Der blaue Engel - Kamerahandlungen als Mittel im Film, die literarischen Möglichkeiten der Erzählinstanz zu kompensieren

Anhand einer Kurzanalyse des Tonfilms „Der Blaue Engel“ mit besonderer Berücksichtigung der Einstellungsgröße


Hausarbeit, 2009

11 Seiten, Note: unbenotet


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Vorstellung des Filmes „Der Blaue Engel“
2.1 Inhalt

3 Analyse der ausgewählten Episode

4 Didaktische Reflexion

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

In dem Teil der Literaturwissenschaft, der sich mit der Interpretation literarischer Texte auseinandersetzt, wird immer auch die Erzählinstanz des Textes berücksichtigt. Diese gilt in der Regel als zentrale Instanz bei der Interpretation und bestimmt auch zum Teil die Rezeption eines Werkes. „In der Filmwissenschaft besteht noch kein Konsens darüber, ob filmische Erzählungen durch eine Erzählinstanz vermittelt werden.“[1] Leubner und Saupe kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass der Ansicht zu Folgen sei, dass der Film über keine klare Erzählinstanz verfüge. In dieser Arbeit möchte ich zeigen, dass es keine Erzählinstanz i.S.d. literaturwissenschaftlichen Verständnisses gibt, dass es jedoch zumindest ein Element gibt, das ähnlich wie die Erzählinstanz für die Rezeption eines Filmes entscheidend ist. Damit meine ich die Kamera mit ihren Aufgaben, denn letztendlich entscheiden die „Kamerahandlungen“[2], was der Zuschauer, wie, in welcher Art und Weise zu sehen bekommt. Sie ist damit das zentrale Element in einem Film, das über die Handlungswidergabe entscheidet. Gefühle, die bei einem literaturwissenschaftlichen Text von einem Ich- oder einem Auktoriellen Erzähler übernommen werden, werden beim Film durch die „Kamerahandlungen“ gezeigt. Ebenso verweist die Kamera auf zentrale Handlungselemente, Figurenmerkmale oder Umgebungsbesonderheiten. Insbesondere die Kameraperspektive und die Einstellungsgrößen tragen dazu bei, den Film in seiner Handlungsabfolge, mit den intendierten Gefühlen und den spezifischen Figuren zu einem Publikumsereignis zu machen. Aus diesem Grund möchte ich zeigen, dass der Film keiner Erzählinstanz, ich möchte sagen i.e.S. (Literaturwissenschaft) bedarf, sondern mit einer technischen Erzählinstanz auskommt, die für mich die Kamera mit ihren Handlungen ist. Damit möchte ich nicht die Frage diskutieren, ob eine Erzählinstanz in Filmen in Form der Kamera angelegt ist, sondern lediglich zeigen, dass diese Instanz aufgrund der vielfältigen Kamerahandlungen entbehrlich ist.

In den Rahmenlehrplänen der Bundesländer lassen sich an den unterschiedlichsten Stellen Hinweise darauf finden, dass SchülerInnen mit den Medien und der Kommunikation in den Medien konfrontiert werden sollen. Da die Erzählinstanz in der Literaturwissenschaft zu dieser Kommunikation gehört, möchte ich zeigen, welche Perspektiven dem Schüler eröffnet werden, wenn er neben den literarischen Erzählinstanzen auch mit der filmischen „Erzählinstanz“ (in meinem Fall der Kamera) konfrontiert wird. Insbesondere die Gegenüberstellung von literarischem Erzählen und der bildlichen Darstellung in Filmen durch die Kamera, erlauben dem Schüler eine neue Perspektive im Hinblick auf unterschiedlichen Formen des Erzählens einzunehmen.

Die Problemstellung möchte ich im Folgenden exemplarisch anhand der Einstellungsgrößen an einer kurzen Szene aus dem Tonfilm „Der Blaue Engel“ zeigen. Dabei werde ich auch darauf eingehen, dass die Beschäftigung mit den Einstellungsgrößen nicht nur für das Bewusstsein für die erzählende Instanz interessant ist, sondern, dass sich aus der Arbeit mit diesem Film weitaus mehr, u.a. fächerübergreifende Projekte entwickeln lassen.

