Im Rahmen der Veranstaltung "Geschichtsunterricht an außerschulischen Lernorten" wurde ein Lerntagebuch samt Unterrichtsentwurf zum militärischen Widerstand im Nationalsozialismus für den gymnasialen Geschichtsunterricht in der 9. Klasse erstellt. Die Grundlage bildete ein Besuch der Gedenkstätte zum 20. Juli 1944 auf dem Nordfriedhof in Dresden. Die Unterrichtsstunde soll entweder auf den Besuch der Gedenkstätte vorbereiten oder an einen solchen Besuch anknüpfen. Zudem behandelt die Arbeit einige Kernaspekte der Geschichtsdidaktik wie bspw. die Dreiteilung des gymnasialen Geschichtsunterrichts, narrative Kompetenz oder Filme als Medien und Quellen im Geschichtsunterricht.
Inhaltsverzeichnis
1. Gedenkstätte zum 20. Juli 1944: Militärischer Widerstand im Nationalsozialismus
2. Die Dreiteilung des gymnasialen Geschichtsunterrichts
3. Narrativität und narrative Kompetenz im Geschichtsunterricht
4. Die Gegenwartsorientierung als geschichtsdidaktisches Prinzip
5. Filme als Medien und Quellen im Geschichtsunterricht
6. Lernerfolgskontrolle im Fach Geschichte: Das Portfolio
7. Vereinfachte Unterrichtsplanung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dient der Verknüpfung fachdidaktischer Theorien mit der praktischen Unterrichtsplanung am Beispiel des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Das primäre Ziel ist es, den Aufbau einer strukturierten Geschichtsstunde darzulegen, die sowohl historisches Fachwissen vermittelt als auch geschichtsdidaktische Prinzipien wie Gegenwartsorientierung und narrative Kompetenz integriert.
- Grundlagen der geschichtsdidaktischen Unterrichtstheorie und Methodik
- Analyse historischer Lernorte am Beispiel der Gedenkstätte auf dem Nordfriedhof Dresden
- Einsatz unterschiedlicher Medien wie Film und Quellen im gymnasialen Unterricht
- Konzeption und Durchführung einer Unterrichtsstunde zum Attentat vom 20. Juli 1944
- Förderung der narrativen Kompetenz und die Rolle von Portfolios zur Leistungsdiagnose
Auszug aus dem Buch
Die Gegenwartsorientierung als geschichtsdidaktisches Prinzip
Die Vermittlung von historischen Lerngegenständen im Geschichtsunterricht richtet sich nach bestimmten methodischen Prinzipien, die innerhalb der Geschichtsdidaktik diskutiert und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dazu zählt auch das Prinzip der Gegenwartsorientierung, nach welchem die Themen und Inhalte des Geschichtsunterrichts so präsentiert werden sollen, dass ein deutlicher Bezug zur Gegenwart und nahen Zukunft der Lernenden erkennbar ist. Dadurch sollen sich die Schülerinnen und Schüler anhand historischer Erfahrung in der Gegenwart orientieren können. Das Nachdenken über Vergangenheit findet stets unter dem Einfluss kontemporärer Erfahrungen statt. In der Geschichte werden durchgehend Bedeutungszusammenhänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit hergestellt, die auf zeitgenössischen Deutungsmuster basieren. Deswegen ist der Gegenwartsbezug auch im Unterricht eine wesentliche Voraussetzung für historisches Denken.
Schülerinnen und Schüler empfinden die Inhalte des Geschichtsunterrichts besonders in den höheren Klassenstufen meist als „totes“ Wissen, das in ihrem Leben und in der heutigen Zeit keine Rolle mehr spielen würde. Historische Themen ohne Gegenwartsbezug werden von den Lernenden daher als irrelevante und unnütze Informationen wahrgenommen. Folglich ruft die Auseinandersetzung mit Geschichte bei ihnen eher Desinteresse und Lustlosigkeit hervor. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, muss der Geschichtsunterricht für die Schülerinnen und Schüler sowohl einen erkennbaren Sinn haben als auch einen deutlichen Zusammenhang zur eigenen Geschichte und Umgebung aufweisen. Um didaktisch produktiv auf die Vergangenheit zuzugreifen, sollten sich Lehrpersonen an den „Großen Fragen“ oder auch „epochalen Schlüsselproblemen“ der Menschheit orientieren. Dabei handelt es sich um existentielle Fragen beziehungsweise Kernprobleme der Gegenwart und Zukunft, beispielweise Globalisierung, Arbeitslosigkeit, Migration oder die wachsende Digitalisierung. Durch die Ausrichtung des Geschichtsunterrichts an diesen Grundfragen begreifen die Lernenden, dass die gesellschaftlichen Herausforderungen früherer Epochen auch noch heute von Belang sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gedenkstätte zum 20. Juli 1944: Militärischer Widerstand im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel beschreibt den Lernort Nordfriedhof in Dresden und würdigt die dort begrabenen Widerstandskämpfer Friedrich Olbricht und Hans Oster.
