Die Nachfrage zur Bewältigung der Alltagsaufgaben ist zunehmend zum Thema geworden. In Socialmedia Netzwerken, Zeitschriften und Blogs wird immer wieder danach gefragt, wie man bestimmte Alltagaufgaben meistert, sei es beim Hausbau, bei der Hundeerziehung, Kindererziehung, Finanzübersicht oder bei der Ernährung.
Soziale Arbeit greift oft dann, wenn Probleme entstehen und sich Ängste auftun. Alltagshandeln wirkt selbstverständlich und einfach, dabei ist es wesentlich komplexer als man sich vorstellt. Jedes Individuum verfügt über eigene Alltagsstrukturen und verschiedene Lebensräume. Um lösungsorientiert zu arbeiten ist es von großer Bedeutung, Menschen in ihrem Alltag zu verstehen. Hans Thiersch entwickelte in den 70er Jahren das Konzept der Lebensweltorientierung, welches heute fester Bestandteil der Sozialen Arbeit ist. Die Lebensweltorientierung richtet sich nach den Lebensumständen der Adressat*innen und bietet Handlungsmethoden. Der Fokus liegt hierbei auf den verschiedenen Faktoren der Lebensumstände wie z.B. der Ressource und der Einschränkungen und zielt auf einen gelingenderen Alltag ab. Lebensweltorientierung interessiert sich für den Alltag und die unterschiedlichen Lebenswelten der Adressat*innen. In welchen Momenten welche Eigenschaft hervortritt und versucht damit Möglichkeiten zu erkennen und Chancen zu schaffen und diese auch greifbar zu machen. Damit hilft sie Adressat*innen zur Selbsthilfe. Sie nutzt also die professionellen Ressourcen, um soziale Gerechtigkeit zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung der Lebensweltorientierung
2.1 Alltag, Alltäglichkeit, alltägliche Lebenswelt
2.2 Dimensionen der Lebenswelt
2.3 Im Gegebenen das Mögliche finden
2.4 Strukturierte Offenheit
2.5 Handlungsmaximen
2.6 Praxis Theorie Bezug
3 Inwiefern ist Lebensweltorientierte Soziale Arbeit kritische Soziale Arbeit?
4 Thesenpapier
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Konzept der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch auseinander. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen des Konzepts sowie dessen Anwendung in der Sozialen Arbeit zu erläutern und eine Verbindung zur kritischen Sozialen Arbeit zu reflektieren.
- Theoretische Fundierung von Alltag und Lebenswelt
- Struktur- und Handlungsmaxime der Lebensweltorientierung
- Praktische Anwendung am Beispiel alleinerziehender Eltern
- Kritische Würdigung der professionellen Rolle und Machtposition
- Zusammenhang zwischen Lebensweltorientierung und sozialer Gerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
Dimensionen der Lebenswelt
Hans Thiersch strukturiert die alltäglichen Lebenswelten nochmal genauer in den Dimensionen von Raum, Zeit und sozialen Beziehungen.
Der erfahrene Raum meint, dass Menschen sich in den räumlichen Rahmenbedingungen wahrnehmen. Der eigene erfahrene Raum kann mitgestaltet werden und enthält für Menschen eine Bedeutung, da in ihm Erfahrungen gesammelt wurden. Sei es zuhause, in der Einrichtung, in der man arbeitet, in der Stadtbibliothek oder ähnliches. Der erfahrene Raum kann eine vertraute Atmosphäre schaffen z.B. der eigene Wohnraum. Er kann allerdings auch als nicht verfügbar empfunden werden z.B., wenn keine Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind (vgl. Grundwald/Thiersch 2018: 305).
