In der folgenden Arbeit werde ich mich mit den unterschiedlichen Vorstellungen von der Art und Beschaffenheit des Zeichens, sowie der Entstehung bzw. Nichtentstehung von Bedeutung bei de Saussure und Derrida beschäftigen. Hierzu werde ich zunächst auf den Strukturalismus und seine Grundzüge eingehen um nach einer kurzen Biografie de Saussures auf sein Zeichenmodell zu sprechen zu kommen. Hierbei werde ich auch auf das Begriffspaar Langue und Parole eingehen, sowie auf seine Ausführungen zum sprachlichen Wert und zum Wert der Schrift. Im Anschluss soll der Dekonstruktivismus vorgestellt werden, um darauf aufbauend auf Derridas Ansichten zur Art und Beschaffenheit des Zeichens sowie der Entstehung von Bedeutung und Sinn einzugehen. Hierbei werde ich mich mit Derridas Kritik an der Metaphysik der Präsenz beschäftigen, um daraufhin den von ihm erschaffenen Begriff der „différance“ genauer zu erläutern Im Anschluss soll die Kritik Derridas an de Saussures Ausführungen von besonderer Bedeutung sein, aber auch die Parallelen zwischen den Ansichten de Saussures und Derridas sollen aufgezeigt werden. Zum Abschluss möchte ich mich der Frage widmen, was Bedeutung bei Derrida eigentlich darstellt bzw. ob es sie überhaupt geben kann. Ich möchte gern auf die Relevanz der Betrachtungsweise Derridas für den Unterricht und die Konstruktion von Bedeutung eingehen .Hierbei soll die Frage geklärt werden, ob und inwieweit sich Derridas Auffassung im Unterricht umsetzen lässt. Meine Schlussbemerkungen beziehen sich auf die Arbeit mit den Texten Derridas, auf die Problematiken, aber auch positiven Einsichten, die sich daraus gewinnen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER STRUKTURALISMUS
3 WER WAR DE SAUSSURE? EINE KURZBIOGRAPHIE
4 DIE NATUR DES SPRACHLICHEN ZEICHENS BEI DE SAUSSURE
4.2 DER SPRACHLICHE WERT
5 SPRACHE UND SCHRIFT
6 DER DEKONSTRUKTIVISMUS/ DIE DEKONSTRUKTION
7 WER WAR JACQUES DERRIDA?
8. DIE NATUR DES SPRACHLICHEN ZEICHENS BEI DERRIDA
8.1 DIE METAPHYSIK DER PRÄSENZ
10 BEDEUTUNG BEI DERRIDA
11 DERRIDA IN DER SCHULE? MÖGLICHKEIT ODER UNMÖGLICHKEIT?
12 SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Konzepte von sprachlichen Zeichen und der Entstehung von Bedeutung bei Ferdinand de Saussure und Jacques Derrida, um deren jeweilige theoretische Ansätze kritisch gegenüberzustellen und ihre Relevanz für den schulischen Unterricht zu hinterfragen.
- Strukturalistische Zeichenmodelle nach de Saussure
- Kritik an der Metaphysik der Präsenz durch Derrida
- Konzept der Différance als systematisches Spiel der Differenzen
- Vergleich zwischen strukturalistischer und dekonstruktivistischer Sprachauffassung
- Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung dekonstruktivistischer Ansätze in der Schulpraxis
Auszug aus dem Buch
8. Die Natur des sprachlichen Zeichens bei Derrida
Laut der damaligen Auffassung in der Sprachwissenschaft, gibt es immer etwas Bezeichnendes und dazu die Vorstellung, was bezeichnet wird, also das Signifiant und das Signifié. Ein Zeichen verweist immer auf eine Sache in der Welt. Seine Bedeutung erhält es durch den Bezug auf eine Sache der außersprachlichen Realität.
Hier setzt Derrida an und stellt eine für damalige Zeiten ungeheuerliche These auf, nämlich, dass es gar keine festgeschriebenen Bedeutungen gibt, da es keine Zeichen gibt, die auf exakt eine Sache in der Welt verweisen. Ein Zeichen erhält seinen Sinn durch Abgrenzung gegenüber anderen Zeichen. „ Ein Zeichen verdankt seinen Sinn nicht positiv der Referenz auf einen außersprachlichen Gegenstand, sondern negativ der Abgrenzung gegen andere Zeichen“, ( Derrida, Jacques: Grammatologie, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1974, S. 274). Damit nimmt es dem Zeichen jeglichen Sinn, d.h. den Sinn etwas Bestimmtes zu bezeichnen, den Referenten in der außersprachlichen Realität. Dies hat de Saussure, wie wir bereits wissen, auch schon erkannt. Wir wollen später noch mal darauf eingehen. Derrida ersetzt die konkrete Verweisung eines Zeichens auf eine Sache durch ein System von Verweisungen. Alle Zeichen verweisen wechselseitig aufeinander. Dadurch, dass Derrida den außersprachlichen Bezug völlig aus seinen Überlegungen herauslässt, setzt er voraus, das sich das System der Verweisungen nur in diesem System bewegt, d.h. die außersprachliche Realität völlig ausgelöscht ist. Genau das ist auch seine Behauptung, denn er sagt: „ Ein Textäußeres gibt es nicht“, ( ebd., S.274).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Zeichenbeschaffenheit bei de Saussure und Derrida sowie die Darlegung der Zielsetzung der Arbeit.