2 Vorstellung des Filmes „Der Blaue Engel“

Der deutsche Spielfilm „Der blaue Engel“ entstand 1929–30 unter der Regie von Josef von Sternberg in den UFA-Studios. Die Vorlage für den Film lieferte der 1905 erschienene Roman „Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen“ von Heinrich Mann. Auf der Grundlage dieses Romans schrieben u.a. Karl Gustav Vollmoeller und Carl Zuckmayer das Drehbuch für den Film, der am 1.4.1930 im Gloria-Palast uraufgeführt wird. Der Film zählt trotz der Abweichungen von der Originalvorlage zu den bedeutendsten Filmen der Weimarer Zeit. Insbesondere Darsteller wie Emil Jannings und Marlene Dietrich und die berühmte Filmmusik Friedrich Hollaenders, sowie die überzeugende, in sich geschlossene Handlung trugen zur schnellen Verbreitung des Filmes bei.

2.1 Inhalt

Der 57-jährige Gymnasialprofessor Immanuel Rath unterrichtet in einer deutschen Kleinstadt. Aufgrund seiner äußeren Erscheinung und seiner Art wird er sowohl von den Schülern als auch von den Bürgern der Stadt nur „Professor Unrat“ genannt.

Den Handlungsschwerpunkt bildet Unrats Entdeckung einer Karte von einer Sängerin, die ein Schüler bei sich trägt. Der Professor vermutet einen unzüchtigen Hintergrund und macht sich auf den Weg in das Hafen-Variété „Der blaue Engel“, wo die Sängerin „Lola Lola“ zu finden ist. Unrat trifft die Sängerin an, als diese sich umzieht. Er wirft ihr vor, seine Schüler zu verführen, merkt jedoch gleichzeitig, dass er die Augen nicht von ihr wenden kann. Wieder zu Hause angekommen, findet er Wäsche von ihr. Dieser Fund veranlasst ihn, die Sängerin erneut aufzusuchen. Bei diesem Besuch verbringt er eine Nacht mit ihr und verfällt ihr schließlich, verliert seinen Job und beschließt, sie zu heiraten. Lola ist von der Heirat nicht abgeneigt, was vom Vermögen des Professors abzuhängen scheint, denn als dieses aufgebraucht ist, erfährt die Beziehung eine Krise. Bei einem Auftritt der Truppe der Sängerin, bei der auch Unrat auftritt, wird er Zeuge, wie seine Frau mit einem Artisten anbändelt. Wutentbrannt versucht er Lola zu erwürgen, wird jedoch daran gehindert und von dem Artisten in eine Zwangsjacke gesteckt. Als er freikommt sucht er sein ehemaliges Klassenzimmer auf, wo er schließlich festgekrallt am Katheder den Tod findet.

[...]


[1] Leubner/ Saupe, S. 209.

[2] Ebd., S. 181.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der blaue Engel - Kamerahandlungen als Mittel im Film, die literarischen Möglichkeiten der Erzählinstanz zu kompensieren
Untertitel
Anhand einer Kurzanalyse des Tonfilms „Der Blaue Engel“ mit besonderer Berücksichtigung der Einstellungsgröße
Hochschule
Universität Potsdam  (Germanistik)
Veranstaltung
Seminar
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V149105
ISBN (eBook)
9783640598373
ISBN (Buch)
9783640598281
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tonfilm, Blau, Engel, Jannings, Leubner, Saupe, Kamera, Unrat, Marlene Dietrich, Zuckmayer, Rath, Lola, Mann, Heinrich, Wahrnehmung, Blickwinkel, Geschichtsunterricht
Arbeit zitieren
Anica Petrovic-Wriedt (Autor:in), 2009, Der blaue Engel - Kamerahandlungen als Mittel im Film, die literarischen Möglichkeiten der Erzählinstanz zu kompensieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149105

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