Die Master-Thesis befasst sich mit dem Problem der zunehmenden geopolitischen Spannungen Deutschlands bzw. des "Westens" mit China in Verbindung mit dem Problem der Abhängigkeit Deutschlands von China als Beschaffungsmarkt. Ziel/Ergebnis der Thesis war die Erstellung eines Leitfadens, der der Thesis im Anhang beigefügt ist. Der erstellte Leitfaden ist ein Ansatz, der im Rahmen weiterer Forschung zu verbessern/vertiefen ist. In der Thesis wurden zwei Experteninterviews verarbeitet, die den Leitfaden bewertet haben. Deren Kritikpunkte sowie die Kritikpunkte der Prüfer sind zu beachten (v.a. Methodik spezifizieren, China-Bezug im Leitfaden erhöhen).
Deutsche Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Lieferketten zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Während in der Vergangenheit der Fokus zumeist auf der Kostenreduktion lag, hat die Bedeutung von Widerstandsfähigkeit und Flexibilität aufgrund der angeführten Problemfelder zugenommen. Neben der Schaffung von Transparenz entlang der Lieferkette oder dem Ausbau der Lagerhaltung liegt aktuell ein Fokus auf Diversifizierung.
Das Ziel der Thesis ist die Erstellung eines Leitfadens, der der Arbeit als Anhangsdokument beigefügt wird. Dieser Leitfaden soll im Rahmen der strategischen Ausrichtung der Beschaffung von Unternehmen herangezogen werden können, die physische Produkte und Waren anbieten sowie einen bedeutenden Anteil der Rohstoffe und Vorprodukte aus China beziehen. Die Unternehmen erhalten damit eine methodenbasierte Unterstützung bei der Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit dem Problem der Diversifizierung. Das Vorgehen wird auf andere Länder übertragen werden können.
Der Leitfaden wird keine Bewertung und Entscheidungsfindung von Diversifizierungsoptionen vornehmen und Unternehmen damit nicht die Abwägung und letztendliche Entscheidung abnehmen. Es kann keine grundsätzliche Einschätzung abgegeben werden, weil Unternehmen und deren Erfordernisse in Bezug auf die Eigenschaften der zu beschaffenden Güter individuell sind. Das Ziel ist daher die Erstellung eines Leitfadens, der Unternehmen ein methodisches Vorgehen anbietet, das diese anwenden können, um eine individuelle Entscheidung zu treffen. Der Leitfaden greift die zugrundeliegenden Methoden beispielhaft auf, wobei diese jedoch im Rahmen der Anwendung durch Unternehmen in Bezug auf die Bewertungs- und Auswahlkriterien sowie deren Gewichtungen anzupassen sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffe und angewandte Methoden
2.1 Lieferkette, Supply Chain und Supply Chain Management
2.2 Experteninterviews
2.3 Einkaufsportfolio-Analyse
2.3.1 Grundlagen der Beschaffungsportfolio-Methode
2.3.2 Klassifizierung der Beschaffungsartikel (Phase 1)
2.3.3 Analyse des Beschaffungsmarktes (Phase 2)
2.3.4 Strategische Positionierung (Phase 3)
2.3.5 Aktionspläne (Phase 4)
2.4 Dreidimensionale Lieferantenauswahl
2.4.1 Modell im Überblick
2.4.2 Risiko-Lieferfähigkeits-Matrix: Exogene und Endogene Einflussfaktoren
2.4.3 Lieferantenauswahl-Matrix: Kombination der drei Ebenen
2.4.4 Verfeinerung der Bewertungskriterien
2.4.5 Kritische Einordnung des Modells
3 China als Risikofaktor in den Lieferketten
3.1 Bedeutung Chinas als Beschaffungsmarkt
3.2 Zunehmende geopolitische Spannungen mit China
3.2.1 China als regionaler und internationaler Akteur
3.2.2 Taiwan-Konflikt
3.2.3 Konflikt im Südchinesischen Meer
3.2.4 Instrumentalisierung von Handelsbeziehungen
3.3 Weitere Problemfelder in Bezug auf China
3.3.1 Staatlich geprägte Wirtschaft
3.3.2 Abfluss von Knowhow und Spionagevorwürfe
3.3.3 Menschrechtsverletzungen
4 Diversifizierung in der Beschaffung
