Das Streben nach Glück – ein kritischer Vergleich der utilitaristischen Theorien Jeremy Benthams und John Stuart Mills


Seminararbeit, 2009
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Jeremy Bentham - Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung (1789)

3 John Stuart Mill – Utilitarismus (1861)

4 Kritik an den utilitaristischen Theorien Benthams und Mills

5 Schlussbetrachtung

6 Bibliographie

1 Einleitung

Durch welche Motive werden Menschen geleitet, eine funktionierende Gesellschaft anzustreben? Und wie funktioniert eine Gesellschaft? Diese Fragestellungen haben die folgende Arbeit angeleitet. Die Ethik beschäftigt sich mit der Frage, was wir tun sollen. Sie lehrt, „die jeweilige Situation zu beurteilen, um das ethisch (sittlich) richtige Handeln zu ermöglichen.“[1] Ethische Vorstellungen und Werte unterliegen einer Ordnung, „eine[r] Wertpyramide, deren Basis von den unbewusst verwirklichten Vitalwerten […] gebildet wird, [und] an deren Spitze der höchste denkbare Wert steht.“[2] Innerhalb eines Teilgebiets der Ethik, dem Utilitarismus, wird das Streben nach Glück als der höchste denkbare Wert angesehen. Diese Grundidee des Utilitarismus, das höchste Ziel des Menschen sei das Streben nach Glück oder Glückseligkeit, lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Bereits Aristoteles (384-322 v. Chr.) spricht in seiner Abhandlung Nikomachische Ethik von einem gemeinsamen Ziel der Menschen: „[…] da alles Wissen und Wollen nach einem Gute zielt, […], welches man als das Zielgut der Staatskunst bezeichnen muß, und welches im Gebiete des Handelns das höchste Gut ist. Im Namen stimmen hier wohl die meisten überein: Glückseligkeit nennen es die Menge und die feineren Köpfe […]“[3]. Der Utilitarismus ist die Theorie, nach der eine Handlung danach beurteilt wird, inwiefern sie das Glück der meisten Menschen fördert. Utilitaristische Momente finden sich in der Handlungstheorie des „Epikureismus, bei Bernhard de Mandeville, den schottischen Moralphilosophen und in der französischen Revolution“[4], als geschlossenes System innerhalb der Ethik wurde der Utilitarismus jedoch von Jeremy Bentham (1748 – 1834) entwickelt und später von John Stuart Mill (1806 – 1873) ausdifferenziert.

Im Laufe der Zeit haben sich viele verschiedene Teilgebiete des Utilitarismus entwickelt, wie der Handlungs- und Regelutilitarismus, ein negativer/positiver sowie ein subjektiver/objektiver Utilitarismus, die einen gemeinsamen Kern haben: was ist moralisch verbindlich und wie kann man es rational begründen?[5] Die folgende Arbeit bezieht sich allerdings auf die ursprüngliche Form, wie sie von dem Begründer Jeremy Bentham eingeführt wurde. Es werden zunächst die philosophischen Texte von Jeremy Bentham und John Stuart Mill dargelegt und anschließend verglichen. Der Utilitarismus beziehungsweise das utilitaristische Prinzip nach Jeremy Bentham ist ebenso ein Teil der Arbeit wie die Weiterentwicklung und Kritik nach John Stuart Mill, wobei die Kritik ein Schwerpunkt sein wird. Es stellen sich die Fragen, weshalb Benthams Theorie so stark kritisiert wurde und inwiefern Mills Essay über den Utilitarismus die Theorie verbessert und zugleich verständlicher macht. Ein abschließender Ausblick auf das heutige Verständnis des utilitaristischen Prinzips innerhalb der Moralphilosophie wird ebenfalls Teil dieser Arbeit sein.

2 Jeremy Bentham - Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung (1789)

Der Utilitarismus gründet auf der Frage, was moralisch verbindlich ist und wie man es rational begründen kann. Auf der Grundlage des ethischen Prinzips „des größtmöglichen Glücks der größtmöglichen Zahl“ entwickelte Jeremy Bentham sein System des Utilitarismus. In Leid und Freude (Glück) liegen die entscheidenden Motive des Handelns[6], und es gilt nach dem Prinzip der Nützlichkeit von Bentham, das größte Glück der größten Zahl zu erreichen. Die Quantität des Glücks als entscheidend zu formulieren wird allerdings von vielen Philosophen kritisiert und der utilitaristische Ansatz von Bentham wird daraufhin erweitert (u.a. durch Mill), so dass verschiedene utilitaristische Theorien entstehen. In Bentham’s Werk „ Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung“ (1789) findet allerdings die erste ausdrückliche und systematische Exposition des Utilitarismus statt.[7]

