Die Natur des sprachlichen Zeichens bei Ferdinand de Sausurre und Jacques Derrida


Seminararbeit, 2007

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Strukturalismus

3 Wer war de Saussure? Eine Kurzbiographie

4 Die Natur des sprachlichen Zeichens bei de Saussure
4.1 Der sprachliche Wert

5 Sprache und Schrift

6 Der Dekonstruktivismus/ Die Dekonstruktion

7 Wer war Jacques Derrida?

8. Die Natur des sprachlichen Zeichens bei Derrida
8.1 Die Metaphysik der Präsenz

10 Bedeutung bei Derrida

11 Derrida in der Schule? Möglichkeit oder Unmöglichkeit?

12 Schlussbemerkung

1 Einleitung

In der folgenden Arbeit werde ich mich mit den unterschiedlichen Vorstellungen von der Art und Beschaffenheit des Zeichens, sowie der Entstehung bzw. Nichtentstehung von Bedeutung bei de Saussure und Derrida beschäftigen. Hierzu werde ich zunächst auf den Strukturalismus und seine Grundzüge eingehen um nach einer kurzen Biografie de Saussures auf sein Zeichenmodell zu sprechen zu kommen. Hierbei werde ich auch auf das Begriffspaar Langue und Parole eingehen, sowie auf seine Ausführungen zum sprachlichen Wert und zum Wert der Schrift. Im Anschluss soll der Dekonstruktivismus vorgestellt werden, um darauf aufbauend auf Derridas Ansichten zur Art und Beschaffenheit des Zeichens sowie der Entstehung von Bedeutung und Sinn einzugehen. Hierbei werde ich mich mit Derridas Kritik an der Metaphysik der Präsenz beschäftigen, um daraufhin den von ihm erschaffenen Begriff der „différance“ genauer zu erläutern Im Anschluss soll die Kritik Derridas an de Saussures Ausführungen von besonderer Bedeutung sein, aber auch die Parallelen zwischen den Ansichten de Saussures und Derridas sollen aufgezeigt werden. Zum Abschluss möchte ich mich der Frage widmen, was Bedeutung bei Derrida eigentlich darstellt bzw. ob es sie überhaupt geben kann. Ich möchte gern auf die Relevanz der Betrachtungsweise Derridas für den Unterricht und die Konstruktion von Bedeutung eingehen .Hierbei soll die Frage geklärt werden, ob und inwieweit sich Derridas Auffassung im Unterricht umsetzen lässt. Meine Schlussbemerkungen beziehen sich auf die Arbeit mit den Texten Derridas, auf die Problematiken, aber auch positiven Einsichten, die sich daraus gewinnen lassen.

2 Der Strukturalismus

Wie soll man den Strukturalismus bezeichnen? Ist es eine Methode oder eher eine Bewegung, eine Schule? Nach de Saussures Verständnis ist es eher als eine methodische Vorgehensweise zu verstehen.

„ Saussures Intention war darauf ausgerichtet, mit Hilfe der strukturalistischen Methode eine der Wirklichkeit angemessene wissenschaftliche Verfahrensweise zu etablieren“, ( Prechtl, Peter: Saussure zur Einführung, Junius Verlag GmbH, Hamburg, 1994, S.8 ).

Diese Vorgehensweise wurde in viele weitere Wissenschaften übernommen. Das Erscheinen von de Saussures Werk „ Course de linguistique générale“ geht einher mit dem Beginn der Entwicklung einer neuen Verfahrensweise, eines neuen Ansatzes zur Analyse der Sprache aber auch vieler anderer Gebiete der Wissenschaft. Bei der strukturalistischen Tätigkeit werden Operationen des Zerlegens durchgeführt, um die verschiedenen Einzelteile später wieder neu zusammenzusetzen, zu arrangieren. Vor de Saussure lag das Hauptaugenmerk der Sprachforscher auf der Frage nach der historischen Abstammung und den Verwandtschaftsverhältnissen zwischen Sprachen. Die Wissenschaft der Sprache basierte einzig und allein auf nachprüfbaren Fakten und Tatsachen. Die Frage danach, was die Sprache als Ganzes auszeichnet, wurde nicht beantwortet.

„ Dank ihren Leistungen sah man nicht mehr in der Sprache einen Organismus, der sich durch sich selbst entwickelt, sondern ein Erzeugnis des Gesamtgeistes der Sprachgruppen“,

( F. de Saussure, Hrsg. C. Bally und A. Sechehaye: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, Walter de Gruyter & CO., Berlin und Leipzig, 1931, S. 6 ).

