"Ich kenne die Zahlen bis 1000!"

Ein Unterrichtsentwurf für eine Förderstunde im Fach Mathematik im Rahmen des Gemeinsamen Unterrichts an einer Grundschule, Klasse 3


Unterrichtsentwurf, 2003

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorbemerkung

2 Lernvoraussetzungen der Schülerin
2.1 Eindrücke aus der Beobachtung der Schülerin in einer Sportstunde
2.2 Eindrücke aus der Einzelförderungen der Schülerin im Fach Mathematik

3 Begründete Auswahl des Förderschwerpunkts

4 Analyse des Förderschwerpunkts

5 Zielsetzungen

6 Verlaufsplanung

Literatur

1 Vorbemerkung

Die folgende Unterrichtsstunde ist als sonderpädagogische Einzelfördermaßnahme im Rahmen des gemeinsamen Unterrichts behinderter und nichtbehinderter Schüler an einer Grundschule entstanden.

In Kap. 2 werden zunächst die Lernvoraussetzungen der Schülerin anhand von Eindrücken aus dem Sportunterricht (vgl. Kap. 2.1) und aus dem Mathematikunterricht (vgl. Kap. 2.2) skizziert. Daran schließen sich die Auswahl des Förderschwerpunktes (vgl. Kap. 3) und Überlegungen zu seiner Analyse aus (vgl. Kap. 4). Die Zielsetzungen und die Verlaufsplanung der Unterrichtsstunde werden in den abschließenden Kapiteln 5 und 6 dargestellt.

2 Lernvoraussetzungen der Schülerin

Im Folgenden werden die Lernvoraussetzungen der Schülerin alltagsnah beschrieben. Aus Schülerbeobachtungen in einer Sportstunde (vgl. Kap. 2.1) und während des Mathematikunterrichts l(vgl. Kap. 2.2) lassen sich Rückschlüsse auf deren sonderpädagogischen Förderbedarf ableiten, die Eingang finden in die folgende Unterrichtsplanung.

2.1 Eindrücke aus der Beobachtung der Schülerin in einer Sportstunde

- Beim Aufwärmen: Unsicherheit beim Rückwärtslaufen: Die Schülerin blickt sich immer wieder um, läuft nur wenige Schritte ununterbrochen rückwärts, wechselt schneller als andere wieder in den Vorwärtslauf.
- Großes Bewegungsbedürfnis: die Schülerin läuft beim Aufwärmen länger als die anderen Kinder. Sie läuft ungelenk, setzt mit dem ganzen Fuß auf.
- Beim Aufbau einzelner Bewegungsstationen: die Schülerin will den Mitschülern helfen, steht dann aber oft unbeteiligt dabei und wird von sich aus kaum aktiv; später hilft sie den anderen beim Tragen einer Bank.
- Viele andere Kinder nutzen nach dem Aufbau einer Station sofort die Gelegenheit und balancieren über eine Bank. Die Schülerin steht zögernd dabei und sucht den Kontakt zum Lehrer.
- Die Schülerin kann Purzelbäume schlagen und nimmt während der Unterrichtsstunde verschiedene Gelegenheiten wahr, sich zu bewegen.
- Sie rollt nicht ohne Beisein der Lehrerin eine steil gestellte Matte hinunter, sondern stellt sich an dieselbe Stelle, an der zuvor die Lehrerin gestanden hat und schaut den anderen Kindern bei ihren Bewegungen zu.
- Sie wirkt sehr erwachsenenorientiert. Wenn die Lehrerin bspw. zum Aufräumen auffordert, wiederholt sie diese Aufforderung an die anderen Kinder.
- (Auskunft des Klassenlehrers:) Die Schülerin hat vor wenigen Wochen gelernt, mit dem Kopf voran durch die Sprossen der Sprossenwand zu steigen.

2.2 Eindrücke aus der Einzelförderungen der Schülerin im Fach Mathematik

Freitag, 3.5...

Die Schülerin erhält die Aufgabe, beliebige Zahlen, die mit einem Kartensatz gelegt worden sind, mit dem goldenen Perlenmaterial nachzulegen. Sie ist im Tausender- und Hunderterbereich mit dieser Aufgabe überfordert und hat auch im Zehnerbereich noch massive Schwierigkeiten. Nach anfänglichem Üben und einigen Demonstrationen durch den Lehrer war sie in der Lage, gelegte Zahlen mit 10 beginnend in Zehnerschritten bis 100 mit dem goldenen Perlenmaterial nachzulegen.

Freitag, 17.5...

