Doris May Lessing. Betrachtungen zum Vorwort des "Goldenen Notizbuches"


Referat (Ausarbeitung), 2010
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Doris May Lessing:
1.1 Biographie:
1.2 Werke:
1.3 Auszeichnungen:

2. „Das Goldene Notizbuch“:
2.1 Form und Inhalt:
2.2 Zum Vorwort:
2.3 Textinterpretation nach Lessing:
2.4 Einordnung in das Gesamtwerk:
2.5 Diskussionspunkte:

3. Anhang:
3.1 Literaturverzeichnis:
3.2. Quellenverzeichnis:

1. Doris May Lessing

1.1 Biographie:

Die Schriftstellerin Doris Lessing wurde als Doris May Tayler am 22. Oktober 1919 in Kermanschah in Persien geboren und wuchs auf einer Farm im ehemaligen Rhodesien, heutigem Simbabwe auf. Ihre Eltern stammten aus England und hatten sich im Ersten Weltkrieg kennengelernt. Lessings Mutter arbeitete als Krankenschwester und behandelte unter anderem auch den verkrüppelten Soldaten Alfred, den sie schließlich aus Mitleid mit ihm, aber auch mit sich selbst, weil ihr Freund im Krieg gefallen war, heiratete. Im Jahre 1924 versuchte die Familie ihr Glück in England, scheiterte jedoch sehr schnell und kehrte bald nach Simbabwe zurück. Dort begann der Vater als Maisanbauer zu arbeiten, was jedoch weder Erfolg noch Geld einbrachte. Die Familie stand nunmehr am Rande des Ruins, und Doris Lessing bekam zu spüren, dass ihre Mutter alle Enttäuschung auf sie projizierte, während dem Sohn Harry alle Liebe gebührte. Dieses distanzierte Verhältnis zur Mutter spielt in Lessings Leben eine große Rolle: Es begann damit, dass sich die Eltern einen Sohn gewünscht hatten und sich nicht einmal einen Namen für ihre Tochter überlegten, sodass der Vorschlag des Arztes „Doris“ hingenommen wurde. Schließlich konnte Lessing diese Situation nicht mehr ertragen, brach mit 14 Jahren die Schule ab und floh mit 15 Jahren nach Salisbury, wo sie sich als Schwesternhilfe versuchte. Das gespaltene Mutter-Kind-Verhältnis nimmt in ihren Werken häufig einen zentralen Punkt ein.

1938 heiratete sie den Engländer Frank Wisdom, mit dem sie zwei Kinder hatte, die jedoch nach der Scheidung im Jahr 1943 bei dem Vater blieben. Zwei Jahre später, 1945, heiratete sie erneut, den deutsch-jüdischen Gottfried Lessing, von dem sie nach der Scheidung 1949 den gemeinsamen Sohn Peter und den Nachnamen mit nach England nahm. Dort versuchte sie sich schließlich noch im gleichen Jahr als Schriftstellerin zu etablieren, was ihr mit der Novelle „The Grass is singing“ („Afrikanische Tragödie“) auch gelang.

Nach den zwei gescheiterten Ehen heiratete sie nicht noch einmal, hatte jedoch unzählige Affären und Liebschaften und genoss dadurch ihr Leben als ‚ungebundene Frau‘. Im Jahre 1952 wurde sie Mitglied der Kommunistischen Partei, beendete jedoch diese aktive Teilnahme bald wieder, weil sie sich nicht mehr mit den Aktivitäten der Partei identifizieren konnte. Dennoch hat sie sich eine sozialistisch-kommunistische Grundhaltung beibehalten, die sie auch offen zeigt.

1.2 Werke:

Lessings Schriftstellerkarriere begann im Jahr 1949, als sie, in England angekommen, zum zweiten mal geschieden, als alleinerziehende Mutter eines Sohnes, ihre erste Novelle „The Grass is singing“ („Afrikanische Tragödie“) veröffentlichte. Es folgten unzählige Kurzgeschichten, sowie Romane wie „Und wieder die Liebe“ aus dem Jahre 1995 und „Alfred und Emily“. Im zuletzt genannten Roman, der 2008 erschien, lässt Lessing die Geschichte ihrer Eltern nochmals ablaufen, mit dem Unterschied, dass sie den Ersten Weltkrieg ungeschehen macht. Ihr größter Erfolg ist und bleibt jedoch „Das goldene Notizbuch“, das 1962 erstmals erschien und bis heute als Lessings Hauptwerk gilt.

Weiterhin veröffentlichte sie die Reihen „Kinder der Gewalt“ von 1952 bis 1969 und „Canopus im Argos“ in den Jahren 1979 bis 1983. Doris Lessing schrieb zudem unter dem Pseudonym Jane Somers die Romane „Das Tagebuch der Jane Somers“ (1983) und „Die Liebesgeschichte der Jane Somers“ (1984).

1995 erschien der erste Teil ihrer Autobiographie mit dem Titel „Unter der Haut“. Dieser Band umfasst ausschließlich das Jahr 1949, das durch die zweite Scheidung, den Umzug nach England und der Beginn ihrer schriftstellerischen Tätigkeiten sehr bedeutsam und entscheidend war. Der zweite Teil „Schritte im Schatten“ folgte 1997 und beleuchtet die Jahre 1949 bis 1962. Über eine Fortsetzung dieser Autobiographie gibt es bisweilen keine weiteren Informationen.

