewesen ist, bzw. in ihrem alltäglichen Leben ritualisiert wurde. Sämtliche Lebensbereiche, wie Architektur, Kunst, Theater, Mode, Bildung, sowie die konventionellen Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders wurden von den Umwälzungen der Revolution erfasst. Beinahe alles wurde als Symbol politischer Einstellungen gewertet. Darüber hinaus wird das 18. Jahrhundert selbst als ein „semiotisches Jahrhundert“ bezeichnet, da sich bereits zu Beginn des Jahrhunderts eine neue Diskursgeschichte der Zeichen herausbildete, welche die Frage nach der Position der Zeichen innerhalb der Ordnungen des Wissens stellte. [...]

Die Künstler der französischen Revolution hatten die Aufgabe, die neuen Ansprüche und Regeln, in die breite Masse der Gesellschaft zu tragen und ihnen auf diese Weise eine klare Vorstellung von der „besseren“ Gesellschaft zu vermitteln. Der Künstler Jacques Louis David (1748 – 1825) kann als einer der bedeutendsten „Architekten“ derartiger Symbolpolitik der französischen Revolution bezeichnet werden. In seinen Werken findet sich der Ausdruck einer neuen politischen Kultur und gesellschaftlichen Ordnung, wie sie den Idealen der französischen Revolution entsprach. Nicht nur, das David durch das aktive Mitwirken an der Inszenierung politischer Feste oder durch das Entwerfen eines „Nationalkostüms“, an der Bildung und Verbreitung republikanischer Tugendmodelle mitwirkte, sondern bereits seine vorrevolutionären Bilder transportierten den Geist der Republik. Es gelang David, vor dem Hintergrund der idealisierten Antike, moralische Botschaften in seine Bilder einzuarbeiten, welche für das Selbstverständnis der Revolution von großer Bedeutung waren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eine Einführung in die Semiotik und den Zeichenbegriff

2.1 Die Semiotik des 18. Jahrhunderts; ein Exkurs

2.2 Semiotik

2.3 Der Zeichenbegriff

2.31 Versuch einer Definition

2.32 Zeichenfunktionen und Zeichenprozess

2.33 Das Problem der Abgrenzung

3 Kulturelle und politische Zeichensysteme

3.1 Der Kulturbegriff

3.11 Kultur als Zeichensystem

3.2 Politische Zeichensysteme

3.21 Nation und kollektive Identität

4 Die gesellschaftlichen Zeichensysteme der französischen Revolution

4.1 „Der Schwur der Horatier“

4.2 Das Theater der Revolution

4.3 Die Nationalfeste

5 Schlussbemerkungen

6 Quellenangaben

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die französische Revolution unter dem Aspekt der politischen Inszenierung durch symbolische Zeichensysteme. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche Erneuerungsprozesse und die Etablierung republikanischer Werte durch die bewusste Verwendung von Symbolen, Riten und Mythen massenwirksam geformt wurden.

  • Semiotische Grundlagen und der Zeichenbegriff im 18. Jahrhundert
  • Kultur und Politik als komplexe, kommunikative Zeichensysteme
  • Die Funktion von Symbolpolitik für die kollektive Identitätsbildung
  • Analyse konkreter Beispiele: „Der Schwur der Horatier“, Theater und Nationalfeste
  • Der ideologische Überbau und die Verheißung einer neuen Gesellschaftsordnung

Auszug aus dem Buch

4.2 Das Theater der Revolution

Aus der Perspektive einer allgemeinen Semiotik, wird das Theater als „privilegiertes semiotisches System“ verstanden, da es nicht nur, wie beispielsweise Schrift und Sprache, von sprachlichen-, sondern auch von einer Vielzahl weiterer Zeichen gebrauch macht. Die Kleidung, das Bühnenbild, Stimme, Mimik und Gestik des Darstellers oder die Musik, haben innerhalb einer Theateraufführung eine Zeichenfunktion, in dem sie auf etwas anderes verweisen, wie beispielsweise Stand und Gesinnung einer Figur, ohne das diese Eigenschaften explizit genannt worden wären.

Das französische Theater der Revolution verstand sich als ein Ort der politischen Erziehung und Basis zur Verbreitung der neuen gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Im Theater, wie auch bei den Nationalfesten, sollte das Volk mit Hilfe der neuen politischen Zeichensysteme, mit den neuen republikanischen Wertvorstellungen und Verhaltensweisen vertraut gemacht werden. Die Zeichen und Rituale wurden sowohl von den Darstellern auf der Bühne, als auch von den Zuschauern ständig wiederholt und einstudiert. Man sang gemeinsam patriotische Lieder, stellte politische Ereignisse dar, oder beschwor gemeinsam die neuen Symbole der Republik.

