Antike Sklaverei - Zwischen weltlicher und theologischer Definition


Essay, 2007

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Antike Sklaverei – zwischen weltlicher und theologischer Definition

Sklaverei war in der Antike ein wichtiger Teil der Wirtschaft und Gesellschaft. In der damaligen Situation ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Lebens, ist es für uns heute eine menschenunwürdige Art zu leben und eine Institution, die wir verachten. Dennoch oder gerade deshalb ist es jedoch wichtig die Sklaverei nicht pauschal zu betrachten, sondern sie im historischen Rahmen und mit ihren Besonderheiten, Gründen und Unterschieden genauer zu untersuchen.

Im Folgenden wird einerseits versucht, die Institution der antiken Sklaverei näher in ihrem grundsätzlichen Charakter zu bestimmen, aber auch ihren Facettenreichtum und die Unterschiede in der Welt der Sklaven darzustellen. Im Anschluss wird näher darauf eingegangen, welche Meinungen seitens der spätantiken Kirche zur Sklaverei ausgesprochen wurden und aus welcher Sichtweise die Theologie das Problem von Sklaverei und Freiheit betrachtet hat. Hat die Kirche die Sklaverei beeinflusst und wenn in welcher Weise.

Diesen Fragen kann nicht in aller Detailliertheit und Ausführlichkeit nachgegangen werden, wie es nötig wäre um dieses Thema hinreichend zu bearbeiten. Dennoch hoffe ich, dass ein guter Weg gefunden wurde, um einen Einblick in die Problematik dieser Zeit zu geben.

Will man sich einer Definition von Sklaverei oder dem Sklaven nähern, so wird deutlich, dass die allgemeine Vorstellung von Sklaverei dadurch bestimmt ist, Eigentum an einem Menschen zu haben und auch durch die Reduktion des Menschen auf seine Arbeitskraft[1].

Die Eigenschaft des Sklaven als Eigentum eines anderen Menschen legt sein Wesen als Ware nahe, die völlig der Kontrolle seines Besitzers unterliegt und demnach auch zuerst gekauft, dann verkauft oder auch an die Nachkommen des Besitzers vererbt werden kann. Der Sklave selbst hat keinen Einfluss darauf, was mit seinem Leben passiert. Nicht auf seine Beschäftigung, seinen Aufenthaltsort oder seinen Arbeitgeber. Er hat kein Recht selbst Eigentum zu besitzen oder zu heiraten. All seine persönlichen Geschicke liegen in der Hand seines Herrn[2]. Der Herr hat das Recht den Status des Sklaven als Eigentum notfalls auch mit Gewalt durchsetzen kann.

Ein Sklave ist also nicht frei. Er bildet sogar die Gegenposition zu dem, was allgemein als Freiheit bezeichnet wird.

Freiheit als die Möglichkeit über sein Leben selbst zu bestimmen, zeichnet einen freien Menschen aus und grenzt diesen somit vom Sklaven als Unfreien ab. Aristoteles bezeichnete den Sklaven sogar als „Negativ des Bürgers“. Der Sklave wird dabei durch antithetische Gegensatzpaare zwischen frei und unfrei, Bürger und Sklave bestimmt.

Als Unfreier hatte der Sklave keinerlei politische Rechte, die einen Bürger, für Aristoteles, besonders auszeichneten[3]. Dieser Entzug von persönlichen und politischen Rechten, machte sie zum Eigentum, entweder eines anderen, freien Menschen (privater Sklave) oder einer Institution (öffentlicher Sklave)[4].

Der Mensch als Eigentum eines anderen, eines freien Menschen, machte ihn zum Besitz, zur Sache, zur Ware, über die sein Herr in uneingeschränktem Maße verfügen konnte.

In diesem Zusammenhang war die Tatsache, dass der Sklave ein menschliches Wesen ist, nicht relevant. Seine Menschlichkeit wurde zur Kenntnis genommen, gab dem Sklaven jedoch nur den Stellenwert einer besonderen Form von Besitz. Aristoteles bezeichnete den Sklaven als „beseelter Besitz“[5]. Die Beachtung des Sklaven als Mensch gab ihm daher keinen höheren Stellenwert als Besitz und Eigentum.

Doch wenn der Sklave ein „beseelter Besitz“ ist und damit nicht eigentlich eine Person, und dennoch biologisch zweifellos ein menschliches Wesen, so verlangt dieser Zwiespalt zwischen Mensch und Ware nach Verfahren, die den Sklaven als Menschen herabsetzen und seine menschliche Eigenschaft verdrängen, so dass man ihn von Menschen, die kein Besitz, die frei sind, unterscheiden kann. Körperliche Züchtigung und Folter stellen einige dieser Verfahren dar[6].

Körperliche Züchtigung, sowohl öffentlich als auch privat, durfte ausschließlich für Sklaven und nicht für Freie angewandt werden, was einen sehr markanten Punkt der Charakterisierung der antiken Sklaverei ausmacht. Ein Mensch, der körperlich gezüchtigt wurde, wurde dadurch als Sklave ausgezeichnet.

Als weiteres charakteristisches Merkmal der antiken Sklaverei nennt M. Finley, dass Sklaven vor Gericht nur unter Folter aussagen durften. Auch die uneingeschränkte sexuelle Verfügbarkeit des Sklaven oder der Sklavin stellt eine Art dar, die Sklaven auf ihre Körperlichkeit und damit auf ihren Wert als Sache zu reduzieren, was dazu führte, dass ihre Würde als Mensch stark angegriffen wurde.

[...]


[1] Vgl. Kaese, W.: Sklaverei in Afrika: Annäherung an eine Definition, in: Bley, H.(Hrsg.): Sklaverei in Afrika. Pfaffenweiler 1991, S. 1

[2] Vgl. Kaese 1991, S. 3

[3] Vgl. Thèbert, Y.: Der Sklave, in: Giardina, A. (Hrsg.): Der Mensch in der römischen Antike. Frankfurt 1991, 159

[4] Vgl. Ehrhardt, H.: Sklave, in: Lexikon des Mittelalters VIII. München 1995, 1977

[5] Vgl. Finley,M.I.: Die Sklaverei in der Antike. Geschichte und Probleme. München 1981, S.86

[6] Vgl. Finley1981, 114f

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Antike Sklaverei - Zwischen weltlicher und theologischer Definition
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V148883
ISBN (eBook)
9783640604722
ISBN (Buch)
9783640605149
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sklaverei, frühe Neuzeit, Christentum, Antike
Arbeit zitieren
Andrea Schumacher (Autor:in), 2007, Antike Sklaverei - Zwischen weltlicher und theologischer Definition, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148883

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