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Interpretation der Erzählung 'Der Tunnel' von Friedrich Dürrenmatt

Verschollen im Tunnel - ein Zug fällt aus der Welt

Title: Interpretation der Erzählung 'Der Tunnel' von Friedrich Dürrenmatt

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 18 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sarah Nitschke (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die Fünfziger Jahre in Westdeutschland sind eine sozial- und kulturhistorisch höchst bedeutsame Übergangsphase, welche die Gegenwart und auch die Zukunft Deutschlands durch ihre Auswirkungen prägen, da in dieser Zeit ein großer gesellschaftspolitischer Umbruch stattfand. Die Fünfziger Jahre waren die Zeit des Wiederaufbaus, die eine Normalisierung des Alltagslebens mit sich zog. Durch Modernisierungen bildeten sich auch „die materiellen Voraussetzungen und geistigen Dispositionen heraus, durch die in den darauf folgenden Jahren eine auch äußerlich verwandelte Gesellschaft entstehen konnte“.
Den repräsentativen Gattungsbereich dieser Periode voller gesellschaftspolitischer Errungenschaften stellte der Roman dar. In dieser Zeit plädierten einige Schriftsteller für den Magischen Realismus, „für die ´Überwindung der Realität´, ´Sprengung der sogenannten Wirklichkeit´ sowie einen Aufschwung ins Nichtreale“ .
Die Versuche in nichtrealistischen Erzählweisen lasen sich wie Antworten auf die selbstgewisse Stabilisierung der politischen Systeme.
Die Menschen kämpften mit inneren Schwierigkeiten. Kritische und selbstkritische Themen prägten die Literatur der 1950er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland. Die verdrängte NS-Zeit, der Krieg und der technologische Fortschritt wurden aufgearbeitet. Man unternahm Versuche der Ich-Erkundung, Nachdenken über Schuld und Nichtschuld, um Gewissheit über seine Identität zu erlangen. Wachstum, Konsum und Wohlstand schienen wichtige Themen zu sein, die von Schriftstellern oft in Satiren kritisch betrachtet wurden. Die Angst vor einem
Dritten Weltkrieg (atomare Gefahr, Korea-Krieg) förderte ein Vorschreiten in neue Modelle der Wirklichkeitserfassung .
Das Jahr 1952 wird als Wende in der Geschichte der Erzählprosa Westdeutschlands, Österreichs und der Schweiz betrachtet. In diesem Jahr fanden sich viele „Erzählungen, mit denen Muster einer parabolischen, phantastischen und sprachexperimentellen Kleinform geschaffen wurden“. Viele bedeutende Texte dieser Zeit wurden bemerkenswerter Weise nicht in Westdeutschland, sondern in Österreich, der Schweiz u.A. verfasst. Hierzu gehört auch Friedrich Dürrenmatts Erzählung Der Tunnel.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung – Die Literatur der 50er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland

2 Die Erzählung „Der Tunnel“ von Friedrich Dürrenmatt

2.1 Biografische Daten Friedrich Dürrenmatts

2.2 Inhaltsangabe und Interpretation der Erzählung Der Tunnel

2.3 Das Verschollensein in Dürrenmatts Erzählung „Der Tunnel“

2.3.1 Verschollensein im Nichts?

2.3.2 Suche nach Identität und Sinn

2.3.3 Suche im Glauben

2.3.4 Suche nach Wahrheit

3 Schluss

4 Literatur- und Quellenverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Friedrich Dürrenmatts Erzählung „Der Tunnel“ unter dem Aspekt des Verschollenseins und interpretiert das Werk als gesellschaftskritische Parabel auf die Sinn- und Identitätskrise der Nachkriegszeit sowie die menschliche Ohnmacht in einer chaotischen Welt.

  • Literarische Einordnung in die 50er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland
  • Biografische Prägungen und schriftstellerisches Schaffen Friedrich Dürrenmatts
  • Analyse der Erzählung „Der Tunnel“ hinsichtlich ihrer parabolischen Struktur
  • Thematisierung von Identitätssuche, Glauben und Wahrheit im Kontext des Absurden
  • Vergleich der Erzählung mit existenzphilosophischen Fragestellungen und Platons Höhlengleichnis

Auszug aus dem Buch

2.3.4 Suche nach Wahrheit

Doch was ist eigentlich die Wirklichkeit? Ist Wirklichkeit gleich Wahrheit? Die Rätselhaftigkeit und Unergründlichkeit der Welt wird in Dürrenmatts Erzählungen im philosophisch-theologischem Sinne betrachtet. In Dürrenmatts Erzählung sind Ansätze des Höhlengleichnisses zu finden. Der Tunnel stellt dabei die Höhle dar, in welcher sich die Frage aufwirft, wie man wieder aus ihr heraus kommt: lebend mit Hilfe der Philosophie oder der Religion, oder erst durch den Tod. Es gibt aber zwischen dem Tunnel bei Dürrenmatt und Platons Höhle einen wichtigen Unterschied:

Der Tunnel ist nicht wie die Höhle Spiegel einer wirklichkeitsverfälschten Erkenntnishaltung, sondern Anlass, die furchtbar in Erscheinung tretende Wirklichkeit nicht wahrhaben zu wollen.

