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Raum schaffend (zusammen)

Idiorhythmische Heterotopien des realen Raumes als Ausdruck von Leben wollen (zusammen) in Laurent Chétouanes Tanzstück #4

Title: Raum schaffend (zusammen)

Seminar Paper , 2010 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Thomas Schaupp (Author)

Theater Studies, Dance
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Leben wollen (zusammen): Die Frage nach der eigenen Gegenwärtigkeit und Zugehörigkeit in eine Gemeinschaft, in einer Zeit, in der Individualität ein unantastbares Gut für Jeden geworden ist, scheint aktueller denn je. Der französische Choreograph Laurent Chétouane widmet sich dieser Frage in seiner Produktion „Tanzstück #4: leben wollen (zusammen)“. Der Schwerpunkt dieser Aufführungsanalyse ist, festzustellen, wie sich der Aufführungsraum des Tanzstück #4 gestalten kann, indem verschiedene Individuen aufeinander treffen: Wie wirken sie mit ihren Aktionen auf seine Gestaltung ein und inwieweit ist dies wiederum Ausdruck von Gemeinschaft. Die Arbeit wendet sich dazu einführend der vom Autor vertretenen, dem Tanzstück #4 zu Grunde liegenden, Intention zu, wie sie empfunden wird und versucht damit, Chétouanes Bezug auf die Vorlesung von Roland Barthes, „Wie zusammen leben“, zu verdeutlichen. Insbesondere wird auf Barthes' Phantasma des idiorhythmischen Lebens verwiesen, aus dem ein eigenes Begriffsvokabular entwickelt wird, dass hilft, ein Verständnis für Individuum innerhalb einer Gemeinschaft zu erhalten. Folgen wird eine exemplarische Beschreibung der wahrgenommenen Darstellung von Idiorhythmie im Tanzstück #4.
Die Betrachtung konzentriert sich in der vorliegenden Arbeit auf die Gestaltung und Wahrnehmung von Raumöffnungen innerhalb eines realen Raumes. So versucht die Analyse schließlich die Frage zu beantworten, inwieweit diese individuell produzierten Öffnungen des realen Raumes, Ausdruck eines heterotop gestalteten Raum sein können, Raum von zusammen leben (wollen). Hierzu werden die verwendeten Termini jeweils erläutert.

Grundlage der Aufführungsanalyse bilden die Aufführungen des Tanzstückes #4 vom 13. und 14. November 2009 in den Sophiensaelen, Berlin.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Raum schaffend (zusammen)“

2.1. Eine Vermutung über die Intention des Tanzstück #4

2.2. Roland Barthes' Phantasma des idiorhythmischen Lebens

2.3. Das sichtbare und das unsichtbare: imaginierte Raumöffnungen im Tanzstück #4

2.4. Raum schaffend (zusammen): Heterotoper Raum von zusammen leben wollen, als Produkt idiomer Raumvorstellungen

3. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie der Aufführungsraum in Laurent Chétouanes „Tanzstück #4: leben wollen (zusammen)“ durch die Interaktion verschiedener Individuen gestaltet wird und inwiefern diese Raumgestaltung als Ausdruck von Gemeinschaft verstanden werden kann. Dabei wird analysiert, wie individuelle Imaginationen den realen Raum zu einem heterotopen Gemeinschaftsraum transformieren.

  • Aufführungsanalyse von Tanzstück #4
  • Theorie des idiorhythmischen Lebens nach Roland Barthes
  • Imagination und Raumöffnung als subjektive Prozesse
  • Heterotopien im Kontext der Gemeinschaftsbildung
  • Interaktion zwischen Akteuren und Betrachtern im Bühnenraum

Auszug aus dem Buch

2.2. Roland Barthes' Phantasma des idiorhythmischen Lebens

Roland Barthes Vorlesung „Comment vivre ensemble“ behandelte die Suche nach einer Gesellschafts- oder Gemeinschaftsform, in der ein Zusammenleben verschiedener Individuen ohne Verlust individueller Freiheiten möglich sei. In dem Zusammenhang beschrieb er sein Phantasma von einer idiorhythmischen Gruppe. Idiorhythmik setzt sich aus den griechischen Wörtern idíoma (Eigenart) und rhythmós (Regelmaß) zusammen und macht somit den widersprüchlichen Zusammenhang von Individuum im Sinne von Eigenart(-ig) und Gemeinschaft als Produkt des Rhythmus von mehreren Individuen deutlich. Laurent Chétouane beschrieb den Zusammenhang bildlich, indem er den Tänzer an sich mit Sternen am Himmel verglich: So könne jeder Stern individuell betrachtet, gleichsam aber in unterschiedlichen Figuration wie Sternbilder gesehen werden. Der einzelne Stern sei dabei nur innerhalb einer Konstellation interessant.

Es wird für diese Analyse das Idiom als Gestalt individuellem Eigenseins definiert, idiom als Eigen, im Sinne von seiner Eigen, und der Idiorhythmus als Regelmaß des Aufeinandertreffens mehrerer Idiome.

