„Zum erstenmal setzt Preußen seinen Fuß tief in den Süden Deutschlands, um hier, so Gott will, preußischen Geist und preußische Sitte auf Dauer heimisch zu machen.“ Mit diesen Worten beschrieb der für den Übergang Hohenzollerns an Preußen eingesetzte Regierungskommissar Freiherr Adolf von Spiegel-Borlingshausen 1851 seine Absichten zur Integration des kleinen Landes. 1850 waren die beiden Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen zugunsten des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. abgedankt und hatten diesem ein rückständiges, verarmtes und hoch verschuldetes Gebiet hinterlassen, welches nun in den preußischen Gesamtstaat integriert werden musste. Als Vorbild diente dabei die erfolgreiche Eingliederung des Fürstentums Ansbach-Bayreuth, das unter ähnlichen Umständen an Preußen gelangt war und vergleichbare Strukturen aufwies. Hohenzollern erhielt jedoch eine Sonderstellung im preußischen Staat, was auch für die Wirtschaft galt. An diesem Punkt setzt die Hausarbeit an. Welche Maßnahmen wurden von Preußen ergriffen um Hohenzollern wieder auf Kurs zu bringen? Dabei sollen der eigentliche Übergang und die Verwaltungsreform nur kurz behandelt werden und vielmehr die preußischen Bemühungen zugunsten der Wirtschaft bis zum Ende des Ersten Weltkriegs dargestellt werden. Lohnenswerte Quelle ist dafür der Bericht des Fabrikanten Reichenheim von 1854, der einen guten Einblick in den damaligen Stand der Entwicklung in Hohenzollern liefert. Reichenheims Vorschlägen zur Verbesserung folgen anschließend die direkten und indirekten Maßnahmen der preußischen Regierung. Abschließend wird auf die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung im Betrachtungszeitraum und die Mitwirkung Preußens daran einzugehen sein.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Eingliederung Hohenzollerns und die Analyse der Wirtschaft
2. Direkte staatliche Förderungsmaßnahmen
3. Indirekte Förderung – Der Ausbau der Infrastruktur
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der preußischen Regierung in Hohenzollern nach der Übernahme des Gebiets im Jahr 1850 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Dabei wird analysiert, wie Preußen versuchte, das wirtschaftlich rückständige Gebiet zu integrieren und durch direkte sowie indirekte Förderungsmaßnahmen zu modernisieren, und warum diese Bemühungen im Vergleich zum Integrationsvorbild Ansbach-Bayreuth als weitgehend gescheitert betrachtet werden können.
- Integration und Verwaltungsreform nach dem Übergang 1850
- Analyse des Berichts von Leonor Reichenheim zur gewerblichen Situation
- Direkte staatliche Förderungsmaßnahmen für Gewerbe und Industrie
- Bedeutung der Infrastrukturentwicklung, insbesondere des Eisenbahnbaus
- Die anhaltende Dominanz der Landwirtschaft und strukturelle Hindernisse
Auszug aus dem Buch
Die Eingliederung Hohenzollerns und die Analyse der Wirtschaft
Die Übernahme der ehemaligen Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen war für Preußen keineswegs eine flächenmäßig oder gar finanziell bedeutsame Erwerbung. Beide Territorien waren zusammen nur ca. 25 Quadratmeilen groß und hatten etwa 65.000 Einwohner. Dem gegenüber standen Landesschulden in Höhe von 450.000 Gulden. Trotz weiterer ungünstiger Voraussetzungen wie Rohstoffmangel und einer ungünstigen geographischen Lage war die preußische Regierung der Annahme, dass Zuschüsse nur in den ersten Jahren notwendig seien und das Gebiet später Gewinne erwirtschaften würde, wie dies etwa auch im fränkischen Fürstentum Ansbach-Bayreuth 1792 der Fall gewesen war.
Doch im Gegensatz zum dort teilweise rücksichtslos agierenden Hardenberg, sollte die Integration Hohenzollerns in den preußischen Gesamtstaat liberaler durchgeführt werden. So plädierte der bereits genannte Regierungskommissar Spiegel darauf, „überall eine mögliche Schonung der bestehenden Verhältnisse walten zu lassen, ohne andererseits die allmähliche Überleitung in das preußische Wesen zu vernachlässigen.“
Nur die Verwaltungsspitze der neuen „Hohenzollernschen Lande“ sollte staatseinheitlich aufgebaut sein, darunter jedoch die Vielfalt früherer Formen und Einheiten erhalten bleiben. Diese Konzeption wurde auf manchen Gebieten sehr lange beibehalten. So galten etwa die verschiedenen Gemeindeordnungen aus fürstlicher Zeit bis zur Einführung eines landeseinheitlichen Gemeinderechts 1901 weiter. Aus Spiegels Idee entwickelte sich die einzigartige Stellung Hohenzollerns innerhalb des preußischen Staates. Obwohl politisch und wirtschaftlich unbedeutend, genoss der neue Regierungsbezirk Sigmaringen eine provinzähnliche Stellung, da er in fast allen Angelegenheiten den preußischen Ministerien in Berlin direkt unterstellt war. Spiegels Nachfolger, Regierungspräsident von Sydow, setzte dagegen ab 1853 auf stärkere Integration und trieb die Vereinheitlichung der Verwaltung auch auf den unteren Ebenen voran.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, der historischen Rahmenbedingungen des Übergangs Hohenzollerns an Preußen 1850 sowie der methodischen Herangehensweise unter Einbeziehung des Berichts von Reichenheim.