4.1 Sourcing-Strategien
4.1.1 Beschaffungsareal
4.1.2 Lieferantenanzahl
4.1.3 Beschaffungsobjekt
4.1.4 Beschaffungszeit
4.1.5 Outsourcing, Make-or Buy und Offshoring
4.2 Decoupling versus Derisking
4.2.1 Relevanz der Betrachtung
4.2.2 Verschiedene Außenhandelsszenarien
4.2.3 Diversifizierung statt Entkopplung
4.3 Einfluss der Politik auf die Diversifizierung
4.3.1 Schaffung von Rahmenbedingungen und Anreizen
4.3.2 Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz
4.3.3 Außenwirtschaftsförderinstrumente der Bundesregierung
4.3.3.1 Vergünstigte Investitionsgarantien
4.3.3.2 Garantien für ungebundene Finanzkredite
5 Erstellter Leitfaden
5.1 Aufbau und Inhalte
5.2 Evaluierung mit Experteninterviews
5.2.1 Thema
5.2.2 Problemstellung
5.2.3 Aufbau, Methoden, Kritikpunkte und Anwenderkreis
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gestaltung globaler Lieferketten deutscher Unternehmen im Kontext ihrer Abhängigkeit von China als Beschaffungsmarkt und entwickelt einen Leitfaden zur methodengestützten Diversifizierung. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie Unternehmen ihre Beschaffungsstrategien durch Diversifizierung widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen Risiken gestalten können, ohne eine vollständige Entkopplung vom chinesischen Markt vorzunehmen.
- Strategische Diversifizierung der Lieferketten
- Methoden der Einkaufsportfolio-Analyse und Lieferantenauswahl
- Analyse geopolitischer Risiken bei der China-Beschaffung
- Auswirkungen politischer Instrumente auf die Diversifizierungsstrategie
- Entwicklung eines anwendungsorientierten Leitfadens für Entscheider
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Modell im Überblick
Der Lieferantenauswahl-Würfel ist geeignet, um sowohl die makroökonomische Entscheidungs ebene mit dem erweiterten Beschaffungsumfeld als auch die mikroökonomische Entscheidungs ebene mit der Bewertung qualitativer und quantitativer Faktoren der Lieferanten zu adressieren. Dabei ist das Konzept nicht als Würfel, sondern als Scoring-Verfahren mit zwei vorgeschalteten Filtern zu verstehen. In einem ersten Schritt werden exogene (z.B. Infrastruktur, politische Stabilität) sowie endogene (z.B. Entfernung, Qualitätssicherung) Faktoren bewertet. Diejenigen Lieferanten, die diese erste Stufe überwunden haben, werden auf der Ebene der Lieferantenbewertung hinsichtlich Lieferung und Leistung eingeschätzt. Diese Bewertung wird mit dem Ergebnis der endogenen und exogenen Risikoeinschätzung kombiniert in einem Portfolio dargestellt. Das Ergebnis ist eine absteigende Einteilung der Lieferanten in A-, B-, C-Lieferanten in Bezug auf das jeweilige zu beschaffende Gut.
Die erste Dimension umfasst die Umwelt des Lieferanten und damit die exogenen Einflussfaktoren. Mit dieser Bewertung wird das Ziel verfolgt, in einem möglichst frühen Stadium des Auswahl prozesses aus der Menge möglicher Lieferanten die tatsächlich relevanten zu filtern. Dieses erfolgt auf der Grundlage einer Abwägung zwischen Risiko, Lieferausfällen bzw. allgemeiner möglicher Probleme im Rahmen der Lieferung in zeitlicher, quantitativer oder qualitativer Hinsicht.
Die zweite Dimension adressiert das Unternehmen des Lieferanten und damit endogene Einfluss faktoren. Im Rahmen der Bewertung soll ermittelt werden, ob der Zulieferer die grundlegenden Fähigkeiten für eine Lieferung von Gütern besitzt, die den qualitativen Anforderungen des Abnehmers entsprechen. Darüber hinaus ist die Lieferfähigkeit des Unternehmens zu bewerten, die in dessen Verantwortungs- und Einflussgebiet liegt und nicht von exogenen Faktoren beeinflusst ist.
