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Ist Frieden wirklich eine Illusion?

Eine Auseinandersetzung mit der Kulturtheorie Sigmund Freuds

Title: Ist Frieden wirklich eine Illusion?

Seminar Paper , 2010 , 14 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Johanna Sailer (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Die Kulturtheorie des Psychoanalytikers Sigmund Freud entstand am Ende seiner Schaffenszeit und baut auf seiner Triebtheorie auf, die er im Laufe seines Lebens mehrmals überarbeitete. In seinen frühen Arbeiten geht er davon aus, dass es sich bei den zwei Trieben, die den Menschen dominieren, um Sexual- und Selbsterhaltungstriebe handele, welche miteinander in Widerspruch stehen.
In seiner Veröffentlichung „Jenseits des Lustprinzips“ von 1920 revidiert Freud seine Trieblehre, fasst Sexualtrieb und Selbsterhaltungstrieb zum sogenannten Lebenstrieb (Eros) zusammen und stellte ihm den Todestrieb gegenüber. Der Lebenstrieb obliege nach Freud dem Lustprinzip, während der Todestrieb danach strebt, zum Anorganischen zurückzukehren.1
Der Lebenstrieb ist für Freud Ausgangspunkt des Kulturprozesses, „der über die Menschheit abläuft“2 und ihr „die Erde dienstbar mach[t]“3, weil die Selbsterhaltung des Menschen in größeren Kulturgemeinschaften gesichert werden könne. Unter dem Begriff „Kultur“ versteht Freud all das, was der Mensch hervorgebracht hat, um sein Fortleben zu gewährleisten.
Doch der Sexualtrieb, der andere Teil des Eros, störe den Kulturprozess, weil er nur in Paaren Befriedigung finden kann, während die Kultur „auf Beziehungen unter einer größeren Menschenzahl ruht“4. Ebenso wie der Todestrieb, der nicht nur an der inneren Zerstörung eines Menschen arbeitet, sondern sich auch „gegen die Außenwelt wende[t] und dann als Aggressionstrieb zum Vorschein komm[t]“5, arbeitet er gegen die Kulturentwicklung. Aus diesem Grund bezeichnet Freud den Kampf zwischen Eros und Todestrieb als Lebensinhalt der Menschheit, den man an der Kulturentwicklung ablesen kann.6
Es müsse zur Aufgabe der Kultur werden, die Sexual- und Aggressionstriebe einzudämmen. Die Sexualität der Menschen würde folglich auf das beschränkt, was der Kultur dienlich sein konnte: Die Vermehrung der Menschheit.

(...)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. SUBLIMIERUNG VON AGGRESSIONSTRIEBEN

2.1 KULTURIDEALE UND IDENTIFIZIERUNG

2.1 FEINDSELIGKEITEN

3. KRIEG ALS KONSEQUENZ DER MENSCHLICHEN TRIEBNATUR

4. KRITIK AN FREUDS TRIEBTHEORIE

5. ZUSAMMENFASSUNG

6. BIBLIOGRAPHIE

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Kulturtheorie Sigmund Freuds unter der Fragestellung, ob Weltfrieden angesichts der menschlichen Triebnatur eine unvermeidbare Illusion darstellt. Dabei wird analysiert, wie Kultur durch Sublimierung und Identifizierung versucht, aggressive Triebe zu kanalisieren, und welche Rolle Krieg in diesem Spannungsfeld einnimmt.

  • Die psychoanalytische Triebtheorie nach Freud
  • Mechanismen der Sublimierung und Identifizierung in der Kultur
  • Die Unvermeidbarkeit von Aggression und Krieg
  • Kritik an der Freud’schen Triebtheorie durch soziologische und psychohistorische Ansätze
  • Die Rolle der Vernunft in der Friedenssicherung

Auszug aus dem Buch

2. Sublimierung von Aggressionstrieben

Offensichtlich besteht nach Freud nur eine Möglichkeit, Kriege zu verhindern, wenn es gelingt, die Aggressionsneigung der menschlichen Art „soweit abzulenken, daß sie nicht ihren Ausdruck im Kriege finden muß.“ Doch wie kann der Kultur das gelingen? Die erste Möglichkeit bestände nach Freud darin, die Menschen durch Kulturideale libidinös aneinander zu binden.

Als Kulturideal definiert Freud „Wertungen, welche die höchststehenden und am meisten anzustrebenden Leistungen [sind]”. Mit Idealen wird eine „fortschreitende Verschiebung der Triebziele und Einschränkung der Triebregung“ erreicht.