Die Schülerin arbeitet mit den Séguinschen Tafeln. Sie legt im Einer- und Zehnerbereich beliebige Zahlen mit dem goldenen Perlenmaterial nach. Wenn sie konzentriert arbeitet, ist sie in Lage, diese Aufgaben zu bewältigen. Nach einer konzentrierten Arbeit über einen Zeitraum von ca. 15 Minuten macht die Schülerin zunehmend Fehler obwohl der Schweregrad der Aufgaben nicht gestiegen ist.

Freitag, 24.5...

Die Schülerin arbeitet wieder mit den Séguinschen Tafeln (zunächst mit dem Satz I, dann mit II). Sie wirkt schnell lustlos und muss immer wieder motiviert werden. Sie lenkt oft ab, weicht schwierigen Aufgabenstellungen aus und beginnt, Phantasiegeschichten zu erzählen (H. Potter).

Auffallend sind die feinmotorischen Probleme der Schülerin beim Abzählen und Legen des goldenen Perlenmaterials. Das Arbeiten mit größeren Perlen und Zehnerstäbchen hat sich bewährt. Die Schülerin kann die Perlen besser abzählen und arbeitet gerne mit ihnen, weil dieses Material für sie einen hohen Aufforderungscharakter hat.

Die Schülerin verwechselt häufig die Einerperlen und die Zehnerstäbchen. Ihr ist manchmal nicht klar, dass 10 Einer soviel sind wie ein Zehnerstäbchen. Sie hat Probleme bei der Zuordnung der Perlen zu den Zahlen.

Sie hat Schwierigkeiten bei der Unterscheidung ähnlich klingender Zahlen (bspw. 16 und 60). Sie kann die Zahlen oftmals auch nicht richtig benennen, wenn sie sie ablesen soll. Die Séguinschen Tafeln eignen sich besonders gut zur Demonstration solcher Unterschiede.

In dieser Stunde sind die Abneigungen der Schülerin gegenüber mathematischen Aufgaben ganz besonders deutlich geworden. Diese Abneigung überträgt sich teilweise auch bereits auf bestimmte mathematische Montessori-Materialien (bspw. das goldene Perlenmaterial, ein relativ häufig verwendetes mathematisches Montessori-Material.

pädagogische Konsequenz: die Schülerin muss einerseits gefordert werden, damit sie sich überhaupt über längere Zeit mit den mathematischen Montessori-Materialien auseinandersetzt, andererseits müssen die Anforderungen gesenkt bzw. Pausen eingelegt werden, wenn ihre Unlustgefühle zu stark werden. Besonders wichtig sind m. E. immer wieder Phasen intensiver persönlicher Zuwendung.

Montag, 3.6...

Einzelförderung im Fach Deutsch im Rahmen der Freiarbeit (1.-3. Stunde) in der vorbereiteten Umgebung des Klassenraums. Die Schülerin hatte in der vorigen Woche eine Zuordnungsaufgabe bearbeitet, bei der sie Gegenständen (Nachbildungen verschiedener Gegenstände) entsprechende Namenkarten und passende Artikel (es wurde differenziert zwischen bestimmten und unbestimmten Artikeln) zuordnen musste. Anschließend hatte die Schülerin den Namenkärtchen und den dazu passenden Artikeln in der Montessori-Pädagogik gebräuchliche Symbole zugeordnet. In dieser Stunde hat die Schülerin die Nomen und Artikel in ein Heft übertragen und anschließend mithilfe einer Schablone die grammatischen Symbole über die Wörter gezeichnet. Die Schülerin hat ihre Arbeit sehr oft unterbrochen, wirkte schon nach wenigen Minuten sehr unmotiviert, hatte ein starkes Bedürfnis, durch Erzählungen (wieder H. Potter), einzelne Aktivitäten (Aufräumen der Stifte u. a.) und Bewegungen (aufstehen und sich recken) von ihrer Aufgabe abzulenken. Zum Teil war die Schülerin nur nach längeren Pausen zur Weiterarbeit zu bewegen. Ihre Aufmerksamkeitsspanne nahm gegen Ende der Arbeit (Gesamtdauer ca. 35-40 Minuten) stark ab; Flüchtigkeitsfehler, unkoordinierte und teilweise fahrige Bewegungen nahmen zu. Die Schülerin bekundete deutlich ihre Unlust und begann, über die noch anstehende Arbeitszeit zu ‘verhandeln’.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
"Ich kenne die Zahlen bis 1000!"
Untertitel
Ein Unterrichtsentwurf für eine Förderstunde im Fach Mathematik im Rahmen des Gemeinsamen Unterrichts an einer Grundschule, Klasse 3
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V148860
ISBN (eBook)
9783640608461
ISBN (Buch)
9783640609055
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Förderschule, Mathematikunterricht, Dezimalsystem, Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Alexander Wertgen (Autor), 2003, "Ich kenne die Zahlen bis 1000!", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148860

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