Die dritte Dimension umfasst die Bewertung der Lieferung und Leistung des Lieferanten. Dieser Ebene werden lediglich diejenigen Lieferanten zugeführt, die nicht bereits durch die beiden vorherigen Bewertungsfilter der exogenen und endogenen Einflussfaktoren durchgefallen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der globalen Lieferkettenabhängigkeit von China ein und definiert das Ziel der Arbeit, einen methodischen Leitfaden zur Diversifizierung zu entwickeln.
2 Begriffe und angewandte Methoden: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen wie Lieferkettenmanagement sowie die methodischen Ansätze (Einkaufsportfolio nach Kraljic und Lieferantenauswahl-Würfel nach Harting), die dem Leitfaden zugrunde liegen.
3 China als Risikofaktor in den Lieferketten: Dieses Kapitel beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung Chinas, analysiert geopolitische Spannungen (Taiwan, Südchinesisches Meer) und diskutiert weitere Risiken wie Spionage und Menschenrechtsverletzungen.
4 Diversifizierung in der Beschaffung: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Sourcing-Strategien, debattiert Konzepte wie Decoupling versus Derisking und untersucht, wie politische Maßnahmen der Regierung Diversifizierungsanreize setzen.
5 Erstellter Leitfaden: Dieses Kapitel beschreibt den Aufbau und die Inhalte des entwickelten Leitfadens und evaluiert dessen Praxistauglichkeit anhand von Experteninterviews mit Unternehmensvertretern.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die Relevanz des entwickelten methodengestützten Ansatzes für eine strategische Diversifizierung deutscher Unternehmen.
Schlüsselwörter
Lieferketten, China, Diversifizierung, Beschaffungsstrategie, Supply Chain Management, Geopolitik, Lieferantenauswahl, Risikomanagement, Einkaufsportfolio-Analyse, Investitionsgarantien, Resilienz, Außenwirtschaftsförderung, Knowhow-Transfer, Nachhaltigkeit, Unternehmensergebnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der strategischen Diversifizierung von Lieferketten deutscher Unternehmen, die eine hohe Abhängigkeit vom chinesischen Beschaffungsmarkt aufweisen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen Sourcing-Strategien, geopolitische Risiken im China-Handel, Methoden der Lieferantenauswahl sowie staatliche Förderinstrumente zur Diversifizierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erstellung eines Leitfadens, der Unternehmen methodische Unterstützung bei der Entscheidungsfindung zur Diversifizierung ihrer Lieferketten bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär zur Evaluierung verwendet?
Zur inhaltlichen Validierung des erstellten Leitfadens wurden qualitative Experteninterviews mit Führungskräften aus der Beschaffungslogistik durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die methodischen Grundlagen des Einkaufsmanagements, eine detaillierte Analyse der China-Risiken, Sourcing-Konzepte sowie den Einfluss politischer Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Supply Chain Resilienz, Global Sourcing, Einkaufsportfolio-Analyse, Geopolitik, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und Investitionsgarantien.
Wie unterscheidet sich "Decoupling" von "Derisking" gemäß der Analyse des Autors?
Decoupling beschreibt eine vollständige Entkopplung und Rückverlagerung von Lieferketten, während Derisking auf eine risikoorientierte Diversifizierung setzt, bei der Handelsbeziehungen unter reduzierten Abhängigkeiten fortbestehen.
Welche Rolle spielen politische Instrumente wie Investitionsgarantien bei der Diversifizierung?
Sie dienen als Anreizsysteme für Unternehmen, in neue Märkte zu expandieren und Klumpenrisiken zu vermeiden, indem sie politische Risiken in Schwellenländern absichern.
- Arbeit zitieren
- Arne Müller (Autor:in), 2024, Strategische Diversifizierung von Lieferketten. Deutsche Unternehmen im Kontext zunehmender geopolitischer Spannungen mit China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1490716