Ein Beispiel sei das Gebot der Nächstenliebe, das von den Menschen verlangt, dass sie den Nächsten lieben, wie sich selbst. Hinsichtlich seiner Triebveranlagungen ist es dem Menschen gar nicht möglich, diesem Ideal Folge zu leisten, weil „nichts anderes der ursprünglichen menschlichen Natur so sehr zuwiderstrebt“. Ähnlich wie die religiösen Gebote, die dem Menschen verbieten, nicht zu töten, zu stehlen oder zu lügen, steuere das Gebot der Nächstenliebe der Triebnatur entgegen und veranlasst ihre Rückbildung.

Eine Ersatzbefriedigung liefere die Kultur neben Wissenschaft und Kunst, ihren Mitgliedern in erster Linie durch Identifikationen.

Durch gleiche Eigenschaften, die die Menschen untereinander erkennen, identifizieren sie sich miteinander. Die Religion schaffte das größte identifizierende Mittel, indem sie die Illusion von einem Gott erfand: Sie sehen in Gott die „Personifizierung eines großartigen erhöhten Vaters“, der für sie sorgt und das Gefühl, einer „höheren Macht“ zu dienen, erfüllte die Menschen mit Stolz.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Freud’sche Triebtheorie und deren Bedeutung für die Kulturtheorie sowie Definition der zentralen Fragestellung bezüglich der Friedensfähigkeit.

2. SUBLIMIERUNG VON AGGRESSIONSTRIEBEN: Untersuchung der Mechanismen wie Kulturideale und Identifizierung, durch die der Mensch seine Aggressionen reguliert oder auf Ersatzobjekte lenkt.

3. KRIEG ALS KONSEQUENZ DER MENSCHLICHEN TRIEBNATUR: Analyse der These, dass der Aggressionstrieb zwangsläufig zu Feindseligkeiten führt, wenn er nicht nach innen gerichtet Selbstzerstörung provoziert.

4. KRITIK AN FREUDS TRIEBTHEORIE: Darstellung der Gegenargumente durch Historiker und Psychologen, die den Fokus auf externe Faktoren und soziologische Aspekte statt rein innerer Triebe legen.

5. ZUSAMMENFASSUNG: Reflexion über die Aktualität der Theorie und die Schlussfolgerung, dass Vernunft die einzige Chance gegen die destruktive Triebkraft ist.

6. BIBLIOGRAPHIE: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Sigmund Freud, Kulturtheorie, Triebtheorie, Lebenstrieb, Todestrieb, Aggressionstrieb, Sublimierung, Identifizierung, Kulturideal, Krieg, Weltfrieden, Narzissmus, Psychoanalyse, Zivilisation, Triebverzicht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die philosophische und psychoanalytische Auseinandersetzung mit der Frage, ob menschliche Aggression eine dauerhafte Friedenslösung unmöglich macht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Freud’sche Triebtheorie, die Bedeutung von Kulturidealen, der Mechanismus der Identifizierung und die soziologische Kritik an Freuds Ansätzen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, warum Kriege laut Freud ein Bestandteil der Kultur sind und ob Weltfrieden in diesem theoretischen Rahmen überhaupt realisierbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Herangehensweise durch die Analyse primär- und sekundärliterarischer Quellen zur Psychoanalyse und Sozialphilosophie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Sublimierungsprozessen, die Ursachen von Krieg in der Triebnatur und eine kritische Gegenüberstellung mit aktuelleren wissenschaftlichen Ansätzen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Aggressionstrieb, Kulturprozess, Identifizierung, Todestrieb und der Begriff der Illusion bei Freud.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Völkerbundes im Kontext der Freud’schen Theorie?

Die Autorin stellt fest, dass Freuds Skepsis zutraf, da dem Völkerbund die notwendige Macht fehlte, um als „Diktatur der Vernunft“ einen dauerhaften Frieden zu erzwingen.

Welchen Einfluss haben moderne Experimente wie das Stanford-Prison-Experiment auf die Argumentation?

Sie dienen als Gegenpol zur rein triebtheoretischen Erklärung, indem sie aufzeigen, dass auch äußere Zwänge und situative Rollenbilder aggressives Verhalten massiv beeinflussen können.

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Details

Title
Ist Frieden wirklich eine Illusion?
Subtitle
Eine Auseinandersetzung mit der Kulturtheorie Sigmund Freuds
College
Dresden Technical University
Grade
1,3
Author
Johanna Sailer (Author)
Publication Year
2010
Pages
14
Catalog Number
V149081
ISBN (eBook)
9783640598366
ISBN (Book)
9783640598250
Language
German
Tags
Sigmund Freud Die Zukunft einer Illusion Warum Krieg? Das Unbehagen in der Kultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johanna Sailer (Author), 2010, Ist Frieden wirklich eine Illusion? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149081
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