Er kritisiert die Vorgehensweise der Junggrammatiker und entwickelt eine neue, die strukturalistische Vorgehensweise, bzw. das, was später die Basis für diese Methode darstellt. Besonders im Vordergrund stehen bei de Saussure zwei Begriffe, die innere Form der Sprache und der Strukturbegriff. Dadurch, dass de Saussure die Erforschung des Systems Sprache als Ganzes, seine Struktur und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Elementen zum Ganzen in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt, muss er sich von den Junggrammatikern abwenden, die weniger am inneren Aufbau und der Regulierung der Sprache interessiert sind. Sie betrachten die Elemente der Sprache als selbständige Substanzen und setzen sie nicht miteinander in Beziehung.

„Das Augenmerk liegt auf den Beziehungen zwischen den Elementen, eben nicht mehr auf der Betrachtung der Elemente als selbständige Substanzen“, ( P. Prechtl, Saussure zur Einführung, Junius Verlag, Hamburg, 1994, S.30 ).

Saussure wendet sich also von den Junggrammatikern ab und damit von der diachronischen Sprachbetrachtung hin zur Synchronischen. Er will die Veränderungen in der Sprache nicht durch die kausale Erklärung von Prozessen beschreiben sondern dadurch, wie in einem Sprachsystem zu einem beliebigen Zeitpunkt alle Formen und Bedeutungen zueinander in Beziehung stehen. Dadurch, dass alle Formen und Bedeutungen miteinander verknüpft sind, sind sie auch abhängig voneinander und können nicht unabhängig voneinander existieren. „ Das Zeichen kann keine aus sich heraus bedeutungstragende Form darstellen“, ( ebd., S.31 ).

Diese Ansicht legt die Grundlage für de Saussures Zeichenbegriff und seine Zeichentheorie, auf die ich im weiteren Verlauf noch ausführlich eingehen werde.

3 Wer war de Saussure? Eine Kurzbiographie

Ferdinand de Saussure wurde am 26. November 1857 in Genf geboren. Bereits mit 15 Jahren verfasste er seine erste schriftliche Abhandlung über ein allgemeines System der Sprache, die „Essay sur les langues“. De Saussure kam schon früh mit dem Thema Sprache in Kontakt, da der Sprachhistoriker Pictet in engem Kontakt zur Familie de Saussures stand und ihn somit schon früh für das Thema begeistern konnte. Später begann Saussure sein Studium in Genf, studierte jedoch zuerst Physik und Chemie bevor er sich entschloss zur Sprachwissenschaft zu wechseln. 1876 begann er sein Studium an der Universität Leipzig bei einem bekannten Junggrammatiker namens Brugmann. Während seines Studiums hielt sich de Saussure für einige Zeit in Berlin auf.

Es wird angenommen, dass sich dort eine Änderung seines Denkens vollzogen hat, da er später deutlich von den Ansichten der Junggrammatiker abgewichen ist, was sich an seinen Arbeiten belegen lässt. Seine erste sprachliche Abhandlung erschien 1878. Hierin beschäftigte er sich mit dem System der Vokale und ihrem Zusammenhang am Beispiel des indoeuropäischen a-Lautes. In dieser Arbeit wurden bereits Ansätze der strukturalistischen Methodik sichtbar. 1881 verabschiedete sich de Saussure aus Deutschland um sein Studium in Paris fortzusetzen, wo er als Dozent für Gotisch und Althochdeutsch lehrte. Später kehrte er als Dozent an die Genfer Universität zurück Nachdem eine Umstrukturierung der thematischen Inhalte seines Lehrstuhls vorgenommen worden war, entwickelte de Saussure nach und nach seine strukturalistische Sprachauffassung weiter und vermittelte sie in seinen Vorlesungen. 1916 publizierten zwei seiner Schüler sein bedeutendstes Werk, den „Cours de linguistique générale“, welches sich aus Mitschriften drei seiner Vorlesungskurse zusammensetzt. Thematisiert werden in diesem Werk die Lautwahrnehmung, Wortwurzeln, Suffixe, sowie die methodologisch bedeutsamen Begriffe der allgemeinen Sprachwissenschaft und auch seines Ansatzes System, Identität, Wert, Synchronie und Diachronie. Später veröffentlichte R. Engler eine verbesserte Ausgabe des „Course de linguiostique générale“, indem er sich an de Saussures handschriftlichen Notizen zu den Vorlesungen orientierte. De Saussure verstarb am 22 Februar 1913 im Schweizer Kanton Waadt.