Genau wie im Höhlengleichnis sind die Fahrgäste im Tunnel gefesselt in einer unterirdischen Welt, in der die Schatten der Dinge für die Wirklichkeit gehalten werden, wobei die wahre Welt ihren Vorstellungen verschollen bleibt. Platons Höhlengleichnis liefert den Weg zur Erkenntnis der Wahrheit hinter den Dingen, die für die meisten Menschen versteckt liegt. Um zur Wirklichkeit zu gelangen, müsse der Mensch nur die Fesseln der Wahrheit abstreifen. Durch das Lösen der Fesseln ist der Mensch fähig, nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu erkennen. Wenn jemand im Stande wäre, die Höhle zu verlassen und aus der hellen Wirklichkeit zurückkehren würde, um die Gefesselten zu erlösen, würde er unglaubwürdig wirken. Die Befreiung von den Fesseln der menschlichen Unwissenheit würde eine Heilung von dieser Unwissenheit bedeuten. Der Student gleicht im ersten Moment einem solchen Menschen, da er sich durch das Unbekannte beunruhigt fühlt und sich somit an die Wirklichkeit erinnert, die beim Einfahren in den Tunnel anscheinend verlassen wurde, und die Zuginsassen das unheimliche Schauspiel näher bringen möchte. Die anderen Fahrgäste gleichen hier den Menschen in der Höhle, die sich nicht von ihren Fesseln lösen wollen, da sie die Schattenwelt, in der sie leben, für die Wirklichkeit halten. Auch sie wehren sich, genau wie die Fahrgäste durch ihre stupiden Abwehrreaktionen, davor, die wahre Realität anzuerkennen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung – Die Literatur der 50er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland: Das Kapitel beschreibt die sozial- und kulturhistorische Übergangsphase der 1950er Jahre und den Wandel der Erzählprosa hin zu parabolischen und phantastischen Formen.

2 Die Erzählung „Der Tunnel“ von Friedrich Dürrenmatt: Dieser Hauptteil widmet sich dem Leben des Autors, einer inhaltlichen Zusammenfassung der Erzählung und einer tiefgehenden Analyse der zentralen Motive des Verschollenseins, der Identitätssuche und der Wahrheit.

3 Schluss: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert Dürrenmatts Intention, den Menschen mit seiner eigenen Ohnmacht und der Notwendigkeit zur Selbstreflexion zu konfrontieren.

4 Literatur- und Quellenverzeichnis: Hier werden sämtliche verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Internetressourcen aufgeführt, die der Hausarbeit zugrunde liegen.

Schlüsselwörter

Friedrich Dürrenmatt, Der Tunnel, 50er Jahre, Literaturwissenschaft, Verschollensein, Identitätssuche, Parabel, Absurdität, Nachkriegszeit, Höhlengleichnis, Existenzphilosophie, Sinnkrise, Wirklichkeit, Wirklichkeitsverlust, Entfremdung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Erzählung „Der Tunnel“ von Friedrich Dürrenmatt und untersucht, wie das Motiv des Verschollenseins genutzt wird, um die existenziellen Krisen der Nachkriegsgesellschaft darzustellen.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Themen sind die literarische Aufarbeitung der 1950er Jahre, der Identitätsverlust des modernen Menschen, das Absurde als literarisches Motiv und die philosophische Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung der Wirklichkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dürrenmatt die Erzählung als gesellschaftskritische Parabel einsetzt, um die Unfähigkeit der Menschen zur Wahrnehmung ihrer eigenen Situation und der Wirklichkeit zu kritisieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit zeitgeschichtlichem Kontext, biografischen Daten und existenzphilosophischen Bezugspunkten (u.a. Platons Höhlengleichnis) verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in biografische Grundlagen, eine Inhaltsangabe sowie eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen Facetten des Verschollenseins (im Nichts, Suche nach Identität, Glauben und Wahrheit).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Dürrenmatt, Parabel, Identitätsverlust, 50er Jahre, Existenzialismus und das Höhlengleichnis.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen der Fassung von 1952 und der Überarbeitung 1978 eine Rolle?

Die Streichung des religiösen Schlusssatzes in der späteren Fassung deutet auf einen Wandel in Dürrenmatts Weltbild hin und lenkt den Fokus stärker auf die rein menschliche Perspektive der Identitätssuche ohne göttlichen Trost.

Wie unterscheidet sich Dürrenmatts Tunnel von Platons Höhle?

Während die Höhle bei Platon den Zustand der Unwissenheit symbolisiert, dient der Tunnel bei Dürrenmatt als Anlass, die schreckliche, aber reale Wirklichkeit durch Abwehrmechanismen bewusst auszublenden.

Wie deutet die Autorin den „Zug“ innerhalb der Erzählung?

Der Zug fungiert als Symbol für das in festen Bahnen verlaufende, alltägliche Leben, dessen Insassen die Katastrophe der Tunnelexistenz durch Ignoranz und Alltagsrituale zu verdrängen suchen.

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Details

Title
Interpretation der Erzählung 'Der Tunnel' von Friedrich Dürrenmatt
Subtitle
Verschollen im Tunnel - ein Zug fällt aus der Welt
College
University of Erfurt  (Fachbereich Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Course
Aus der Welt fallen – die Verschollenen der Literatur
Grade
2,0
Author
Sarah Nitschke (Author)
Publication Year
2010
Pages
18
Catalog Number
V149051
ISBN (eBook)
9783640594368
ISBN (Book)
9783640594030
Language
German
Tags
Interpretation Erzählung Tunnel Friedrich Dürrenmatt Verschollen Tunnel Welt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sarah Nitschke (Author), 2010, Interpretation der Erzählung 'Der Tunnel' von Friedrich Dürrenmatt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149051
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