Eine vom Autor erinnerte Szene in Tanzstück #4 hilft, die Idiorhythmie an sich exemplarisch zu verdeutlichen: Eine Tänzerin und ein Tänzer beginnen in einen körperlichen Dialog zu treten, der ergänzt wird durch einen verbalen. Die Tänzerin vergewissert sich scheinbar durch Fragen und Gestiken, ob ihr der Tänzer zugeneigt ist und sie sich ihrer Zugehörigkeit zu ihm sicher sein kann: „do you still like me being with you?.., you still think my body is beautiful?“ u.a.. In den Bewegungen der beiden Tänzer bleibt ihr individueller Ausdruck immer präsent, während gleichzeitig das Gefühl einer Gemeinschaft aufkommt, die sich innerhalb ihrer Idee verändert. So konfrontieren sie den Betrachter mit der Idee eines Paares, in der gleichzeitig individuelle Vorstellungen und Wünsche, wie dieses Paar sein sich gestalten soll, deutlich werden durch den Konflikt, der verbal und gestikulierend beschrieben wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage nach der Gestaltung des Aufführungsraums durch Individuen und dessen Bedeutung als Ausdruck von Gemeinschaft unter Bezugnahme auf Roland Barthes.

2. „Raum schaffend (zusammen)“: Dieses Hauptkapitel analysiert die Intention des Choreographen, führt das Konzept der Idiorhythmie ein, untersucht die Rolle von Imagination und Raumöffnung und verknüpft diese mit dem Begriff der Heterotopie.

3. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zur Idiorhythmie und zur Raumgestaltung zusammen und betont die Spiegelung von Gemeinschaftsprozessen im Tanzstück.

Schlüsselwörter

Aufführungsanalyse, Laurent Chétouane, Idiorhythmie, Roland Barthes, Gemeinschaft, Raumöffnung, Imagination, Heterotopie, Tanzstück #4, Individuum, Bühnenraum, Raumgestaltung, leibliche Präsenz, Idiom, Sozialgefüge

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Aufführungsanalyse des „Tanzstück #4: leben wollen (zusammen)“ von Laurent Chétouane und der Frage, wie individuelle Handlungen und Vorstellungen den Aufführungsraum als Gemeinschaftsraum gestalten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Dynamik von Gemeinschaft, das Konzept des idiorhythmischen Lebens, die Wahrnehmung von Raumöffnungen durch Imagination sowie die theoretische Fundierung durch Roland Barthes.

Was ist das primäre Ziel der Analyse?

Ziel ist es, zu verstehen, inwieweit die individuell produzierten Öffnungen des realen Raums während der Aufführung als heterotop gestalteter Raum und somit als Ausdruck des „Zusammenlebens“ verstanden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch gerahmte Aufführungsanalyse, die phänomenologische Beobachtungen mit philosophischen Begriffen (vorwiegend von Roland Barthes und Michel Foucault) verbindet, um die raumgestaltenden Prozesse der Tänzer zu deuten.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der choreographischen Intention, die theoretische Herleitung des Begriffs der Idiorhythmie, die Analyse visueller und imaginierter Raumöffnungen sowie die Anwendung des Heterotopie-Begriffs auf den Theaterraum.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Idiorhythmie, Idiom, Raumöffnung, Imagination, Heterotopie, leibliche Präsenz und der Widerspruch zwischen individueller Freiheit und Gemeinschaft.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Gemeinschaft in dieser Arbeit von klassischen Ansätzen?

Die Arbeit betrachtet Gemeinschaft nicht als statisches Konstrukt, sondern als einen dynamischen, oft krisenhaften Prozess des Aushandelns, bei dem die Freiheit des Einzelnen (Idiom) und das gemeinsame Regelmaß (Idiorhythmus) ständig in Bezug zueinander treten.

Welche Rolle spielt die Projektion im Tanzstück #4 laut der Analyse?

Die Projektion dient als eigenständiges „Idiom“, das die Imagination des Zuschauers steuert und den realen Raum zu einem imaginierten, erweiterten Lebensraum öffnet, wodurch der Zuschauer selbst zum Gestalter des Aufführungsraums wird.

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Details

Title
Raum schaffend (zusammen)
Subtitle
Idiorhythmische Heterotopien des realen Raumes als Ausdruck von Leben wollen (zusammen) in Laurent Chétouanes Tanzstück #4
College
Free University of Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft)
Course
Einführung in die Aufführungsanalyse
Grade
1,3
Author
Thomas Schaupp (Author)
Publication Year
2010
Pages
15
Catalog Number
V149088
ISBN (eBook)
9783640595631
ISBN (Book)
9783640595365
Language
German
Tags
Raum Idiorhythmische Heterotopien Raumes Ausdruck Leben Laurent Chétouanes Tanzstück
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Schaupp (Author), 2010, Raum schaffend (zusammen), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149088
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