Die erfahrene Zeit ist selbstgestaltet und erlebt. Es kann gegenwärtige Zeit sein oder vergangene. Sie kann als positiv oder negativ empfunden werden. Sie wird individuell wahrgenommen und zeichnet sich ebenso durch die gesammelten Erfahrungen aus und die damit verbundene Bedeutung (vgl. BHF 2019: 3). Erfahrene Zeit stellt die verschiedenen Lebensphasen dar, die jeder einzelne durchläuft. Aber auch die einzelnen Tage, Wochen, Monate an sich und deren Aufteilung (vgl. Grundwald/Thiersch 2018: 305). Erfahrene Zeit fragt danach, wie wir unsere Zeit einteilen. Z.B. sind wir immer pünktlich oder hetzen wir uns, weil wir wieder spät dran sind? Sie fragt aber auch danach, ob wir uns auf die bevorstehenden Lebensabschnitte freuen oder sie befürchten, z.B. eine Hochzeit, Ausbildung (vgl. Thiersch 2017: 7)
Erlebte Beziehungen stellen dar, welche Verbindungen zu anderen Menschen sich in unserem Alltag wiederfinden. Es können sowohl Beziehungen aus der Vergangenheit oder aus der Gegenwart sein. Auch diese Beziehungen nimmt jedes Individuum anders wahr, z.B. hat der eine Mensch eine gute Bindung zur Mutter ein anderer hingegen nicht. Einige Beziehungen stimmen uns positiv und mit ihnen verknüpfen wir fröhliche Momente, andere hingegen stimmen uns negativ und mit ihnen verknüpfen wir traurige Momente. Unser Alltag ist geprägt von verschiedenen Beziehungen, z.B. mit Nachbar*innen, mit Arbeitskolleg*innen, mit der Familie oder mit Freunden. Viele davon werden wir schätzen, andere hingegen werden wir als Belastung empfinden (vgl. BFH 2019: 3). Die Dimension der sozialen Beziehungen interessiert sich für die die Beziehungskonstellationen, wem der/die Adressat*in vertraut. Es zeigen sich hier auch Rivalitäten auf, Macht und Unterordnungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Alltagsbewältigung und führt in das Konzept der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch als festen Bestandteil der Sozialen Arbeit ein.
2 Begriffsklärung der Lebensweltorientierung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Alltag, Alltäglichkeit sowie die Dimensionen der Lebenswelt und erläutert die Handlungsmaxime des Konzepts.
3 Inwiefern ist Lebensweltorientierte Soziale Arbeit kritische Soziale Arbeit?: Hier wird die kritische Auseinandersetzung mit Handlungsmacht, professioneller Haltung und der Gefahr einer Bevormundung durch die Fachkräfte thematisiert.
4 Thesenpapier: Das Kapitel präsentiert eine zentrale These zur sozialen Gerechtigkeit innerhalb der Lebensweltorientierung, begründet diese und kommentiert ihre Bedeutung.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Konzept eine unverzichtbare Hilfestellung zur Selbsthilfe bietet und die Praxis der Sozialen Arbeit maßgeblich prägt.
Schlüsselwörter
Lebensweltorientierung, Thiersch, Soziale Arbeit, Alltag, Alltäglichkeit, Handlungsmaxime, soziale Gerechtigkeit, Praxis, Bewältigung, Empowerment, Partizipation, Integration, Inklusion, Reflexion, Lebensumstände.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das fachliche Konzept der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch und untersucht dessen theoretische Grundlagen und praktische Anwendungsmöglichkeiten innerhalb der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Alltag und Lebenswelt, die sieben Handlungsmaxime sowie die kritische Reflexion des professionellen Handelns gegenüber Adressat*innen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Konzept in seiner Komplexität darzustellen und zu erörtern, inwiefern es als kritische Soziale Arbeit verstanden werden kann, die soziale Gerechtigkeit zum Ziel hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriebasierte Aufarbeitung, die Fachliteratur nutzt und die theoretischen Erkenntnisse mit einem praxisnahen Fallbeispiel verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Begriffe Alltag, Alltäglichkeit und Lebenswelt, erläutert die Handlungsmaxime und diskutiert kritische Aspekte wie Machtpositionen und das Bedürfnis nach professioneller Reflexion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch die Begriffe Lebensweltorientierung, Handlungsmaxime, soziale Gerechtigkeit, Alltag und Partizipation charakterisiert.
Wie definiert Thiersch den "erfahrenen Raum"?
Der erfahrene Raum beschreibt die räumlichen Rahmenbedingungen, in denen Menschen sich bewegen und die für sie eine subjektive Bedeutung durch gesammelte Erfahrungen enthalten.
Warum ist die "strukturierte Offenheit" für die Soziale Arbeit wichtig?
Sie ermöglicht Fachkräften, einerseits auf festen Arbeitsstrukturen zu basieren und andererseits sensibel sowie flexibel auf die sich wandelnden, individuellen Lebenswelten der Adressat*innen zu reagieren.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2021, Lebensweltorientierung. Inwiefern ist Lebensweltorientierte Soziale Arbeit kritische Soziale Arbeit?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1488347