2 DER STRUKTURALISMUS: Erläuterung des Strukturalismus als methodische Vorgehensweise und dessen Abkehr von der diachronischen Sprachbetrachtung.
3 WER WAR DE SAUSSURE? EINE KURZBIOGRAPHIE: Kurzer Abriss über das Leben und die akademische Laufbahn von Ferdinand de Saussure.
4 DIE NATUR DES SPRACHLICHEN ZEICHENS BEI DE SAUSSURE: Darstellung des Zeichenmodells als Verbindung von Vorstellung und Lautbild sowie die Einführung der Prinzipien Beliebigkeit und Linearität.
4.2 DER SPRACHLICHE WERT: Analyse des sprachlichen Wertes, durch den Bedeutung erst innerhalb eines Systems von Differenzen entsteht.
5 SPRACHE UND SCHRIFT: Diskussion von de Saussures Sichtweise, dass die Schrift lediglich ein sekundäres Mittel zur Repräsentation der Sprache sei.
6 DER DEKONSTRUKTIVISMUS/ DIE DEKONSTRUKTION: Definition der Dekonstruktion als philosophische Strategie zum Aufbrechen bestehender Begriffs- und Machtstrukturen.
7 WER WAR JACQUES DERRIDA?: Kurzer Abriss über das Leben und den philosophischen Werdegang von Jacques Derrida.
8. DIE NATUR DES SPRACHLICHEN ZEICHENS BEI DERRIDA: Derridas Abkehr vom Referenzmodell hin zur Verweisungsstruktur innerhalb des Sprachsystems.
8.1 DIE METAPHYSIK DER PRÄSENZ: Kritik an der Annahme eines festen Zentrums oder Ursprungs als Basis für sprachliche und philosophische Theorien.
10 BEDEUTUNG BEI DERRIDA: Erörterung der Konsequenz, dass Bedeutung in einem unendlichen Verweisungssystem nie als finales Element fixiert werden kann.
11 DERRIDA IN DER SCHULE? MÖGLICHKEIT ODER UNMÖGLICHKEIT?: Reflexion darüber, wie Derridas dekonstruktive Ansätze als Anreiz für einen Bedeutungspluralismus im Unterricht dienen können.
12 SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließende Einschätzung zur Komplexität der dekonstruktiven Arbeit und den Erkenntnissen aus der Auseinandersetzung mit Derrida.
Schlüsselwörter
Strukturalismus, Dekonstruktion, Ferdinand de Saussure, Jacques Derrida, Sprachliches Zeichen, Bedeutung, Signifiant, Signifié, Différance, Metaphysik der Präsenz, Sprachsystem, Differenzen, Textäußeres, Zeichenwert, Unterrichtspluralismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Theorien von Ferdinand de Saussure und Jacques Derrida hinsichtlich ihrer Auffassung von sprachlichen Zeichen und der Art und Weise, wie Bedeutung in Sprache konstruiert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die strukturalistische Sprachwissenschaft, die Philosophie der Dekonstruktion, die Natur des sprachlichen Zeichens und die Frage nach der Umsetzbarkeit dieser Theorien in pädagogischen Kontexten ab.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Gegensätze und Parallelen zwischen der strukturalistischen Sicht auf das Zeichen und Derridas dekonstruktiver Kritik an der Metaphysik der Präsenz herauszuarbeiten sowie den praktischen Mehrwert für den Unterricht zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse und Gegenüberstellung von Primärtexten und interpretativer Sekundärliteratur zu de Saussure und Derrida.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des strukturalistischen Zeichenbegriffs, die Einführung in Derridas Dekonstruktionsstrategie und die anschließende kritische Analyse von Derrida an der strukturalistischen Theorie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind das Zeichen (Signifikant/Signifikat), Différance, Metaphysik der Präsenz, Strukturalismus und Dekonstruktion.
Wie definiert Derrida den Begriff der Différance?
Die Différance ist eine Wortschöpfung, die sowohl das "Verschiedensein" als auch das "Aufschieben" von Bedeutung ausdrückt, um das kontinuierliche Spiel von Verweisungen ohne festen Ursprung zu beschreiben.
Warum hält der Autor die praktische Anwendung Derridas im Unterricht für nur bedingt möglich?
Der Autor argumentiert, dass eine vollständige dekonstruktive Praxis die Interpretation von Texten als sinnvoll unmöglich machen würde, plädiert jedoch stattdessen für die Förderung eines "Bedeutungspluralismus" im Klassenzimmer.
Welche Kritik übt Derrida konkret an de Saussure?
Derrida kritisiert unter anderem, dass de Saussure durch seine Zeichenlehre ungewollt das Konzept eines "transzendentalen Signifikats" aufrechterhält und die Schrift gegenüber dem gesprochenen Wort benachteiligt.
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- Christina Guggi (Author), 2007, Die Natur des sprachlichen Zeichens bei Ferdinand de Sausurre und Jacques Derrida, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149149