Bernhard Scholz leitet seinen Aufsatz zu den Themen und Fragestellungen der Emblemforschung mit der Frage ein, wie das Emblem in seiner Zeit eigentlich einzuordnen sei. Ausgangspunkt ist für ihn die Frage nach dem Textkorpus der Emblematik, die als produktivste Wort-Bild-Gattung vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gilt.
Inhaltsverzeichnis
Intertextualität und Systembeziehung
Text-Bild-Beziehung
Versuch einer Gattungscharakterisierung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Emblemforschung mit dem Ziel, das Emblem als literarische und künstlerische Gattung in der frühen Neuzeit systematisch zu verorten und dessen komplexe Interaktionsformen zwischen Text und Bild zu analysieren.
- Systematische Einordnung des Emblems in die zeitgenössische "semiotische Matrix".
- Analyse der Intertextualitäts- und Systembeziehungen innerhalb der Emblematik.
- Untersuchung der strukturellen Doppelfunktion von Bild und Text (Abbilden und Auslegen).
- Methodische Reflexion verschiedener Forschungsansätze zur Gattungscharakterisierung.
Auszug aus dem Buch
Intertextualität und Systembeziehung
Bernhard Scholz leitet seinen Aufsatz zu den Themen und Fragestellungen der Emblemforschung mit der Frage ein, wie das Emblem in seiner Zeit eigentlich einzuordnen sei. Ausgangspunkt ist für ihn die Frage nach dem Textkorpus der Emblematik, die als produktivste Wort-Bild-Gattung vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gilt. Zunächst erscheint logisch, dass zu dem Textkorpus die Embleme selbst gehören. Da besonders in diesen drei Jahrhunderten das Emblem zu einer regelrechten Modegattung wurde und dies durch die Vielzahl von Büchern, die diese enthielten, auch belegt werden kann, zählen auch die Emblembücher folgerichtig zum Textkorpus. Bereits bei dem eben dargestellten Teil des Korpus soll es sich laut Homann bei den Emblemen um eine „Zahl mit Abschreckungseffekt“ handeln. Dabei ist die weitere Wirkung des Emblems außerhalb des Korpus noch nicht beachtet worden. Als diese wird die Rolle des Emblems unter anderem beim Bedeutungsaufbau zahlreicher Werke der Literatur, Malerei, Skulptur und Baukunst genannt. Zählt man diese Wirkung des Emblems zum Textkorpus der Emblematik hinzu, kommt man auf eine Zahl, die durchaus als Argument dafür gesehen werden kann, dass es sich beim Emblem um eben die produktivste Wort-Bild-Gattung dieser Zeit handelte.
Zusammenfassung der Kapitel
Intertextualität und Systembeziehung: Dieses Kapitel erörtert die Einordnung des Emblems in die zeitgenössische Kultur durch die Begriffe Intertextualitäts- und Systembeziehung und hinterfragt die Definition des Emblems als Element einer "semiotischen Matrix".
Text-Bild-Beziehung: Hier wird das komplexe Spannungsfeld zwischen den drei Bestandteilen des Emblems (inscriptio, pictura, subscriptio) sowie die wissenschaftliche Debatte über das hierarchische Verhältnis von Wort und Bild analysiert.
Versuch einer Gattungscharakterisierung: Dieses Kapitel stellt drei zentrale Ansätze der Emblemforschung nach Peter M. Daly vor und diskutiert die Problematik einer eindeutigen gattungstheoretischen Bestimmung.
Schlüsselwörter
Emblematik, Emblemforschung, Semiotische Matrix, Text-Bild-Beziehung, Intertextualität, Systembeziehung, Pictura, Subscriptio, Inscriptio, Renaissance, Barock, Wort-Bild-Gattung, Emblemtheorie, Gattungscharakterisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen und methodischen Grundlagen der historischen Emblemforschung sowie der strukturellen Definition des Emblems als Gattung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die systemtheoretische Einordnung des Emblems, die Analyse der Intertextualität sowie die Untersuchung der funktionalen Beziehungen zwischen Bild und Text.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung der Wirksamkeit und der gattungsspezifischen Merkmale des Emblems innerhalb der Kultur der Renaissance und des Barock.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine diskursanalytische und literaturwissenschaftliche Vorgehensweise, die zentrale Thesen renommierter Emblemforscher wie Scholz, Schöne und Daly kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Konzepte wie die "semiotische Matrix", das Verhältnis von Bild und Text sowie verschiedene Ansätze zur Gattungscharakterisierung detailliert beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Emblematik, Intertextualität, Systembeziehung und die triadische Struktur aus inscriptio, pictura und subscriptio.
Was ist mit der „semiotischen Matrix“ gemeint?
Die „semiotische Matrix“ beschreibt nach Scholz das Gesamtsystem kultureller Zeichen, das durch verschiedene Teilsysteme wie Rhetorik, Geometrie oder Alchemie gebildet wird und in dem das Emblem eine spezifische Rolle einnimmt.
Warum ist die Bestimmung des Emblems als Gattung problematisch?
Laut Daly führt der Versuch einer Gattungscharakterisierung oft zu einem idealisierten Konstrukt, das entweder nicht alle historischen Varianten des Emblems abdeckt oder zu abstrakt bleibt.
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- Anica Petrovic-Wriedt (Author), 2008, Emblematik und Intertextualität. Die Beziehung zwischen Bild und Text, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149096