In der Literatur existiert eine Vielzahl umfangreicher und weniger umfangreicher Definitionen zum Begriff „Arier“. Eine relativ umfangreiche Definition, die Aspekte verschiedener anderer Definitionen mit einschließt, ...
Inhaltsverzeichnis
1. Bedeutung und Gebrauchsgeschichte des Begriffs „arisch/Arier“
1.1 Herkunft und ursprüngliche Bedeutung des Begriffes
1.2 Rassentheorien des 19. Jahrhunderts
1.3 Gebrauch des Begriffes im Dritten Reich
2. Zur Stellung des Begriffspaares „Arier/arisch“ in der LTI
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die pseudowissenschaftliche Umdeutung und den Gebrauch des Begriffs „arisch/Arier“ im Kontext des Nationalsozialismus sowie dessen kritische Auseinandersetzung in Viktor Klemperers LTI (Lingua Tertii Imperii).
- Etymologische Herkunft und ursprüngliche Verwendung des Begriffs Arier
- Entstehung rassistischer Theorien im 19. Jahrhundert
- Instrumentalisierung des Begriffs im Dritten Reich als Ideologiewort
- Analyse der kritischen und teils unbewussten Sprachnutzung bei Viktor Klemperer
- Die Macht der Sprache als Mittel der gesellschaftlichen Ausgrenzung
Auszug aus dem Buch
1.1 Herkunft und ursprüngliche Bedeutung des Begriffes
In der Literatur existiert eine Vielzahl umfangreicher und weniger umfangreicher Definitionen zum Begriff „Arier“. Eine relativ umfangreiche Definition, die Aspekte verschiedener anderer Definitionen mit einschließt, findet sich im Meyers Lexikon online, weshalb diese Definition Ausgangspunkt der Arbeit sein soll:
Ari|er [altindisch arya »der Edle«], die Völker, die eine der arischen Sprachen (indogermanische Sprachfamilie) sprechen. Arier nannten sich ursprünglich indogermanische Adelsgruppen in Vorderasien und Indien. Von der europäischen Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts wurden die zunächst rein sprachwissenschaftlichen Begriffe »Arier« und »arisch« zeitweise den Begriffen »Indogermanen, indogermanisch« gleichgesetzt; in Anthropologie und Rassenkunde nahmen sie allmählich die Bedeutung »Angehörige der nordischen Rasse«, schließlich im Nationalsozialismus in willkürlicher und falscher Einengung die Bedeutung »Nichtjuden« an.
Im folgenden Kapitel soll auf diese Definition näher eingegangen werden und es sollen einige historische und z.T. auch politische Zusammenhänge, die sich aus dem Begriff ergeben, aufgezeigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bedeutung und Gebrauchsgeschichte des Begriffs „arisch/Arier“: Dieses Kapitel erläutert die etymologischen Wurzeln des Begriffs sowie dessen Transformation durch die Rassentheorien des 19. Jahrhunderts und den Gebrauch durch das NS-Regime.
1.1 Herkunft und ursprüngliche Bedeutung des Begriffes: Es wird die historische Wanderung prähistorischer Nomaden und die ursprüngliche philologische Verwendung der Selbstbezeichnung als Edle oder Adlige beschrieben.
1.2 Rassentheorien des 19. Jahrhunderts: Dieser Abschnitt behandelt die pseudowissenschaftliche Vergröberung des Begriffs durch Denker wie Gobineau und Chamberlain, die den Grundstein für die völkische Ideologie legten.
1.3 Gebrauch des Begriffes im Dritten Reich: Hier wird analysiert, wie der Begriff zum zentralen Ideologiewort zur Abgrenzung und Verfolgung jüdischer Mitbürger in Gesetzestexten und Alltagssprache instrumentalisiert wurde.
2. Zur Stellung des Begriffspaares „arisch/Arier“ in der LTI: Dieses Kapitel untersucht Klemperers Reflexion über die eigene und gesellschaftliche Sprachnutzung sowie die Unausweichlichkeit der LTI im Alltag.
Schlüsselwörter
Arier, arisch, LTI, Nationalsozialismus, Rassentheorie, Viktor Klemperer, Ideologie, Sprachgeschichte, Antisemitismus, Philologie, Diskurs, Rassenkunde, Sozialdarwinismus, Identität, Sprache des Dritten Reiches
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachliche und ideologische Entwicklung des Begriffs „Arier“ von seinen Ursprüngen bis hin zu seiner Verwendung als exkludierendes Instrument im Nationalsozialismus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Etymologie, die pseudowissenschaftliche Konstruktion einer „arischen Rasse“ im 19. Jahrhundert sowie die linguistische Analyse bei Viktor Klemperer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie ein Begriff durch ideologische Vereinnahmung seine ursprüngliche Bedeutung verliert und stattdessen zur Diskriminierung ganzer Bevölkerungsgruppen instrumentalisiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und sprachwissenschaftliche Analyse auf Basis historischer Quellen und der Tagebücher sowie der LTI von Viktor Klemperer durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Begriffsgeschichte und eine detaillierte Analyse spezifischer Zitate Klemperers, die dessen kritische wie unbewusste Auseinandersetzung mit der NS-Sprache beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Arier, LTI, Rassentheorie, Nationalsozialismus, Ideologie und Diskurs.
Wie bewertet der Autor Klemperers eigenen Sprachgebrauch?
Der Autor zeigt auf, dass Klemperer zwar ein scharfsinniger Analyst der NS-Sprache war, sich aber dennoch der schleichenden Wirkung der „Judensondersprache“ und der LTI im Alltag kaum vollständig entziehen konnte.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „arisch“ und „nichtarisch“ für die Arbeit so wichtig?
Diese Dichotomie wird als zentrales Machtinstrument identifiziert, das im Dritten Reich nicht nur die Sprache, sondern die gesamte Lebenswirklichkeit und den sozialen Status der betroffenen Menschen bestimmte.
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- Anica Petrovic-Wriedt (Author), 2009, Zur Bedeutungs- und Gebrauchsgeschichte des Begriffs „Arier/arisch“ und zur Stellung des Begriffspaares „Arier/arisch“ in der LTI, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149109