„Die Grenzen zwischen Theater und politischem Leben lösen sich auf in einer Inszenierung der republikanischen Werte.“ Darüber hinaus bestätigte man sich auch gegenseitig in seinem Wesen und seinem Eifer als guter republikanischer Bürger durch laute Zwischenrufe, die Forderung nach der Wiederholung bestimmter (republikanischer) Textstellen, oder das kollektive äußern von Gefühlen, wie beispielsweise gemeinsames Weinen. In Paris, dem Zentrum der revolutionären Bewegung, wurde das Theater besonders in die politischen Aktivitäten eingebunden. Auch in den Namen der Theaterhäuser ließ sich die politische Gesinnung erkennen. So benannte sich beispielsweise die „Comédie-Francaise“ 1789 zunächst in „Théatre de la Nation“ und schließlich 1794 in „Théatre de l´Égalité“ um.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Zäsur der französischen Revolution ein und definiert die Arbeit als Untersuchung des ideologischen Überbaus und der politischen Inszenierung durch Zeichensysteme.

2 Eine Einführung in die Semiotik und den Zeichenbegriff: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Semiotik sowie den Zeichenbegriff, um das notwendige Verständnis für semiotische Prozesse im Kontext der Revolution zu schaffen.

3 Kulturelle und politische Zeichensysteme: Hier werden Kultur und Politik als zeichenhafte Systeme analysiert, wobei besonders die Bedeutung der Symbolbildung für die gesellschaftliche Ordnung hervorgehoben wird.

4 Die gesellschaftlichen Zeichensysteme der französischen Revolution: In diesem Hauptteil wird an konkreten Beispielen wie Kunst, Theater und Festkultur untersucht, wie die Revolution ihre Werte durch Symbole in der Bevölkerung verankerte.

5 Schlussbemerkungen: Das abschließende Kapitel resümiert, dass Symbole und Rituale im revolutionären Frankreich keine bloßen Metaphern, sondern unverzichtbare Mittel zur Etablierung neuer gesellschaftlicher Normen waren.

6 Quellenangaben: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendete wissenschaftliche Literatur und Quellen auf, die der Untersuchung zugrunde liegen.

Schlüsselwörter

Semiotik, französische Revolution, Zeichenbegriff, Symbolpolitik, politische Inszenierung, gesellschaftliche Zeichensysteme, kollektive Identität, Anthroposemiotik, Kulturrevolution, Ideal, Republik, Tugend, Nationalfeste, Mythos, Ritual.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Symbolen und Zeichensystemen während der französischen Revolution und analysiert, wie diese zur Inszenierung politischer Ideale genutzt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Semiotik des 18. Jahrhunderts, der Bedeutung des Kulturbegriffs sowie der politischen Instrumentalisierung von Kunst, Theater und öffentlichen Festen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Strukturen als Zeichensysteme fungieren und wie die Revolution durch Symbolpolitik versucht hat, eine neue republikanische Identität zu prägen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einem semiotischen Ansatz, der kulturelle und politische Phänomene als Zeichensysteme interpretiert und durch Literatur- und Theorieanalyse untermauert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der praktischen Anwendung der Symbolpolitik, insbesondere anhand von Jacques Louis Davids Malerei („Der Schwur der Horatier“), der Funktion des Theaters und der Bedeutung öffentlicher Nationalfeste.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Semiotik, Symbolpolitik, kollektive Identität, das „semiotische Jahrhundert“ und die Transformation gesellschaftlicher Werte in der Revolutionszeit.

Welche Rolle spielt die Antike in der Untersuchung?

Die Antike diente als „utopische Vergangenheit“ und als Vorbild für republikanische Tugenden, die zur Legitimation der neuen Ordnung und zur Einheitsbildung herangezogen wurden.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen natürlichen und kulturellen Zeichen?

Die Arbeit differenziert zwischen instinkthaften natürlichen Zeichen (wie Weinen) und deren kultureller Überlagerung oder Ritualisierung zu einem symbolischen Zeichen mit politischer Bedeutung.

Was bedeutet der Begriff „vorgestellte Gemeinschaft“ in diesem Kontext?

Dieser Begriff, abgeleitet von Benedict Anderson, beschreibt die nationale Identität, bei der sich Mitglieder eines Kollektivs über gemeinsame Symbole und Werte verbunden fühlen, auch ohne sich persönlich zu kennen.

Warum wird das 18. Jahrhundert als „semiotisches Jahrhundert“ bezeichnet?

Weil sich in dieser Zeit eine neue Diskursgeschichte der Zeichen entwickelte, die in vielen Wissensbereichen – insbesondere in der Medizin und Politik – Fragen nach der Ordnung des Wissens und der Bedeutung des Menschen stellte.

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Details

Title
Die Politik der Symbole
Subtitle
Politische Zeichensysteme am Beispiel der französischen Revolution
College
University of Leipzig  (Institut für Theaterwissenschaft)
Course
Politische Inszenierung im 18. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
Ralf Beckendorf (Author)
Publication Year
2007
Pages
24
Catalog Number
V148799
ISBN (eBook)
9783640592876
ISBN (Book)
9783640593026
Language
German
Tags
Inszenierung von Politik Semiotik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ralf Beckendorf (Author), 2007, Die Politik der Symbole, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148799
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