1.3 Auszeichnungen:

Ich möchte mich hier auf einige wichtige Auszeichnungen beschränken und darauf hinweisen, dass Doris Lessing eine Vielzahl von Preisen erhalten hat, auf die ich nicht eingehen werde.

Im Jahre 1954 erhielt Lessing den Somerset-Maugham-Award für „Five: Short Novels“. Es folgten der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur 1981, der Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung 1982 und der David-Cohen-British-Literary-Prize 2001. Doch all diese (erwähnten und unerwähnten) Auszeichnungen sind lediglich Ziersteine, wenn man bedenkt, dass Doris Lessing im Jahr 2007 den Nobelpreis für Literatur erhalten hat, worauf sie in ihrer ironisch-sarkastischen Art mit einem gewissen Vorwurf hinsichtlich der plötzlichen Anerkennung ihrer Werke reagierte: „Nun haben sie entschieden, ihn mir zu verleihen. Warum? Warum mögen sie mich jetzt mehr als vorher? […] Sie können den Nobelpreis keinem Toten geben. Deshalb haben sie wahrscheinlich gedacht, ihn mir besser jetzt zu geben, bevor ich abkratze."[1]

2. „Das Goldene Notizbuch“

2.1 Form und Inhalt:

Der Roman „Das Goldene Notizbuch“, der 1962 veröffentlicht wurde, besteht aus zehn Kapiteln, die abwechselnd die Titel „Ungebundene Frauen“ und „Die Notizbücher“ tragen, wobei das letzte Kapitel „Das Goldene Notizbuch“ ist. Die Teile „Ungebundene Frauen“ könnten, so Lessing im 1972 nachgetragenen Vorwort zum Buche, einen eigenständigen Roman bilden, der sich um die Geschichte der Protagonistinnen Anna Wulf und Molly Jacobs dreht. Die beiden Frauen sind in den Vierzigern, politisch engagiert und waren früher aktive Mitglieder der kommunistischen Partei. Sie sind geschieden, intellektuell, emanzipiert und haben je ein Kind. Zu Beginn des Romans herrscht die folgende Situation: Molly ist gerade nach London zurückgekehrt, nachdem sie ein Jahr lang durch Europa reiste, um sich allen Vergnügungen und Genüssen des Lebens hinzugeben. Von ihrer Freundin Anna erfährt sie, was in ihrer Abwesenheit passiert ist, so zum Beispiel von der Affäre, die Anna beinahe mit Mollys Exmann Richard begonnen hätte. Die ehemalige Tänzerin und Schauspielerin Molly treibt im Folgenden Anna dazu an, ein weiteres Buch zu schreiben und ihr Talent nicht zu vergeuden. Anna, ihrerseits Schriftstellerin, hat bisher nur einen Roman mit dem Titel „Frontiers of War“ veröffentlicht, der sich jedoch so gut verkauft hat, dass sie noch immer recht gut davon leben kann. Zum Zeitpunkt der Geschichte führt Anna vier Notizbücher, die sie farblich und thematisch voneinander abgrenzen muss, um sich nicht dem Chaos, der Formlosigkeit[2] zu ergeben.

Ich führe vier Notizbücher, ein schwarzes Notizbuch, das von Anna Wulf, der Schriftstellerin handelt; ein rotes Notizbuch, das Politik betrifft; ein gelbes Notizbuch, in dem ich aus dem, was ich erlebt habe, Geschichten mache; und ein blaues Notizbuch, das den Versuch eines Tagebuchs vorstellt.[3]

Es existieren zwei Erzählerinstanzen: Zum einen Anna Wulf als Ich-Erzählerin, die vorrangig auftritt, und zum anderen einen externen Erzähler, der zwischen den Passagen der Notizbücher hervortritt, um das scheinbar chaotische Gekritzel Annas zu beschreiben. Der Erzählstil ist durch Annas Sichtweise beeinflusst, sehr persönlich, gefühlvoll, aufmerksam und auch ironisch, was mit der Beschaffenheit des Charakters der Protagonistin identisch ist. So werden scheinbare Unwichtigkeiten, wie die Art und Weise der anderen Figuren, die Hände zu bewegen, zu falten und einzusetzen, ein zentraler Punkt in der Erzählung, auf den Anna stets besonderes Augenmerk legt und in Verbindung mit den Gedanken und Gefühlen bringt.[4]

[...]


[1] Borcholte, Andreas: “Warum mögen sie mich jetzt mehr als vorher?“ Lessings Reaktion.

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,510965,00.html (28.11.2009)

[2] Lessing, Doris: Das Goldene Notizbuch. S. 7.

[3] Ebd. S.

[4] Vgl. Ebd. S. 75.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Doris May Lessing. Betrachtungen zum Vorwort des "Goldenen Notizbuches"
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Germanistik)
Veranstaltung
Literarische Form, Literarischer Inhalt
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V148823
ISBN (eBook)
9783640592890
ISBN (Buch)
9783640593064
Dateigröße
1693 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doris Lessing, Das Goldene Notizbuch, Vorwort
Arbeit zitieren
Carolin Hildebrandt (Autor), 2010, Doris May Lessing. Betrachtungen zum Vorwort des "Goldenen Notizbuches", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148823

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