2. Die Dreiteilung des gymnasialen Geschichtsunterrichts: Hier wird das von Friedrich Kohlrausch begründete Konzept der dreistufigen Unterrichtsstruktur (Vorkurs, Hauptkurs, Oberkurs) erläutert und kritisch hinterfragt.
3. Narrativität und narrative Kompetenz im Geschichtsunterricht: Das Kapitel thematisiert die Fähigkeit der Lernenden, historische Ereignisse als Geschichte zu konstruieren und multiperspektivisch zu betrachten.
4. Die Gegenwartsorientierung als geschichtsdidaktisches Prinzip: Es wird erklärt, wie ein direkter Bezug zur Lebenswelt der Lernenden das historische Denken fördert und das Interesse am Fach steigert.
5. Filme als Medien und Quellen im Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel beleuchtet Chancen und Herausforderungen, die der Einsatz von Filmen als Medium und historische Quelle im Unterricht mit sich bringt.
6. Lernerfolgskontrolle im Fach Geschichte: Das Portfolio: Das Portfolio wird als schülerzentrierte Alternative zu klassischen Klausuren vorgestellt, die Diagnose und Kompetenzentwicklung unterstützt.
7. Vereinfachte Unterrichtsplanung: Dieses Kapitel liefert den konkreten Entwurf einer 90-Minuten-Stunde zum Attentat vom 20. Juli 1944 inklusive Lernzielen und methodischem Ablauf.
Schlüsselwörter
Geschichtsdidaktik, 20. Juli 1944, Nationalsozialismus, Widerstand gegen Hitler, gymnasialer Geschichtsunterricht, Gegenwartsorientierung, narrative Kompetenz, historisches Lernen, Filmanalyse, Portfolio-Methode, Unterrichtsplanung, historische Gedenkstätten, Leistungsdiagnose, Medienkompetenz, Friedrich Olbricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstelle zwischen geschichtsdidaktischer Theorie und der praktischen Umsetzung im gymnasialen Unterricht unter besonderer Berücksichtigung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Strukturierung des Geschichtsunterrichts, die Förderung narrativer Kompetenz, den Gegenwartsbezug, den Medieneinsatz sowie Formen der alternativen Leistungsmessung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Erstellung eines fundierten Unterrichtsentwurfs zum Attentat vom 20. Juli 1944, der auf wissenschaftlichen fachdidaktischen Konzepten aufbaut.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen zu fachdidaktischen Grundsätzen und überträgt diese in eine didaktische Unterrichtsplanung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erörterungen zum Geschichtsunterricht, zur Gedenkstättenpädagogik, zur Medienarbeit und endet in einer detaillierten Planungseinheit für die neunte Klasse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Geschichtsdidaktik, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Portfolio-Arbeit und historische Kompetenzentwicklung.
Welche Bedeutung hat das Portfolio für das Fach Geschichte in der Arbeit?
Das Portfolio dient als wichtiges Diagnoseinstrument, das Schülern ermöglicht, ihren eigenen Lernprozess zu strukturieren und Leistungen individuell zu dokumentieren.
Wie integriert die Arbeit das Thema Gedenkstätte in den Unterricht?
Die Gedenktage auf dem Nordfriedhof dienen als konkretes, lokalgeschichtliches Fallbeispiel, um Schülern die Realität des Widerstands gegen das NS-Regime näherzubringen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Militärischer Widerstand im Nationalsozialismus (9. Klasse, Geschichte), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1490723