Nation und Differenz

Probleme des Nationalismus in der Postmoderne


Seminararbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in die Terminologie
2.1 Nation und Nationalismus
2.2 Merkmale und Unterschiede von Moderne und Postmoderne

3 Der Umgang mit Differenz innerhalb nationaler Denkmuster

4 Fazit oder „Die Fußballnation“

5 Quellenangaben

1 Einleitung

Im Jahre 1870 hat es zwischen Frankreich und Preußen einen heftigen Streit um die Frage der Neubesetzung des spanischen Thrones durch einen Hohenzollernprinzen gegeben. Der Streit eskalierte und führte schließlich zur französischen Kriegserklärung an Preußen und damit zu dem so genannten deutsch – französischen Krieg. Die Kriegserklärung der Franzosen und das bereits seit Beginn des Jahrhunderts verstärkte nationale Bewusstsein, trugen erheblich zur Bildung eines deutschen Nationalstaates und somit zur Erfüllung des Wunsches nach einer nationalen Einheit der deutschen Länder bei. „Ganz Deutschland reagiert auf die Kriegserklärung Frankreichs mit nationaler Empörung auch die süddeutschen Staaten eilen Preußen zur Hilfe und unterstellen ihre Truppen dem preußischen Oberbefehl.“[1] Nach einem raschen Sieg über Frankreich kommt es am 18.Januar 1871 zur Gründung des deutschen Reichs und somit zur Langersehnten Bildung eines deutschen Nationalstaates.

Das hier angeführte Beispiel macht es möglich die Verbindungslinien zwischen dynastischen Herrschaftssystemen und Nationalismus sichtbar zu machen. In dieser Arbeit sollen jedoch nicht nur die Geschichte und die Begrifflichkeiten von Nation und Nationalismus dargestellt werden, sondern vor allem ein Einblick in nationale Denkmuster und dem daraus resultierenden Umgang mit Differenz, d.h. dem Umgang mit dem Fremden, gegeben werden. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht dabei die Auseinandersetzung von kultureller Identität und ethnischer Integrität von nationalen Kulturen, im Besonderen unter den politischen und kulturellen Umständen der Gegenwart und unter den Leitmotiven der Begriffe des Multikulturalismus und der Postmoderne. Erwähnt werden soll an dieser Stelle auch noch der bemerkenswerte Umstand, dass es in der Lehre des Nationalismus nie große theoretische Denker, wie z.B. einen Marx beim Kommunismus, gegeben hat. Dies führte in der Vergangenheit häufig zu einem herblassenden Umgang mit den Theorien und Inhalten des Nationalismus, durch verschiedene Intellektuelle. Nach dem im ersten Teil der Arbeit eine Einführung in die Begriffe des Nationalismus und der Postmoderne gegeben wird, untersucht der Hauptteil der Arbeit die gegenwärtige Situation von nationalem Denken, als eine Erscheinungsform der Moderne. Vor allem im Zusammenhang mit dem Begriff der Postmoderne, und die Probleme welche sich dem Begriff von Nation, in einer Welt der Globalisierung und dem daraus resultierenden Umgang mit Differenz, ergeben.

2 Einführung in die Terminologie

2.1 Nation und Nationalismus

Bevor wir unser Augenmerk auf die möglichen Schwierigkeiten von Nation in der Postmoderne richten, sollten wir einen kurzen Blick auf die Geschichte des Begriffes der Nation werfen und uns einen Überblick über die wesentlichen Merkmale und Eigenschaften von Nation und Nationalismus verschaffen.

Der Kulturwissenschaftler Benedict Anderson hat in seinem Werk „Die Erfindung der Nation - zur Karriere eines folgenreichen Konzeptes“[2], auf welches im folgenden Bezug genommen wird, die Entstehung des Nationalismus mit dem Aufkommen des Buchdruckes und der Durchsetzung der einzelnen Landessprachen Europas gegenüber dem Lateinischen in Verbindung gebracht. Auch sieht Anderson die Wurzeln des Nationalismus in den vergangenen Dynastien Europas. Die Verbreitung der einzelnen Landessprachen in Europa fand vor allem im 16. und 17. Jahrhundert statt. In Deutschland lässt sich die Durchsetzung der Landessprache Deutsch gegenüber dem Lateinischen mit der Reformation in Verbindung bringen. Martin Luther hatte seine Thesen im Jahre 1517 in deutscher Sprache an die Kirchentür von Wittenberg genagelt. Die Bibelübersetzungen Martin Luthers und auch andere seiner Schriften, welche alle in Deutsch verfasst worden sind, machten zu dieser Zeit immerhin ein Drittel aller deutschsprachigen Bücher aus. In diesem Zusammenhang tauchten auch zum ersten Mal die Begriffe „Massenleserschaft“ und „Volksliteratur“ auf. An dem Beispiel Martin Luthers lässt sich, durch die Verbindung von Buchdruck und der Durchsetzung der Landessprachen, der Beginn nationalen Denkens veranschaulichen. Durch den Buchdruck gelang es, eine größere Zahl von Lesern zu erreichen und durch das Drucken von Büchern in den jeweiligen Landessprachen konnten noch weitere Leser, und damit auch potentielle Buchkäufer, erreicht werden. Literatur wurde damit zugänglicher gemacht, da nun auch Frauen und Menschen von niedrigem Bildungsstand, welche in vielen Fällen dem bis dahin vorherrschenden Lateinischen nicht mächtig waren, in die Lage versetzt wurden Bücher zu lesen. Auf diesem Wege wurde nicht nur die Bildung eines nationalen Denkens, aufgrund der gemeinsamen Sprache, gefördert, sondern auch der gesamte Propagandakrieg zwischen der katholischen Kirche und dem neuen Protestantismus ausgetragen.

