In dem Teil der Literaturwissenschaft, der sich mit der Interpretation literarischer Texte auseinandersetzt, wird immer auch die Erzählinstanz des Textes berücksichtigt. Diese gilt in der Regel als zentrale Instanz bei der Interpretation und bestimmt auch zum Teil die Rezeption eines Werkes. „In der Filmwissenschaft besteht noch kein Konsens darüber, ob filmische Erzählungen durch eine Erzählinstanz vermittelt werden.“
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Vorstellung des Filmes „Der Blaue Engel“
2.1 Inhalt
3 Analyse der ausgewählten Episode
4 Didaktische Reflexion
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die filmische Kameraarbeit und spezifisch die Wahl der Einstellungsgrößen eine klassische literarische Erzählinstanz ersetzen oder kompensieren können. Anhand einer Sequenz aus dem Film „Der Blaue Engel“ wird aufgezeigt, wie durch visuelle Gestaltung Spannung, Charakterzeichnung und Machtverhältnisse transportiert werden, ohne auf eine auktoriale Erzählerstimme angewiesen zu sein.
- Kompensation literarischer Erzählinstanzen durch filmische Mittel
- Die Funktion von Kamerahandlungen und Einstellungsgrößen
- Filmanalyse am Beispiel von „Der Blaue Engel“
- Didaktische Möglichkeiten des Medieneinsatzes im Unterricht
- Vergleich von Literatur und Film im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3 Analyse der ausgewählten Episode
Für die Analyse habe ich eine Szene aus dem Film gewählt, die eine Unterrichtssequenz zeigt. In dieser Unterrichtsstunde ist der Professor noch Herr über seine Sinne. Er weiß nichts von Lola. Kennzeichnend für diese Szene ist das Lehrerbild, das sich dem Zuschauer bietet. In der Szene „herrscht“ der Lehrer über seine Schüler.
Es handelt sich um den Englischunterricht. Das Thema ist Shakespeares „Hamlet“. Ein Schüler wird aufgefordert, Hamlets Satz: „To be or not to be – that is the question” aufzusagen. Unrat stößt sich an der Aussprache des Schülers und fordert diesen auf den Artikel „the“ immer wieder zu wiederholen. Dabei wird insbesondere deutlich, dass auch der Lehrer der englischen Aussprache keineswegs gerecht wird, diese von den Schülern jedoch nicht in Frage gestellt wird. Dass dies keineswegs eine Hypothese ist, zeigt folgender Screenshot, der die Unzulänglichkeiten des Professors deutlich macht. Unrat ist jedoch ein autoritärer Lehrer und lässt sich durch die Reaktion des Schülers nicht beirren, sondern fährt fort, die Aussprache des Schülers zu korrigieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Der einleitende Abschnitt hinterfragt die Notwendigkeit einer klassischen Erzählinstanz im Film und schlägt die Kamera mit ihren Handlungen als technisches Äquivalent vor.
2 Vorstellung des Filmes „Der Blaue Engel“: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehungsgeschichte, die literarische Vorlage von Heinrich Mann sowie die wichtigsten Akteure des Films.
2.1 Inhalt: Eine kurze Zusammenfassung der Filmhandlung, die den Aufstieg und Fall des Professors Immanuel Rath beschreibt.
3 Analyse der ausgewählten Episode: Eine detaillierte Untersuchung einer Unterrichtsszene, bei der Einstellungsgrößen und Kameraperspektiven genutzt werden, um die Machtdynamik zwischen Lehrer und Schülern darzustellen.
4 Didaktische Reflexion: Dieser Teil erörtert die Möglichkeiten, den Film und die Analyse der Erzählweise produktiv im Unterricht der Sekundarstufe II einzusetzen.
5 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Kameraführung maßgeblich zur Beeinflussung der Zuschauer beiträgt und ein wertvolles Werkzeug für die Medienkompetenz im Unterricht darstellt.
Schlüsselwörter
Erzählinstanz, Filmanalyse, Der Blaue Engel, Kamerahandlungen, Einstellungsgröße, Literaturwissenschaft, Didaktik, Filmdidaktik, Sekundarstufe II, Medienkompetenz, Immanuel Rath, Kameraperspektive, Literaturunterricht, Filmgeschichte, Unterrichtssequenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische Annahme, ob Film eine Erzählinstanz benötigt oder ob filmische Mittel wie die Kamera diese Funktion übernehmen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Filmanalyse, das Verhältnis von Literatur zu Film sowie die didaktische Aufbereitung dieser Themen für den Deutschunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Kamera durch ihre technischen Handlungen als „Erzählinstanz“ fungiert und somit literarische Erzählmechanismen überflüssig macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine exemplarische Filmanalyse einer spezifischen Szene, unterstützt durch theoretische Bezugnahmen auf medienwissenschaftliche Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkret die Einstellungsgrößen und Kameraperspektiven einer Unterrichtsszene aus dem Film „Der Blaue Engel“ und diskutiert deren Wirkung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Filmdidaktik, Erzählinstanz, Einstellungsgrößen, Kamerahandlungen und die mediale Vermittlung von Inhalten.
Warum wurde ausgerechnet der Film „Der Blaue Engel“ gewählt?
Der Film eignet sich aufgrund seiner prägnanten Charakterzeichnung und der für den Zuschauer leicht nachvollziehbaren Kameraführung hervorragend für eine medienanalytische Untersuchung.
Welche didaktischen Schlüsse zieht die Autorin?
Die Autorin plädiert dafür, Filme im Unterricht nicht nur als reine Unterhaltung zu sehen, sondern durch Analyse der Erzählweise die kritische Medienkompetenz der Schüler zu stärken.
- Quote paper
- Anica Petrovic-Wriedt (Author), 2009, Der blaue Engel - Kamerahandlungen als Mittel im Film, die literarischen Möglichkeiten der Erzählinstanz zu kompensieren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149105