Chemische Kriegsführung

Deutschland im Blickpunkt - Entwicklung und Wirkung chemischer Kampfstoffe


Essay, 2007

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Geschichtlicher Abriss

Bereits früh setzten Menschen chemische Substanzen ein, um den Gegner zu schwächen, zu verletzen und sogar außer Gefecht zu setzen. Der Beginn der Verwendung chemischer Kampfstoffe kann sehr wahrscheinlich auf den 22. April 1915 angesetzt werden.[1] Damals wurde im 1. Weltkrieg durch deutsche Truppen im größeren Maßstab Chlorgas beim Angriff auf Ypern eingesetzt, welches 5000 Todesopfer forderte.[2]

Nach Ende des 1. Weltkriegs drehte sich die Rüstungsspirale unaufhörlich weiter. International setzte eine intensive Suche nach dem optimalen chemischen Kampfstoff ein. Dabei war nicht nur die Toxizität ausschlaggebend, sondern auch ökonomische Gesichtspunkte wie Verfügbarkeit der erforderlichen Ausgangssubstanzen, geeignete Anlagen für eine Massenproduktion, ein etabliertes Herstellungsverfahren und eine ausreichende Anzahl an Arbeitskräften. Allein in Deutschland wurden unzählige Verbindungen auf ihre mögliche Eignung als Kampfstoff untersucht und das, obwohl es der Vertrag von Versailles verbot.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gaskammer in Dachau[22]

Der Aufstieg des dritten Reiches ermöglichte ein rasches Voranschreiten der Entwicklung solcher chemischer Waffen in Deutschland. Hitlers Politik richtete sich auf den totalen Krieg aus, was die Forschung massiv voran trieb. Mit dem durch Plünderungen und Unterwerfungen erwirtschafteten Geld wurde die Entwicklung von Kriegswaffen, aber auch die von biologischen und chemischen Waffen gestützt.[4] Fehlende Arbeitskräfte wurden durch die radikale Rassenpolitik ersetzt und mehr oder weniger kostenlos zur Massenherstellung solcher Waffen gezwungen. Die „minderwertigen“ Bevölkerungsgruppen wurden jedoch nicht nur als günstige Arbeitskräfte genutzt, sondern dienten selbst auch als Versuchsobjekte. Die Medizin und auch das Verständnis für chemischen Waffen wurden während des Hitler-Regimes revolutioniert.[5] Die Konzentrationslager dienten als „geheime Forschungslabore am Menschen.“ Hier wurden die verschiedenen Kampfgase wie Nervengifte, Lungengifte, Hautgifte, Reizgifte und psychotoxische Gifte getestet und die verschiedenen Wirkungen am Menschen dokumentiert. Der wohl bekannteste Einsatz von chemischen Kampfstoffen am Menschen, der gleichzeitig makaber ausgedrückt „zur Entsorgung nicht menschenwürdiger Rassen“ diente, wurde in den Gaskammern von Auschwitz, Birkenau und weiteren Vernichtungslagern durchgeführt.[6]

Chemische Waffen sind solche, bei denen überwiegend die toxischen, sowie erstickenden, reizerregenden, lähmenden oder die menschliche Psyche verändernden Eigenschaften synthetischer Verbindungen für Zwecke der Kriegsführung genutzt werden.[7]

Die bis heute entwickelten chemischen Kampfstoffe können zur besseren Überschaubarkeit in Klassen eingeteilt werden, welche Aussagen über die chemische Stoffklasse, die Wirkungsweise und den Wirkungsgrad zulassen.

Eine grobe Einteilung findet auf Grund der verschiedenen Anwendungsgebiete statt. Man unterscheidet zwischen Brandstoffen, Nebelstoffen, pflanzenschädigenden chemischen Stoffen und den chemischen Kampfstoffen, zu welchen auch die Reizstoffe zählen.[8]

Im Folgenden werden jedoch nur die chemischen Kampfstoffe und deren Vielfalt, Aufbau und Wirkungsweise genauer betrachtet. Dabei reicht die Spannweite vom harmlosen Tränengas, bis hin zum tödlichen Nervengas, das in wenigen Minuten die betroffene Bevölkerung dahinraffen kann.

Augenreizstoffe (0. Ordnung) Weißkreuz.:

Diese Reizstoffe greifen die Augen an und können sowohl eine vorrübergehende Schädigung der Augen hervorrufen, als auch zum völligen Erblinden führen.

Zu dieser „schwächsten“ Kampfstoffklasse, die schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt ist, zählen Bromaceton, Brom-Methyl-Ethylketon, Chlormethyl-Chloroformiat und Chloracetophenon. Sie alle haben eine ätzende Wirkung auf die Schleimhäute, führen zu verstärktem Tränenfluss und haben oftmals eine Entzündung der Atemwege zur Folge.[9]

Der heutige Einsatz von Tränengas für polizeiliche Zwecke findet mit o-Chlorbenzyliden- malodinitril statt, welches eine „ausreichende“ Wirkung hat und normalerweise keine Langzeitschäden verursacht.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] http://www.pharmtech.tu-bs.de/pharmgesch/Seminar/Ypern%20Grafiken/Ypern.htmZugriff: 24.12.2007, 20:11 Uhr

[2] http://www.frieden-fragen.de/10255.html Zugriff: 25.12.2007, 15:31 Uhr

[3] R. Renz, D. von Schrötter, M. Vöhringer, H. J. Vollmer, Herausforderung zum Frieden, Struktur der Weltpolitik im 20. Jahrhundert, Schroedel Verlag GmbH, Hannover, 2001.

[4] M. Derrich, Geheimwaffen des Dritten Reiches und deren Weiterentwicklung bis heute, König Verlag, Greiz/ Thür, 2000.

[5] J. Faulenbach, C. Schüller, Information zur politischen Bildung - Deutscher Widerstand 1933-1945, Franzis` print und media GmbH, München, 1994.

[6] Prof. Dr. G. Brunn, Dr. U. Frevert, Kursbuch Geschichte, Cornelsen Verlag, Berlin, 2002.

[7] www.weltpolitik.net/sachgebiete/internationale%20sicherheitspolitik/problembereiche%20und%20l%c3%b6sungsans%c3%a4tze/massenvernichtungswaffen/grundlagen/ definitionen%20von%20kernwaffen,%20chemischen%20und%20biologischen%20waffen, %20raketenwaffen.html Zugriff: 29.12.2007, 20:01 Uhr

[8] www.thw-stolberg.de/download/files/ausbildung/c-wirkung.pdf

[9] http://gsb.download.bva.bund.de/BBK/bd_56_Aufbau_Ablauf_Dekon.pdf Zugriff: 30.12.2007, 14:15 Uhr

[10] http://www.gifte.de/B-%20und%20C-Waffen/cs.htm Zugriff: 29.12.2007, 20:33 Uhr

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Chemische Kriegsführung
Untertitel
Deutschland im Blickpunkt - Entwicklung und Wirkung chemischer Kampfstoffe
Hochschule
Universität Basel  (Chemisches Department)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V148907
ISBN (eBook)
9783640608027
ISBN (Buch)
9783640607730
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chemische Kampfstoffe, Chlorgas, Kampfstoffklassen, Phosgen, Lugenkampfstoffe, Grünkreuz, Blausäure, Gelbkreuz, Senfgas, Todestau, Nervengase, Wirkungsmechanismus, Tabun, Sarin, Toxizität, Erkennung und Entgiftung, Schutzmassnahmen
Arbeit zitieren
Franziska Hofmann (Autor:in), 2007, Chemische Kriegsführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148907

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