Diese Arbeit beschäftigt sich mit zwei Sichtweisen auf das Leib-Seele-Problem, dem eliminativen Materialismus und dem interaktionistischen Dualismus. Der Materialismus stellt eine monistische Antwort auf das Leib-Seele-Problem dar, da er davon
ausgeht, dass nur physikalische Zustände existieren.
In der Philosophie des Geistes besteht ein ontologisches Grundproblem, das Leib-Seele-Problem genannt wird. Dieses Problem gehört zu den zentralen Fragestellungen der Philosophie. Eine Lösung des Problems durch die empirische Forschung gestaltet sich sehr schwierig.
Das Leib-Seele-Problem beschäftigt sich heute hauptsächlich mit der Frage, ob es zwischen geistigen und körperlichen Ereignissen eine kausale Beziehung gibt. Typische Fragestellungen lauten: Wie können körperliche Bewegungen von Gedanken und Willensakten verursacht werden? Wie können physische Reizungen unserer Sinnesorgane subjektive Empfindungen und Wahrnehmungserlebnisse auslösen? Es besteht eine enge Verknüpfung dieses Problems mit dem ontologischen Status von mentalen Zuständen: Existieren mentale Zustände wirklich auf der Welt? Sind sie reale Zustände, die eine eigene kausale Rolle spielen? Diese Frage zu beantworten ist schwierig, da subjektive Zustände nicht von außen beobachtbar sind. Bei der Frage nach dem ontologischen Status von mentalen Zuständen geht es auch darum, welche Arten von Entitäten mentale Entitäten sind. Das Leib-Seele-Problem beinhaltet ebenso die Frage nach der „inneren Natur der psychophysischen Kausalität“. Kann von Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen geistigen und körperlichen Phänomenen ausgegangen werden und wenn ja, in welchem Sinne?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Interaktionistischer Dualismus
2.1 Karl R. Poppers Drei-Welten-Theorie
2.2 Argumente für den interaktionistischen Dualismus
2.3 Kritik
3. Eliminativer Materialismus
3.1 Argumente für den eliminativen Materialismus
3.2 Kritik
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das klassische Leib-Seele-Problem aus zwei konträren philosophischen Perspektiven: dem interaktionistischen Dualismus und dem eliminativen Materialismus. Ziel ist es, die jeweiligen theoretischen Grundlagen, die zentralen Argumentationslinien sowie die kritische Resonanz beider Positionen innerhalb der Philosophie des Geistes kritisch zu beleuchten und deren Plausibilität in Bezug auf moderne wissenschaftliche Erkenntnisse zu vergleichen.
- Ontologische Untersuchung des Verhältnisses zwischen mentalen und physischen Zuständen
- Analyse der interaktionistischen Position nach Karl R. Popper
- Kritische Reflexion der Konzepte von Kausalität und Dualismus
- Darstellung und Evaluation des eliminativen Materialismus nach Churchland
- Diskussion über die moralischen und sozialen Konsequenzen bei Ablehnung mentaler Zustände
Auszug aus dem Buch
2. Interaktionistischer Dualismus
Nach der Theorie des Interaktionismus wirken psychische und physische Zustände aufeinander ein. Der interaktionistische Dualismus wird von Metzinger als Wechselwirkungstheorie bezeichnet. Diese Position geht davon aus, dass das Mentale und das Physische zwei voneinander getrennte Bereiche der Wirklichkeit sind. Sie sind sowohl erkenntnistheoretisch als auch ontologisch zwei verschiedene Bereiche von Phänomen, verschiedene Ebenen der Realität. Mentale und physische Ereignisse stehen durch Ursache-Wirkungsbeziehungen eng miteinander in Verbindung. Der interaktionistische Dualismus postuliert eine kausale Wechselwirkung zwischen Körper und Geist (vgl. ebd.: S. 35). Die Wechselwirkung findet nach dieser Theorie im Gehirn statt (vgl. ebd.: S. 58). Jedes Ereignis ist nach dieser Position entweder mental oder physisch (vgl. ebd.: S. 35). Dies wird Universalitäts-Merkmal genannt (vgl. Wass 2013: S.43). Weitere Arten von Phänomenen existieren nicht (vgl. Metzinger 2007: S. 35).
Die kausale Wechselbeziehung zwischen dem Physischen und dem Psychischen bedeutet, dass Kausalzusammenhänge in beide Richtungen vorhanden sind. Dies wird auch als auf- bzw. abwärts gerichtete Kausalität bezeichnet. Mentale Wirkungen haben physische Ursachen und physische Wirkungen haben mentale Ursachen (vgl. Wass 2013: S. 53-63).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das fundamentale Leib-Seele-Problem ein und erläutert die Schwierigkeit einer empirischen Lösung der Frage nach der kausalen Beziehung zwischen geistigen und körperlichen Ereignissen.
2. Interaktionistischer Dualismus: Dieses Kapitel erörtert die Theorie der Wechselwirkung zwischen Körper und Geist, stellt Poppers Drei-Welten-Theorie vor und untersucht Argumente sowie Kritikpunkte an dieser dualistischen Position.
3. Eliminativer Materialismus: Hier wird die materialistische Gegenposition analysiert, welche mentale Phänomene als fehlerhafte Alltagskonzeptionen einstuft und für eine vollständige physikalische Erklärung der Welt plädiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass der eliminative Materialismus trotz der Problematik des Verlusts lebensweltlicher Begriffe eine überzeugendere wissenschaftliche Doktrin darstellt als der interaktionistische Dualismus.
Schlüsselwörter
Leib-Seele-Problem, interaktionistischer Dualismus, eliminativer Materialismus, Philosophie des Geistes, Drei-Welten-Theorie, Kausalität, Alltagspsychologie, mentale Zustände, Ontologie, Physikalismus, psychophysische Wechselwirkung, Vernunft, Substanzdualismus, Neurowissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen und aktuellen Spannungsfeld zwischen dualistischen und materialistischen Erklärungsmodellen für das menschliche Bewusstsein.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die zentralen Themen sind die Möglichkeiten der psychophysischen Interaktion, die Kritik an mentalen Objekten und die Frage, inwieweit Alltagspsychologie durch neurowissenschaftliche Konzepte ersetzt werden könnte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist der Vergleich der beiden Philosophien, um zu bewerten, welche Sichtweise – trotz inhaltlicher Schwierigkeiten – heute als anschlussfähiger an die empirischen Wissenschaften betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die auf den Werken maßgeblicher Philosophen wie Metzinger, Popper, Churchland und Descartes basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Stärken und Schwächen des interaktionistischen Dualismus, insbesondere Poppers Modell, sowie die radikale Kritik durch den eliminativen Materialismus an der menschlichen Alltagspsychologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Leib-Seele-Problem, Dualismus, Materialismus, Kausalität, mentale Zustände und Neurowissenschaft.
Welche Bedeutung hat die Drei-Welten-Theorie für den Dualismus?
Sie dient als pluralistisches Modell, das versucht, Geist, Körper und die Welt der objektiven Produkte des menschlichen Geistes als interagierende Entitäten zu plausibilisieren.
Warum wird der eliminative Materialismus als radikal bezeichnet?
Weil er im Gegensatz zu reduktiven Ansätzen behauptet, dass mentale Phänomene als psychologische Kategorien schlichtweg falsch sind und aus einer wissenschaftlich präzisen Sicht eliminiert werden müssten.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Interaktionistischer Dualismus und eliminativer Materialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1490550