Die katholische Kirche war darum bemüht ihre Lehre und den Status der lateinischen Sprache zu bewahren, während die Protestanten das „neue“ Medium nutzten, um ihre Lehre an ein neues und wesentlich größeres Publikum in allen Staaten Europas zu verbreiten.

„Das 18. Jahrhundert markiert in Westeuropa nicht nur die Morgenröte des Zeitalters des Nationalismus, sondern auch die Abenddämmerung religiöser Denkweisen.“[3] Anderson benennt mit diesem Satz einen weiteren wichtigen Ursprung von nationalen Denkweisen. In den Systemen von Staatlichkeit, welche dem nationalstaatlichen Denken vorausgegangen sind lassen sich immer religiöse Merkmale finden. In den alten dynastischen Systemen Europas waren die Herrschermodelle stets mit religiösen Denkweisen verbunden. Die Könige und Kaiser galten immer als von Gott gewollte Führer eines Staates und wurden nicht von den Menschen an die Spitze eines Staates gesetzt. Die Menschen galten zu diesen Zeiten noch als Untertanen und nicht als Bürger einer Nation im heutigen Sinne. Verschiedene ethnische Gruppen wurden in den Zeiten der Dynastien durch eine Heiratspolitik der Herrschenden zusammengeführt. Diese Heiratspolitik diente immer der Sicherung des Herrschaftsgebietes. Die verschiedenen Volksgruppen, die durch diese Art von Herrschaftssystemen vereint wurden, sprachen häufig nicht dieselbe Sprache. Für Dynastien, wie z.B. der Habsburger Dynastie, diente die Förderung einer nationalen Sprache nicht gleichzeitig der Förderung eines nationalen Bewusstseins, sondern vielmehr der Stärkung der eigenen Machtposition. „[Erst] Der erste Weltkrieg setzte dem Zeitalter der Dynastien ein Ende.“[4] Seit der Zeit des Völkerbundes war der Nationalstaat die legitime internationale Norm.

Wenn wir den Nationalstaat als Nachfolger von dynastischen Herrschaftssystemen und religiösen Gemeinschaften betrachten, so wie Anderson dies tut, müssen wir unser Augenmerk auf die Gemeinsamkeiten dieser Gesellschaftsmodelle richten. Was nämlich den Nationalstaat mit religiösen Gemeinschaften und Dynastien, mit „religiösen“ (von Gott legitimierte Herrscher) Führern, verbindet ist das Modell der „vorgestellten Gemeinschaft“.

Die Mitglieder der großen Weltreligionen, wie z.B. dem Christentum oder dem Islam, sind über dem gesamten Erdball verstreut und doch begreifen sie sich als Mitglieder einer Gemeinschaft. Auch Nationen sind vorgestellte Gemeinschaften, deren Mitglieder sich zwar nicht kennen, sich aber dennoch einander zugehörig fühlen. Mit dem Beispiel einer Tageszeitung sei hier noch ein weiteres Mal auf die Sprache als ein Aspekt von Zugehörigkeit verwiesen. Der Bürger eines Staates kann über eine Zeitung erfahren was die anderen Mitglieder der Nation machen und wie es um die Lage der Nation bestellt ist.

[...]


[1] Hrsg. Deutscher Bundestag: „Fragen an die deutsche Geschichte“, 17.Auflage, Bonn 1991, S. 191

[2] Anderson, Benedict: „Die Erfindung der Nation-zur Karriere eines folgenreichen Konzeptes“, Campus Verlag, Frankfurt a.M./New York, 1996

[3] Anderson, Benedict: „Kulturelle Wurzeln“, in Elisabeth Bronfen/Benjamin Marius/Therese Steffen: „Hybride Kulturen. Beiträge zur anglo - amerikanischen Multikulturalismusdebatte“, Tübingen 1997, S. 33

[4] Anderson, Benedict: „Die Erfindung der Nation-zur Karriere eines folgenreichen Konzeptes“, Campus Verlag, Frankfurt a.M./New York, 1996, S. 115

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Nation und Differenz
Untertitel
Probleme des Nationalismus in der Postmoderne
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Cultural Studies
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V148801
ISBN (eBook)
9783640594191
ISBN (Buch)
9783640593897
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nation, Nationalismus, Cultural Studies
Arbeit zitieren
Ralf Beckendorf (Autor), 2006, Nation und Differenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148801

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