1. Die Eingliederung Hohenzollerns und die Analyse der Wirtschaft: Darstellung der Ausgangslage nach der Übernahme, der wirtschaftlichen Probleme und der ersten preußischen Analysebemühungen durch Experten wie Leonor Reichenheim.
2. Direkte staatliche Förderungsmaßnahmen: Beschreibung spezifischer Versuche der preußischen Regierung zur direkten Industrieansiedlung, Unterstützung bestehender Betriebe sowie die Suche nach Bodenschätzen und der Betrieb der Saline Stetten.
3. Indirekte Förderung – Der Ausbau der Infrastruktur: Analyse der Maßnahmen zur Behebung des Kapitalmangels, des Aufbaus von Bildungseinrichtungen, der Gründung des Landeskommunalverbandes und der entscheidenden Entwicklung des Eisenbahnnetzes.
Schluss: Fazit über das begrenzte Gelingen der preußischen Wirtschaftspolitik, die Fortdauer agrarischer Strukturen und das Scheitern der vollständigen wirtschaftlichen Integration bis zum Vorabend des Ersten Weltkriegs.
Schlüsselwörter
Hohenzollern, Preußen, Integration, Wirtschaftsförderung, Industrialisierung, Leonor Reichenheim, Landeskommunalverband, Infrastruktur, Eisenbahnbau, Landwirtschaft, Agrarland, Gewerbe, Verwaltungsreform, Kapitalmangel, Stetten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den wirtschaftspolitischen Bemühungen des preußischen Staates, das 1850 übernommene Gebiet Hohenzollern wirtschaftlich zu integrieren und zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Verwaltungsgeschichte, die industrielle Entwicklung, die Rolle staatlicher Förderungsmaßnahmen, der Infrastrukturausbau sowie die strukturellen Beharrungskräfte der Landwirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es darzustellen, welche Maßnahmen Preußen ergriff, um das strukturschwache Gebiet Hohenzollern auf einen wirtschaftlichen Wachstumskurs zu bringen, und warum diese Bemühungen nur begrenzte Erfolge zeigten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse, wobei insbesondere der Bericht des Fabrikanten Leonor Reichenheim von 1854 als zentrales Dokument zur Einschätzung der damaligen gewerblichen Verhältnisse dient.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die direkten Förderungsmaßnahmen (Industrieansiedlung, Suche nach Bodenschätzen) und die indirekten Maßnahmen (Bankenwesen, Bildung, Infrastruktur und Eisenbahn) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hohenzollern-Integration, preußische Wirtschaftspolitik, Industrialisierungsdefizit, Eisenbahninfrastruktur und agrarische Wirtschaftsstruktur charakterisiert.
Warum wird das Fürstentum Ansbach-Bayreuth als Vergleichsfolie herangezogen?
Ansbach-Bayreuth dient als historisches Integrationsvorbild, das unter ähnlichen Bedingungen an Preußen gelangte, jedoch im Gegensatz zu Hohenzollern in kurzer Zeit wirtschaftlich erfolgreich in den preußischen Staat integriert werden konnte.
Welche Rolle spielte der Landeskommunalverband für die wirtschaftliche Entwicklung?
Der Landeskommunalverband spielte ab 1873 eine zentrale Rolle bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen, der Wirtschaftspflege und der eigenverantwortlichen Verteilung staatlicher Dotationen an Gewerbe und Landwirtschaft.
Wieso hatte der Eisenbahnbau nur einen begrenzten Effekt auf die Industrialisierung?
Der Eisenbahnbau erfolgte in Hohenzollern vergleichsweise spät und diente primär der Verkehrsverbesserung; zur Zeit seiner flächendeckenden Fertigstellung stand bereits der Beginn des Kraftfahrzeug-Zeitalters bevor, weshalb der erhoffte große industriellen Entwicklungsschub ausblieb.
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- Simon Gonser (Author), 2003, Preußen in Hohenzollern - Wirtschaftliche Maßnahmen nach dem Übergang der Fürstentümer an Preußen 1850, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149126