In den einleitenden vier Kapiteln, die ursprünglich als Einleitung zu einem rechtsphilosophischen Werk gedacht waren, benennt er das Prinzip der Nützlichkeit. Er formuliert ein hedonistisches Nutzenkalkül[8], das es erlauben soll, alle erdenklichen Empfindungen von Freude und Leid gegeneinander aufzurechnen und somit eine Gesamtbilanz des menschlichen Glücks aufzustellen. „Die Natur hat die Menschen unter die Herrschaft zweier souveräner Gebieter − Leid und Freude − gestellt.“[9] Bentham sieht in Freude und Leid die Motivation jeden Handelns: „Es gibt nichts, wodurch jemand letzten Endes dazu gebracht werden kann, es zu tun, außer Leid oder Freude.“[10] Davon ausgehend formuliert er das Prinzip der Nützlichkeit, das mit einem allgemeinen Grundzug aller Menschen übereinstimmt, und zwar mit dem Streben nach Glück. Unter Nützlichkeit wird die Eigenschaft an einem Objekt verstanden, die Gewinn, Vorteil, Freude, Gutes oder Glück hervorbringt oder die eine Gruppe vor Unheil, Leid, Bösem oder Unglück bewahrt. Die Gemeinschaft sieht Bentham als einen fiktiven Körper, der sich aus den Einzelpersonen zusammensetzt, die sozusagen seine Glieder bilden. Somit besteht das Interesse der Gemeinschaft aus der Summe der Interessen der verschieden Glieder, aus denen sie sich zusammensetzt.[11]

Weiterhin bestimmt Bentham vier Ursprünge oder Sanktionen[12], aus denen sich Leid und Freude herleiten lassen. Diese sind entweder politischer, moralischer, physischer oder religiöser Natur. Wenn Leid und Freude aus dem gewöhnlichen Naturablauf vorhanden sind, handelt es sich um eine physische Sanktion, werden sie innerhalb einer Gemeinschaft durch einen Richter gewählt, handelt es sich um politische Sanktionen. Werden Leid und Freude durch eine unmittelbare Neigung, nicht aber durch eine gemeinsame Regel innerhalb der Gesellschaft verteilt, handelt es sich um moralische Sanktionen. Religiöse Ursprünge von Leid und Freude erfolgen direkt durch ein höheres, unsichtbares Wesen. Der Unterschied der Sanktionen „liegt in den Umständen, die ihr Hervorbringen begleiten.“[13]

Bei dem Prinzip der Nützlichkeit geht es darum, in den Blick zu nehmen, wer von einer Handlung in seinem Wohlergehen betroffen wird. Es gilt zu erfassen, ob eine Handlung den Betroffenen jeweils Freude oder Leid zufügt, ob sie einem nutzt oder schadet und die Bilanz zu ziehen, ob die Handlung insgesamt zu mehr Nutzen oder mehr Schaden für alle Betroffenen führt. Um diese Tendenz zu errechnen bestimmt Bentham sieben Umstände, anhand derer man den Wert einer Freude oder eines Leids für eine Anzahl von Personen feststellen kann: die Intensität, die Dauer, die Gewissheit oder Ungewissheit, die Nähe oder Ferne, die Folgenträchtigkeit, die Reinheit und schließlich das Ausmaß einer Freude oder eines Leids.[14] Die Handlung, die insgesamt zu mehr Freude bzw. weniger Leid für alle von der Handlung Betroffenen führt, ist die moralisch Richtige. Man kann also sagen, dass eine Handlung dem Prinzip der Nützlichkeit entspricht, wenn die ihr innewohnende Tendenz, das Glück der Gemeinschaft zu vermehren, größer ist als irgendeine andere, ihr innewohnende Tendenz, es zu vermindern.[15]

In seinem fünften Kapitel geht Bentham dazu über, die verschiedenen Arten von Freude und Leid aufzuzählen.[16] Er bestimmt darüber hinaus einfache, nicht mehr zerlegbare Empfindungen wie die Sinnesfreuden und zusammengesetzte Empfindungen, die sich in einfache Empfindungen zerteilen lassen, wobei diese ausschließlich aus Freuden, ausschließlich aus Leiden oder aus Freuden und Leiden bestehen können. Bentham geht nicht dazu über, einen anderen Wert des Glücks als den quantitativen zu berücksichtigen, worauf ein großer Teil der Kritik an seiner Arbeit aufbaut.

[...]


[1] Schischkoff, Georgi (Hrsg.). Philosophisches Wörterbuch, S. 185

[2] Ebd.

[3] Nikomachische Ethik, Buch I, Kap. 2, 1095a, S. 14ff

[4] Der Brockhaus Philosophie, S. 348

[5] Otfried Höffe (Hrsg.). Einführung in die utilitaristische Ethik, S.9

[6] vgl. Bentham S. 35

[7] Otfried Höffe (Hrsg.). Einführung in die utilitaristische Ethik, S.13

[8] Hedonistisches Nutzenkalkül: In der Ethik ist der Hedonismus eine Grundposition, welche den

größtmöglichen Gewinn an Lust für erstrangig erstrebenswert hält. Er versteht die Lust als

Glückseligkeit und ist so dem Eudämonismus zuzurechnen

[9] Bentham, Jeremy. Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung, S. 35

[10] vgl. ebd. S. 46

[11] vgl. ebd. S. 36f.

[12] vgl. ebd. S. 46f.

[13] vgl. ebd. S. 47

[14] vgl. ebd. S. 50

[15] Bentham, Jeremy. Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung, S. 50f.

[16] vgl. ebd. S. 52ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Streben nach Glück – ein kritischer Vergleich der utilitaristischen Theorien Jeremy Benthams und John Stuart Mills
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V148939
ISBN (eBook)
9783640601028
ISBN (Buch)
9783640601172
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, Jeremy Bentham, Utilitarismus, John Stuart Mill
Arbeit zitieren
Jennifer Koss (Autor), 2009, Das Streben nach Glück – ein kritischer Vergleich der utilitaristischen Theorien Jeremy Benthams und John Stuart Mills , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148939

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