4 Die Natur des sprachlichen Zeichens bei de Saussure

De Saussure ist der Ansicht, dass das sprachliche Zeichen aus zwei Bestandteilen hervorgeht, die beide psychisch sind und durch Assoziationen miteinander verknüpft werden, nämlich der Vorstellung und dem Lautbild . „ Das sprachliche Zeichen vereinigt sich nicht in einen Namen und eine Sache, sondern eine Vorstellung und ein Lautbild“ ( F. de Saussure, Hrsg. Bally, Charles/ Sechehaye, Albert: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, Walter De Gruyter & CO. Berlin und Leipzig, 1931, S.77 ). De Saussure behält den Ausdruck Zeichen bei, weil „ kein anderer sich dafür finden lässt“ (ebd., S. 79 ). Dies wird später ein wesentlicher Ansatzpunkt für die Kritik Derridas an de Saussures Ausführungen sein.

Das Lautbild assoziieren wir mit einer bestimmten Vorstellung. Alle Wörter der Sprache sind für uns Lautbilder . „ Man muss sich stets daran erinnern, dass es sich nur um das innere Bild der lautlichen Erscheinung handelt“ ( ebd., S.77) Somit ist das sprachliche Zeichen als abstrakt zu kennzeichnen.

De Saussure gibt dieser Verbindung der beiden Komponenten also der Vorstellung und des Lautbildes den Begriff Zeichen. Die beiden Bestandteile des Zeichens nennt er Bezeichnetes und Bezeichnendes ( Signifiant und signifié ). Signifikant und Signifikat sind gleich ursprünglich und verhalten sich wie Vorder- und Rückseite desselben Blattes.

Der erste Grundsatz den de Saussure dem Zeichen zumaß ist seine Beliebigkeit. Die Vorstellung ist nicht mit der Lautfolge verbunden, die einem bestimmten Begriff als Bezeichnung dient. Hierzu führt de Saussure verschiedene Sprachen an, indem ganz verschiedene Ausdrücke für ein und dieselbe Sache stehen. In einer Sprachgemeinschaft gibt es kollektive Regeln für Ausdrucksmittel, an die sich jeder Sprachteilnehmer hält. De Saussure nennt dies Konvention. Das sprachliche Zeichen ist somit also konventionell festgelegt. Der zweite Grundsatz, den de Saussure aufstellt, ist der des lineare Charakters des Zeichens. „ Das Bezeichnende, als etwas Hörbares, verläuft ausschließlich in der Zeit und hat Eigenschaften, die von der Zeit bestimmt sind“ ( ebd., S.82). Das was gesagt wird, wird hintereinander artikuliert und vernommen und bildet zeitlich gesehen also eine Kette von aufeinanderfolgenden Lautäußerungen, also akustischen Bezeichnungen. Die Wirkung der Zeit ist von besonderer Relevanz, wenn es um die Möglichkeit der Veränderung und Umgestaltung der Sprache geht.

Unveränderlichkeit und Veränderlichkeit des Zeichens:

de Saussure ist der Ansicht, dass es weder einer einzelnen Person noch einer Sprachgemeinschaft möglich ist, in das System der Zeichen einzugreifen und es zu verändern. Das System Sprache wurde in seiner jeweiligen Form und seinen jeweiligen Bezeichnungen von einer Generation in die nächste vererbt und übernommen. Deshalb sei der Ursprung der jeweiligen Sprachen nicht von Bedeutung sondern sein aktueller Gebrauch.

Der gegebene Zustand der Sprache ist immer das Erzeugnis historischer Faktoren, und diese Faktoren bieten die Erklärung, warum das Zeichen unveränderlich ist, d.h. jeder willkürlichen Ersetzung wiederstrebt“ ( ebd., S 84).

De Saussure führt noch weitere Gründe an, warum es nicht möglich ist das System der Sprache und seine Zeichen zu verändern. Hierzu nennt er z.B. die riesige Anzahl der sprachlichen Zeichen, die ein Sprachsystem ausmachen, sowie die große Komplexität des Systems Sprache. Als einen weiteren Punkt führt de Saussure an, dass jeder Sprachteilnehmer einer Sprachgemeinschaft zu jedem Zeitpunkt mit der Sprache zu tun hat und Einfluss auf sie hat, sodass eine völlige Umstrukturierung unmöglich wäre.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Natur des sprachlichen Zeichens bei Ferdinand de Sausurre und Jacques Derrida
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V149149
ISBN (eBook)
9783640598403
ISBN (Buch)
9783640598298
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Natur, Zeichens, Ferdinand, Sausurre, Jacques, Derrida
Arbeit zitieren
Christina Guggi (Autor), 2007, Die Natur des sprachlichen Zeichens bei Ferdinand de Sausurre und Jacques Derrida, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149149

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